Eigentlich ist es ein traditioneller Bestandteil von Games Workshop-Systemen. Nur bei Legions Imperialis suchte man bisher vergebens danach: Ein Kampagnensystem, mit dem sich nicht einfach nur Schlachten schlagen, sondern auch Geschichten erzählen lassen. Mit The Great Slaughter liefert Games Workshop nun nach – und das vor einer epischen Hintergrundgeschichte.
Auch wenn es zunächst nicht den Anschein macht, mit The Great Slaughter ist ein prall gefülltes Paket auf den Markt gekommen, was Spiele von Legions Imperialis auf viele Arten bereichert. Es wartet mit einer packenden Hintergrundgeschichte auf, die man schwer aus der Hand legen mag. Unterschiedliche Kampagnenmodi, neue Mechanismen und auf die Geschichte zugeschnittene narrative Spielweisen machen das Buch rund. Auch eine Spielart für reine Titanenarmeen ist enthalten. In dem Band verstecken sich zudem leider auch exklusive Spielwerte einiger neuer Einheiten, was den Band zu einem Pflichtkauf machen kann, auch wenn man am narrativen Spiel kein vertieftes Interesse hat.
Krieg, Gemetzel, Massensterben.
Die Leichenfelder des Beta Garmon Sektor – die Hintergrundgeschichte
Der Band fokussiert sich auf die Geschehnisse im Beta Garmon Sektor gegen Ende der Horus-Häresie, in der Hochphase des großen Bruderkriegs zwischen den dem Imperator treuen Astartes und den Horus folgenden Verrätern. Würde man die Toten und Gefallenen in der beschriebenen Hintergrundgeschichte als Modelle auf den Tisch bringen wollen, wäre man einen guten Teil seiner besten Jahre mit dem Bemalen kleiner Plastiksoldat*innen beschäftigt.
Das Tor nach Terra
Der Bruderkrieg der Horus-Häresie ist in vollem Gange. Kriegsherr Horus und seine verräterischen Brüder werfen ihren Blick auf Terra, um dem Imperator und seinen loyalen Söhnen den Todesstoß zu versetzen. Auf Terra andererseits ist der Primarch Rogal Dorn emsig dabei, Truppen zusammenzuziehen und die Verteidigung zu stärken. Zunehmend wichtiger für beide Parteien wird der Beta-Garmon-Sektor. Dieser Planetencluster ist das Tor nach Terra und von immenser Bedeutung; will man eine große Flotte schnell zur Grundfeste der Menschheit bringen.
Horus Befehl ist daher eindeutig: Beta Garmon muss mit aller Gewalt eingenommen werden. Dies ist auch Rogal Dorn bewusst, der einerseits weitere Truppen durch den Sektor bewegen muss, um Terra weiter zu stärken, andererseits die verräterischen Legionen dort lange genug aufhalten will, um sich Zeit zu erkaufen. Beide Seiten werfen Hunderttausende in den großen Krieg um das Beta Garmon-System, der später als The Great Slaughter – das große Schlachten – bekannt wird.
Die Geschichte konzentriert sich dabei vor allem auf eine gigantische Schlacht um die Makropole Nyrcon, bei der sich Astartes, Solar Auxilia und Titanenlegionen beider Fraktionen gegenüberstehen. Und auch wenn die Stadt Nyrcon am Ende fällt, zahlen alle Seiten einen so immensen Blutzoll dafür, dass die Überlebenden durch Leichen waten, welche die Straßen der Stadt füllen.
Auch wenn es sich bei der Hintergrundgeschichte vor allem um eine Abfolge von Schlachten handelt – eine tödlicher als die andere – ist sie so packend beschrieben, dass man nicht aufhören mag zu lesen. Mut, Verzweiflung und die immer präsente Frage, ob die Unterscheidung in „Gut“ und „Böse“ bei all dem Gemetzel am Ende überhaupt noch Sinn ergibt, packen einen. Am Ende entspinnt sich ein Epos, das gerade erst begonnen hat. Man darf sich also auf eine Fortsetzung freuen.
Wenn Schlachten zu Geschichten werden – Kampagnen in Legions Imperialis
Die grundlegenden Prinzipien sind recht einfach gehalten. Die Spielenden teilen sich auf die zwei Fraktionen der Horus Häresie auf. In mehreren Runden bestreiten Spieler*innen einzelne Gefechte gegen die andere Seite und erlangen dadurch Kampagnenpunkte, die für den Fortschritt der Fraktion wichtig sind und Requisition Points, mit denen man seine eigene Armee verstärken kann.
Die genaue Ausgestaltung teilt sich dann auf zwei unterschiedliche Kampagnensysteme und optionale Regeln auf.
Warfront Campaign
Das Prinzip dieses Systems ist einfach gehalten. Es wird in sechs Runden gespielt. Aus den beiden Fraktionen werden jede Runde Spielpaarungen gebildet und 3000 Punkte-Schlachten aus dem Grundbuch von Legions Imperialis ausgefochten. Je nach Spielergebnis gewinnen die Fraktionen Kampagnenpunkte und Requisition Points. Mit den Requisition Points lassen sich enthaltene Formationen noch optionale Detachments für eine Schlacht hinzukaufen. Am Ende gewinnt die Seite mit den meisten Kampagnenpunkten.
Das System ist sehr schlank, lässt aber natürlich viel Raum für Fantasie. Oder es ermöglicht einfach eine Verknüpfung unterschiedlicher Schlachten, ohne dass man sich groß einen Kopf um Metaplot, taktische Bewegungen und Diplomatie machen muss.
Conquest Campaigns
Die Conquest Campaigns haben erzählerisch, aber auch taktisch, wesentlich mehr Substanz. Auf einer zuvor festgelegten Kampagnenkarte werden einzelne Gebiete wie Munitionsdepots, Raumhäfen oder Forschungseinrichtungen festgelegt. Die einzelnen Gebiete können dann rundenweise von den Fraktionen erobert bzw. geschützt werden, sodass sich eine echte Geschichte eines großen Krieges entspinnt. In Anlehnung an die Hintergrundgeschichte wird eine Karte der Stadt Nyrcon beigelegt, deren Verteidigung, beziehungsweise Eroberung, die beiden Fraktionen nachspielen können.
Die einzelnen Gebiete geben sowohl Kampagnenpunkte und Requisition Points als auch bestimmte Sondereigenschaften bei Schlachten um diese Gebiete oder zusätzliche Ressourcen. Zudem hält der Band einige spezielle Missionen bereit, die bei einem Angriff auf bestimmte Gebiete gespielt werden. Die Requisition Points können, je nach verwendeter Regel, entweder wie in der Warfront Campaign eingesetzt werden oder man baut sich Stück für Stück einen Pool an eigenen Einheiten auf, aus dem man dann für jede Schlacht seine Armee erstellen darf. Mit einer bestimmten Anzahl an Kampagnenpunkten oder besetzten Gebieten endet die Kampagne schließlich.
Die Kampagnen lassen sich durch erweiterte Regeln noch modifizieren. Beispielsweise kann man Schlachten um ganze Planetensysteme ausfechten, statt um eine einzelne Stadt zu kämpfen. Hier können andere Planeten nur erreicht werden, wenn man einen Raumhafen im Besitz hat. Durch die Verwendung von Positionsmarkern der eigenen Armee(n) auf der Kampagnenkarte, entsteht ein Metaspiel, da die Positionierung eigener Truppen als weitere Komponente hinzukommt.
Titandeath – Schlacht der Titanen
Im Regelteil Titandeath sind Titanen nicht mehr nur Verstärkungstruppen, sondern Hauptdarsteller der Schlacht. Um einen ausgewogenen Spielablauf zu gewährleisten, werden einige Grundregeln etwas abgeändert, beispielsweise, dass Engine Killer-Waffen zusätzliche Punkte kosten oder dass Void Shields nicht so schnell reduziert werden können.
Zudem enthält der Teil drei neue Missionen und sechs sekundäre Missionsziele, die auf das Spiel mit einer reinen Titanenarmee angepasst sind. Die Missionen sind zwar nicht sonderlich innovativ, aber das schmälert keinesfalls die Freude, endlich reine Armeen von Kampfkolossen aufeinander loslassen zu können.
In Reih und Glied – Neue Formationen und Detachments
In vielen anderen Spielsystemen hatte sich Games Workshop abgewöhnt, Spielwerte in Büchern zu verstecken. Für Legions Imperialis gilt das leider nicht.
Dabei sind die neuen Einheiten nicht nur spaßig, sondern auch mächtig. Mit dem Drop Pod Detachment lassen sich Infanterie oder Dreadnoughts der Astartes Legionen zielgenau hinter die feindlichen Linien bringen. Jetbikes, Outrider und Landspeeder bringen hochmobile Einheiten auf das Schlachtfeld. Mit dem Malcador Infernus und dem Stormhammer bekommen die Solar Auxilia weitere schwere Geschütze an die Seite gestellt. Ohne The Great Slaughter oder zumindest das zugehörige Armeekartenset gibt es enttäuschenderweise keine legale Methode, an die Spielwerte zu kommen, was einigen recht sauer aufstoßen dürfte.
Die harten Fakten:
- Verlag: Games Workshop
- Erscheinungsjahr: 2024
- Sprache: Englisch
- Spieler*innen-Anzahl: 2+
- Alter: ab 12
- Preis: Buch EUR 41,00; Armeekarten EUR 15,75 [UVP]
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, idealo, KuTaMi
Bonus/Downloadcontent
Eine Karte für die Kampagne rund um Nyrcon City lässt sich auf der Warhammer Community Seite herunterladen
Fazit
Eine packende Hintergrundgeschichte, variantenreiche Kampagnensysteme und neue Spielarten: The Great Slaughter bietet ein gelungenes Rundumpaket, welches gut zusammenpasst und viele unterhaltsame Spielstunden verspricht.
Dass die Spielkarten oder sogar das Buch nur für Spielwerte ein Muss sind, mag für etwas Unmut sorgen, schmälert aber insgesamt nichts an dem gut geschnürten Paket, mit dem Legions Imperialis sich auf den Weg ins narrative Spiel begibt.

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Spannende Hintergrundgeschichte
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Facettenreiches Kampagnensystem
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Schön gestalteter Band
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Spielwerte exklusiv nur in dem Band erhältlich
Artikelbilder: © Games Workshop Ltd.
Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat: Lidia Strauch
Fotografien: Geoffrey Förste
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.
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