Ein Mord an einem alten Freund zwingt David in The Order of Things dazu, seine alte Gruppe von Magiebegabten wieder zu vereinen und sich auf die Suche nach dem*der Schuldigen zu machen. Warum dieses zauberhafte Mysterium trotz seines Charmes mit Schwächen zu kämpfen hat, erfahrt ihr in unserem Kurzcheck.
Dass die Welt der Magiebegabten gefährlich sein kann, wissen wir spätestens seit Mark Millars The Magic Order. Autor und Zeichner Mario Bühling scheint ebenfalls von der Idee einer alternativen Realität voller Magie begeistert zu sein. In einer solchen spielt sein Thriller The Order of Things, in dem Zauberei und ein mysteriöser Mord für Spannung sorgen.
Die Webcomic-Serie, die man auf der Webseite des Autors kostenfrei lesen kann, hat es dank der Unterstützung auf Patreon zu einer Druckausgabe bei Edition Kwimbi geschafft. Wir wagen uns mit ausreichend Schutzzaubern gesichert in diese mysteriöse Welt.
Inhaltsverzeichnis
Handlung & Charaktere
Als David panische Nachrichten von seinem alten Freund Cade, Spitzname Numbers, erhält, macht er sich zunächst keine großen Gedanken, aber begibt sich trotzdem auf den Weg zu ihm, um nach dem Rechten zu schauen. Schließlich musste David bereits in der Vergangenheit erleben, dass sein Kumpel als Zahlenmagier die Welt auf eine andere Art und Weise wahrnimmt. Die Gerüchte unter Magier*innen besagen, dass Zahlenmagie entweder zu wahrer Größe oder kompletten Wahnsinn führt.
Dummerweise muss David am Ziel angelangt erkennen, dass er sich diesmal definitiv Sorgen machen musste. Angezogen von der verbliebenen Aura eines gewirkten Zaubers entdeckt er den geschundenen Leichnam seines Freundes. Um den Tatort herum finden sich Anzeichen eines Rituals, dessen Bedeutung David jedoch nicht entschlüsseln kann.
Aus diesem Grund macht er sich auf, um den Rest seiner alten Gruppe von Zauber*innen zu finden. Das sind Ben und Emily, die beide über eigene besondere Fähigkeiten verfügen. Gemeinsam begeben sich alle drei auf die Suche nach Antworten zum Schicksal ihres Freundes.
The Order of Things verbindet eine klassische Mordgeschichte mit Magie und erschafft dadurch eine interessante Ausgangslage. Im ersten Band werden die Protagonist*innen eingeführt sowie das Mysterium präsentiert. Anschließend beginnt die Jagd nach Hinweisen, die lediglich von einem kurzen Rückblick in die gemeinsame Vergangenheit der Charaktere unterbrochen wird.
Autor und Künstler Mario Bühling gelingt die Gestaltung eines angenehmen Spannungsbogens. Zu Beginn weckt der Mordfall die Neugier, während man anschließend mehr Interesse an der Geschichte der Akteur*innen entwickelt. Garniert wird die mysteriöse Atmosphäre durch klug platzierte Andeutungen wie ein kurzer Ausflug in das Feenreich.
Gleichzeitig sorgt die Tendenz zu Andeutungen jedoch für die größten Schwachpunkte des Webcomics. Sowohl die Hintergrundwelt als auch die Gruppe um David entwickeln keinen Tiefgang. Man erfährt Bruchstücke über die alternative Realität voller Magie, wobei traurigerweise viele Fragen offenbleiben. Warum beispielsweise sind Davids Kräfte so limitiert? Existiert eine Art magische Regierung? Welche Formen der Magie gibt es und warum kann scheinbar nur eine Ausprägung erlernt werden?
Ähnliche Fragen ergeben sich zu David, Numbers, Ben und Emily. Bis auf die gemeinsame Vergangenheit, die allmählich im Laufe der Handlung beleuchtet wird, erfährt man wenig über die vier Figuren. Zwar gibt es vereinzelte Andeutungen, etwa die Abneigung von Emily gegenüber David. Doch leider werden diese Stränge ebenso schnell wieder fallen gelassen.
Möglicherweise werden diese Hintergrundinformationen im weiteren Verlauf des Webcomics geklärt. Im Moment entsteht dadurch der Eindruck, eine faszinierende Welt und Handlung nur bruchstückhaft erfassen zu können.
Zeichnungen & Kolorierung
Die ebenfalls aus der Feder von Autor Mario Bühling stammenden Zeichnungen sorgen für weiteren Charme. Da es sich ursprünglich um ein Webcomic handelt, sollte man natürlich keine Qualität und Details auf dem Niveau von Marvel oder DC erwarten. Stellenweise wirken Proportionen oder Mimik etwas schief, und die Kolorierung ist weitestgehend im Flatartstil mit simplen Schattierungen und Highlights gehalten.
Doch dann gibt es die Panels, an denen man über die Dynamik oder die sichtliche Emotionalität der Interaktionen staunt. Generell merkt man trotz leichter handwerklicher Schwächen, dass es sich bei The Order of Things um ein Projekt aus Hingabe und Leidenschaft handelt.
Die harten Fakten:
- Verlag: Edition Kwimbi
- Autor*in: Mario Bühling
- Zeichner*in: Mario Bühling
- Erscheinungsjahr: 2015 (Webcomic), 2020 (Print)
- Sprache: Deutsch
- Format: Softcover
- Seitenanzahl: 40 (Band 1), 52 (Band 2)
- Preis: 7,50 EUR (Band 1), 9,50 EUR (Band 2)
- Bezugsquelle: Fachhandel
Fazit
The Order of Things liefert eine spannende Prämisse, indem ein Mordfall mit den Mysterien einer Welt voller Magie verbunden wird. Eine Gruppe alter Freunde sucht nach der verantwortlichen Person für den Mord an einem ihrer Wegbegleiter und findet sich in einer geheimnisvollen Suche wieder. Dank eines über beide Bände hinweg gut gestalteten Spannungsbogens ist man am weiteren Verlauf der Handlung interessiert.
Leider ist die Neugier über die Hintergründe des Mordes der einzige Faktor, der die Lesefreude hochhält. Charaktere und Welt von The Order of Things erhalten kaum Tiefgang und wecken kein Interesse. Zwar gibt es besonders im zweiten Band erste Tendenzen zur Charakterentwicklung, doch wird man diese künftig noch intensivieren müssen.
Positiv fällt der Zeichenstil des Bandes auf, der trotz kleiner handwerklicher Schwächen die Leidenschaft für das Projekt erkennbar macht. Im Gesamtbild ist The Order of Things eine gute Ausgangslage für eine faszinierende Reihe, die besonders durch die persönliche Hingabe des Autors Unterstützung verdient.

- Spannende Prämisse und geheimnisvolle Atmosphäre
- Gut gestalteter Spannungsbogen
- Charaktere wirken bis jetzt oberflächlich.
- Hintergrundwissen zur Welt fehlt stellenweise.
Titelbild: depositphotos.com | © samiramay, © Edition Kwimbi
Artikelbilder: © Edition Kwimbi
Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat: Simon Burandt
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.












