Neben Marvel spielt auch DC „Was wäre, wenn“ mit alternativen Verläufen und abgeänderten Welten. Was wäre, wenn Absolute Batman nicht reich wäre? Was wäre, wenn sich alle WB-Figuren treffen würden? Was wäre, wenn Batmans zweiter Robin nicht vom Joker getötet worden wäre? Diesmal besprechen wir DCs Antworten auf diese Fragen.
Gewalt, Trauma, Suizid, Wahnsinn, Gewalt gegen Kinder
Inhaltsverzeichnis
Absolute Batman 1
Letztes Jahr hat Marvel das Ultimative Universum wiederbelebt. Eine alternative Welt abseits der normalen Comics, die kein Vorwissen zum Einstieg braucht. Dafür werden interessante, ungewöhnliche Ideen ausprobiert, die in den normalen Reihen keinen Platz finden, wie Ultimate Spider-Man mit Peter Parker als Familienvater. Was das mit Absolute Batman zu tun hat? Nun ja, bei DC scheint man sich gedacht zu haben, was Marvel ultimativ kann, können wir absolut. Die Absolute DC Comics spielen ebenfalls in einer alternativen, einstiegsfreundlichen Welt. Die ungewöhnliche Grundidee ist hier, dass Batman in dieser Welt statt eines Multimillionärs ein Bauarbeiter ist. Die Inspiration hinter Absolute DC scheint klar, aber kann Absolute Batman mit Ultimate Marvel mithalten?

Absolute Batman beginnt mit einem radikal anderen Ansatz. In der Absolute-Welt ist Bruce Wayne alias Batman kein Millionär, der durch den Mord an seinen Eltern zu Batman wurde. Hier führten seine Eltern ein Waisenhaus, und nur sein Vater wurde bei einem Zooausflug getötet. Seine Mutter lebt tatsächlich immer noch. Logischerweise spielt Bruce auch nicht den reichen Playboy, sondern verdient sein Geld als Bauarbeiter – und ist ein über zwei Meter großer, 190 Kilo schwerer Muskelberg. Darüber hinaus sind seine klassischen Feinde wie der Pinguin, der Riddler, Two-Face oder Killer Croc hier keine Superschurken, sondern wuchsen im Waisenhaus von Bruce’s Eltern auf und sind noch heute seine besten Freunde. Sie haben aber ähnliche Wege eingeschlagen: Harvey „Two-Face“ Dent ist Staatsanwalt, Oswald „Pinguin“ Cobblepot ein Gangster, Edward „Riddler“ Nigma ist Wissenschaftler und Waylon „Killer Croc“ Jones ist ein Boxer. Mit ihren diversen Erfahrungen und Verbindungen unterstützen sie unwissentlich Batman.
Die Handlung beginnt damit, dass der mysteriöse Geheimagent Alfred Pennyworth (für gewöhnlich der Butler des Millionär-Batmans) nach Gotham City kommt. Er ist auf der Spur von Black Mask, einem internationalen Terroristen, der sich die Stadt als seinen nächsten Spielplatz ausgesucht hat. Black Masks Modus Operandi besteht darin, mit seinen fanatisch ergebenen, maskierten Truppen, den Party Animals, Angst und Terror zu verbreiten. Dann beginnt er, hohe Kopfgelder auf Polizist*innen, Politiker*innen und so fort auszusetzen, die auch normale Bürger*innen verdienen können. Mit dieser Mischung aus Zuckerbrot und Peitsche höhlt Black Mask ganze Städte aus und zerstört jeglichen Zusammenhalt. Niemand kann wissen, wer von Bekannten, Freund*innen und Familie unter einer Maske steckt – oder das nächste Ziel wird.
Dass Batman sich Black Mask in den Weg stellen muss und Bürgermeister Gordon retten will, ist natürlich klar. Absolute Batman ist im routinierten Schreibstil von Scott Snyder geschrieben, einem der profiliertesten Batman-Autoren der letzten 15 Jahre. Allerdings wird ebenso schnell klar, dass Snyder die Möglichkeiten des ganz anderen Batmans ungenutzt lässt. Gut, dieser Batman ist kein Millionär – aber was bedeutet das schon, wenn er trotzdem ein Genie und unbesiegbarer Kämpfer mit kugelsicherem Anzug ist, Gadgets ohne Ende besitzt, statt eines Batmobils einen riesigen Bat-Muldenkipper und dutzende Bathöhlen (diesmal in den Spitzen unfertiger Wolkenkratzer-Baustellen). Statt der üblichen Flashbacks zum Mord an Bruces Eltern in Crime Alley gibt es den Tod von Bruces Vater im Zoo zu sehen. Das Versprechen eines grundlegend anderen Batman wird hier auf die Aufmachung beschränkt. Trotz lebender Mutter, Tagesjobs als Bauarbeiter und fehlender Millionen ist es letztendlich derselbe Snyder-Batman, der die üblichen Snyder-Abenteuer erlebt.

Zum einen greift Snyder mit Black Masks Party Animals auf seine eigene Idee zurück. In seinem Batman-Run führte Snyder 2012 die Red Hood-Gang ein, eine für jede Aktion neu zusammengestellte Bande aus erpressten, normalen Bürgern, die vom mysteriösen Anführer in eine Spirale der Korruption gezwungen wurden. Zum anderen hat Snyder sich in den letzten Jahren immer mehr auf eine überbordende Inszenierung konzentriert, wie bei seinem DC-als-Heavy-Metal-Albumcover-Event Death Metal oder seiner Joker-Batman-Mischung „Der Batman, der lacht.“ Entsprechend präsentiert sich auch Absolute Batman: Dieser Batman ist gigantisch, dominiert in Kampfszenen die Gegner*innenhorden und benutzt ausgefallene Teleskop-Arme mit Fledermauskrallen, um Feind*innen durch die Luft zu schleudern. Er fährt Stacheln am ganzen Körper aus oder schwingt eine Axt in Batlogo-Form – aber natürlich alles, ohne zu töten. Das mag cool und „episch“ aussehen, ist mittlerweile aber bloßes Spektakel. Das „dahinter“, das aus dem Comic mehr machen würde als eine Reihe cooler Panels für Instagram, das Snyders erste Batman-Comics wie Rat der Eulen zu Klassikern machte, fehlt hier leider.

Dragottas Zeichenstil lässt Absolute Batman immerhin cool aussehen. Der massige Batman, dessen Körperbau sich an Frank Millers Klassiker Der dunkle Ritter kehrt zurück anlehnt, dominiert einfach alles und ist eine Maschine, die alles niederwalzt. Visuell ist das hervorragend getroffen und die Action wechselt gelungen zwischen großen Panels und Detailaufnahmen, die betonen oder geschickt andeuten. Die Farben unterstützen die emotionale Wahrnehmung, mit in Rot getauchten Panels bei Wut oder Kampf, oder blass-vergilbten Farben bei Erinnerungen.
Insgesamt ist Absolute Batman leider eine Enttäuschung. Für sich genommen ist es vielleicht eine annehmbar-durchschnittliche Handlung, in die man mit relativ wenig Vorwissen einsteigen kann, auch wenn damit einige Anspielungen verloren gehen. Aber das Potenzial des anderen Batman-Ansatzes, der die Besonderheit von Absolute Batman sein sollte, verschenkt Snyder völlig. Was wäre, wenn Batmans Mutter nie getötet und er statt Millionär ein Bauarbeiter wäre? Eigentlich alles wäre alles gleich, Batmans Ausrüstung sieht nur etwas klobiger aus.
- Verlag: Panini Comics
- Autor*in(nen): Scott Snyder
- Zeichner*in(nen): Nick Dragotta
- Seitenanzahl: 104
- Preis: 9,99 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, Panini
Multiversus
Multiversus ist das Comic zum gleichnamigen Videospiel, in dem Figuren aus Warner Bros. Entertainments reichhaltiger Lizenztruhe sich treffen und witzige, überdrehte Prügeleien im Stil von Super Smash Bros. liefern.
Wiederkehrende Leser*innen haben es vielleicht gemerkt, Warner Bros. haben es die letzten Jahre immer wieder versucht einen Life-Service-Hit auf die Beine zu stellen und pflichtbewusst Comics dazu geliefert. Sei es das mittelmäßig verschlafene Gotham Knights oder der phänomenale Flop Suicide Squad – Kill the Justice League. Sollte Multiversus der nächste Gaming-Hit werden? Als es das erste Mal von Juli 2022 bis Juni 2023 spielbar war, sah es danach aus, als hätte Super Smash Bros. endlich einen Rivalen gefunden. Nachdem das Spiel offline genommen wurde und 2024 wieder spielbar wurde, sah es allerdings ganz anders aus. Mittlerweile sind die Server abgeschaltet und das Videospiel Multiversus kann nicht mehr gekauft werden. Aber lassen wir uns davon nicht abschrecken, denn wie das Comic zu Kill the Justice League zeigte, kann auch ein schlechtes Game gute Ableger-Comics bekommen.
Das Comic Multiversus beginnt auf der DC-Erde, wo Superman, Batman und Wonder Woman Visionen von seltsamen Symbolen geplagt werden. Die Spur führt zu Avia Free, der Tochter des Superhelden Mr. Miracle. Da ihre Eltern gerade auf Abenteuer im Weltall sind, hat die kleine Avia ihren Alien-Supercomputer zu einer Spielekonsole umgebaut, mit unbeabsichtigten Folgen. Nun werden Kämpfer*innen aus verschiedensten Realitäten auf die DC-Erde gezogen und die Held*innen müssen den Schlamassel auflösen.
So treffen die DC-Held*innen auf Bugs Bunny, Scooby Doo und Shaggy, Steven Universe, Tom und Jerry, die Böse Hexe aus Der Zauberer von Oz und mehr. Die Auswahl zeigt, dass sich hier eher an kleinere Leser*innen gerichtet wird. Rick Sanchez, der verrückte Wissenschaftler aus Rick and Morty hat so etwas wie einen Gast-Auftritt: Er hat betrunken den bösartigen Alien-Cyborg umprogrammiert und ist dann schnell aus der Geschichte verschwunden – zum Glück, sonst wäre sie keinesfalls mehr jugendfrei. Auch andere Figuren aus „erwachseneren“ Quellen, die es im Spiel gab, sind verständlicherweise nicht im Comic, wie Jason Voorhees aus Freitag der 13.
Letztlich lässt sich zu Multiversus nicht allzu viel sagen. Die Geschichte spielt sich in flottem Tempo ab, die Handlung und Figuren sind simpel, aber gut getroffen und auch der sehr cartoonhaft stilisierte Zeichenstil passt dazu. Es ist ein simples Comic, der genau das ist, was es sein will, nicht mehr, aber auch nicht weniger: eine nette kleine Crossover-Geschichte für die Kleinen.
- Verlag: Panini Comics
- Autor*in(nen): Bryan Q. Miller
- Zeichner*in(nen): Jon Sommariva
- Seitenanzahl: 152
- Preis: 20,00 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, Panini
Batman – Ein Todesfall in der Familie – Robin lebt!
Batman – Ein Todesfall in der Familie – Robin lebt! ist, anders als Multiversus, ein Comic mit Ambitionen, das tief in die Nerd-Vergangenheit zurückgreift. Es ist eine alternative Fortsetzung von Batman – Ein Todesfall in der Familie, das Thanos-Erfinder Jim Starlin 1988 schrieb. Bei diesem Comic richtete DC einen Telefonwettberwerb aus, bei dem Leute mit ihren Anrufen dafür stimmen konnten, ob der damalige Robin Jason Todd einen Angriff des Jokers überleben würde – oder sterben. Letztlich riefen mehr Leute dafür an, dass Robin sterben sollte, wobei es bis heute Gerüchte gibt, dass manche Fans hundertfach anriefen, um das Ergebnis zu manipulieren. Auf jeden Fall endete Ein Tod in der Familie mit Robins Tod. Und das war 1988, noch vor dem modernen Prinzip, dass Superheld*innen nie tot bleiben. Selbst dann galt noch lange das Sprichwort, „In Comics bleiben nur drei Leute tot: (Spider-Mans) Onkel Ben, (Captain Americas Sidekick) Bucky und Jason Todd“. Nun ja, 2005 kehrte Bucky als Winter Soldier und Jason Todd als Red Hood zurück. Aber was wäre denn nun passiert, hätte Jason Todd damals überlebt?

Robin lebt! setzt im letzten Kapitel von Ein Tod in der Familie an. In dem Originalcomic war Batmans erster Sidekick Dick Grayson nicht mehr Robin, sondern hatte sich als Nightwing selbstsändig gemacht. Vor den Ereignissen des Originalcomics hatte Batman einen zweiten Waisenjungen namens Jason Todd von der Straße rekrutiert und zum neuen Robin gemacht. Im Laufe des Comics erfuhr Jason, dass seine totgeglaubte Mutter als Hilfsarbeiterin im Libanon arbeitete. Als er sie vor Ort traf, wurden sie allerdings vom Joker überrascht, der Jason mit einem Brecheisen bewusstlos prügelte und dann beide mit einer Bombe tötete. In Robin lebt! hat Jason, nicht aber seine Mutter, die Explosion überlebt. Trotz seiner physischen Genesung hat Jason allerdings ein Trauma erlitten, das Batman nicht heilen kann. Während Jason von einer Psychotherapeutin behandelt wird, wird er als Robin immer brutaler. Und der Joker treibt sich immer noch frei herum …
Leider ist Robin lebt! alles andere als gelungen. Dass es eine alternative Fortsetzung eines 37 Jahre alten Comic ist, sei vergeben. Ein Tod in der Familie gilt schließlich immer noch als eines der prägendsten und ikonischsten Batman-Comics, knapp hinter Das Erste Jahr, Die Rückkehr des Dunklen Ritters oder Killing Joke. Aber hier stellt sich wirklich die Frage: Wozu das ganze? Die Handlung läuft wirr vor sich hin, mit extremen Zeitsprüngen und der größte Fokus liegt nicht auf Jason Todd, sondern auf Batman. Wie der ohnehin schon aggressive Jason versucht, sein schweres Trauma zu verarbeiten, wird hier nur nebenbei gezeigt. Hauptsächlich geht es darum, wie sich Batman fühlt, wenn er den leidenden Todd sieht. Todds Trauma wird auch schnell auf seine Verletzung reduziert. Dass der Joker auch seine Mutter tötete, wird kaum angesprochen. Dann wird Jason relativ schnell unter Hausarrest gesetzt und bei der Psychotherapeutin untergebracht, während Batman und Nightwing den Joker jagen. Im Vorwort wird angesprochen, dass DC für beide Ausgänge, Tod oder Überleben von Jason, vorgearbeitet hatte. Robin lebt! kann aber kaum auf den ursprünglichen Gedanken basieren, dazu gibt es vor allem am Ende zu viele an den Haaren herbeigezogene Plot-Twists zum Schicksal von Joker und Robin, die damals bestimmt nicht in Erwägung gezogen wurden.

Das macht den Gedanken hinter Robin lebt! irgendwie unklar. Ja, J. M. DeMatteis war ein hervorragender Autor, der in den 80ern bei Justice League überzeugen konnte und mit Kravens letzte Jagd eine der besten Spider-Man Geschichten schrieb. Dort glänzte er mit seinem Gespür für Charakterisierungen und seiner psychologischen Tiefe. Davon ist hier allerdings nichts zu spüren. Statt eines alternativen Endes der klassischen Geschichte wirkt Robin lebt! wie eine Fanfic von DeMatteis, die mehr von späteren Werken wie Batman of the Future – Der Joker kommt zurück oder Der Dunkle Ritter schlägt zurück beeinflusst ist. Warum wurde überhaupt DeMatteis für dieses Comic gewählt? Mit Batman verband ihn bis jetzt wenig. Wäre Jim Starlin, der Autor des Originals, nicht die passendere Wahl gewesen?

Rick Leonardis Zeichnungen können hier leider nichts retten. Der 67-jährige Zeichner scheint über seine Hochzeit hinweg. Ende der 80er, Anfang der 90er war Leonardi ein guter Zeichner. Schon damals war sein Stil wuchtig und klobig. In Robin lebt! ist aus der massigen Präsenz von Leonardis Zeichenstil aber Grobschlächtigkeit geworden, die teils in rohe Skizzenhaftigkeit mündet. Die Linien sind mehrfach schraffiert und grob, aber auf eine unfertig wirkende Art. Die groben Zeichnungen passen auch nicht als metaphorisches oder atmosphärisches Stilmittel, wie unästhetische Elemente manchmal benutzt werden. Und für sich allein können die Zeichnungen nicht überzeugen.
Nach 37 Jahren veröffentlicht DC Comics ein Comic, darüber was geschehen wäre, hätte Jason Todd damals den Angriff des Jokers überlebt. Eine wirre, unzusammenhängende Geschichte und schlechte Zeichnungen vermiesen leider den Einblick in eine andere Zeitlinie. Wen diese Frage trotzdem interessiert, dem sei der interaktive Zeichentrickfilm DC Showcase: Batman: Death in the Family nahegelegt. Auch dieser Film setzt Ein Tod in der Familie fort, allerdings kann man selbst wählen, was geschieht. Die erste Frage ist natürlich „Überlebt Robin?“, aber danach geht es auf verschiedenen Wegen zu einer Vielzahl von Enden. Die sind zwar auch keine Meisterwerke, aber allein schon durch die interaktiven Entscheidungen macht das mehr Spaß als Robin lebt!.
- Verlag: Panini Comics
- Autor*in(nen): J. M. DeMatteis
- Zeichner*in(nen): Rick Leonardi
- Seitenanzahl: 120
- Preis: 18 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, Panini
Artikelbilder: © Panini Comics, © DC Comics
Layout und Satz: Mika Eisenstern
Lektorat: Maximilian Düngen
Fotografien: Paul Menkel
Diese Produkte wurden privat finanziert.
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