Die Tactica in Hamburg ist seit Jahren eine Tabletop-Institution. Die diesjährigen Neuheiten wurden aber nicht nur von den Ausstellenden beschert, auch einige der Räumlichkeiten erschienen im neuen Gewand. So kam passenderweise zum 20-jährigen Jubiläum eine frisch renovierte Eventlocation und natürlich jede Menge für das Hobbyherz und den heimischen Hort.
Wenn die Tactica ruft, schlagen Hobbyist*innenherzen höher. Wie in den letzten Jahren bildete sich am Samstag schon eine Stunde vor Einlass eine lange Schlange vor dem Gebäude. Die Tabletop-Community war bereit und wartete hungrig darauf, was die diesjährige Messe Neues bringen würde. Zu Recht, denn die Tactica 2026 war wieder ein großer Blumenstrauß an Präsentationen, Probespielen, Seminaren, kunstvoll gestalteten Dioramen und ein gut gefüllter Themenraum zum diesjährigen Motto „Nippon – Land der aufgehenden Sonne“.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Neues für den Hobbyhort
- 1.1 Tactica Sonderfiguren und Hobby-Gimmicks
- 1.2 Freebooters mit neuen Modellen und Ascending Fate
- 1.3 Warlord Games bringt Neues für Konflikt 47
- 1.4 Para Bellum mit exklusiven Eventminiaturen
- 1.5 Neverrealm Industry bringt neue Starterbox für Deathmatch
- 1.6 Stronghold Terrain kurz vor Finalisierung von Gangs of Rome
- 1.7 Bei Micro Art Studio wird es italienisch
- 1.8 Shifting Lands bringt das „House in a box“
- 2 Schlaglichter aus der Redaktion: Dennis über neue Räume und gute Bekannte
- 3 Schlaglichter aus der Redaktion: Ninas Entdeckungen auf der Tactica 2026
- 4 Themenräume, Spielpräsentationen und Museumsprojekte
- 5 Fazit der Tabletopredaktion
Neues für den Hobbyhort
Natürlich sind es insbesondere die verschiedensten Spielsysteme, welche die neugierigen Hobbyist*innen mit ihrer Bandbreite an Settings, Spielmechaniken und Regelsystemen anziehen. Hier wollen wir im Folgenden ein paar Highlights teilen.
Tactica Sonderfiguren und Hobby-Gimmicks
Erster Anlaufpunkt für Neuheiten ist für viele der Infostand der Tactica selbst. Wie jedes Jahr konnte man hier die diesjährigen Sonderfiguren des Jahres erwerben. Passend zum Themenraum haben die Geschwister Perry ein Modell des Anjin-San aus der frühen Verfilmung des Klassikers Shogun. Natürlich durfte auch der lokale Einschlag nicht fehlen mit dem Modell des Hamburger Seefahrers und Bürgermeisters Ditmar Koel, modelliert von Lucas Luber. Neu waren auch die Mess- und Schwenkschablonen mit Tactica-Logo, die in limitierter Auflage erhältlich waren.
Freebooters mit neuen Modellen und Ascending Fate
Die Freibeuterbande von Freebooters Miniatures brachte Exemplare ihres jüngst erschienenen Science-Fiction-Skirmishers Ascending Fate mit zur Messe und hatte dazu noch weitere Modelle und Ergänzungen dabei. Neben kunstvoll gestalteten Demoplatten kam aber auch Freebooter’s Fate nicht zu kurz. Hier gab es Modellnachschub wie beispielsweise den Stamm Quauhtli und dem krakenartigen Mutniére.
Warlord Games bringt Neues für Konflikt 47
Insbesondere ihr neues Spielsystem Konflikt 47 war in den Regalen von Warlord Games. Das im letzten Jahr erschienene Tabletopsystem, welches in einem alternativen 2. Weltkriegszeitstrahl spielt, startete ins Jahr mit Verstärkung für die Achsenmächte. Im März folgt nun der Szenarioband Festung Europa. Hier wird die Hintergrundgeschichte weitergeschrieben, neue Charaktere eingeführt und weitere Missionszenarien vorgestellt.
Para Bellum mit exklusiven Eventminiaturen
Neben den neuen Starter Sets für Yoroni und Spires und limitierten Founder’s Exclusive-Modellen wartete Para Bellum insbesondere mit speziellen Event-Miniaturen auf. Diese, eigentlich aus einer Jux-Konzept entstandenen, Minis wurden mit so viel Begeisterung von der Community eingefordert, dass sie nun an Conquest-Ständen auf ausgewählten Events zu erwerben sind. So lockten auch bei uns der Oktoberfest-Hai und die Maschinengewehr-Harpune das eine oder andere Grinsen hervor.
Neverrealm Industry bringt neue Starterbox für Deathmatch
Für das Spielsystem Summoners brachte der Spielehersteller einige neue Miniaturen für die Fraktionen, wie auch Totems und Relikte mit. Außerdem konnte hier die überarbeitete Starterbox für das Spiel Deathmatch erworben werden, welches nun die überarbeiteten Regeln und Miniaturen aus Plastik-Resin enthält. In einem kleinen Testspiel konnten wir uns von den Änderungen überzeugen. Statt Würfel zu werfen, nutzt der Skirmisher nun Kartensets, um die Zufallswerte für den Erfolg von Angriffen, Schadenspunkten und ähnlichen Mechanismen zu bestimmen.
Stronghold Terrain kurz vor Finalisierung von Gangs of Rome
Noch heißt es weiter warten und fiebern auf das deutsche Regelbuch für den historischen Skirmisher Gangs of Rome, der nun im Layout bearbeitet wird. Für das Spielsystem Saga kündigt sich eine Erweiterung für Ära der Magie an. Die illustren und teilweise sehr humorvollen Figuren am Stand luden auch ohne Neuheiten zum Verweilen und Schmunzeln ein.
Bei Micro Art Studio wird es italienisch
Bei den Geländekünstlern von Micro Art Studio gab es nicht nur die jüngst erschienenen Gebäude für Dschungelkämpfe und das Boarding Actions-Geländeset. Es könnte auch ein erster Blick auf die Rohfassungen der neuen Gebäudeprojekte erhascht werden. Die Gebäudemodelle im italienischen Stil waren zwar noch ohne farbigen Druck, aber gaben schon einen guten Eindruck davon, welche Neuheiten der Hersteller bald für historische Szenarien auf den Spieltisch bringen wird.
Shifting Lands bringt das „House in a box“
Es ist immer wieder beeindruckend, was mit Heißdrahtschneider und MDF-Schablonen aus Schaumstoff gezaubert werden kann. Von Schindeln über Säulen bis hin zu ganzen Gebäuden. Um auf Anfragen aus der Community zu reagieren, die sich immer wieder komplette Bausets mit schneller Bauweise wünschte, gibt es nun auch das House in a Box im Sortiment. Die Reihe von modularen Häusern enthält jeweils vorgeschnittene Gebäudeblöcke und MDF-Elemente für die Außenfassade. Die Gebäuderohlinge lassen sich mit bedruckten Aufklebern, Bleistift und halbtransparenter Farbe relativ einfach in wunderschöne mittelalterliche Gebäude verwandeln. Eine Erweiterung des Sortiments im März 2026 ist ebenfalls bereits geplant.
Schlaglichter aus der Redaktion: Dennis über neue Räume und gute Bekannte
Die Tactica 2026 war für mich, wie jedes Jahr, ein gemütliches Nachhausekommen, um viele Gleichgesinnte zu treffen. Selten konnte man mehrere Meter gehen, ohne eine Hand zu schütteln oder ein Hallo an alte Bekannte zu richten. Gleichermaßen gab es also auch viel Austausch, nicht nur mit Hobbybezug.
Die neue Aufteilung des Bürgerhauses war angenehm, um den Autopiloten ein wenig ins Wanken zu bringen und mehr Aufmerksamkeit für die vielen, tollen Platten zu haben. Trotz weniger Quadratmeter mehr, kam es aber besonders am frühen Samstag zu Gedränge an Engstellen, was aber ein bekanntes Problem ist. Dafür war besonders im Großen Saal trotz des warmen Wetters die Luft deutlich angenehmer als man es gewohnt ist. Die Überarbeitung der Lüftungsanlage scheint sich gelohnt zu haben.
Besondere Aufmerksamkeit hat bei mir das für mich neue System Shroudfall von Gamebreakers genossen, weil mich sowohl die Miniaturen als auch die Spielmechanik überzeugten. Außerdem habe ich auch noch weitere Systeme ausprobiert oder wiederentdeckt.
Denis von DICED fragte mich dann noch, ob ich mich an seinem Live-Stream beteiligen möchte. So kam es dazu, dass ich eine amüsante Runde der neuen Nilsimon-Erweiterung für DICED the Game spielte.
Schlaglichter aus der Redaktion: Ninas Entdeckungen auf der Tactica 2026
Die Tactica ist seit Jahren ein fester Termin im Kalender. Auch dieses Jahr bin ich wieder auf einige besondere Schätze gestoßen.
Tabletop Nord e.V. hat eine große Platte mit dem Thema „Schlacht um das tänzelnde Pony“ mitgebracht. So groß, dass hier mehrere Demo-Spiele gleichzeitig stattfinden können. Mit leicht vereinfachten Regeln für das Middle-Earth Strategy Battle Game war es sehr kurzweilig, Ringgeister und finstere Menschen gegen Stadtwachen von Bree und Hobbits ins Feld zu führen.
Gamebreakers hatte eine neuen Skirmisher im Gepäck – Shroudfall. Mit kompletter Lore und vier Fraktionen zum Start geht es hier direkt in die Konfrontation. An zwei Demo-Tischen konnte getestet werden, was das Zeug hält, auch hier mit vereinfachten Regeln in unterhaltsamen 15 Minuten. Wie der Kommandant der Silver Line von einem Monster der Alchimists gepackt und in die nächste Ecke geschleudert wurde, war schon beeindruckend. Natürlich alles untermauert von Würfelwürfen, und verstärkt durch das geschickte Einsetzen von Ressourcen, die man im Spielverlauf erhält. Hier wird es auch im Laufe des Jahres weitergehen, eine weitere Fraktion ist bereits angekündigt und zur nächsten SPIEL wird es weitere Neuigkeiten geben.
Die Diceonauts hatten einen kleinen Throwback auf Lager, und zwar Full Tilt. Spielende der Fraktion der Bretonen von Warhammer Fantasy können sich vielleicht noch erinnern. Die liebevoll gestaltete Platte, eine Co-Produktion von den Diceonauts und ihrer Community, lud zum Tjost ein. Hier war das Spielprinzip simpel, Ziel der Lanzenattacke über Spielkarten wählen, mit einem Würfel bestimmen, ob man trifft oder nicht und ab in die nächste Runde. So lange, bis einer der Kontrahent*innen aus dem Sattel fällt.
Themenräume, Spielpräsentationen und Museumsprojekte
Auch jenseits der Aussteller*innen gab es auf der Tactica wieder einiges zu entdecken. Live auf der Bühne und im Internetstream gab Denis von DICED viele Einblicke in die Spiele vor Ort. Spieleclubs präsentierten eine Vielzahl an großen und kleinen Spielsystemen und auch die eigenen Malskills konnten ausgebaut werden.
Pigmentkunst mit den Pigment Pirates
Wo der Duft frischer Plastikfiguren durch die Räume zieht, sind die Malkünstler*innen der Pigment Pirates nicht weit. An beiden Tagen gaben sie in zahlreichen Workshops Einblicke in Themen von Base-Gestaltung bis hin zu Techniken für den Grimdark-Stil. Dabei wurden die Techniken kurz und knapp praktisch vorgestellt und live angewandt. Mit viel Raum für eigene Fragen gab es so die Gelegenheit, von fähigen und erfahrenen Künstler*innen zu lernen und selbst als alter Hase sich den einen oder anderen Kniff mitzunehmen. Im Vortrag zum Comic-Stil wurde beispielsweise anschaulich demonstriert, wie man mit wenigen Kniffen den Stil hinbekommt, der sonst mit dem Ziehen vieler schwarzer Linien verbunden ist. Mittels eines schwarzen Öl-Washes über die Grundfarben, einem Mittelton und einem knalligen Highlight entstanden so wirkungsvolle Effekte. Nebenbei wurde erklärt, für welche Figuren sich der Stil eignet und kleine Tricks wie die perfekte Lasurmischung vorgeführt. Wer hätte gedacht, dass Öl-Washes mit Feuerzeugbenzin angemischt eine kürzere Trocknungszeit und ein weniger klebriges Endresultat bewirken?
Der Themenraum Nippon
Im diesjährigen Themenraum zeigte sich in der Unterschiedlichkeit der Darstellungen wieder, welche große Bandbreite das Tabletop-Hobby selbst unter einem festgelegten Motto bieten kann. Zahlreiche historischen Schlachten luden zum Staunen ein. Bei Sushi & Katana – Die Bresche wurde in einem komplexen Szenario die Erstürmung einer Festung dargestellt. Timor 1942 – Angriff auf den Usau-Kamm stellte ein Dschungel-Szenario aus dem 2. Weltkrieg dar, indem die japanische Armee Ost- und Westtimor einnahmen. Aber auch ungewöhnliche Interpretationen waren zu sehen. Die Belagerung von Tsingtau brachte beispielsweise die dunkle Welt von Trench Crusade nach Japan. Auf einer düsteren Spielplatte wehrten sie eine kleine übriggebliebene Einheit aus Priestern des Vatikan und Truppen der Preußen erbittert gegen die zu den Dämonen übergelaufenen japanische Armee.
Space Marines ab ins Museum
Ein besonderes Jubiläumsprojekt in Zusammenarbeit mit dem Tabletop Workshop (TWS) und dem Zinnfiguren-Museum Goslar entstand unter dem Hashtag #Marinesinsmuseum. Hier wurde die Community aufgerufen bemalte Space Marines jeglicher Couleur auf einer Platte im ersten Stock zusammenzutragen, um diese dann schließlich im Goslarer Museum auszustellen. Die Ergebnisse konnten sich sehen lassen. Pompomtragende Cheerleader-Marines mit Augenzwinkern reihten sich an beeindruckende Freehand-Meisterwerke. Je weiter die Tactica voranschritt, umso voller wurde die Platte mit und umso mehr Kunstwerke gab es zu entdecken.
Präsentationen und Probespiele
Es wurde vor allem fleißig gespielt auf allen Ebenen. Kleine Miniskirmisher und fast raumfüllende Schlachten boten Gelegenheit, eine Masse an verschiedensten Spielesystemen auszutesten und unterschiedlichste Geschichten zu durchleben. Spieleclubs aus ganz Deutschland waren hier vertreten, wie der Tabletop Club Rhein Main e.V. mit einem 20.000 Meilen unter dem Meer Szenario mit Dingstown-Regelwerk, die Wattwürfler Husum, die das System 1490 Doom präsentierten. Auch verschiedenste Content Creators mischten mit, wie Magabotatos Version von Alien vs. Predator, welches auf einer abgespeckten, aber sehr spaßigen Version von Rogue Warriors bestand.

Fazit der Tabletopredaktion
Geoffrey: Spielen, treffen, malen, basteln – das Facettenreichtum, die das Tabletophobby ausmacht wird an wenigen Orten so schön abgebildet, wie auf der Hamburger Tactica. Ob nun als Ort, um die Menschen zu treffen, die man aus Podcast- und Videoformaten kennt, zum Neuentdecken unterschiedlichster Spielformate oder als Inspiration für das nächste Hobbyprojekt: Die Tactica ist aus vielerlei Gründen so erfolgreich wie sie ist. Ich freue mich auf jeden Fall jetzt schon auf eine Wiederkehr.
Nina: 20 Jahre Tactica, da lässt man natürlich selbst ein wenig Revue passieren, mein erster Besuch muss 2015 oder 2016 gewesen sein, ich erinnere mich nicht mehr genau. Was mich immer wieder packt, sind die liebevoll gestalteten Platten der Hobbyist*innen. Die Liebe zum Detail ist bei egal welchem Spielsystem einfach großartig. Ich sag mal, bis zum nächsten Jahr!
Dennis: Die Tactica ist für mich das Event in Deutschland, wenn es um Tabletop und Miniaturen-Spiele geht und ich bleibe ihr auch weiter treu.
Layout und Satz: Dominic Niederhoff
Lektorat: Sabrina Plote
Fotografien: Geoffrey Förste/Siehe Bildunterschriften
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