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Der König ist tot, lang lebe der König: Als Collum in Camelot ankommt, findet er nur noch wenige Ritter vor. Der Rest wurde vernichtend geschlagen. Also begibt sich eine neue Gruppe auf eine Quest: Camelot wiederaufzubauen. Gelingt es Lev Grossman mit The Bright Sword der alten Legende neues Leben einzuhauchen?

Camelot liegt in Trümmern. Nach der Schlacht von Camlann ist nur ein Teil der Ritter am Leben. Diese tragen nicht die großen Namen wie Lancelot oder Gawain, sondern zählen zur zweiten Garde: Sir Palomides, Sir Dagonet oder Sir Dinedan sind Namen, die nicht allzu geläufig sind. Das Schlimmste: Artus ist tot.

Als Collum in Camelot eintrifft, ist er von Hoffnungs- und Ratlosigkeit umgeben. Schnell wird klar, dass es trotz allem weitergehen muss. Nimue, Merlins ehemaliger Lehrling, schließt sich der Gruppe an, als diese sich einem erneuten Abenteuer annimmt: Einen König finden und damit Camelot wieder zu seinem alten Glanz verhelfen. Doch wie in jedem Abenteuer warten Wendungen, Gefahren und übernatürliche Herausforderungen auf die ungewöhnlichen Held*innen. The Bright Sword wirft ein neues Licht auf bereits bekannte Elemente der Artussage.

Triggerwarnungen

Rassismus, Antisemitismus, Transfeindlichkeit, sexueller Missbrauch, psychische Erkrankung

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Handlung & Charaktere

Eines eint die Charaktere: Sie hatten oder haben es nicht leicht in ihrem Leben. Allen voran Collum, der als elternloses, gedemütigtes Kind aufwuchs und die Hoffnung auf ein besseres Leben ergreift. Sir Dagonet, der Narr, der unter Depressionen leidet. Sir Bedivere, der zeit seines Lebens unter seiner unerfüllten Liebe zu einem Mann leidet und schließlich Nimue, deren Geschichte ein neues Licht auf Merlin als Meister der Zauberei wirft. Dies macht die Charaktere sehr nahbar und es gelingt ausnehmend gut, allen Charakteren einen eigenen Raum innerhalb der Geschichten einzuräumen und ihre Entwicklung durch die Herausforderungen, denen sie begegnen, voranzutreiben.

Trotz dieser ernsten Themen und Hintergründe gelingt es Lev Grossman, einen stringenten Spannungsbogen aufzubauen, der Fans eines klassischen Sword-and-Sorcery-Buches gefallen dürfte. Die Gruppe reist, wie es sich in einer anständigen Quest gehört, umher, trifft die unterschiedlichsten magischen und nicht-magischen Charaktere und muss sich mehr als einmal beweisen und trotz unterschiedlicher Meinungen einem höheren Ziel dienen.

Schreibstil

The Bright Sword besticht durch eine teils derbe Sprache, derer sich die handelnden Personen bedienen, und sorgt damit für Authentizität. Ansonsten passt der Erzählstil hervorragend zu einem Abenteuerroman, wozu nicht zuletzt die Übersetzung von Heide Franck und Alexandra Jordan beiträgt. Die organische Kombination der sprachlichen Mittel sorgt für einen unaufhaltsamen Lesefluss. Die Welt ist die des klassischen Britanniens zur Zeit von König Artus, und die Schilderung derselben gelingt Grossman ausgezeichnet. Das Sahnehäubchen bilden die Hintergrundgeschichten der zweiten Garde der Ritter der Tafelrunde, die aufzeigen, dass vermeintlich uninteressante Nebencharaktere doch über ein eigenes Leben und eine Geschichte verfügen, die es wert ist, erzählt zu werden.

Allgemeines zum Buch

Der in New York lebende Lev Grossman arbeitet als Autor für verschiedene Magazine und Zeitungen, und verfasste die Magicians-Reihe, die für Netflix verfilmt wurde. The Bright Sword ist sein erster Roman, der sich an ein erwachsenes Publikum richtet und sollte wegen der teilweise gewalttätigen Inhalte auch nicht von jungen Jugendlichen gelesen werden. Mit dem stolzen Preis von 32 Euro ist es allerdings auch nicht unbedingt für den jugendlichen Geldbeutel geeignet.

Die harten Fakten:

  • Verlag: Fischer TOR
  • Autor: Lev Grossman
  • Erscheinungsdatum: 23.05.2025
  • Sprache: Deutsch (Aus dem Amerikanischen übersetzt von Heide Franck und Alexandra Jordan)
  • Format: Gebundenes Buch
  • Seitenanzahl: 720
  • ISBN: 978-3-596-71181-9
  • Preis: 32,00 EUR (Print) + 21,99 EUR (E-Book)
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon (deutsch und englisch)

Fazit

Eine erfrischende und menschliche Neuerzählung der Artus-Sage liefert Lev Grossman mit The Bright Sword. Die Geschichte des jungen Collum, der seinen Traum, ein Ritter der berühmten Tafelrunde zu werden, neu justieren muss, als er erfährt, dass Artus tot ist und Camelot in Trümmern liegt, befördert Lesende auf ein Abenteuer in einem magischen Britannien. Dass die übrig gebliebenen Ritter aus der zweiten Reihe der Tafelrunde ihren Platz im Rampenlicht bekommen, macht den besonderen Charme dieses Sword-and-Sorcery-Abenteuers aus, das aber auch vor ernsten Themen nicht zurückschreckt. Ein wahres Lesevergnügen.

  • Spannende Neuinterpretation
  • Diverse Charaktere
 

  • Vergleichsweise hoher Preis

Artikelbilder: © Fischer TOR
Layout und Satz: Mika Eisenstern
Lektorat: Nina Horbelt
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