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Schon lange leitete Amanda Waller die Suicide Squad im DC-Universum. Sie wurde immer skrupelloser und greift nun nach der absoluten Macht – in Paninis neuem Absolute Power-Event. Kann die junge Heldin Dreamer die Welt vor Waller retten?

Amanda Waller ist die intrigante Bürokratin und Geheimdienstchefin des DC-Universums. In der Suicide Squad lässt sie Superschurk*innen Sprengsätze implantieren und schickt sie auf Selbstmordmissionen. Auch sonst verhält sie sich genauso skrupellos um ihre Ziele zu erreichen. Anfangs sah sie ihre Methoden als brutal, aber notwendig an, doch über die Jahre radikalisierte sie sich immer weiter in den Machiavellismus. Jetzt ist sie endlich so weit, dass sie alle Grenzen überschreitet und den Superwesen den Krieg erklärt –  alles, um die absolute Macht zu erlangen.

Triggerwarnungen

Gewalt, Erpressung, Gehirnwäsche, Body Horror, Kinder in Gefahr, sexuelle Gewalt 

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Haupthandlung/Metaplot

Die Vorzeichen des Absolute Power-Events zogen sich seit fast anderthalb Jahren durch das gesamte DC-Universum. Als Amanda Waller die Dark Crisis kommen sah, floh sie zu Erde 3, einem Spiegelbild des echten DC-Universums, in dem alle Held*innen böse waren. Als Waller nach der Dark Crisis wieder auf die Haupt-Erde zurückkam, hatten ihre Erlebnisse auf Erde 3 sie endgültig radikalisiert. Sie brachte die verschiedenen Spionageagenturen der DC-Welt unter ihre Kontrolle und wurde die Leiterin des neuen „Autonomieministeriums“ der USA, mit Peacemaker als ihrer rechten Hand. Seitdem tauchten Waller, Peacemaker und das Autonomieministerium in allen Comicreihen der Dawn of DC-Ära auf und schürten Ressentiments gegen Superheld*innen, beschlagnahmten deren Eigentum oder erpressten sie sogar. Waller übernahm sogar das Hauptquartier der Justice League und benannte es symbolisch um: Statt der Halle der Gerechtigkeit ist es nun die Halle der Ordnung. Das einzige was für Waller zählt: mit eiserner Hand die Erde kontrollieren, „zu ihrem eigenen Wohl“. Für Menschlichkeit oder Gerechtigkeit bleibt da kein Platz. Schließlich fühlte sich Waller sicher und gefestigt genug… und da setzt Absolute Power an.

Suicide Squad – Dream-Team

In Suicide Squad – Dream Team bedient Waller sich wieder ihrem liebsten Werkzeug: Der Suicide Squad. Sie schnappt sich ein paar Superschurken aus dem Gefängnis, implantiert ihnen ferngesteuerte Sprengsätze, und schickt sie auf Selbstmordmissionen. Wer überlebt, bekommt angeblich seine Haftstrafe aufgerechnet. Doch wen Waller einmal in ihren Krallen hat, den lässt sie nicht mehr los.

In Dream Team erweitert Waller ihr Beuteschema: Diesmal erpresst sie die Superheldin Nia Nal, alias Dreamer. Nia lebt in einer versteckten Enklave von Alien-Flüchtlingen in den USA, die sich aus Angst vor Verfolgung als Menschen ausgeben. Zusätzlich zu dem üblichen Sprengsatz droht Waller Nia damit, ihre Heimat und Familie auffliegen zu lassen. Die sonst idealistische Nia wird damit vor eine Zerreissprobe gestellt.

Diese Kurzbeschreibungen mögen vielleicht witzig sein, sind aber manchmal wenig hilfreich © Panini Comics
Diese Kurzbeschreibungen mögen vielleicht witzig sein, sind aber manchmal wenig hilfreich © Panini Comics

Waller zwingt Nia in ein Team mit der verrückten Harley Quinn, dem misslungenen Superman-Klon Bizarro, dem eiskalten Superplaner Clock King, der nihilistischen Teen-Hexe Black Alice und Deadeye, Wallers Neffen, den sie nicht weniger manipuliert als alle anderen. Zusammen sollen sie einen Putsch in der pazifischen Inselnation Gamorra vereiteln. Als die Truppe dort ankommt, scheint die Situation aber ganz anders als von Waller beschrieben. Besonders Nia leidet darunter, dass Waller die Gruppe für etwas ganz anderes missbraucht. Natürlich eskaliert dadurch auch die Spannung zwischen den extrem gegensätzlichen Mitgliedern der Truppe… Können sie den Einsatz auf Gamorra überstehen? Und was wird Waller ihnen antun, wenn sie tatsächlich überleben sollten?

Die Geschichte ist spannend und mitreißend geschrieben. Sie ist eine gelungene Mischung aus düsterer Superheld*innen-(beziehungsweise Superschurk*innen-) und bedrückender Agentenstory. Die dunklen Seiten der Figuren werden überzeugend dargestellt und die Superfähigkeiten werden zynisch-realpolitisch in die fiktive Spionagewelt eingebaut. In der realen Welt begehen Geheimdienste viele moralisch verwerfliche Taten. Würden sie davor zurückschrecken, Leute mit Superfähigkeiten für ihre Ziele einzuspannen und politische Feinde auszuschalten?

Zwischen Traum und Wirklichkeit – Hintergründe und kreative Handschrift

Besonders Nia, die idealistische Heldin, die von Waller an ihre Grenzen und darüber hinaus gezwungen wird, funktioniert gut als Hauptperson. Waller hat sie besonders im Blick, da sie, neben dem üblichen Schießen von Energiestrahlen, in ihren Träumen die Zukunft sehen kann. Ein Vorteil, den sich Waller natürlich zu Eigen machen will, egal, was sie tun muss, um Nia zu brechen.

Kaum angekommen, geht die Mission wie geplant schief © Panini Comics
Kaum angekommen, geht die Mission wie geplant schief © Panini Comics

Nia Nal stammt nicht direkt aus den Comics, sondern erschien zuerst in der TV-Serie Supergirl und war damit sogar die erste filmische Transgender-Superheldin. Dort wurde sie von Nicole Maines gespielt, die auch im echten Leben trans ist und seitdem auch die Comic-Auftritte von Nia schreibt. Oft enden solche Celebrity-Aktionen eher mittelmäßig, wenn die Personen überhaupt mehr machen, als nur ihren Namen herzugeben. Nicole Maines scheint aber tatsächlich an den Geschichten zu schreiben, und macht das sogar sehr gut. Eine lobenswerte Ausnahme von der zynischen Regel.

Der Zeichenstil passt perfekt zu der Geschichte. Egal ob Eddy Barrows oder Jose Luis, die Zeichnungen sind realistisch gehalten, aber mit schraffiertem, überspitztem Schattenspiel, das die dunkle Seite der Geschichte unterstreicht.

Steve Orlando und Fico Ossio schufen das erste Kapitel, das in den USA als Vorgeschichte in Action Comics erschien. Daher ist dieser Anfang in Wort und Schrift noch etwas weniger düster gehalten.

Insgesamt ist Suicide Squad – Dream Team ein toller, düsterer Comic. Das Grundkonzept bleibt im Rahmen typischer Suicide Squad-Geschichten: Waller zwingt Leute zu zwielichtigen Aktivitäten, was hier aber gut ausgeführt wird. Dadurch kann Dream Team auch ohne die Absolute Power-Verbindung für sich allein überzeugen.

Die harten Fakten

  • Verlag: Panini Comics
  • Autor*in(nen): Nicole Maines, Steve Orlando
  • Zeichner*in(nen): Eddy Barrows, Fico Ossio, Jose Luis
  • Seitenanzahl: 112
  • Preis: 15 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, Panini

 

Absolute Power 1

Absolute Power 1 zeigt aus Sicht von Waller und ihren (erzwungenen) Verbündeten, wie sie zu ihrem großen Schlag ausholt. Unter der Halle der Ordnung zwingt sie gefangene Superwesen, ihre Armee zu vervollständigen: Failsafe, die Brainiac Queen und sieben Amazos.

Failsafe ist ein Roboter, den Batman einst als Notfallsicherung baute. Falls er je töten würde, sollte Failsafe ihn stoppen. Dazu stattete Batman Failsafe mit all seinem Wissen, taktischen Genie, seinen Geheimnissen und mehr aus. Nachdem Failsafe außer Kontrolle geriet und nur knapp zerstört werden könnte, lässt Waller ihn reparieren, damit er ihr als General dient.

Die Brainiac Queen ist ein Roboter den Supermans Erzfeind, der geniale Alien-Cyborg Brainiac, baute, um alles Leben im Universum zu vernichten. In einem Kampf mit Superman landete die Brainiac Queen aber mit komplett blankem Speicher auf der Erde. Waller begab sich mit ihr in eine beschleunigte Computer-Simulation, in der Jahre in Stunden vergingen, und erzog sie wie ihre eigene Tochter – dazu, alle Superwesen vernichten zu wollen.

Mit ihren KI-Fake-News manipuliert Waller die ganze Welt © Panini Comics
Mit ihren KI-Fake-News manipuliert Waller die ganze Welt © Panini Comics

Amazo war ursprünglich ein irdischer Superroboter, der Superkräfte stehlen konnte. Mit Failsafe, Braniac Queen und ihren gefangenen Superschurk*innen lässt sich Amanda Waller sieben verbesserte Amazos bauen, die den Held*innen der Welt ihre Kräfte stehlen sollen. Bis die einzige Person mit Macht die ist, die die Roboter kontrolliert… Waller.

Dazu stellt sich heraus, dass Waller nach Dream Team die Insel Gamorra komplett übernommen hat. Dort lässt sie ein riesiges Gefängnis bauen, das außerhalb der Gesetze der Vereinigten Staaten liegt – quasi ein Super-Guantanamo.

Mit ihren Robotern bildet Waller ein düsteres Zerrbild der Justice League: Die „Trinity“ Batman, Superman und Wonder Woman spiegelt sich in Failsafe, Brainiac Queen und Waller, die in der Halle der Ordnung sitzen und von dort ihre mit verschiedensten Kräften ausgestatteten Amazos als den Rest der Liga führen.

Ihren finalen Schlag beginnt Waller damit, dass die Brainiac Queen das Internet mit gefakten Nachrichten, Bildern und Videos überschwemmt – absolutes Social Engineering mit einer Super-KI. Nachdem sie die gesamte Welt mit ihren Fake News überflutet und endgültig gegen die Held*innen aufgebracht hat, startet Waller ihren Angriff. Und einer der ersten, der in einem entscheidenden Moment die Kräfte verliert, ist Superman höchstselbst.

Waller hat sogar Green Arrow auf ihre Seite gezogen. © Panini Comics
Waller hat sogar Green Arrow auf ihre Seite gezogen. © Panini Comics

Absolute Power 1 ist ein guter Start zu dem großen DC-Event von 2025. Bis die Haupthandlung in Gang kommt, dauert es zwar etwas. Dafür gibt es aber eine gute und detaillierte Herleitung, die auch innerhalb der Grenzen und inneren Logik des DC-Universums plausibel erklärt, wie Waller ihre Machtbasis ausbaut und mit perfekter Planung einen Informationskrieg führt. Hier gibt es keine Deus Ex Machinas, durch die Autor*innen der Schurkin unverdient irgendetwas zuspielen, nur damit die Handlung weitergeht. Dass die Geschichten aus der Sicht ihrer Gefangenen erzählt werden, wie der Brainiac Queen oder eben Nia Nal alias Dreamer, verstärkt Wallers bedrohliche Allmacht zusätzlich. Die Spannung wird hier nicht durch ein Geheimnis der Schurkin erzeugt, sondern ähnlich wie bei Columbo: Man weiß genau, wie sie es getan hat. Die Frage ist, auf welche Art die Held*innen sie aufhalten werden.

Mit Chip Zdarsky, Joshua Williamson und vor allem Mark Waid als Hauptautor des Events ist hier die Spitze der aktuellen DC-Autor*innen zugange. Mit Dan Mora übernimmt die Zeichnungen ebenfalls einer der aktuell besten Zeichner im Superheld*innengenre. Ein spannender Anfang ist bei solchen Events durchaus üblich, spannend wird es aber mit der Weiterführung und vor allem dem Ende.

Die harten Fakten

  • Verlag: Panini Comics
  • Autor*in(nen): Chip Zdarsky, U.A., Joshua Williamson, Mark Waid
  • Zeichner*in(nen): Mikel Janin, Dan Mora, u.a
  • Seitenanzahl: 80
  • Preis: 9,99 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Panini

 

Absolute Power 2

In Absolute Power 2 geht das Event erst so richtig los. Waller hat ihren Erstschlag gelandet, zahlreiche Held*innen im Handstreich festgenommen und vielen anderen die Kräfte gestohlen. Sogar Supermans Sohn Jon Kent fiel ihr in die Hände. Sie kontrolliert und manipuliert mit dem Medienfluss des Internets die Welt und hört nicht einmal mehr auf den Präsidenten der USA. Wie kann sie jetzt noch gestoppt werden?

Selbst ihren Verbündeten erzählt Waller noch ihre Lügen über die „gefährlichen Anderen“. © Panini Comics
Selbst ihren Verbündeten erzählt Waller noch ihre Lügen über die „gefährlichen Anderen“. © Panini Comics

Die letzten verbleibenden Held*innen versammeln sich in Supermans Festung der Einsamkeit, wo sie – natürlich – erstmal neue Outfits bekommen. Neue Designs die als Vorlagen für Actionfiguren verwendet werden können, sind schon immer obligatorisch für Superheld*innenevents. Ja, es macht irgendwie Sinn, dass die Held*innen ihre verlorenen Kräfte ausgleichen müssen, aber zynisch ist es trotzdem. Ist ja auch jedes Mal die selbe Erklärung, sei es hier oder damals in DCs Batman: Metal-Event.

Auch ansonsten ist Absolute Power 2 ein eher typischer Mittelteil. Die Held*innen fangen an sich zu sammeln, zu organisieren und den Gegenschlag vorzubereiten. Sehr schön: Diesmal übernimmt nicht Superman oder Batman die Führung, sondern Nightwing entpuppt sich als natürlicher Anführer. Das Versprechen, dass die nächste Generation der Held*innen eine größere Rolle einnehmen darf, scheint gehalten zu werden. Außerdem schließt sich Nia dem Widerstand gegen Waller an und wird elegant in die Geschichte eingefügt.

Sonst ist nicht viel zu sagen: Waid ist ein hervorragender Autor und Mora ein genialer Zeichner. So bleibt die Geschichte unterhaltsam zu lesen, obwohl sie eigentlich nicht mehr bietet als den üblichen Mittelteil einer Handlung.

Als zweite Geschichte ist spannenderweise die Herkunftsgeschichte von Amanda Waller enthalten. In Eine Nachricht an die, die wir noch nicht sind erzählt John Ridley, der für 12 Years A Slave einen Oskar gewann, wie Waller von einer Hausfrau und Mutter zur skrupellosen Machiavellistin wurde. Amandas Tochter wurde von einem bekannten örtlichen Gangster vergewaltigt und ermordet. Da die Polizei sich aus allem heraushielt, brachte Amandas Ehemann aus Rache den Gangster um, wurde dabei aber auch getötet. Von einem Tag auf den anderen verlor Amanda nicht nur ihre Tochter und ihren Ehemann. Da ihr Mann bei einer Straftat starb, zahlt die Lebensversicherung nicht und lässt Amanda und ihre drei Kinder quasi mittellos zurück.

Die Angriffe bringen Held*innen auf allen Seiten an ihre Grenzen. © Panini Comics
Die Angriffe bringen Held*innen auf allen Seiten an ihre Grenzen. © Panini Comics

Diese schreckliche, aber leider allzu gewöhnliche Tragödie konterkariert Ridley mit Ausschnitten von Batmans Leben. Bruce erleidet ebenfalls Katastrophen, bei ihm sind sie aber mythisch überhöht und machen ihn zum Helden – vielleicht auch, weil er reich genug ist, sich das leisten zu können. Amanda wird durch die Verantwortungslosigkeit der Behörden tief getroffen und beginnt auch, sich zu engagieren – nicht als maskierte Rächerin, sondern als Wahlkampfhilfe für einen Senatorenkandidat. Sie möchte den richtigen Mann ins richtige Amt bringen, opfert dabei aber die Nähe zu ihren verbleibenden Kindern. Und ist der von ihr gewählte Kandidat überhaupt der richtige?

Die Zeichnungen von Alitha Martinez unterstützen diese Geschichte durch ihre simple Ruhe. Wallers Leben wird nicht überspitzt dargestellt oder zur epischen Tragödie stilisiert, wie eben Batmans Leben.

Sie ist eine Alltagstragödie, eine von hunderten, die leider täglich geschehen. Für Waller, wie für viele andere auch, ist es nur allzu nachvollziehbar, nach so einer Katastrophe etwas ändern zu wollen. In Wallers Fall entschuldigt das aber nicht ihre Radikalisierung zum gnadenlosen, grausamen Kontrollzwang, bei dem ihr Wille über allem steht. Wie es dazu kam, wird auch im nächsten Heft fortgesetzt. Es bleibt also spannend.

Die harten Fakten

  • Verlag: Panini Comics
  • Autor*in(nen): John Ridley, Mark Waid
  • Zeichner*in(nen): Alitha Martinez, Dan Mora
  • Seitenanzahl: 56
  • Preis: 6,99 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Panini

 

Artikelbilder: © Panini Comics / DC Comics
Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat: Hendrik Pfeifer
Fotografien: Paul Menkel
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