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Gamebreakers entführt uns mit dem Skirmisher Shroudfall in eine neue Welt. Der Shroud wurde durchbrochen und böse Kräfte bedrohen den Frieden. Gleich vier verschiedene Fraktionen kämpfen um die Vorherrschaft. Wir haben uns die Chosen of the Spirit Tree mal etwas genauer angeguckt.

Manchmal sind es nicht komplexe Mechaniken oder große Namen, sondern ganz einfache Dinge, die neugierig machen. In unserem Fall war es ein kurzes Testspiel auf der Hamburger Tactica, bei dem wir Shroudfall erstmals anspielen konnten – und ehrlicherweise auch die schiere Niedlichkeit bewaffneter Pandas, die sofort hängen blieb. Der erste Eindruck war somit positiv genug, um genauer hinzuschauen.

Statt eines umfassenden Systemüberblicks wollten wir uns daher gezielt einer Fraktion widmen, die uns optisch wie spielerisch angesprochen hat: den Chosen of the Spirit Tree. Im Folgenden werfen wir einen Blick auf Spielablauf, Welt und taktische Besonderheiten von Shroudfall – mit einem Schwerpunkt auf eben jener Fraktion, die ihren Weg aus dem Messegetümmel direkt auf unseren Spieltisch gefunden hat.

Triggerwarnungen

Gewalt, Waffen, Tod

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Eine einst friedliche Welt – Der Schleier fällt

Die Welt von Shroudfall ist von mystischer Energie, genannt Essence, und unterschwelliger Bedrohung durchzogen. Mit dem Durchbrechen des namensgebenden Shroud ist das Gleichgewicht der spirituellen Ströme ins Wanken geraten. Die Bedrohung aus dem Beyond ist seitdem allgegenwärtig. Essence ist seither zu einer umkämpften Ressource geworden, an der sich die Konflikte mehrerer klar unterscheidbarer Fraktionen entzünden.

Die Silver Line versteht sich als militärischer Schutzwall der menschlichen Städte und als Verteidiger der bestehenden Ordnung. Ihr Ziel ist es, den Einfluss des Beyond einzuhegen und den Shroud zu stabilisieren, wo nötig. Stabilität bewahren ist die Devise – notfalls durch strenge Kontrolle und kompromisslose Maßnahmen. Im Schatten dieses Machtgefüges agiert der Umbral Veil. Diese lose organisierte Gruppierung aus Alchemist*innen, Intrigant*innen und Abweichler*innen versucht, die herrschenden Strukturen gezielt zu unterwandern und den Shroud für eigene Zwecke nutzbar zu machen.

Die Silver Line knüpfen sich die verderbten Bloodthorne vor
Die Silver Line knüpfen sich die verderbten Bloodthorne vor.

Jenseits politischer oder ideologischer Motive steht das Bloodthorne. Diese wuchernde, verderbte Naturgewalt breitet sich unaufhaltsam aus und verschlingt Land, Kreaturen und Essence gleichermaßen. Für alle anderen Fraktionen stellt es weniger einen Gegner im klassischen Sinn dar, sondern eine existentielle Bedrohung.

Im Mittelpunkt dieses Sets stehen die Chosen of the Spirit Tree. Sie sind keine politische Macht, sondern hüten ein uraltes Gleichgewicht. Tief mit dem gottgleichen Spirit Tree verbunden, greifen sie nur dann aktiv in die Geschehnisse ein, wenn das natürliche Gefüge der Welt bedroht ist. Ihre Motivation speist sich nicht aus Herrschaftsanspruch oder Expansion, sondern aus dem Bestreben, Harmonie zu bewahren – selbst wenn dies den offenen Konflikt mit anderen Fraktionen erfordert.

Die Chosen of the Spirit Tree gegen Umbral Veil
Die Chosen of the Spirit Tree gegen Umbral Veil.

Allen Fraktionen gemeinsam ist die zentrale Rolle der Essence Weavers. Diese besonderen Individuen fungieren als spirituelle Knotenpunkte, bündeln Essence und verleihen ihren Gefolgschaften Richtung und Zusammenhalt. Ihre Bedeutung spiegelt sich nicht nur im Hintergrund wider, sondern auch unmittelbar in den Spielmechaniken.

Das Regelwerk skizziert die Spielwelt und ihre Fraktionen bewusst kompakt. Es liefert ausreichend Kontext, um die Konflikte einzuordnen, lässt jedoch genügend Raum für eigene Interpretationen, Kampagnen und zukünftige Erweiterungen.

Spielablauf – ein Blick hinter den Schleier

Shroudfall ist ein taktisches Skirmish Tabletop für zwei Spielende, das mit kleinen, spezialisierten Einheiten – die Pandas sind zu Beginn mit sechs Miniaturen dabei – auf einem 36″ × 36″ großen Spielfeld gespielt wird und stark auf wechselnde Aktivierungen setzt. Gespielt wird über maximal fünf Spielrunden. In jeder Runde aktivieren die Spielenden jeweils abwechselnd eine Einheit, bis alle Einheiten beider Seiten gehandelt haben. Dieses Aktivierungssystem sorgt für eine hohe Interaktion und vermeidet lange, einseitige Spielzüge.

Bereits vor Spielbeginn spielt der Teamaufbau eine zentrale Rolle. Die Spielenden stellen ihre Streitkräfte anhand einer vorgegebenen Punktzahl zusammen und wählen aus unterschiedlichen Einheiten und Rollen, wobei insbesondere die Auswahl und Einbindung eines oder mehrerer Essence Weavers, der die mystische Energie Essence verwenden kann, prägend ist. Synergien zwischen Einheiten, individuelle Sonderregeln und der gemeinsame Umgang mit der Ressource Essence bestimmen dabei maßgeblich die spätere Spielweise.

Die Pandas sind bereit!
Die Pandas sind bereit!

Jede Einheit erhält bei ihrer Aktivierung genau zwei Aktionen. Zur Verfügung stehen unter anderem Bewegung, Angriffe, das Lösen aus dem Nahkampf sowie das Entfernen eines negativen Zustands. Dadurch entstehen klare taktische Abwägungen zwischen Positionierung, Angriff und Absicherung.

Kämpfe werden über ein spezielles Würfelsystem abgehandelt, bei dem Treffer- und Schadenswürfe getrennt erfolgen. Neben klassischen Nah- und Fernkampfangriffen existieren arkane Angriffe sowie Spezialformen wie Strahlen- oder Flächenangriffe, die mehrere Modelle betreffen können. Gelände, Sichtlinien und Formation spielen dabei eine zentrale Rolle und beeinflussen maßgeblich, welche Aktionen sinnvoll oder überhaupt möglich sind.

Ein prägendes Element des Spielablaufs ist die Ressource Essence. Diese wird zu Beginn des Spielzugs durch die (noch) vorhandenen Einheiten erzeugt, steht der gesamten Armee gemeinsam zur Verfügung und kann für Sonderfähigkeiten, zusätzliche Würfel oder Wiederholungswürfe eingesetzt werden. Nicht genutzte Essence verfällt am Ende jeder Runde vollständig, was zu einem dynamischen Spielrhythmus und kurzfristigen Entscheidungsprozessen führt.

Die Siegbedingungen werden primär über gleichzeitig gespielte Szenarien definiert, die das Kontrollieren von Bereichen, gezielte Interaktionen oder das Ausschalten bestimmter Ziele verlangen. Alternativ kann eine Partie auch durch das vollständige Eliminieren der gegnerischen Streitmacht vorzeitig enden.

Die Kombination unterschiedlicher Szenarientypen, variabler Aufstellungen und wechselnder Armeezusammenstellungen sorgt für einen hohen Wiederspielwert, da sich jede Partie trotz identischer Grundregeln spürbar anders entwickeln kann.

Eine kleine Einheit Seren Dragons
Eine kleine Einheit Serene Dragons.

Überleben in der Welt des gefallenen Schleiers

Taktisch lebt Shroudfall von der Kombination aus begrenzten Aktionen, wechselnden Aktivierungen und dem Umgang mit Essence. Entscheidungen müssen oft kurzfristig getroffen werden, da Ressourcen nicht angespart werden können und jede Runde mit einem klaren Schnitt endet.

Die Bedeutung von Formation und Positionierung ist hoch. Einheiten, die ihre Formation verlieren, sind deutlich eingeschränkt, was insbesondere bei größeren Trupps konsequentes Bewegen erfordert. Gleichzeitig rücken zentrale Figuren wie der Essence Weaver stark in den Fokus, da ihr Verlust nicht nur Siegpunkte kostet, sondern auch die Handlungsmöglichkeiten der gesamten Armee beeinflusst.

Die Chosen of the Spirit Tree betonen diesen taktischen Ansatz auf besondere Weise. Ihre Einheiten sind stark auf Beweglichkeit, Reaktion und Positionsspiel ausgelegt und belohnen vorausschauende Aktivierungsreihenfolgen. Viele ihrer Fähigkeiten greifen auf Verschieben, Platzieren oder Reagieren auf gegnerische Aktionen zurück, wodurch sie Gefechte weniger durch rohe Schlagkraft als durch Kontrolle des Spielfeldes entscheiden.

Ein zentrales taktisches Element ist dabei das fraktionseigene Attuned System, das zwischen den Zuständen Harmony und Discord wechselt. Der optimale Einsatz der Fraktion erfordert es, diesen Wechsel bewusst zu steuern, um situationsabhängig von Bewegungsboni, kostenfreien Fähigkeiten oder verstärkten Effekten zu profitieren. Fehlendes Timing kann hingegen dazu führen, dass Potenzial ungenutzt bleibt.

Darüber hinaus verfügen die Chosen über eine ausgeprägte Synergie mit Gelände, insbesondere bewaldeten Arealen. Einige Fähigkeiten der Einheiten generieren oder sparen Essence, heilen Schaden oder erhöhen ihre Defensive, sofern sie sich in entsprechendem Terrain befinden. Dies fördert ein defensiv-flexibles Spiel, bei dem Rückzug, Neuformierung und erneutes Zuschlagen feste Bestandteile der taktischen Planung sind.

Im Zusammenspiel ihrer Charaktermodelle – etwa defensiv ausgerichteter Unterstützer, kontrollorientierter Zauberwirker (Lirana Greenleaf) und reaktionsstarker Nahkämpfer (Riku & Scalebreaker) – entsteht eine Fraktion, die weniger auf geradlinige Vorstöße setzt, sondern auf das Lenken des gegnerischen Handelns. Wer bereit ist, Aktivierungen sauber zu planen und auf gegnerische Fehler zu reagieren, findet bei den Chosen of the Spirit Tree einen ausgeprägt taktischen Spielstil.

Eine besondere taktische Eigenheit von Shroudfall ergibt sich daraus, dass in jeder Partie zwei Szenarien gleichzeitig aktiv sind. Diese werden nicht nacheinander abgehandelt, sondern laufen über denselben Spielverlauf hinweg parallel zueinander. Dadurch entsteht kein klar abgegrenzter Fokus auf ein einzelnes Ziel, sondern ein permanentes Abwägen zwischen mehreren Wertungsebenen.

In der Praxis bedeutet dies, dass nahezu jede Aktivierung mehrere Konsequenzen haben kann: Eine Bewegung sichert möglicherweise Kontrolle in einem Szenario, schwächt aber zugleich die Präsenz an einem anderen Marker. Ebenso kann der Einsatz von Essence einen kurzfristigen Vorteil schaffen, während an anderer Stelle Gelegenheiten ungenutzt bleiben. Das Spiel fordert damit eine fortlaufende Priorisierung statt linearer Abfolge.

Taktisch verstärkt dieses System die Bedeutung von flexiblen Einheiten, Reaktionsfähigkeit und Raumkontrolle. Fraktionen, die auf Umpositionierung, Verzögern oder Umlenken setzen, können Druck auf mehreren Ebenen gleichzeitig ausüben oder gegnerische Pläne konterkarieren. Gleichzeitig erhöht die parallele Szenarienstruktur die taktische Varianz, da identische Aufstellungen je nach Missionskombination zu sehr unterschiedlichen Spielsituationen führen können.

Ausstattung

Das Chosen of the Spirit Tree Skirmish Set ist als eigenständige Spielbox konzipiert und enthält alle Komponenten, die für den Einstieg in Shroudfall mit dieser Fraktion benötigt werden. Enthalten sind insgesamt sieben Resin Miniaturen der Chosen of the Spirit Tree: zentrale Charaktermodelle wie Riku & Scalebreaker und Lirana Greenleaf mit ihrem Dornenzauber, sowie eine kleine Einheit Serene Dragons mit drei unterschiedlichen Posen und eine Beastbane Vanguard. Die Modelle kommen mit drei Rundbases mit 32 mm Durchmesser sowie vier Rundbases mit 40 mm Durchmesser.

Die Beastbane Vanguard ist mit einem Bogen ausgestattet, der Eispfeile schießen kann.
Die Beastbane Vanguard ist mit einem Bogen ausgestattet, der Eispfeile schießen kann.

Die Modelle selbst sind aus Resin und gedruckt. Man muss nicht viel zusammenbauen, lediglich die Serene Dragon müssen ihre Köpfe erhalten und die Modelle müssen auf die Bases geklebt werden. Vor dem Grundieren sollte noch einmal nach kleinen Graten gesucht werden, die vom Druck übriggeblieben sind. Diese lassen sich in der Regel mit einer Pinzette gut entfernen. Auch das Arbeiten mit Kontrastfarben beziehungsweise Speedpaints ist bei diesen Modellen auf den größeren Flächen nicht zu empfehlen, da der unerwünschte Effekt des Hervorhebens der Resinschichten entstehen kann.

Zum spielrelevanten Material zählt ein Softcover Regelbuch, das die Grundregeln und Szenarien abdeckt, ergänzt durch insgesamt 15 Essence Würfel in drei Farben (je fünf graue, gelbe und rote Würfel). Hinzu kommt eine umfangreiche Auswahl an 2D-Gelände aus Karton, darunter Wälder, Sümpfe, Felsformationen und Ruinen, die thematisch wie mechanisch in das Spielsystem eingebunden sind.

Außerdem liegen der Box Messwerkzeuge für Bewegung und Reichweiten sowie eine breite Palette an Markern und Tokens bei. Diese decken Zustände, Aktivierungen, Formationseffekte, Essence Ressourcen und Missionsziele ab.

© Gamebreakers GmbH
© Gamebreakers GmbH

Die harten Fakten:

  • Verlag: Gamebreakers GmbH
  • Erscheinungsjahr: 2025
  • Sprache: Englisch
  • Spieldauer: ca. 120 Minuten
  • Spieler*innen-Anzahl: 2
  • Alter: ab 12 Jahren
  • Preis: 89 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel

 

Bonus/Downloadcontent

Auf der Webseite von Shroudfall kann das komplette Regelwerk und dazu noch Szenarios, Einheitenkarten der Fraktionen und vieles weitere im PDF-Format heruntergeladen werden. Zusätzlich dazu bieten Gamebreakers Daten zum 3D-Druck für diverse Geländeteile, Missionsziele (ja, da ist eine Torte dabei!) und auch die Movement-Lineale an, ebenfalls kostenlos.

Fazit

Shroudfall präsentiert sich als durchdachtes Skirmish System, das trotz seiner taktischen Tiefe mit klar strukturierten und übersichtlichen Regeln arbeitet. Gerade der modulare Aufbau des Regelwerks sorgt dafür, dass die Vielzahl an Mechaniken für Spieler*innen nachvollziehbar bleibt und sich Schritt für Schritt erschließt, statt den Einstieg unnötig zu verkomplizieren.

Besonders positiv fällt das Konzept einer Fraktion pro Starterbox ins Gewicht. Anstatt Spieler*innen mit zwei Fraktionen festzulegen oder lediglich ein Regelwerk anzubieten, erlaubt Shroudfall eine bewusste Entscheidung für genau die Streitmacht, die optisch und spielerisch anspricht. Im Vergleich zu vielen etablierten Systemen wirkt dieser Ansatz sowohl flexibel als auch einsteiger*innenfreundlich und vermeidet unnötige Kompromisse beim Einstieg.

Auch die vermeintlich geringe Anzahl an Modellen erweist sich als Stärke. Die Bastel und Malhürde ist niedrig, ohne dass das Spiel an taktischer Substanz verliert. Gerade für Spieler*innen, die nicht erst dutzende Modelle vorbereiten möchten, bietet Shroudfall einen schnellen Einstieg.

Einziger Nachteil ist, dass ein Mitspielender ebenfalls ein Skirmish Set benötigt, oder sich die Figuren der gewünschten Fraktionen einzeln kaufen muss, damit gemeinsam gespielt werden kann.

Hierbei sollte erwähnt werden, dass das Skirmish Set im Gegensatz zum Einzelkauf einen Preisvorteil bietet.

In der Summe positioniert sich Shroudfall damit als modernes Skirmish System, das Einstiegshürden reduziert, ohne spielerische Tiefe einzubüßen, und sich insbesondere an Spieler*innen richtet, die gezielt eine Fraktion kennenlernen möchten, anstatt sich mit einem klassischen Starterset festzulegen.

  • Kurzweiliger Skirmisher
  • Übersichtliche Regeln
  • Einsteigerbox mit reichlich Inhalt
 

  • Potentiell hohe Komplexität für den Einstieg durch parallele Szenarien
  • 2D-Gelände zwar funktional aber optisch schlicht

 

Artikelbilder: © Gamebreakers GmbH
Layout und Satz: Melanie Maria Mazur
Lektorat: Hendrik Pfeifer
Fotografien: Nina Horbelt
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.
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