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Mit ihrem vorbedruckten MDF-Gelände sind Micro Art Studio schon länger ein Thema. Die Bausätze für Infinity als auch den 2. Weltkrieg konnten uns bisher überzeugen. Nun erweitern sie ihre Ostfront-Reihe um Ruinen für Stalingrad-Szenarien. Wir durften mehrere der neuen Sets begutachten, die einen besonderen Kniff mitbringen.

Als Werkstoff bietet MDF für Gelände sowohl Vor- als auch Nachteile. Er ist im Vergleich zu Kunststoff oder Resin günstig und lässt sich gut zusammenbauen. Dafür müssen Abstriche bei der Plastizität gemacht werden und Bausätze können schnell flach wirken. Micro Art Studio umgeht diese Problematik geschickt durch intelligente Designs und die Bedruckung liefert die Illusion von Dreidimensionalität. Bereits die Geländestücke für die Normandie und das Ostfront Village haben dies eindrucksvoll bewiesen. Mit den Stalingrad-Ruinen werfen die Polen eine weitere Gebäude-Reihe für den 2. Weltkrieg in den Ring. Der Clou dabei ist, dass einige größere Gebäude auf mehrere Sets aufgeteilt wurden. Sie lassen sich entweder als einzelne Ruinen spielen oder auch zu einem großen Geländestück kombinieren.

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Beim Anblick bekommt man kalte Füße.
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Der Apartment Block

Der Apartment Block besteht aus zwei Bausätzen und ist in eine vordere und eine hintere Gebäudehälfte unterteilt. Beide Sets sind ähnlich groß und unterscheiden sich somit auch im Preis nicht sonderlich. Micro Art Studio bieten außerdem in ihrem Shop beide Sets als Bundle mit einem kleinen Preisnachlass an. Geliefert werden sie wie gewohnt in aufeinander gestapelten Ausdrückrahmen aus MDF, welche mit einem Deckblatt zusammen in Folie verschweißt sind. Auf der Rückseite des in Vollfarbe bedruckten Covers befindet sich eine schematische Bauanleitung in mehreren Arbeitsschritten. Um die Übersicht zu erleichtern, wurden einige Teile farblich hervorgehoben.

WW2 Ostfront Stalingrad Apartment Block Front

Der Bausatz besteht aus vier Ausdrückrahmen aus MDF mit 3 mm Stärke, einem kleineren Ausdrückrahmen mit 1,5 mm Stärke und einem Bogen Folie für die Fensterscheiben. Die meisten Bauteile sind recht groß gehalten und versprechen keine größeren Schwierigkeiten beim Zusammenbau. Alle Teile lassen sich gut aus den Rahmen drücken und nur bei den Fensterbänken mussten wir ein paar Reste der Verbindungsstege entfernen. Bei dem Rahmen aus dünnerem Material hatten wir ebenfalls keine Probleme. Hier sollte aber besonders vorsichtig gearbeitet werden, da das dünne MDF recht bruchempfindlich ist. Die Fensterfolien sind mit einer Schicht Staub verschmutzt, welcher sich aber mit einem feuchten Tuch abwischen lässt. Aber letztlich ist dies auch nicht nötig, da bei einer Ruine keine frisch geputzten Fenster erwartet werden.

Die Aufdrucke auf den Teilen erwecken einen sehr plastischen Eindruck und geben die Zerstörung gut wieder. Unter abgeplatztem Putz und zerfetzten Tapeten kommen die Mauersteine zum Vorschein, die durch viel Kontrast eine realistische Optik verleihen. Dort, wo Mauern eingestürzt sind, unterstreichen Rußverfärbungen dies zusätzlich. Auf den Fußböden türmen sich aufgedruckte Trümmer.

Im ersten Arbeitsschritt werden die Innenwände und die Geschossebenen zusammengeklebt. Wie immer sollten alle Teile vorher ohne Leim zusammengesetzt werden, um das Verkleben der falschen Teile zu vermeiden. Bei uns passten alle Teile perfekt ineinander.

Im nächsten Schritt werden die Außenwände aufgeleimt. Damit sind dann beide Mauerseiten mit vorbedruckter Bemalung versehen und die Wände werden sehr solide. Um die Teile optimal anzupressen, haben wir Klammern und kleine Zwingen verwendet.

Nun können schon die Fensterbänke eingesetzt werden. Diese sind so gestaltet, dass sie die beiden Mauerseiten zusammenklemmen. Einige Fensterbänke sind rußgeschwärzt, wodurch sie sich für die besonders zerstörten Fenster anbieten. Außerdem wird ein Dekor aus dünnem MDF über die Fenster geleimt.

Zum Schluss werden Fensterfolien auf die Rahmen geklebt und diese in die Fenster eingesetzt. Es empfiehlt sich die Folien im Vorfeld mit den Rahmen zu vergleichen, da die gebrochenen Scheiben zu bestimmten Rahmen passen. Will man einen realistischen Eindruck erwecken, sollten die passenden Teile zusammen verwendet werden. Auch manche zerstörte Fensteröffnung ist nur für bestimmte Rahmen geeignet. Grundsätzlich sind die Fenster aber optional und wer eine besonders zerstörte Ruine darstellen möchte, kann auf Glas oder auf die ganzen Rahmen teilweise oder auch komplett verzichten.

WW2 Ostfront Stalingrad Apartment Block Back

Dieses Set besteht nur aus drei Ausdrückrahmen aus dickerem MDF und einem aus dünnerem. Natürlich sind auch hier wieder die Folien für die Fenster dabei. Wie schon bei der Vorderseite des Blocks sind auch hier die Bauteile recht groß gehalten. Grobmotoriker*innen müssen sich also keine Sorgen machen. Die Bauanleitung hat ein paar Arbeitsschritte mehr, was vor allem am Balkon liegt, welcher etwas mehr Aufwand benötigt. Da es sich um die andere Hälfte des Gebäudes handelt, unterscheidet sich die Bedruckung vom Design her nicht.

Das Ausdrücken der Einzelteile verlief auch hier problemlos, wobei erneut bei den Fensterbänken etwas entgratet werden musste. Der Grundaufbau gestaltet sich wie schon bei der Vorderseite, nur das die Rückseite nur über zwei Ebenen verfügt. Erneut werden zunächst die Innenwände mit den Böden der Etagen verleimt und dann die Außenwände aufgeklebt. Wir haben auch hier Klammern und Zwingen zur Unterstützung verwendet.

Bevor die Fensterbänke eingesetzt werden, wird in zwei Arbeitsschritten der Balkon angebaut. Auch dieser besteht aus zwei Schichten MDF, so dass sowohl die Innen- als auch die Außenseite bedruckt sind. Der Balkon bietet genug Platz, um ein Modell mit einer 25 mm-Rundbase darauf unterbringen zu können.

Nach dem Einsetzen der Fenster ist der Gebäudeteil fertig.

Aus Zwei mach Eins.
Aus Zwei mach Eins.

Die Bausätze kombinieren

Die Abbruchkanten der beiden Apartment-Ruinen passen exakt ineinander und bilden gemeinsam einen geschlossenen Block. Auch wenn ein Loch in der Mitte der zweiten Etage bleibt, lässt sich das Untergeschoss so nicht mehr bespielen, sofern man dafür nicht das Gebäude im Spiel auseinandernehmen möchte. Modelle lassen sich aber problemlos in den beiden oberen Etagen bewegen.

Das Univermag

Als Univermag werden im Russischen große Warenhäuser bezeichnet. Das hier dargestellte Kaufhaus entspricht einem historischen Original, in welchem Generalfeldmarschall Paulus 1943 seinen letzten Gefechtsstand eingerichtet hatte und wo er schließlich von der roten Armee gefangengenommen wurde. Das Gebäude wird von Micro Art Studio in drei getrennten Bausätzen angeboten, die ebenfalls mit etwas Ersparnis als Bundle erhältlich sind. Auch wenn das Univermag eindeutig nach der Vorlage entworfen wurde, ist es kleiner gehalten. Ein Maßstabsgetreuer Nachbau wäre wohl Spieltischfüllend. Verpackung und Anleitung sind genauso aufgebaut, wie bei den anderen beiden Sets.

WW2 Ostfront Stalingrad Univermag Front

Die Vorderseite des Univermag besteht aus vier Ausdrückrahmen aus dickem MDF, einem Ausdrückrahmen aus dünnem MDF und den Fensterfolien. Sie besticht vor allem durch den rundlichen Eingangsbereich mit den Säulen und dem markanten Balkon. Wie schon beim Apartment Block wird auch beim Kaufhaus durch aufgedruckte Kampfschäden ein stimmungsvolles Bild erzeugt und über die flachen Teile hinweggetäuscht. Um die Rundung des Eingangs und des Balkons zu erzeugen, sind deutlich kleinere Teile nötig. Entsprechend mehr Umfang hat auch die Anleitung. Neben dem Eingangsbereich ist in diesem Set eine zweite Ruine enthalten, welche eine der Gebäudeecken bildet.

Das Lösen der Teile aus dem Rahmen war kein Problem. Beim Zusammenbau des Eingangs benötigt man etwas Geduld, da einige Teile genau eingepasst werden müssen. Da die aus zwei Lagen bestehenden Wände in Vertiefungen in der Bodenplatte gesetzt werden, hat man hier wenig Spielraum. Hier sollte man umsichtig arbeiten und auf keinen Fall zu viel Kraft einsetzen. Sind Wände und die Böden des ersten Stocks zusammengesetzt, geht es an die Säulen und den Balkon. Auch die kleineren Teile passen gut ineinander. Auch hier bilden die Fenster den Abschluss. Applikationen über den Fenstern sind nicht in der Anleitung aufgeführt, aber auf den Fotos des fertigen Gebäudes erkennbar. Somit können auch diese richtig angeklebt werden.

Die zweite Ruine gestaltet sich einfacher. Sie besteht nur aus dem Boden und zwei Doppelschichtigen Wänden, in welche Fensterbänke und Fensterrahmen samt Glas eingeklebt werden. Aufgeklebte Teile auf der Fassade sorgen für mehr Plastizität. Das zweite Ruinenteil lässt sich auf beiden Seiten des Eingangs passgenau einsetzen.

WW2 Ostfront Stalingrad Univermag Left

Dieser Teil des Univermag besteht aus drei Ausdrückrahmen mit einer Stärke von 3 mm, einem Ausdrückrahmen mit einer Stärke von 1,5 mm und Fensterfolien. Die einzelnen Bauteile sind angenehm groß und somit sind für den Zusammenbau auch nicht viele Arbeitsschritte nötig. Bespielbar sind drei Etagen, wobei die oberste über nur wenig Mauerreste verfügt. Wie schon bei den anderen Bausätzen werden jeweils zwei bedruckte Mauerteile zusammengeleimt, um Innen- und Außenwand darzustellen. Der Einbau von Fenstern ist auch hier optional.

WW2 Ostfront Stalingrad Univermag Right

Die letzte Ecke des Univermag ist mit nur zwei großen Ausdrückrahmen und einem kleineren mit 3 mm Stärke das kleinste Segment. Fensterrahmen und Fensterfolien sind auch wieder enthalten. Eigentlich braucht man nicht mehr viel zu sagen. Das Design entspricht den anderen Segmenten und die zwei bespielbaren Etagen sind schnell zusammengefügt. Wir habe uns auch hier wieder für das Einsetzen der Fenster entschieden, weil sie einfach sehr stimmungsvoll sind. Auch die halbzerstörte Tür haben wir in den Rahmen geleimt.

Die Bausätze kombinieren

Das Design lässt eine Vielzahl an Kombinationen zu.
Das Design lässt eine Vielzahl an Kombinationen zu.

Die vier Ruinen-Segmente aus den drei Bausätzen des Univermag lassen sich nahtlos zusammenfügen, um ein großes Gebäude zu bilden. Hierbei sind die einzelnen Stücke so gestaltet, dass alle Teile an jeder Position passen. Es sind also viele Kombinationen einer großen oder mehrerer kleiner Ruinen möglich. Durch den großen leeren Innenraum lässt sich bei allen Variationen die ganze Ruine bespielen.

Die harten Fakten:

  • Hersteller: Micro Art Studio
  • Erscheinungsjahr: 2025
  • Preise:
    • 33,83 EUR (UVP) Apartment Block Front
    • 27,68 EUR (UVP) Apartment Block Back
    • 36,90 EUR (UVP) Univermag Front
    • 30,75 EUR (UVP) Univermag Left
    • 24,60 EUR (UVP) Univermag Right
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Kutami

 

Fazit

Die WW2-Ostfront-Stalingrad-Reihe von Micro Art Studio zeigt erneut, was mit vorbedrucktem MDF alles möglich ist. Durch realistisch wirkende Gestaltung der Aufdrucke und geschickten Einsatz von Einzelteilen wird ein sehr plastisch wirkendes Aussehen erreicht. Als Vorlage dienten echte Gebäude, was den Realismus des Geländes unterstreicht. Der Zusammenbau stellte uns vor keine größeren Herausforderungen, da die Bauanleitungen übersichtlich gestaltet sind und die Teile eine optimale Passgenauigkeit aufweisen. Alle Teile lassen sich gut aus den Rahmen lösen und nur selten mussten wir Reste der Verbindungsstege entfernen. Bei den dünnen Teilen für Applikationen und Fensterrahmen sollte allerdings vorsichtig gearbeitet werden, da sie leicht brechen können.

Die Kombination mehrere Bausätze zu größeren Gebäuden hat uns gut gefallen. Kund*innen können so selbst wählen, ob sie nur eine kleine Ruine kaufen oder ein großes Gebäude. Besonders die vielen Möglichkeiten das Univermag zusammenzusetzen haben uns begeistert. Zu einem fairen Preis bekommt man hier intelligent entworfenes Gelände, welches mit nur wenig Aufwand schnell einsatzbereit ist und nicht nur Spieltische für Bolt Action oder Operation Squad bereichert.

  • Ansprechendes Design
  • Nach historischen Vorlagen entworfen
  • Von innen bespielbar
 

  • Fensterrahmen sind zerbrechlich

 

Artikelbilder: © Micro Art Studio
Layout und Satz: Dominic Niederhoff
Lektorat: Hendrik Pfeifer
Fotografien: Dennis Rexin

Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.

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