Batman ist der düster-grimmige High-Tech-Superheld – oder? Panini zeigt drei ungewohnte Seiten des Mitternachtsritters: Die Abenteuer der Familie Wayne präsentiert Batman als Vater seiner gefundenen Familie, in City of Madness trifft er auf Cthulhu-Horror und in First Knight kehrt Bat-Man als Noir-Rächer der 30er zurück. Alle anders, doch alle Batman?
Batman ist der vielleicht ikonischste einzelne Superheld – oder kann sich jedenfalls mit Superman um den Platz streiten. Zu dem Ikonischen gehört auch eine klare Beschreibung: ein einsamer, düster-grimmiger Superheld, ernst, humorlos und von seinem Kampf gegen das Verbrechen besessen. Wie ein Ninja lauert er in den Schatten auf deformierte, wahnsinnige Feind*innen wie den Joker oder setzt seine Hightech-Gadgets ein, um seine Stadt zu sichern.
Das ist die bekannte Beschreibung und sicherlich nicht falsch, aber es ist auch nicht alles. Batman hat viele Seiten: Er ist nicht nur einsam und von der Mission besessen, sondern hat über die Jahre eine ganze „Bat-Family“ an Freund*innen und Verbündeten Er bekämpft nicht nur farbenfrohe Superschurk*innen, sondern alles, was Leute bedroht, seien es normale Gangster, Superwesen oder übernatürliche Horror-Wesen. Und auch ohne High-Tech-Gadgets, allwissenden Batcomputer oder selbst dem Batmobil zögert Batman nicht, dem Bösen den Kampf anzusagen. Das alles zeigt sich in den folgenden drei Bänden: Wayne Family 2, City of Madness und First Knight 1.
Wayne Family 2: Trauma-Flashback / City of Madness: Polizeigewalt, Machtmissbrauch, Wahnsinn, Gewalt gegen Kinder, Mord / First Knight: Gewalt, Sexueller Missbrauch, Mord, Rassismus
Inhaltsverzeichnis
Batman – Die Abenteuer der Familie Wayne 2
Batman – Die Abenteuer der Familie Wayne wirft einen Blick auf Batman, der für viele Fans sehr ungewohnt kommen könnte: Was macht Batman eigentlich, wenn er nicht auf Patrouille ist, die Stadt rettet oder in der Öffentlichkeit den Playboy Bruce Wayne gibt? Die Antwort: Er verbringt Zeit mit seiner Familie.
Über die Jahre hat Batman, obwohl er sich gern als einsamen Wolf gibt, tatsächlich eine ganze „Bat-Family“ angesammelt – typisch für Superheld*innen im DC-Verlag. Robin, wie in Batman & Robin, dürfte den meisten ein Begriff sein. Aber Batman hat weit mehr als nur einen Robin gehabt: Der erste wurde zum fröhlichen Superhelden Nightwing, der zweite zum grantigen Anti-Helden Red Hood, der dritte zum genialen Red Robin und der aktuelle Robin ist Batmans zynischer leiblicher Sohn Damian. Zu den vier Robins kommen noch drei Batgirls (die jetzige Hackerin Oracle, die stille Orphan und die freche Spoiler) und Signal, das neuste Mitglied der Familie. Über die Zeit ist Batman für sie alle zum guten Freund oder Vater geworden. Und so wohnen sie zusammen in der riesigen Wayne Manor oder können jederzeit dort vorbeikommen – Butler Alfred zog nicht nur Batman auf, sondern kümmert sich auch noch um die ganze Familie.

Es gibt durchaus Geschichten, in denen die Bat-Family klassische Superheld*innen-Abenteuer bestreitet. Die Abenteuer der Familie Wayne zeigt aber, was dazwischen passiert: das ganz normale Alltagschaos. Die Geschichten sind dabei alle niedlich und meist witzig oder herzerwärmend und damit für alle Altersstufen geeignet.
Sei es, dass Spoiler herausfinden will, wer von den anderen ihr Sandwich gemopst hat, Signal seine erste Fahrstunde mit dem Batmobil bestehen will, Red Robin sich Sorgen um seinen Freund macht oder Batman mal ohne Alfred auskommen muss: Die Abenteuer der Familie Wayne bietet nette, kurze Alltagsgeschichten, die immer gut ausgehen. Damit ist es ein typisches „Slice of Life“-Comic. Der Begriff kommt ursprünglich aus der japanischen Manga-Szene und beschreibt gemütliche, schöne Alltagsszenen. Perfekt, um aus dem sonstigen Stress auszuklinken und zu entspannen. Nicht umsonst wird das Genre immer beliebter.
Die Figuren sind manchmal etwas steif gezeichnet und Hintergründe werden auch mal weggelassen – typisch für die ostasiatischen Online-Comics von Webtoon, bei denen Die Abenteuer der Familie Wayne im Original erschien. Zu den Geschichten passt der Zeichenstil sehr gut, auch die manchmal witzig-stilisierten Einlagen.

Batman – Die Abenteuer der Familie Wayne ist ein nettes Slice-of-Life-Comic, das auf gemütliche und witzige Art das Alltagsleben von Batman und seiner angesammelten Familie im Privaten, ohne Masken und Kostüm, zeigt. Fans der besonders düsteren Batman-Geschichten wird das wahrscheinlich wenig ansprechen.
Wem Stichwörter wie cozy, wholesome, gemütlich oder Hopepunk zusagen, der findet hier vielleicht auch einen ganz neuen Zugang zu Batman-Comics.
Und wer, wenn nicht die Bat-Family, verdient wirklich mal eine Ruhepause vom ewigen Stress?
- Verlag: Panini Comics
- Autor*in(nen): CRC Payne
- Zeichner*in(nen): Maria Li,. StarBite
- Seitenanzahl: 208
- Preis: 19 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, Panini
Batman – City of Madness
Achtung, wer nach Die Abenteuer der Familie Wayne weiterliest: Ab hier ist die wohlverdiente Ruhepause vorbei und es wird wieder düster für Batman.
City of Madness geht dabei noch einen Schritt weiter als Batmans übliche Superthriller– diesmal trifft er auf den kosmischen Horror, wie man ihn von Lovecraft kennt, und auf den Wahnsinn einer Welt à la Cthulhu.
Eines Tages kommt es in Gotham zu einer Katastrophe: Ein Stück der Stadt bricht einfach ein, 800 Leute sterben und verrückte Superschurken wie Two-Face und Arnold Wesker drehen auf Arten durch, die selbst für sie abnormal sind. Two-Face stellt sich selbst und verrät Batman, dass er eine dritte Stimme in seinem Kopf hört – doch die kommt nicht aus ihm, sondern von unterhalb der Stadt. Batman forscht nach und stößt auf den Rat der Eulen, eine Geheimgesellschaft der Oberschicht, die Gotham seit Jahrhunderten manipuliert. Sie haben den Zugang in die Unterwelt bewacht, in das „Gotham Below“. Ein Zerrbild des echten Gotham, bevölkert von albtraumartigen Versionen der Bewohner*innen des „Gotham above“, erschaffen durch die Träume einer kosmischen Monstrosität, die seit Jahrtausenden in der Erde eingeschlossen ist. Dazu gehörte natürlich auch ein monströser Batman Below, der in die Oberstadt entflohen ist. Batman steht vor einer seiner größten Herausforderungen: Wie kann er den Batman Below stoppen und das Böse, das unter Gotham lauert, besiegen? Und wer versucht, es aus seinem Schlaf zu wecken?

City of Madness erzählt eine spannende und unheimliche Horrorgeschichte. Batman muss sich ungewohnten Bedrohungen stellen, gegen die seine normalen Mittel wirkungslos sind. Der Einfluss von Lovecrafts Cthulhu-Geschichten ist hier eindeutig, aber auch Stephen Kings Es und mehr spielt hinein. Es gibt allerdings auch Elemente aus anderen Batman-Geschichten. Die Idee eines Dämons, der unter Gotham lauert, ein Fluch auf der Stadt, dunkle Zerrbilder – das alles wurde hier geschickt kombiniert und zu einer neuen Geschichte verwoben. Besonders einflussreich, wie Autor und Zeichner Christian Ward auch im Buch schreibt, ist dabei Grant Morrisons Batman – Arkham Asylum von 1989. In dieser prägenden Geschichte begibt sich Batman auf eine Reise durch die gleichnamige Irrenanstalt, die ihn gleichzeitig in die finstersten Winkel seines eigenen Geistes führt, mit seinen verrückten Feind*innen als monströsen Zerrspiegeln seiner selbst.
Für City of Madness bedeutet das, dass Christian Ward Lovecrafts kosmischen Horror mit psychologischem Horror verbindet. Diese zwei grundverschiedenen Ansätze (bei Lovecraft ist die Person nichts im Angesichts des Kosmos, im psychologischen Horror ist das seelische Innenleben der Person der Kosmos) werden von Ward durch effektive Nutzung von Symbolik gekonnt kombiniert.

Auch die hervorragenden Zeichnungen müssen gelobt werden. Das übergroße Prestigeformat des Bandes macht sich hier mehr als bezahlt. Große Panels über Doppelseiten funktionieren ebenso gut wie die Nutzung leerer Räume, um mit dem, was nicht passiert oder gezeigt wird, Stimmung zu erzeugen. Ward kombiniert dabei mehrere Zeichenstile. Besonders auffällig ist sein eigener, großflächig koloriert, mit unruhigen, absichtlich grob gehaltenen Linien, die die psychische Anspannung wiedergeben.
Dann wird es aber auch expressionistisch bis kritzelig, um das psychische Auseinanderbrechen von zum Beispiel Two-Face eindrücklich zu präsentieren. In anderen Szenen imitiert Ward wiederum den surrealen Stil von Altmeister Dave McKean, der neben Morrisons Arkham Asylum vor allem für die legendären Cover der Sandman-Comics berühmt ist. Als kleine Eastereggs für Fans versteckt Ward auch immer wieder Anspielungen auf berühmte Batman-Panels und Zeichner*innen, sei es Kelley Jones, dessen grotesk überspitzte Zeichnungen in den 90ern legendär waren, oder die Pose vom Titelbild des allerersten Batman-Comics von 1939.
In den ersten zwei Dritteln konstruiert Ward zwar meisterhaft eine Horror-Story, in der Schrecken jenseits des menschlichen Verstandes Batman in eine monströse, verzerrte Albtraumwelt ziehen – einen Ort, an dem ausgerechnet seine schlimmsten Erzfeinde wie Two-Face oder der Rat der Eulen zu seinen einzigen Verbündeten werden. Doch das letzte Drittel, zu dem nicht zu viel verraten werden soll, kann mit den vorherigen nicht mithalten.
Für die fantastischen Zeichnungen und den hervorragenden Aufbau lohnt sich City of Madness allemal. Nach dem tollen Aufbau, der gekonnt verschiedene Horrorgenres und obskure Batman-Kuriositäten absolut einsteigerfreundlich verbindet, lässt das Ende die Luft aus der ganzen Geschichte raus. So hoch, wie Ward davor gestapelt hat, ist das nachvollziehbar, beim Lesen aber leider nicht weniger enttäuschend.
- Verlag: Panini Comics
- Autor*in(nen): Christian Ward
- Zeichner*in(nen): Christian Ward
- Seitenanzahl: 176
- Preis: 35 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, Panini
Bat-Man – First Knight 1
Bat-Man – First Knight 1 zeigt eine Seite von Batman, die auch düster ist, aber auf eine ganz andere Art und Weise. Sie beruft sich auf den Ursprung der ersten Batman-Comics und zeigt den dunklen Rächer als düstere, pulpige Noir-Figur in den späten 30er-Jahren, ähnlich wie die Zeichentrickserie Batman: Caped Crusader auf Amazon Prime. First Knight geht aber weiter als der Cartoon, der selbst nicht gerade auf Kinder ausgerichtet ist.
Bat-Man – First Knight 1 zeigt Batman fast als Anti-Held in einem düsteren, dreckigen Gotham. Über Europa hängt die Bedrohung der Nazis, in den USA machen Sympathisant*innen die Straße unsicher, Verbrechen, Drogen, Rassismus, sexuelle Gewalt lauern an jeder Ecke. First Knight verschließt die Augen nicht vor den schrecklichen Schattenseiten des echten Lebens.
Batman ist hier noch nicht der moderne Superheld, der durch die Stadt patrouilliert. Als „Bat-Man“ ist er ein einsamer, maskierter Selbstjustizler, der sich hauptsächlich für Fälle einsetzt, die ihn interessieren. Das schlägt sich sogar im Namen nieder: Das übliche „Batman“ ist ein Eigenname, passend für einen allseits bekannten Helden. „Bat-Man“ ist dagegen bloß eine Beschreibung, der „Fledermaus-Mann“, über den nur hinter vorgehaltener Hand erzählte urbane Legenden bekannt sind. Das wird sich im Laufe dieser Reihe wahrscheinlich ändern, denn hier greift Bat-Man an hoher Stelle ein: Eine Reihe mächtiger Männer, von Gangsterboss bis Stadtrat, wird von seltsam entstellten Männern umgebracht und die Polizei ist machtlos.

Bat-Man scheint zwar die letzte Rettung zu sein, ist aber anders als sonst nicht mit High-Tech Gadgets ausgestattet – nicht einmal mit welchen, die in den 30ern als High-Tech gegolten hätten. Statt eines Batmobils fährt er einen roten Sportwagen, statt einer Bat-Höhle hat er ein Labor in einer Scheune neben dem Anwesen. Das im Übrigen im Inneren ziemlich heruntergekommen ist, denn Bat-Man hat keinen Butler Alfred. Das wird viele Leser*innen überraschen, ist aber alles absolut den Original-Comics getreu. Die Bat-Höhle ist einer Erfindung der Batman-Kinoserie von 1943 und Alfred gilt erst seit 1985 als Butler von Batmans Eltern und dessen Ziehvater. In den Comics wurde er von Bruce Wayne erst 1943 neu angestellt – drei Jahre nach Robin (1940).
Der Rückgriff auf diese extrem frühe Form von Batman erlaubt es dem Veteranenautor Dan Jurgens, eine vor allem extrem atmosphärische Noir-Geschichte zu erzählen. Die fantastischen Bilder von Mike Perkins fangen die Stimmung in sehr realistisch gemalten Bildern mit viel Schatten perfekt ein. Gotham City wirkt authentisch wie auf Bildern der schlechten Seiten von New York in den 30ern: heruntergekommen, dreckig, schmutzig, gefährlich. Der Bat-Man selbst fällt dafür teils negativ heraus: Das Kostüm ist eine realistische Version der simplen, stilisierten Zeichnung der ersten Comics. Dafür sieht es aber mit den lila Handschuhen und der seltsam dicken Haube auch manchmal etwas albern aus. Wer schon moderne Batman-Anzüge nicht mag, wird den Bat-Man wohl nicht abkönnen.

Abgesehen von der Atmosphäre kann die Handlung bis jetzt nur leidlich überzeugen. Altmeister Jurgens erzählt gekonnt und routiniert, bei aller Hingabe an die Geschichten der 30er kommt er aber noch nicht weit über Klischees hinaus.
Der Rückblick auf Batman in den 30ern macht First Knight zu einer atmosphärischen und bildstarken Erfahrung. Vor allem für Leser*innen mit Faible für Noir- oder Pulp-Geschichten und die 30er Jahre ist der Comic sicherlich einen Blick wert. Der Rest, und wer mehr Wert auf die Handlung legt, sollte es sich bei dem Preis vielleicht zweimal überlegen.
- Verlag: Panini Comics
- Autor*in(nen): Dan Jurgens
- Zeichner*in(nen): Mike Perkins
- Seitenanzahl: 56
- Preis: 16 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, Panini
Fazit des Monats
Das moderne Bild von Batman ist stark von Filmen wie Christopher Nolans legendärer Batman-Filmtrilogie oder The Batman mit Robert Pattinson geprägt: Batman als besessener dunkler Rächer, der alleine mit High-Tech-Ausrüstung und Batmobil Verbrecher*innen und verrückte Terrorist*innen bekämpft, während zuhause sein Butler am Computer sitzt.
Wie diese drei Comics zeigen, gibt es aber noch einen Batman jenseits von Nolan und Pattinson. First Knight ist am nächsten an dem Typus, demonstriert aber, dass Batman auch ohne High-Tech, Butler und Besessenheit funktioniert. City of Madness sprengt die Grenzen der Realität und zeigt, dass Batman auch bei übernatürlichem Horror nicht fehl am Platz ist. Die Abenteuer der Familie Wayne zeigt schließlich, dass Batman nicht auf Einsamkeit und Depression reduziert werden muss. Er wird nicht nur zu Batman, um sein Trauma zu überwinden, indem er das Verbrechen bekämpft, sondern auch, um anderen zu helfen. Als Konsequenz ist die Patchwork-Batfamily aus adoptierten Waisen, Verbündeten und Freund*innen, in der auch Batman aus seinem Trauma finden kann, nur logisch.
Batman ist eine komplexe Figur mit vielen Seiten, die auf den ersten Blick vielleicht widersprüchlich scheinen, sich im großen Ganzen aber meist harmonisch zusammenfügen.
Artikelbilder: © Panini Comics
Layout und Satz: Norbert Schlüter
Lektorat: Gloria Puscher
Fotografien: Paul Menkel
Diese Produkte wurden kostenlos zur Verfügung gestellt.
Dieser Artikel enthält Affiliate-Links. Durch einen Einkauf unterstützt ihr Teilzeithelden, euer Preis steigt dadurch nicht.





















