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Die Krakoa-Ära der X-Men ist vorbei. Das Ereignis Fall of X findet seinen Höhepunkt in zwei Bänden, in dem die letzten Handlungsstränge zusammengeführt und abgeschlossen werden. Und es stellt sich heraus, dass Nathaniel Essex, bekannt als Mister Sinister, von langer Hand die Fäden gezogen hat.

Nathaniel Essex ist einer der bekanntesten X-Men-Schurken. Während den Krakoa-Jahren der Mutanten kam heraus, dass Mister Sinister, den wir als Nathaniel Essex kennen, einer von vier Klonen des originalen Wissenschaftlers war. Jeder der Klone hatte eine andere Kartenfarbe als Stirnsymbol und führte ein anderes Leben. Mister Sinister war der Mutant – Doctor Stasis war der Kopf hinter Orchis, dem Konglomerat von Wissenschaftlern, die sich der Erschaffung von Omega-Sentinels als Weiterentwicklung der Menschheit verschrieben hat. Orchis war in der gesamten Krakoa-Ära der Hauptfeind der Mutanten. Die Frage war: Was sollte die Zukunft der Menschheit sein: Mutanten oder Maschinen? Orchis hat es geschickt geschafft, den Rest der Menschheit gegen die Mutanten aufzubringen und so das Ende Krakoas einzuleiten. Die beiden Abschlussbände beschäftigen sich jetzt mit dem letzten Kampf der Mutanten gegen Orchis und einem zweiten Kampf im Hintergrund, darum, welche Zeitlinie die Zukunft der Menschheit sein wird.

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X-Men – Fall of the House of X

Die Mutanten sind gefallen. Cyclops wird der Prozess gemacht. Als Anführer der Mutanten soll er für den Tod von unzähligen Unschuldigen verantwortlich sein. Dabei waren es Orchis und ihr Übersentinel Nimrod, die die letzte Hellfire-Gala stürmten und durch Manipulation der krakoanischen Medikamente unzählige Unschuldige auf dem Gewissen haben. Die meisten Mutanten haben sich daraufhin vom Planeten entfernt und auf dem Mars Asyl gesucht, doch einige wenige (um genau zu sein: die X-Men) kämpfen im Untergrund weiter, um Orchis‘ Pläne zu vereiteln.

Dieser Comic zeigt den Guerilla-Kampf der Mutanten, um Doctor Stasis, den Kopf hinter Orchis und Nimrod, ihre gefährlichste Waffe, zu vernichten. Dabei kommen noch einmal alle bekannten Mutanten zum Einsatz. Viele Kapitel enden damit, dass ein bereits totgeglaubter Mutant sich doch als lebendig entpuppt und sich dem Kampf anschließt. Dies ist zunächst unterhaltsam, nutzt sich dann aber doch schnell ab. Vor allem, da klar wird, dass die Helden am Ende siegen werden. Der Status nach der Krakoa-Ära ist ähnlich wie zuvor: Die Mutanten sind verhasst und nicht mehr unsterblich, kämpfen aber weiterhin für ihre Rechte.

Ein bisschen Krach und dann ist es vorbei

Dies ist leider nicht das große Finale, das die Krakoa-Ära verdient hätte. Zwar werden viele Handlungsstränge abgeschlossen, es gibt viel Action und sogar ein paar überraschende Plot-Twists, doch der Band bietet nichts, das man nicht schon gesehen hat. Dennoch kann der Comic gute Unterhaltung bieten. Er funktioniert gut für sich alleine. Man kann Spaß an den Figuren haben und freut sich, wenn die Schurken ihre verdiente Abreibung bekommen.

Dazu kommen solide Zeichnungen, welche den Actioncharakter des Bandes gut unterstützen. Seitenwechsel in beide Richtungen sorgen für nötige Überraschungen und halten Lesende bei Laune. Dennoch sind auch ein paar der Handlungsstränge hanebüchen und antiklimaktisch. Apocalypses Aktion Krakoa durch Mutantenopfer zu retten, erzeugt hier keinen Konflikt. Es wäre interessant gewesen, wenn sich seinen Methoden ein X-Men als Antithese entgegengestellt hätte.

Im Großen und Ganzen bleibt dieser Comic ein solider X-Men-Comic, der nicht viel Resonanz erzeugen wird. Er setzt den Status Quo auf einen Stand zurück, bei dem wieder viele Lesende einsteigen können und lässt nur wenig Fäden übrig für zukünftige Publikationen.

Die harten Fakten

  • Autor*in: Gerry Duggan
  • Zeichner*in: Lucas Werneck
  • Seitenanzahl: 144
  • Preis: 19 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, idealo, Panini

 

X-Men – Rise of the Powers of X

In einer zehn Jahre entfernten Zukunft, kämpfen die letzten X-Men gegen die Herrschaft der Maschinen. Allen voran Moira MacTaggert, die sich nach den Ereignissen von Inferno Orchis angeschlossen hat. In Powers of X wurde Moira als Mutantin enthüllt, deren Fähigkeit es ist, nach ihrem Tod mit sämtlichen Erinnerungen der vorherigen Leben neu geboren zu werden. In ihrem inzwischen zehnten Leben sorgte sie dafür, dass die Idee von Krakoa umgesetzt werden konnte, fühlte sich dann aber verraten, als statt ihr Destiny in den Hohen Rat gewählt wurde.

Außerhalb von Zeit und Raum hat sich Professor X mit einigen engen Vertrauten versteckt und führt einen Krieg um die Zeitlinien. Er plant das Unmögliche: Moira soll in einer Zeitreise getötet werden, bevor ihre Fähigkeiten einsetzen. Dadurch würde eine neue Zeitlinie entstehen, in der es die gesamte Krakoa-Ära nie gegeben hätte. Doch in einer Zeitlinie entsteht ein Dominion, das finale Ziel von Nathaniel Essex. Der eigentliche Grund, warum er seine Klone überhaupt erst erschaffen hat.

Dieser Comic ist ungewöhnlich. Denn es geht um viele unterschiedliche Zeitebenen, die miteinander interagieren. Daher arbeitet Kieron Gillen, wie schon Jonathan Hickman, mit vielen Schaubildern. Diese sind manchmal schwer zu verstehen und benötigen einiges an Vorwissen aus Ereignissen wie beispielsweise Sinisters Sünden. Das ist nicht unbedingt für jeden geeignet, doch ist der Comic für die richtige Zielgruppe ein Fest der Möglichkeiten.

Natürlich musste es zu diesem Ende kommen

Ich will die Handlung nicht spoilern. Ich kann aber sagen, dass die Handlung auf zwei Höhepunkte hinausläuft: Ein erneutes Treffen von Professor X und Moira MacTaggert und der Kampf gegen das Dominion von Nathaniel Essex. Beide laufen auf eine Art Deus Ex Machina hinaus. Ich mag diese Art nicht, wie seit Endgame zu viele Marvel-Erzählungen enden: Eine grenzenlose Macht erscheint und der Kampf ist plötzlich zu Ende. Hier ist es ein wenig anders, da sich dieses Finale auch aus der Handlung heraus ergibt, doch es fühlt sich nicht rund an.

Das liegt vor allem daran, dass das Finale natürlich überraschen soll. Gleichzeitig wird versucht, einen Bogen zum Anfang der Krakoa-Ära zu spannen: Zu den großartigen House of X und Powers of X. Aber es fehlt die wirkliche Charakterentwicklung. Es fehlen die Gründe, die dieses Ende unausweichlich machen. Dazu ist die Geschichte leider etwas zu kompliziert angelegt. So bleibt ein gut erzählter Comic mit einem faden Geschmack zurück.

Die harten Fakten

  • Autor*in: Kieron Gillen
  • Zeichner*innen: Luciano Vecchio, R. B. Silva
  • Seitenanzahl: 144
  • Preis: 19 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, idealo, Panini
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Artikelbilder: © Panini Comics, Marvel
Layout und Satz: Konstantin Paessler
Lektorat: Laura Pascharat

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