Batmans ungewöhnliche Gegenspieler stehen diesmal im Mittelpunkt: In Der Pinguin: Kampf um Gothams Unterwelt spinnt Oswald Cobblepot seine Intrigen um Batman, die Regierung – und seine eigenen Kinder. Parallel führt Batman/Dylan Dog den Dunklen Ritter und den ikonischen italienischen Jäger des Grauens an ihre Grenzen.
Gewalt, gewaltsame Entstellung, Gewalt zwischen Eltern und erwachsenen Kindern
Der Pinguin 2: Kampf um Gothams Unterwelt
Der Pinguin ist einer von Batmans beständigsten Feinden, wird aber auch belächelt wie kaum einer außer dem Riddler. Ein kleiner, übergewichtig watschelnder, älterer Mann mit großer Nase klingt kaum nach einer großen Bedrohung. Was hat Oswald Chesterfield Cobblepot, alias der Pinguin, also an sich, dass er trotz allem immer präsent ist?

Starautor Tom King liefert in Der Pinguin 2: Kampf um Gothams Unterwelt seine Antwort darauf. Nach all den Jahren hat sich der Pinguin scheinbar zur Ruhe gesetzt. Unter neuem Namen führt er in Metropolis ein ruhiges, unscheinbares Leben. Sein Verbrechensimperium, das ganz Gotham beherrschte, haben ihm seine hinterlistige Tochter Addison und sein tumber Sohn Aiden abgenommen. Im Auftrag von Amanda Waller zwingt die Geheimdienstlerin Nuri Espinoza den Pinguin aber aus dem Ruhestand zurück. Er soll als Doppelagent für die Regierung wieder die Kontrolle über Gothams Unterwelt übernehmen. Damit setzt sie eine unaufhaltsame Spirale der Gewalt in Gang…
In Kampf um Gothams Unterwelt findet die Auseinandersetzung ihren Höhepunkt. Der Pinguin scheint machtlos zu sein: Addison und Aiden haben sein Imperium übernommen, das auf die eine oder andere Art an allem beteiligt ist, was in Gotham geschieht. Batman ist auf seiner Spur. Und das größte Geheimnis des Pinguins wurde gelüftet: All die Jahre hat er insgeheim mit Batman zusammengearbeitet. Während er den albernen, dicken Superschurken mit Watschelgang, quakendem Lachen und grotesken aufgetakelten Anzügen gab, spielte er Batman Informationen über die anderen Schurk*innen, von Two-Face über Riddler bis Joker, zu. Dafür ließ Batman dem Pinguin Freiheiten, um sich als Oberboss von Gotham zu etablieren – scheinbar das kleinere Übel.
Nun steht der Pinguin allein und mittellos da. An seiner Seite nur ein abgehalftertes Superschurkenteam, das seine Superkräfte verloren hat und „der Helfer“. Aber der Pinguin ist genau dann am gefährlichsten, wenn man ihn unterschätzt. Und so wie er damals tatsächlich Batman ausnutzte, um seine Macht zu festigen, spielt der Pinguin auch diesmal sein tödliches Spiel, in dem er selbst vor seinen eigenen Kindern nicht Halt macht.
Der Ausgang der Geschichte ist angesichts des Status Quo der Batman-Reihe absehbar.

Dennoch ist sie spannend erzählt und bleibt ein unterhaltsames, brutales Crime-Drama. Rafael De Latorres realistischer Zeichenstil bereitet die dazu passende Atmosphäre, seien es die kalten Neonfarben der Unterwelt von Gotham, oder im scheinbaren Kontrast die warmen Sommertage, die der Pinguin im Park bei seinen geliebten Vögeln verbringt.
Tom King ist ein hochgelobter Autor, der auch spaltet. Manche der Comics des ehemaligen CIA-Mitarbeiters sind Meisterwerke, wie Human Target. Manche seiner Werke sind sehr umstritten, wie Kings Batman-Run, der mit der Idee schockte, dass „Batman“ nur ein umständlicher Selbstmordversuch des traumatisierten Bruce Wayne sei. Ein anderes Problem besteht darin, dass King oft interessante Grundkonzepte entwirft. Aber King scheint die Rollen in dem Grundkonzept erst mit bestehenden Figuren des DC-Kosmos zu besetzen, wenn er das Konzept zu einem Comic ausschreibt. Dabei wählt er oft scheinbar wahllos Figuren, die dann völlig unpassend zu ihrer sonstigen Charakterisierung handeln, oder sie werden komplett umgeschrieben, damit sie zu Kings Geschichte passen. Das kann man machen, aber dann könnte man eigentlich auch eigene Charaktere erfinden.
Der Pinguin 2: Kampf um Gothams Unterwelt gehört zu Kings gelungenen Werken. Ein ungewöhnliches Element ist, dass auf jeder Seite die Gedanken einer Figur dargestellt werden. Seien es Commissioner Gordon, die Agentin Espinoza, der nur in Rätseln denkende Riddler, Pinguins Kinder oder selbst Batman, sie alle legen ihr Innerstes offen. Der Einzige, der den Lesenden ein Geheimnis bleibt, ist Oswald Cobblepot selbst. Was er anderen erzählt, kann kaum geglaubt werden, und was tatsächlich in seinem Inneren vorgeht, bleibt unbekannt. Denn wenn Der Pinguin 2: Kampf um Gothams Unterwelt eines klarmacht, dann dass Cobblepot immer täuscht. Das hilft auch darüber hinweg, dass die grundlegende Handlungsidee – ein Gangsterboss wird von der Regierung benutzt, nutzt aber tatsächlich selbst die Regierung um sich wieder als Oberboss zu etablieren – schon in der dritten Netflix-Darevil-Staffel mit dem Kingpin bekannt ist.

Aktuell erlebt der Pinguin eine Renaissance. In der Fernsehserie Gotham war der junge Pinguin und sein Aufstieg zur Macht das kriminelle Gegenstück zur Jugend von Batman und Commissioner Gordon. Im Film The Batman überzeugte Colin Farrell als Gangsterboss, was zum gefeierten AblegerThe Penguin führte. Aber über den aktuellen Erfolg hinaus ist das wahre Geheimnis des Pinguins, dass er Batmans beständigster Feind ist. Seit seinem ersten Erscheinen 1941 gab es keine Ära, in der der Pinguin nicht auftauchte – und erkennbar er selbst war. Two-Face, Riddler, Poison Ivy, Mr. Freeze? Zwischen ihren ersten Auftritten in den 40ern und 50ern und dem großen Bat-Revival um 1990 wurden sie kaum genutzt. Der Joker ist vielleicht Batmans größter Feind, aber die Joker der 50er, 90er und 2010er sind so unterschiedliche Figuren, dass ein Comic tatsächlich die Existenz von drei verschiedenen Jokern postulierte.
Der Einzige, der immer da war, und immer er selbst – klein, albern bis grotesk, aber mit messerscharfem Verstand – war der Pinguin. Er passte sich an, wurde vom anfänglich geckenhaften Gangster zum grotesken Freak bei Tim Burtons Batmans Rückkehr und dann zum skrupellos-brutalen Kingpin von Gotham. Egal was geschieht, der Pinguin bleibt. Der Pinguin 2: Kampf um Gothams Unterwelt bietet vielleicht keinen Einblick in den Pinguin selbst (was bei anderen Versuchen auch eher peinlich-kleinlich geriet). Aber dafür zeigt Tom King hier überzeugend wie selten: Auf dem ersten Platz von Batmans berühmten Feinden mögen sich andere abwechseln, Joker, Ra’s al Ghul, Bane… aber das Siegertreppchen, auf dem sie auf- und absteigen, gehört dem Pinguin.
Die harten Fakten
- Verlag: Panini Comics

- Autor*in(nen): Tom King
- Zeichner*in(nen): Rafael De Latorre
- Seitenanzahl: 132
- Preis: 16 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, Panini
Batman/Dylan Dog
Um es vorwegzunehmen, Batman/Dylan Dog leidet unter einem Fehler: Dylan Dog ist in Deutschland nicht bekannt. In Italien ist der Jäger des Grauens legendärer Kult: Selbst Umberto Ecco sagte einst: „Homer, die Bibel und Dylan Dog sind so gut, dass ich sie täglich lese.“ Seit 1986 ist der ehemalige Scotland Yard Inspektor Killern, Untoten und Monstern aller Art auf der Spur. Die als schwarz-weiß-Comics erscheinenden Geschichten sind Giallo-Horror in Bestform. Blutig-Brutal, erotisch, mal trashig, aber dann auch wieder mit überraschender Ästhetik oder Poesie, wie es eben Mario Bava, Dario Argento oder Lucio Fulci zu den Hochzeiten des italienischen Horrorfilms vormachten. Dylan Dog selbst schaffte es fast zweimal auf die Leinwand: Der Kultfilm DellaMorte DellAmore basierte zwar auf einer anderen Geschichte des Dylan Dog Erfinders Tiziano Sclavi, wird unter Fans aber als inoffizielle Adaption gehandelt. 2010 erschien mit Dylan Dog: Dead of Night eine weniger überzeugende US-Adaption mit Superman Returns’ Brandon Routh in der Hauptrolle.
Das popkulturelle Gewicht, dass das Treffen der beiden Ikonen Batman und Dylan Dog in

Italien haben mag, wird sich in Deutschland nicht erschließen. Trotzdem ist das kein Grund, den Blick abzuwenden. Roberto Recchioni, ein erfahrener italienischer Comic-Autor, erzählt ein spannendes Abenteuer, das den Jäger des Grauens problemlos in die DC-Welt einbindet.
Aufhänger der Geschichte ist Batmans Erzfeind Joker, der wieder mal eine verrückte Idee hat. Er sucht nach einem Freund, der die Welt so sieht wie er, mit dem er endlich zusammen Spaß haben kann – vor allem beim gemeinsamen Massenmord. Da entsinnt Joker sich, wer ihm damals half, mit dem Trauma seines entstellten Gesichts fertig zu werden und zu dem Monster zu werden, dass er heute ist: der teuflische Dr. Xabaras, Dylan Dogs Erzfeind. Ein eleganter Trick, um die Welten von Batman und Dylan Dog zu verbinden. Joker macht sich also auf nach London, wo Dr. Xarabas an seinem Serum arbeitet, mit dem er die Toten zum Leben erwecken will – bis jetzt aber nur Zombies produziert. Ob Jokers Lachgift dabei helfen kann?
Batman verfolgt den Joker nach London – nicht sein erster Besuch in der britischen Hauptstadt – und landet bei Dylan Dog. Die beiden können sich auf den ersten Blick nicht ausstehen: Hier der obsessive, perfekt rationale High-Tech-Held Batman, dort der schwarz-romantische Bohemien Dylan, der Klarinette spielt, sein Tagebuch mit der Feder schreibt und am liebsten ermittelt, indem er Pizza isst und wartet, was passiert. Und natürlich ist Dylan auch der Urlaubsflirt von Catwoman, die ihrerseits „geschäftlich“ in London unterwegs ist. Trotzdem müssen Batman und Dylan beiden sich zusammenraufen, um Joker, Xarabas und Schlimmeres zu stoppen.

Trotz der Bedrohung mangelt es der Geschichte auch nicht an teils schwarzem Humor. Dabei leistet auch Dylans Sekretär und Assistent Groucho seinen üblichen Beitrag. Groucho heißt nicht nur wie Groucho Marx, sondern sieht auch genauso aus und hat den gleichen Sinn für schrägen Humor. Gerade bei den Begegnungen mit dem Joker, einem bekennenden Comedy-Fanatiker, hätte es hier noch etwas mehr sein dürfen.
Neben Batman und seinen Schurk*innen werden noch weitere Figuren des DC-Universums eingeführt: In London kann nichts schwarzmagisches geschehen, ohne dass sich der Punk-Magier John Constantine einmischen muss und alles zur Hölle schickt. Da Batman an diesen Stellen auch beiseite tritt, hilft es vielleicht, sich den Comic statt Batman/Dylan Dog fast mehr als DC Comics/Dylan Dog vorzustellen.
Besonders zu loben sind die Zeichnungen, die in Paninis Prestigeformat besonders gut zur Geltung kommen. Dylan treffen die italienischen Zeichner*innnen natürlich ohnehin perfekt, aber auch Batman und die anderen DC-Figuren werden exzellent getroffen. Vor allem Batman ist als Best-Of in Szene gesetzt, das moderne Designs wie von Jim Lee mit klassischem Batman a la Neal Adams mischt, immer wieder aber auch Körpersprache und Posen aus Frank Millers Der dunkle Ritter kehrt zurück zitiert. Der Zeichenstil der Figuren ist grundlegend realistisch gehalten, im typischen Hausstil der italienischen Abenteuercomics des Sergio Bonelli Editore-Verlags. Hier wird er durch die üppigen Farben erweitert, die die Seiten oft thematisch in Primärfarben tauchen – typisch für den Giallo-Stil und eine Augenweide.

Die Kombination von Batman und Dylan Dog ist gelungen. Der Superheld und der Jäger des Grauens agieren zwar auf den ersten Blick in verschiedenen Welten, es gibt aber genügend Überlappung, in denen die beiden sich begegnet können – Horror ist auch Batman nicht fremd. Dabei dominiert keine der Figuren – Ja, Batman ist ein perfekt trainierter Superheld mit High-Tech Ausrüstung und im Kampf klar überlegen. Dafür bringt Dylan seine eigenen Stärken ein, neben seiner Erfahrung mit dem Unnatürlichen auch seine Unkonventionalität. Becchionis Schreibe bietet auch einen ungewohnten Einblick auf Batman. So wie zum Beispiel Garth Ennis eine eindeutig englische Sicht auf Batman bot, lässt Becchioni Dylan den Superheld und Milliardär auch mal italienisch angehaucht kommentieren. Das gewisse Etwas, oder der gewisse Einfall, fehlt der Handlung leider, um sie von gut zu außergewöhnlich zu erheben. Das andere Problem ist in Deutschland wahrscheinlich der Preis: Die Geschichte ist gut, die Zeichnungen großartig, die Aufmachung, Druckqualität, Verarbeitung fantastisch. Wer sich hier angesprochen fühlte, kann bedenkenlos zugreifen. In Deutschland kann der allgemeinen Kundschaft, die Dylan Dog nicht kennt, 39 EUR aber zu viel erscheinen. Für die breitere Masse hätte sich ein günstigeres Softcover vielleicht eher angeboten. Daher gibt es in diesem Fall eine Vier als Mittelwert. Wer Dylan Dog kennt oder sich angesprochen fühlt, kann daraus einen Daumen direkt nach oben machen. Wer es nicht kennt, sollte sich keinesfalls abschrecken lassen. Nichtsdestotrotz ist es für solche Leser*innen eine größere Investition, und könnte die Wertung bis zum waagerechten Daumen absenken lassen.
Die harten Fakten
- Verlag: Panini Comics

- Autor*in(nen): Roberto Recchioni
- Zeichner*in(nen): Werther Dell’Edera, Gigi Cavenago
- Seitenanzahl: 216
- Preis: 39 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, Panini
Artikelbilder: © Panini Comics
Layout und Satz: Annika Lewin
Lektorat: Nina Horbelt
Fotografien: Paul Menkel
Diese Produkte wurden kostenlos zur Verfügung gestellt.
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