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Der neue Morgen des DC-Universums geht weiter! Diesmal bringt Panini uns Dawn of DC-Bände von Harley Quinn, Flash und den Titans. Schafft Harley es, einen normalen Job anzunehmen? Können Flash und die Titans in die Fußstapfen der Justice League, der größten Held*innen der Welt, treten? Teilzeitheld Paul verrät es euch.

Triggerwarnungen

Gewalt, Gehirnwäsche, Parasiten, Kinder in Gefahr, Body Horror

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Haupthandlung/Metaplot

Dawn of DC ist der Titel für das große Unterfangen vom DC-Comicverlag, sein Universum neu zu ordnen. Dabei sollen beliebte Figuren weitergenutzt werden, aber auch aus innovativen neuen Blickwinkeln betrachtet und vor neue Herausforderungen gestellt werden. Bei den Dawn of DC Bänden zu Green Lantern, Superman und Green Arrow hat das schon ganz gut geklappt. Die drei Figuren sind aber auch seit Jahrzehnten etablierte klassische Helden. Klappt der neue Ansatz ebenso gut bei einer Figur wie der verrückten Anti-Heldin Harley Quinn? Und die große Frage ist natürlich, wie es mit den Titans vorangeht.

Die ehemaligen Teen Titans (mittlerweile sind sie erwachsen) bestehen aus den Sidekicks, Schüler*innen und Gehilf*innen der Helden der Justice League. Diese hat sich nach dem letzten Groß-Event aber aufgelöst und will der nächsten Generation eine Chance geben, sich zu beweisen. Sind die Titans diesen großen Erwartungen gewachsen? Und vor allem: Klappt es nicht nur innerhalb der Geschichte, sondern auch in der echten Welt, dass DC die Titans-Figuren zu einem bekannten Namen macht?

Harley Quinn 1 – Eine Krise nach der Anderen

Harley Quinn bekommt zu Ehren von Dawn of DC einen neuen Nummer-Eins-Band von Panini. Anders als bei den anderen Dawn of DC-Bänden steckt dahinter aber keine neue amerikanische Reihe. Die amerikanische Harley-Quinn-Reihe lief ununterbrochen weiter. Theoretisch ist Harley Quinn 1 – Eine Krise nach der Anderen also die direkte Fortsetzung von Harley Quinn 5 – Wer hat Harley getötet?. Bieten die neuen Autorinnen und Zeichnerinnen (Tini Howard, Erica Hendersson und Sweeney Boo ersetzen Stephanie Phillips, David Baldeon und Matteo Lolli) trotzdem einen, zum Neueinstieg geeigneten, neuen Ansatz für Harley Quinn?

Nicht alle Student*innen sind von einer ehemaligen Superschurkin als Dozentin begeistert © Panini Comics

Nun ja, teils, teils. Zum einen gibt sich das Team Mühe, einen neuen Status Quo für Harley Quinn einzuführen. Die ehemalige Freundin des Jokers hat ihre kriminelle Vergangenheit weit hinter sich gelassen und ist mittlerweile eine eigentlich etablierte Heldin. Bei einem Kampf gegen den Gangsterboss Two-Face werden Harley allerdings Kollateralschäden zur Last gelegt. Daraufhin wird sie verurteilt, am Gotham Community College Sozialstunden abzuleisten. Bevor der Joker sie manipulierte, war Harley immerhin eine Psychologin mit Doktortitel. Soweit macht sich der neue Ansatz gut: Statt ihres völlig losgelösten Daseins als verrückte Verbrechensverhüterin, die dann und wann aus ihrer Wohnung wankt um einen Überfall zu verhindern, ist Harley damit in die Gesellschaft eingebunden. Kann sie sich wieder in der professionellen Welt der Akademiker*innen zurechtfinden? Kann sie ihre psychischen Probleme und Narben überwinden, oder ihre Eigenheiten nutzbringend kontrollieren? Wie wird sie mit den anderen Professor*innen und den Student*innen zurechtkommen? Wird sie die Schatten ihrer mörderisch-kriminellen Vergangenheit überwinden können oder mit alten Opfern konfrontiert werden? Alles vielversprechende, spannende Fragen, die der Comic leider ignoriert.

Es wird sehr schnell sehr kosmisch. © Panini Comics

Stattdessen wird Harley wieder, wie schon in Harley Quinn 5 – Wer hat Harley getötet?, in eine Multiversums-Geschichte hineingezogen. Sie hat plötzlich die Fähigkeit, Dinge aus anderen Welten in ihre zu holen. Damit destabilisiert sie jedoch das Gefüge der Welten und Lady Quark, eine Wächterin des Multiversums, stellt ihr ein Ultimatum. Harley wäre aber nicht Harley, wenn sie nicht trotzdem selbst versuchen würde, die Lage zu verschlimmbessern.

Diese zwei Seiten von Harley Quinns Dawn of DC-Neustart verbinden sich leider nie zu einer harmonischen Einheit. Am Anfang scheint es, als ob ihr neues Leben am Community College und die Fehde mit Two-Face der Kern der Handlung werden. Das wird aber plötzlich fallengelassen und auf eine kosmische Parodie umge schwenkt. Vielleicht war die Absicht dahinter, Harley Quinn eine ähnliche Multiversum-überspannende Ausrichtung zu geben wie es Marvel mit ihrer rot-schwarz-gekleideten Quasselstrippe Deadpool in Deadpool & Wolverine tut. So ganz greift das aber nicht. Harley landet in der Welt von Captain Carrot, einer von lustigen Tieren bevölkerten Looney-Tunes-Realität. Captain Carrot sieht etwa aus wie Bugs Bunny als Superman. Und auch die anderen Realitäten sind ähnlich witzig, albern und parodistisch gehalten.

So richtig wie ein Cartoon sieht die Welt des Superman-Hasen aber nicht aus. © Panini Comics

Dabei fehlt leider aber sowohl ein solider emotionaler Kern als auch eine Handlung. Vor allem mit Lady Quark versucht der Comic immer wieder zu zeigen, dass die Bedrohung ernst ist, das geht aber insgesamt unter. Und um die Spannungs- oder Handlungsprobleme mit Humor zu überdecken, sind die Witze leider nicht lustig genug.

Die Zeichnungen sind insgesamt solide und fallen durch den Anime-Einfluss auf. Große Augen, lange Gliedmaßen, vor allem lange Beine, überproportional große Füße und viel Rosa als dominante Farbe erinnern an Shôjo-Animes. Das sieht nett aus und passt auch zu dem lustigeren Ansatz des Comics.

Insgesamt bleibt Harley Quinns Neuanfang aber zwischen den Extremen hängen. Komplett unernste Popkultur-Parodie wäre eine Wahl gewesen. Dass Harley sich als College-Professorin sich selbst und ihren Studenten stellt, eine andere. Im Lauf des Comics verlagert sich die Geschichte zwar immer mehr auf den Multiversums-Aspekt, leidet aber unter irritierenden Rückfällen auf die geerdete College-Story, die nie richtig zueinander passen.

Die harten Fakten

  • Autor*in(nen): Erica Henderson, Tini Howard
  • Zeichner*in(nen): Erica Henderson, Sweeney Boo
  • Seitenanzahl: 140
  • Preis: 20 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, idealo, Panini

 

Flash 1 – Grausiges Speed-Force-Zeug

Flash 1 – Grausiges Speed-Force-Zeug bietet einen Neustart, indem es den Superheld Flash mit einem gänzlich neuen Ansatz unter die Lupe nimmt. Flash ist Wally West, der ehemalige Sidekick Kid Flash, der die Rolle von seinem Mentor Barry Allen übernahm. Wally ist ein verheirateter Familienvater, der mit seiner Frau Linda und seinen Kindern Irey, Jai und dem Baby Wade zusammenlebt. Seine Kinder haben verschiedene Aspekte von Wallys Superkräften geerbt, was die Familie vor so manche Herausforderung stellt.

Beim Familienporträt entwickelt der Comic literarische Züge. © Panini Comics

Flash ist an sich ein simpler Held: Er ist superschnell. Im Lauf der Jahre öffnete die Supergeschwindigkeit aber viele Logiklöcher: Warum löst Flash keine straßenzerstörenden Schallknalle aus? Warum verbrennt er nicht durch die Luftreibung? Warum muss er nicht tonnenweise Essen runterschlingen, um seinen Energieverbrauch zu bewältigen? Wie kann er sich mit x-facher Lichtgeschwindigkeit fortbewegen, ohne dass die Atmosphäre zu brennendem Plasma schmilzt? Wie kann Flash seine Atome zwischen anderen durchvibrieren, um durch Wände, Dimensionen oder die Zeit zu reisen? Um all diese physikalischen Probleme zu beantworten, dachte sich Mark Waid Anfang der 90er die „Speed Force“ aus. Die Speed Force ist ein unerforschtes kosmisches Energiefeld, das Geschwindigkeit manipuliert. Es ist etwas wie in der berühmten Simpsons-Szene, wo die Autoren einer Fernseh-Show irgendwann alle spitzfindigen Fan-Fragen nur noch mit „A Wizard did it“ beantworten. Flash ist so schnell, dass er ankommt, bevor er losrennt und sich dabei selbst sieht, wie er sich überholt? „Speed Force.“

Das führte aber irgendwann zu noch übertriebeneren Exzessen. Eine Zeitlang konnte Flash Objekten nach Belieben Geschwindigkeit entziehen und hinzufügen, also auch Leute erstarren oder beschleunigen. Er konnte feste Objekte aus „purer Geschwindigkeit“ formen, über die Speed Force den Kosmos in Zukunft, Vergangenheit und Gegenwart spüren, und mehr. Dadurch wurde er so übermächtig, und die Speed Force nahm so überhand als zentrales Element von Flash-Comics, dass sich eigentlich alles nur noch um die Speed Force drehte. Für Flash-Comics, aber auch die Arrowverse-Serie und den Kinofilm, wurde das langsam ein Problem.

Typischerweise wird das alles in Flash-Comics nicht sonderlich bedacht. Flash ist schnell, die Speed Force kann alles, und es geht am Ende darum, wer am schnellsten ist und die meiste Speed Force nutzen kann.

In Flash 1 – Grausiges Speed-Force-Zeug wendet sich Author Simon Spurrier der Angelegenheit aus einem ganz anderen Blickwinkel zu. Ein klassischer Flash-Schurke, der telepathische Super-Gorilla Grodd, manipuliert die Speed Force mal wieder und erzeugt damit eine Anomalie. Freunde von Flash wie das Supergenie Mr. Terrific versuchen, die Anomalie und damit die Speed Force wissenschaftlich zu ergründen. Auch mysteriöse Wesen aus anderen Dimensionen tauchen auf, um ihre eigenen Experimente durchzuführen. Das sind allerdings keine bloßen anderen Realitäten wie bei Harley Quinn, sondern andere Dimensionen im lovecraftschen Sinne, wo andere Naturgesetze herrschen und das Leben fremdartige Formen annimmt.

In anderen Sphären, in denen “die Knochen des Jetzt die Wurzeln der Wahrnehmung nähren”, wird es schnell metaphysisch-poetisch. © Panini Comics

Wally erweitert derweil sein Bewusstsein. Neben Raum und Zeit scheint die Speed Force ihm Einblick in noch mehr Dimensionen zu ermöglichen. Doch was wartet hinter Raum und Zeit, seitwärts der Realität? Und ist die Speed Force eine gutwillige Kraft, oder doch etwas größeres, jenseits des menschlichen Verstandes, die ganz andere Dinge mit sich bringt?

Statt einer klassischen Superheldengeschichte ähnelt Flash 1 – Grausiges Speed-Force-Zeug eher Vertigo-Comics von Anfang der 90er. In diesem Unterverlag experimentierte DC damals mit ausgefallenen Stories der Counter Culture, die Sozialkritik mit bewusstseinserweiterndem kosmischem Surrealismus, experimenteller Physik und düsterem Pop-Okkultismus verbanden. Dazu gehörte zum Beispiel Neil Gaimans Sandman und Doom Patrol und The Invisibles von Grant Morrison. Von Morrison stammt auch das legendäre Animal Man, in dem der titelgebende Superheld durch die Logiklöcher seiner unklar definierten Superkräfte sich seiner eigenen Fiktionalität bewusst wird. Vor allem an Animal Man werden bei Flash 1 – Grausiges Speed-Force-Zeug Erinnerungen wach.

Die Stillness sind Forschungsreisende aus weit entfernten Sphären jenseits menschlicher Vorstellungskraft – Dämonen für manche, Engel für andere. © Panini Comics

Die metaphysische Auseinandersetzung mit unmenschlichen Dimensionen gehen bei Flash mehr Richtung Lovecraft und Hellraiser, aber die Familienkrise ähnelt sich sehr. Das nüchtern-psychologische Gemütsbild der Mutter ohne Kräfte, die sich von der Familie ausgeschlossen fühlt, die Kinder, die mit ihren ererbten Kräften hadern und sich nicht in der Gesellschaft zurechtfinden, und die Spannung zwischen dem Vater als Superheld, den seine Kräfte entrücken – das alles kommt angenehm bekannt vor.

Bis jetzt kann Flash 1 – Grausiges Speed-Force-Zeug noch nicht mit den großen Momenten des Klassikers mithalten. Dazu sind die Zeichnungen zwar passend düster und realistisch, aber vor allem die großen, Pop-Art-ähnlichen Schattierungspunkte lassen die Bilder teilweise seltsam künstlich wirken. Trotzdem ist Flash 1 ein spannender neuer Ansatz für eine Flash-Geschichte und, im Positiven, deutlich geradliniger lesbar als die Vertigo-Comics von damals. Vielleicht schafft Spurrier es sogar, die Speed Force so umzudefinieren, dass die zukünftigen Flash-Comics sich von ihr als MacGuffin und Deus Ex Machina in einem losreißen können.

Die harten Fakten

  • Autor*in(nen): Simon Spurrier
  • Zeichner*in(nen): Mike Deodato Jr.
  • Seitenanzahl: 164
  • Preis: 20 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, idealo, Panini

 

Titans 1 – Aus dem Schatten

Für das Superteam der Titans ist der große Moment gekommen: Die Justice League hat sich zeitweilig aufgelöst und das Schicksal der Welt in die Hände ihrer ehemaligen Protegés übergeben. Aber sind die Titans der Herausforderung gewachsen?

Tatsächlich sind sie eines der ältesten DC-Teams. Ursprünglich, als das erste Comic in den 1960ern erschien, bestanden die damaligen Teen Titans aus den jugendlichen Sidekicks der großen Justice League-Helden. Robin von Batman, Kid Flash von Flash, Wonder Girl von Wonder Woman, Aqualad von Aquaman und Speedy von Green Arrow. Die erfolgreichste Zeit des Teams war in den 80ern: Damals traten Starfire, Cyborg, Beast Boy und Raven bei und die New Teen Titans wurden unter Author Marv Wolfman zu einer der erfolgreichsten Comicreihen von DC. Wie so viele Comic-verwandte Dinge stürzte der Stern der Titans aber in den 90ern ab. 2003 startete eine erfolgreiche Teen Titans Zeichentrickserie, die vor allem Starfire und Raven nachhaltig neuinterpretierte. Leider schafften die Comics es nicht, den Erfolg des Cartoons einzufangen. Auch trotz des großen Erfolgs des Gag-Cartoons Teen Titans Go und der umstritten-düsteren Realserie Titans schaffte DC es in mehreren Versuchen nicht, einen guten neuen Comic zu etablieren. Wie viele andere DC-Comics waren sie hauptsächlich damit beschäftigt, den legendär schlechten New 52-Reboot der Titans wieder rückgängig zu machen. Kann es also klappen, die Titans quasi aus dem Nichts als neues Superteam der Superteams aus dem Boden zu stampfen?

Der neue Titans Tower erinnert an das alte Wayne Foundation Gebäude aus Batman-Comics der 70er © Panini Comics

Titans 1 – Aus dem Schatten gibt jedenfalls sein Bestes. Das Team der ehemaligen Sidekicks ist längst erwachsen geworden. Batmans Gehilfe Robin ist sein eigener Mann geworden und nennt sich jetzt Nightwing, Kid Flash in die Fußstapfen seines Mentors getreten und der neue Flash, während Wonder Girl beim selben Namen geblieben ist. Zusammen mit Starfire, Cyborg, Beast Boy und Raven bilden die Titans ein mächtiges, ausbalanciertes Team, das die ikonischsten Mitglieder vereint. Von ihrer Basis aus, dem T-förmigen Wolkenkratzer „Titans Tower“, wollen sie jetzt über die Erde wachen. Im ersten Band stehen die Titans vor drei großen Herausforderungen: Zum einen finden sie den Leichnam von Flash, der aber noch lebt. Anscheinend ist er in der Zukunft getötet worden und mit letzter Kraft in seine Vergangenheit/unsere Gegenwart gereist, damit die Titans mit seiner Leiche als Hinweis seinen Mord verhindern können (typisch Speed Force). Zum zweiten gibt es einen riesigen Waldbrand im Urwald von Borneo, den die Titans löschen und anschließend den Wald neu aufforsten wollen und dabei der örtlichen Politik in die Quere kommen. Und drittens hat der Erzfeind der Titans, der böse Kultistenführer Brother Blood, seine „Kirche des Blutes“ zur „Kirche der Ewigkeit“ umbenannt und behauptet, jetzt Gutes tun zu wollen. Die Titans sind begründet misstrauisch.

Als Nachfolger der Justice League bekommen die großen Held*innen auch große Probleme © Panini Comics

Die drei Handlungsfäden bieten drei sehr klassische Elemente von Superteam-Geschichten: Flashs Leiche aus der Zukunft ist der „Superkrimi“. Die Umweltkatastrophe in Borneo ist die, nun ja, Umweltkatastrophe, die das Team nicht mit roher Gewalt weghauen kann. Hier müssen die Helden sich fragen, wieviel sie eingreifen dürfen und wieviel die Menschheit eigenverantwortlich ist, auch im schlechten. Der Faden um Brother Blood/“Eternity“ besteht nicht nur aus dem klassischen Superschurken, sondern auch dem ebenso klassischen Element, dass der Schurke die Öffentlichkeit gegen die Held*innen aufbringt. Dazu fehlen natürlich die „Seifenoper“-Elemente nicht: die Beziehungen der Held*innen untereinander und wie sie mit der neuen Rolle und Verantwortung zurechtkommen.

Insofern bietet Titans 1 – Aus dem Schatten ein klassisches Superhelden-Setup, an dem es nichts auszusetzen gibt. Nichola Scotts farbenfrohe, aber realistische Zeichnungen passen hervorragend dazu. Leider schafft Tom Taylor es aber nicht, mehr aus der Geschichte zu machen. Hier ist sehr viel „klassisch“, und solide erzählt und ausgeführt – aber mehr leider nicht. Zum richtigen Erfolg fehlt hier das gewisse Etwas, das den Funken überspringen lässt. Wolfmans Titans hatten das in den 80ern, Taylor fehlt es leider. Titans 1 ist ein in jeglicher Hinsicht solider, routinierter Comic, ist interessant, spannend und macht Spaß zu lesen. Aber um die Titans als würdige Nachfolger der Justice League zu etablieren, dazu ist es leider nicht genug.

Will der aalglatte Brother “Eternity” seinen satanischen Todeskult wirklich reformieren? © Panini Comics

Die Schuld daran liegt aber nicht bei Taylor. So ein großes Projekt hätte DC schon seit Jahren vorbereiten sollen. In den 80ern oder frühen 90ern, zum Höhepunkt des Marv-Wolfman-Runs wäre das denkbar gewesen. Hätte DC es 2003 geschafft, den Erfolg der Zeichentrickserie mit den Comics in Einklang zu bringen, so wie Marvel die MCU-Filme mit den Comics verbindet, hätten die Titans auch eine große Fangemeinde gehabt. Aber so sind die Titans seit über zehn Jahren vernachlässigt. Die alternden Fans werden nur von der Erinnerung an die guten alten Comics gehalten, die modernen Comics versuchen, bis jetzt mäßig erfolgreich, das „Früher“ zurückzubringen, schaffen aber keine Plattform, um im Großen neue Fans zu bilden. Teen Titans Go ist ein sehr erfolgreicher Cartoon, als übertriebene Parodie aber keine Basis, um die Comics daran anzuknüpfen. So bleibt leider als Firmentaktik von DC nur ein übereilter Schnellschuss, um die Titans mit Nostalgie zu einem großen Blockbuster-Franchise zu forcieren. Da die guten Jahre der Titans wirklich gut waren, wünscht man ihnen Erfolg, aber leider ist der alles andere als wahrscheinlich.

Die harten Fakten

  • Autor*in(nen): Tom Taylor
  • Zeichner*in(nen): Nicola Scott
  • Seitenanzahl: 132
  • Preis: 16 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, idealo, Panini

 

Artikelbilder: © Panini Comics / DC Comics
Layout und Satz: Andreas Hübner
Lektorat: Giovanna Pirillo
Fotografien/Scans: Paul Menkel

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