Vor den Toren der Stadt Tiefwasser wütet ein roter Drache. Obwohl tapfere Held*innen über Portale zu Hilfe eilen, schaffen es nicht alle Bürger*innen, sich an einen sicheren Ort zu retten. D&D-Spieler*innen werden sich bei diesem Szenario an abenteuerliche Pen-and-Paper-Abende erinnert fühlen – zumindest will Horrified: Dungeons & Dragons dieses Gefühl hervorrufen.
In dem kooperativen Pick-up-and-deliver-Spiel Horrified sind wir die Guten und müssen das Böse besiegen. Inzwischen gibt es verschiedene Varianten: World of Monsters, American Monsters und Greek Monsters, die alle miteinander kombinierbar sind – so auch der neuste Ableger Horrified: Dungeons & Dragons. In diesem kämpfen wir gegen ikonische Monster, inspiriert vom D&D-Rollenspiel.
Fantasygewalt
Spielablauf
Das Ziel von Horrified: alle Monster – mindestens zwei – zu besiegen, bevor sie ihren Schrecken über die Stadt gebracht haben oder die Zeit abgelaufen ist, sprich: der Monsterstapel aufgebraucht ist. Um die Monster niederzustrecken, müssen sie zuerst geschwächt werden, damit ihnen anschließend der Gnadenstoß verpasst werden kann. Jedes Monster zeichnet sich durch einen anderen Kampfmechanismus aus. Die Komplexität der Monstermechanismen ist bei allen vieren hoch. Es ist aber alles gut beschrieben, sodass auch Gelegenheitsspielende gut ins Spiel finden sollten.
Ein Zug setzt sich aus Held*innen– und Monsterphase zusammen. In der Held*innen-Phase führt die Person am Zug eine bestimmte Anzahl an beliebigen Aktionen aus, die auf ihrer Held*innen-Tafel steht.
Eine der meistgenutzten Aktionen ist, die eigene Figur von Ort zu Ort zu bewegen – so kommt man entweder zu einem benachbarten Ort oder springt von Portal zu Portal. Wer sich bewegt, darf auch Bürger*innen-Figuren auf demselben Ort zu benachbarten mitnehmen, um diese zu ihrem Zielort zu führen.
Eine andere Möglichkeit, Bürger*innen zu bewegen, bietet das Leiten. Dabei werden nur die Bürger*innen vom Ort oder zum Ort der eigenen Figur gesetzt. Egal, ob durch das Bewegen oder Leiten: Sobald ein*e Bürger*in ihren Zielort erreicht, erhält die Person am Zug eine Vorteilskarte. Diese kann jederzeit – auch im Zug von Mitspielenden – eingesetzt werden und hat hilfreiche Effekte, wie beispielsweise zwei zusätzliche Aktionen ausführen zu dürfen.
Neben den Vorteilskarten sind Gegenstände essenziell, um sich für den Kampf gegen die Monster zu rüsten. Diese erhalten die Spielenden über die Aktion Aufnehmen. So dürfen sie beliebig viele Gegenstände am aktuellen Ort einsammeln. In der Regel nimmt die Person alle Gegenstände, die sie kriegen kann. Ein Limit, wie viele Gegenstände ein Charakter tragen kann, gibt es nicht. Einen Gegenstand liegenzulassen, ist ineffektiv, da die Gegenstände zum Schwächen und zum Besiegen der Monster gebraucht werden, oder um sich bei einem Angriff zu verteidigen. Wie die jeweiligen Monster zu schwächen und zu besiegen sind, steht auf den jeweiligen Monstertafeln.
Braucht ein*e Mitspieler*in einen bestimmten Gegenstand, den eine andere Person trägt, können Held*innen am selben Ort eine Aktion aufwenden, um Gegenstände zu tauschen.
Wer das eigene Glück herausfordern möchte, kann auf die Spezialaktion zurückgreifen. Dafür wird der W20 geworfen. Der Effekt ist in der Tabelle auf den Held*innen-Tableaus abzulesen. Wer einen kritischen Erfolg, also eine 20, würfelt, bekommt sogar noch eine Vorteilskarte dazu. Man kann fast nur gewinnen. Selbst bei einer 1 bleibt der Effekt einfach aus und hat keine weiteren negativen Konsequenzen. Je nach Held*in unterscheiden sich die Spezialeffekte thematisch: Der Schurke kann unter anderem abgeworfene Gegenstände sammeln; der Magier teleportiert Held*innen oder Gegner an verschiedene Orte – das kann allerdings auch nervig sein, wenn die Figur nicht an den Zielort soll.

Die letzte mögliche Aktion ist: ein Versteck enthüllen. Insgesamt befinden sich vier Versteckplättchen an jeweils einem Ort auf dem Spielplan. Hier sind die Regeln etwas fragwürdig: Obwohl sich nur der rote Drache versteckt, sind die Versteckplättchen auch im Spiel, wenn andere Monster die Gegner sind. Dabei sind die Plättchen in diesem Fall völlig überflüssig und das Enthüllen eines Verstecks wäre eine verschwendete Aktion.
Nachdem die aktive Person ihre Aktionen in der Held*innen-Phase abgeschlossen hat, folgt die Monsterphase. Nun wird eine Karte vom Monsterstapel gezogen und abgehandelt. Oben rechts steht die Anzahl an Gegenständen, die gezogen und auf ihren jeweiligen Ort gelegt werden. Dies ist besonders am Anfang eine zeitraubende Angelegenheit, da man den passenden Ort auf der Karte erst suchen muss.
Anschließend folgt der Effekt der Karte. Dieser kann beispielsweise einen zusätzlichen Monsterangriff bedeuten oder ein*e Bürger*in betritt das Spielfeld.
Zu guter Letzt wird der Monsterangriff ausgeführt. Die Symbole zeigen, welche Monster sich bewegen und angreifen.

Befindet sich ein Monster nach der Bewegung an einem Ort mit einer Held*innen- oder Bürger*innen-Figur, greift es an. Bei einem Angriff wird die angegebene Anzahl W6 geworfen. Ein Treffer-Symbol können Held*innen durch das Abwerfen eines Gegenstands abwehren; Bürger*innen sind sofort besiegt – was den Schreckensmarker voranschreiten lässt. Ein Macht-Symbol löst die individuelle Macht-Fähigkeit des Monsters aus.
Und so führen die Spielenden reihum ihre Züge aus. Die Held*innen-Phase ist oft schnell abgehandelt, da keine tiefgründigen, strategischen Entscheidungen gefordert sind – für ein Familienspiel ideal, Vielspielende könnten sich jedoch unterfordert fühlen. Die Monster-Phase ist etwas umfangreicher. In unseren Testpartien haben wir das Abhandeln der Monsterkarte aufgeteilt: Eine Person zieht die Gegenstände und legt sie auf ihre Orte, die andere, aktive Person handelt die Effekte und den Monsterangriff ab.
Zudem erschien uns die Herausforderung – selbst als der rote Drache als Gegner gewählt wurde – zu leicht. Der Schreckensmarker ist nicht mal annähernd an die bedrohliche Marke von sechs herangerückt. Auch im Solospiel, bei dem man auf dem Schreckensfeld drei startet, konnten zwei Monster problemlos besiegt werden. Wer sich etwas mehr Spannung wünscht, sollte also drei oder sogar alle vier Monster wählen.
Daraus resultiert auch, dass die Variabilität und der Wiederspielreiz begrenzt sind. Trotz des gewissen Glücksanteils durch zufällige Karten und Würfelwürfe lässt sich die Herausforderung mit vier Monstern nur wenig variieren. Daher ist Horrified: Dungeons & Dragons vor allem für Leute empfehlenswert, die bereits eine andere Horrified-Version besitzen, da die Spiele miteinander kombinierbar sind, was den Wiederspielreiz steigert.

Ausstattung
Das Cover, die Illustrationen auf den Karten und die Gestaltung der Spielanleitung greifen einen charmant nostalgischen D&D-Stil auf, der die Atmosphäre des Rollenspiels gut transportiert. Die Materialqualität wirkt insgesamt solide. Besonders hervorzuheben sind die detailreichen Monsterfiguren, die optisch ansprechbar sind und sich zum Bemalen anbieten. Die Spielanleitung ist zwar recht textlastig, fügt sich aber stimmig in das klassische Rollenspiel-Flair ein.
Etwas irritiert haben mich die Held*innen-Tableaus: Sie sind unterschiedlich geformt – was optisch nett ist. Im Papp-Inlay übereinandergelegt, fällt jedoch auf, dass sie in der Breite variieren, was wie ein Produktionsfehler wirkt.
Positiv fällt jedoch auf, dass sowohl männliche als auch weibliche Held*innen vertreten sind, was dem Spiel eine angenehme Diversität verleiht.
Gelungen finde ich auch die farbliche Kennzeichnung von Gegenständen und Monstern: Jede Farbe besitzt zusätzlich ein eigenes Symbol, wodurch auch farbfehlsichtige Menschen problemlos zurechtkommen sollten. Der Gegenstandsfarbsymbolcode: Das rote Sechseck steht für Waffen; der blaue Kreis für arkane Gegenstände; das gelbe Quadrat für gewöhnliche Gegenstände.
Die harten Fakten:
- Verlag: Ravensburger
- Autor*in(nen): Peter Lee
- Illustrator*in(nen): Nathan Anderson (I), James Bousema, Sam Dawson, Johanna Rupprecht
- Erscheinungsjahr: 2025
- Sprache: Deutsch
- Spieldauer: 60 Minuten
- Spieler*innen-Anzahl: 1 bis 5 Personen (am besten allein oder zu zweit)
- Alter: ab 10 Jahren
- Preis: 45 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon
Bonus/Downloadcontent
Die deutsche Spielanleitung gibt es zum Download auf der Ravensburger-Webseite.
Fazit
Horrified: Dungeons & Dragons präsentiert sich als zugänglicher Einstieg in kooperative Abenteuer und transportiert vertraute D&D-Atmosphäre. Die Ausstattung überzeugt mit stimmungsvollen Illustrationen und wertigen Miniaturen, die das Spiel optisch aufwerten.
Spielerisch bleibt es jedoch simpel: Die Züge sind schnell abgehandelt, strategische Tiefe entsteht selten. Selbst der rote Drache, als vermeintlich schwierigster Gegner, fordert erfahrene Spielgruppen kaum heraus. Dies schmälert den Wiederspielreiz, da auch die Abwechslung begrenzt ist.
Positiv hervorzuheben sind die barrierearme Symbolik und die divers gestalteten Held*innen, während Details wie ungleichförmige Tableaus oder der fragwürdige Einsatz der Versteckplättchen irritieren.
Im Zusammenspiel ergibt sich ein solides Familienabenteuer, das vor allem durch Atmosphäre und Zugänglichkeit punktet, um möglicherweise die eigenen Kinder mit der D&D-Welt vertraut zu machen. Wer bereits andere Horrified-Versionen besitzt, profitiert von der Kombinierbarkeit und holt mehr Abwechslung heraus.
Für Familien und D&D‑Fans, die ein leichtes, kooperatives Abenteuer suchen, liefert das Spiel ein stimmiges Gesamtpaket, sofern keine langfristige Herausforderung erwartet wird. Wir vergeben daher 3 von 5 Drachenkugeln.

- Vier, detailreiche Monsterminiaturen
- Kombinierbar mit allen Horrified-Versionen
- Atmosphärische D&D-Umsetzung
- Wenig Spieltiefe
- Einzeln fehlt die Variabilität
- Verstecke teilweise überflüssig
Artikelbilder: © Ravensburger, Header: © Wizards of the Coast
Layout und Satz: Dominic Niederhoff
Lektorat: Laura Pascharat
Fotografien: Michelle Saarberg
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.
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