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Basegestaltung wirkt oft komplizierter, als sie sein muss. Dabei lassen sich mit einfachen Maltechniken und überraschenden Materialien aus Küche und Haushalt Miniaturen und Bases schnell aufwerten. In diesen Artikel geht es daher um die Aufwertung von Figuren und deren Bases.

Das Bemalen von Tabletop-Figuren ist für viele ein fester Bestandteil des Hobbys – und zugleich eine der größten Herausforderungen. Wie die vorherigen Artikel zeigen, geht es dabei selten um Perfektion oder das Erlernen komplizierter Profitechniken. Vielmehr steht der Wunsch im Vordergrund, mit überschaubarem Aufwand sichtbare Fortschritte zu erzielen, die sowohl beim Spielen als auch beim eigenen Blick auf die Miniaturen zufriedenstellen. Gerade für Einsteiger*innen und für Hobbyist*innen ohne Spezialausrüstung, können einfache Methoden und kleine Kniffe den Unterschied zwischen Frust und Freude ausmachen.

Triggerwarnung: Zu den bekannten Tabletop-/Wargaming-Merkmalen kommt noch Trypophobie

Ein oft unterschätzter Bereich ist dabei die Gestaltung von Bases und kleinen Details an Figuren. Während Maltechniken, Farbenlehre oder das Grundieren viel Aufmerksamkeit erhalten, lassen sich mit alltäglichen Haushalts- oder Lebensmitteln erstaunlich wirkungsvolle Effekte erzielen. Diese Materialien sind günstig, leicht verfügbar und laden zum Experimentieren ein – ganz im Sinne des Ansatzes, den Mut zum Ausprobieren zu fördern und die eigenen Ansprüche realistisch zu halten. Dieser Artikel knüpft daher an die bisherigen Erfahrungen an und zeigt, wie man mit einfachen Mitteln Bases, Dioramen und Figuren aufwerten kann, ohne Airbrush, Spezialprodukte oder jahrelange Übung vorauszusetzen. Daher haben wir die vorher erlernten Techniken genutzt und sie mit denen des jetzigen Artikels kombiniert, um das Titelbild gestalten zu können.

 

Der Boden tut sich auf und es zeigen sich Kanäle – Rohre und Kabel

Viele Kämpfe des 41. Jahrtausends werden in urbanen Gebieten bestritten, daher gibt es einige Möglichkeiten zur Darstellung passender Bases. Hier kann auch auf einer Base das eine oder andere Kabel oder Rohr liegen – oder beides zusammen. Wer musikalisch unterwegs ist oder jemanden kennt, kann hier gut Gitarrensaiten verwenden. Am besten eignen sich jedoch echte Kabel, bei denen übriggebliebene Teile zu kurz sind und sich somit gut auf einer Base machen.

Wer einen Schritt weiter gehen möchte, kann durch die Verwendung von röhrenartigen Nudeln, zum Beispiel Penne, auch Rohre darstellen. Hierbei kann man die schräge, glatte Kante nutzen oder sie gezielt abbrechen. Dies lässt sich gut als Abwasserrohr oder als Kabelrohr verwenden. In unserem Beispiel wurden Nudeln gebrochen oder mit einer Zange zurechtgeschnitten. Danach wurden die Kabel passend hineingelegt und festgeklebt. Hier kann die entsprechende Farbe für Kabel und Rohr gewählt werden, und es empfiehlt sich diese für mehr Realismus stark verschmutzt oder abgenutzt darzustellen. Wer keine Nahrungsmittel verwenden möchte, kann alternativ auf die Schutzhüllen abgenutzter Pinsel oder andere Hüllen zurückgreifen und so den gleichen Effekt erzielen, nur mit dünneren Rohren.

Nicht jeder Schuss trifft sein Ziel, und wo Schüsse daneben gehen, treffen sie andere Objekte. Wenn eine Rakete in eine Wand einschlägt, fällt Schutt zu Boden. Wer also Schutt auf Bases darstellen will, kann gewaschene Eierschalen verwenden, diese klein bröseln und als kleine Haufen oder als einzelne Stücke aufbringen. Ein steinernes Aussehen ist schnell erzielt, indem Grau als Grundfarbe und eine dunkle Shade-Farbe verwendet werden.

Wie Getrocknetes etwas Xenosartiges imitieren kann – Haut, Membranen und Dioramen

Hier werden die einzelnen Schritte für die möglichen Umhänge gezeigt.
Hier werden die einzelnen Schritte für die möglichen Umhänge gezeigt.

Meine ersten Salamanders hatten aufgrund ihrer Hintergrundgeschichte Drachenumhänge. Hierfür wurden die Rückenteile aus dem alten Bausatz der Dunkelelfen-Korsaren verwendet. Dieses Vorgehen wird jedoch schnell kostenintensiv. Wer also eine wirklich kostengünstige Variante für Drachenschuppen oder Echsenhaut sucht, wird bei Litschis schnell fündig. Nach dem Verzehr der Frucht sollten die aufbewahrten Schalen gewaschen und für ein paar Tage getrocknet werden. Danach können die Schalenteile auf die gewünschte Größe zurechtgebrochen werden.

Beim Grundieren lohnt es sich, die Schalen etwas zu fixieren, da sie sonst beim Sprühen, zum Beispiel mit Grey Seer, schnell umherfliegen. In unserem Beispiel wurde die Haut mit Darkoath Flesh und die Schuppen mit Flesh Tearers Red bemalt. Auf diese Art und Weise lassen sich innerhalb weniger Stunden mehrere Dutzend Umhänge herstellen. Ein weiterer Vorteil ist, dass keine Schuppen oder Umhänge den anderen gleichen.

Hier wurden die ersten Orangenschalen der Lotusblüte mit Nurgle’s Rot versehen.
Hier wurden die ersten Orangenschalen der Lotusblüte mit Nurgle’s Rot versehen.

Doch es gibt auch andere Umgebungen als das vorher gezeigte Stadtbild. Gerade Space Marine 2 hat die Verbindung von urbaner Umgebung mit den Elementen der Tyraniden gezeigt. Wer Membranen oder andere Haut darstellen möchte, kann auch Schalen von Mandarinen oder Orangen nutzen. Diese können für kleine Geländestücke genutzt werden, wo xenosartige Pflanzenteile wachsen, welche auch gut von den Tyraniden stammen könnten. Hierbei wird auch getrocknete Lotusblüte benötigt. Die Schalen werden in kleinere Stücke geschnitten und in die Öffnungen einer getrockneten Lotusblüte geklebt. Hier wurden die Orangenschalen und Lotusblüten auch mit Grey Seer grundiert. Bei der Lotusblüte wurde die Contrast-Farbe Luxion Purple genutzt und für die Schalen wurden ein bis zwei Schichten Nurgle‘s Rot genutzt. Für die offenen Löcher in der Blüte wurde erneut Darkoath Flesh genutzt.

Stechende Augen und der Staub der überall sitzt – Kleine Bonusdetails sind auffällig

Auch kleine Details können die Figuren aufwerten, es muss nicht immer Basegestaltung oder größere Zusätze sein. Wie grundlegende Lichteffekte, wie zum Beispiel bei Plasmawaffen, funktionieren, wurde damals im ersten Artikel erläutert. Nun wenden wir diese Maltechnik jedoch nicht auf Waffen, sondern auf Augen an.

Die Fluo-Farben strahlen über die eigentlichen Lichtquellen hinaus.
Die Fluo-Farben strahlen über die eigentlichen Lichtquellen hinaus.

Für diese Technik muss zunächst das komplette Modell – beziehungsweise die entsprechende Stelle samt umliegender Flächen – bemalt werden. Im gezeigten Bild wurde zuerst die Sensorlinse mit einem Grauton grundiert und anschließend der innere Teil der Linse mit einem weißen Punkt versehen. Danach wurde die Fluo-Farbe Magenta von Vallejo verwendet; andere Farben sollten jedoch ebenfalls gut funktionieren. Mit alternativen Farbtönen muss man gegebenenfalls etwas experimentieren, sie sollten aber grundsätzlich geeignet sein, solange sie nicht deckend sind.

Beim Bemalen der Linse geht man bewusst über deren Rand hinaus und malt leicht in die umliegenden Bereiche der Figur hinein, um das abstrahlende Licht anschaulich darzustellen.

Auch beim nächsten Schritt sollte die Miniatur eigentlich bereits vollständig bemalt sein. Der Bemalvorgang gilt meist als abgeschlossen, sobald die fertig bemalte Figur auf der Base aufgeklebt ist. Je nach Malstil wirkt die Figur dann relativ „sauber“ und mitunter etwas deplatziert auf der Base. Wer an sein eigenes Schuhwerk denkt, erkennt schnell, dass sich dort durch Benutzung Staub oder Nässe ansammeln.

Der Staub setzt sich gerne in die kleinsten Vertiefungen.
Der Staub setzt sich gerne in die kleinsten Vertiefungen.

Für die letzte Maltechnik werden daher Pigmente genutzt. Für einen Staubeffekt bietet sich beispielsweise Natural Sienna aus der Pigment-FX-Reihe von Vallejo an, aber grundsätzlich kann jedes Pigment verwendet werden, das zu den jeweiligen Gegebenheiten passt.

Das Pigment wird mit etwas klarem Wasser vermischt und anschließend auf die Schuhe sowie die nähere Umgebung aufgetragen. Dabei ist es nicht schlimm, wenn die Fläche etwas zu groß gerät. Nachdem alles getrocknet ist, nimmt man einen Trockenbürstpinsel und fährt mit minimalem Druck über die zuvor bemalten Stellen. Dadurch wird die dickere Pigmentschicht teilweise abgetragen und die darunterliegende Farbe kommt wieder leicht zum Vorschein. Am Ende bleibt jedoch genug Pigment zurück, um überzeugend als Staubeffekt zu wirken.

Es sind die Details, welche zu einem stimmigen Gesamtbild führen – Ein Fazit

Das Bemalen von Tabletop-Miniaturen ist kein geradliniger Weg hin zur Perfektion, sondern ein Prozess aus Ausprobieren, Lernen und Akzeptieren der eigenen Ergebnisse. Viele Verbesserungen beim Bemalen von Miniaturen entstehen nicht durch komplizierte Maltechniken, sondern durch kleine, gezielte Details. So können sogar alltägliche Gegenstände oder Dinge, welche normalerweise im Müll landen würden, einen Nutzen haben und zur Verbesserung und Individualisierung der eigenen Figuren genutzt werden. Hierunter fällt nicht nur die Miniatur selbst, sondern auch die Base, wodurch das Gesamtbild sich aufbessert.

Gerade Basegestaltung und einfache Zusätze können Figuren stark aufwerten, ohne dass dafür große Investitionen nötig sind. Ob urbane Bases mit Kabeln und Rohren, Schutt aus Eierschalen, organische Strukturen aus Früchten oder kleine Lichteffekte an Augen und Sensoren – oft sind es die kleinen Details, die einer Figur Charakter verleihen und sie lebendig wirken lassen. Pigmente für Staub, lassen eine Miniatur glaubwürdiger und stimmiger wirken, ohne den eigenen Anspruch unnötig hochzuschrauben. Erst in Kombination entfalten alle Maltechniken ihre Wirkung und tragen zu einem schönen Gesamtbild der Figur bei.

 

Artikelbilder: © Robert Wolfes
Layout und Satz: Dominic Niederhoff
Lektorat: Maximilian Düngen
Fotografien: Robert Wolfes

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