Ein altbekannter Dungeon Crawler gepaart mit digitaler Zukunft: Sword & Sorcery kehrt zurück – diesmal verschmelzen klassische Fantasy-Action und smarte Technologie. Nach den guten, aber ausbaufähigen Erfahrungen mit den ersten Teburu-Spielen waren wir neugierig, als die Gamefound-Kampagne zu dieser Version angekündigt wurde. Was erwartet uns, wenn Schwerter, Zauberei und Sensoren aufeinandertreffen?
Sword & Sorcery, ursprünglich 2017 von Gremlin Project bei Ares Games veröffentlicht, wollte das Gefühl eines Online-Rollenspiels aufs Brett holen. Der kooperative Dungeon Crawler rund um wiedererweckte Held*innen überzeugte mit komplexen Regeln, detaillierter Monster-KI und jeder Menge Fähigkeiten – allerdings bedeutete das auch viel Verwaltungsaufwand und ein happiger Regelwust. Nach Unsterbliche Seelen und weiteren Erweiterungen wagt das vielfach gelobte Fantasy-Epos nun den Sprung ins Tech-Zeitalter. Teburu, ein hybrides Brettspielsystem vom italienischen Studio Xplored, verspricht nichts Geringeres als die Revolution des analogen Spiels durch digitale Unterstützung. Brettspiele mit App-Unterstützung sind zwar keine Neuheit (Fantasy Flight Games ließ schon in Villen des Wahnsinns und Der Herr der Ringe: Reise durch Mittelerde die Gegner per App steuern), doch Teburu Dungeon: Sword & Sorcery geht einen Schritt weiter: Ein sensorbestücktes Spielbrett, Funk-Würfel und eine intelligente App verzahnen sich nahtlos mit der physischen Spielwelt. Wir sind gleichermaßen skeptisch und gespannt, ob dieses „Hightech-Hexenwerk“ unsere Rundenabende auf ein neues Level heben kann.
Gewalt, Horror-Elemente, Tod
Inhaltsverzeichnis
Spielablauf
Teburu Dungeon: Sword & Sorcery funktioniert nach einer klar strukturierten Abfolge einzelner Runden, die sich jeweils in verschiedene Phasen aufteilen. Jede Runde startet mit einer Time Phase, einer Art Verwaltungsphase, in der laufende Effekte automatisiert abgehandelt werden. Brennt beispielsweise eine Held*innenfigur aufgrund eines Feuerzaubers, erhält diese in der Time Phase den entsprechenden Schaden automatisch angerechnet. Das System berücksichtigt nacheinander sämtliche Effekte, egal ob es sich um Gifte, Segen oder andere Statusveränderungen handelt. Gleichzeitig werden magische Schutzbarrieren erneuert und mächtige Fähigkeiten, die zuvor eingesetzt wurden, nähern sich langsam ihrer erneuten Einsatzbereitschaft. Besonders angenehm fällt hierbei auf, dass das Spiel sämtliche Verwaltungsschritte übernimmt und keine Marker verschoben oder Notizen geführt werden müssen – die App übernimmt diesen Teil vollständig. Beim Testen der Prototyp-Version erwies sich dieses Ritual zu Beginn jeder Runde als willkommenes Durchatmen vor der kommenden Battle Phase. Dort beginnt dann das eigentliche Spielgeschehen, denn jetzt agieren sämtliche Charaktere und Gegnerfiguren. Besonders interessant hierbei ist, dass innerhalb der Held*innen-Gruppe frei entschieden wird, wer als erstes handelt – eine fixe Reihenfolge gibt es nicht. Sobald eine Person den Zug ihres Charakters über das eigene oder das geteilte Controller-Gerät gestartet hat, erfolgt unmittelbar danach der Zug einer Gegnerfigur, deren Handlungen automatisch von der App gesteuert werden. Dieses Hin und Her der Aktionen von Held*innen und Dungeon-KI dauert so lange an, bis sämtliche Figuren einmal aktiviert wurden. Danach schließt sich die Runde mit einem Ereignis ab, das ebenfalls automatisch von der App ausgelöst wird und für Überraschungsmomente sorgt. Das können narrative Einschübe sein, Fallen, die plötzlich aktiviert werden, oder besondere Szenario-spezifische Wendungen, die die Geschichte voranbringen. Bei unserem Prototyp wurde auf diese Weise der Spielfluss auf sechs Runden beschränkt, um den Boss-Gegner rechtzeitig zu bezwingen. Der Zeitdruck war während der Partien deutlich spürbar und führte zu intensiven Spielerlebnissen.
Die Gestaltung des eigenen Zuges bietet viel Freiheit und fordert gleichzeitig taktische Entscheidungen. Jede Figur steht auf einem Bereich auf dem Spielfeld und kann sich standardmäßig drei Felder pro Zug bewegen. Sobald eine Miniatur bewegt wird, erkennt das sogenannte Smart Board durch eingebaute Sensoren die neue Position automatisch und meldet diese an die App, welche daraufhin sofort aktualisierte Informationen, wie etwa verbleibende Bewegungspunkte, darstellt oder ungültige Bewegungen anmahnt. Das System berücksichtigt auch automatisch spezielle Geländeeigenschaften, wie schwierigen Untergrund, der zusätzliche Bewegungspunkte kostet. Bewegung und Aktionen können flexibel kombiniert werden – allerdings erlaubt das Spiel kein Hin- und Herspringen: Wird ein Angriff ausgeführt, verfallen sämtliche übrige Bewegungspunkte. Ebenso regelt das System Nahkämpfe realistisch; ein Rückzug ist nur unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt – etwa, wenn die eigene Gruppe zahlenmäßig deutlich überlegen ist. Zusätzlich unterstützt die App alle Charakteraktionen enorm, indem sämtliche Fertigkeiten und Ausrüstungsgegenstände digital dargestellt und detailliert beschrieben werden. Ein Fingertipp genügt, um die gewünschte Aktion auszuwählen und auszuführen. Gerade im Vergleich zu klassischen analogen Brettspielen spart dieses System erheblich Zeit und könnte das flüssige und immersive Spielgefühl unterstützen, wenn da nicht der ständige Blick auf den Bildschirm wäre.

Die Kampfabwicklung basiert auf speziell entwickelten Smart Dice, Würfeln, die elektronisch mit dem Spiel verbunden sind. Nach dem Wurf werden Ergebnisse automatisch an die App übermittelt, die dann mögliche Effekte und Optionen zur Auswertung anbietet. Verschiedene Symbole auf den Würfeln ermöglichen taktische Entscheidungen: Ein Erfolg-Symbol verursacht etwa zusätzlichen Schaden, während das Magie-Symbol spezifische Spezialeffekte aktiviert. Das Gremlin-Symbol hingegen löst meistens negative Effekte aus. Die App unterstützt bei der Auswertung, indem sie alle Optionen deutlich aufzeigt und somit die Entscheidungsfindung erleichtert. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, einen sogenannten Fokus-Angriff durchzuführen, der unsere freie Aktion wegnimmt, dafür aber den Schaden erhöht. Dieses Element der bewussten Entscheidung intensiviert die taktischen Aspekte des Spiels erheblich. Ähnlich laufen auch Verteidigungswürfe ab, wenn die App dazu auffordert, gegen gegnerische Attacken Würfel zu werfen, um Schaden zu minimieren. Kritische Treffer und besondere Effekte werden ebenso digital abgehandelt, was eine schnelle, faire und transparente Kampfauflösung ermöglicht.
Direkt nach Aktionen der Held*innen übernimmt das System automatisch die Steuerung der Gegnerfiguren. Dabei wählt die App selbstständig den jeweils aktiven Gegnertyp aus und definiert, entsprechend festgelegter Logik und Prioritäten, dessen Verhalten. Beispielsweise bevorzugen Fernkampfeinheiten oft Ziele in größerer Entfernung, während Nahkämpfer automatisch das nächstgelegene Ziel attackieren. Der gesamte Ablauf wird über die App anschaulich visualisiert, inklusive der notwendigen Bewegung der Miniaturen auf dem Spielbrett, was manuell per Hand nachgehalten werden muss. Die App hat keine Kontrolle, da die Miniaturen keine Sensoren haben. Die Auswertung gegnerischer Angriffe geschieht ebenfalls automatisch, wodurch direkte Interaktionen und Verteidigungswürfe aufseiten der Spielgruppe unmittelbar gefordert sind.
Fällt eine Held*innenfigur im Kampf, endet das Spiel nicht automatisch. Stattdessen aktiviert das System den sogenannten Todes-Modus, bei dem die Figur zunächst als Geist weiter am Geschehen teilnehmen kann – allerdings stark eingeschränkt. Diese Geisterform erlaubt spezielle, aber begrenzte Aktionen, etwa unterstützende Fähigkeiten wie einen sogenannten Soul Shout. Nach Ablauf einer Runde wird eine gefallene Figur mithilfe eines Seelentokens automatisch wiederbelebt – dies allerdings auf Kosten einer begrenzten Ressource der gesamten Gruppe. Diese Mechanik sorgt für anhaltende Spannung und strategische Tiefe, da ein Verlust aller verfügbaren Seelentoken das Spiel endgültig beendet. Leider hat das Wiederbeleben in unserer Testrunde technisch nicht immer zuverlässig funktioniert.
Ein weiterer starker Aspekt ist das dynamische Erkunden neuer Bereiche des Spielfelds mithilfe digitaler Smart Tiles, welche erst bei Betreten eines angrenzenden, monsterfreien Bereiches entfernt und durch das korrekte Terrain ersetzt werden. Die App erkennt automatisch, wann neue Bereiche zugänglich werden und liefert atmosphärische Beschreibungen sowie narrative Ereignisse und Begegnungen. Dieser Mechanismus simuliert den Fog-of-War-Effekt aus Computerspielen und sorgt kontinuierlich für überraschende Momente und Entdeckungen – seien es versteckte Fallen, narrative Einschübe oder Beute, die digital abgehandelt wird.
Ausstattung

Die uns zur Verfügung gestellte Demo-Version kommt mit überschaubarem Material daher. Neben den Kartenteilen und dem magnetischen Smart-Tile erwarten uns ein paar Papp-Marker, die Miniaturen und die smarten Würfel. Das war schon der Inhalt. Keine endlosen Stapel an Karten, das übernimmt alles die App.
Die Miniaturen sowohl der Held*innen als auch der Monster sind zweckmäßig und machen einen guten Eindruck. Die Bases der Held*innen sind farbig und beinhalten den Sensor für das Spielbrett. Die Monster-Miniaturen sind nicht eintönig grau, sondern farbig, um die Gefahr, die sie ausstrahlen, zu symbolisieren. Anders als noch bei Vampire: The Masquerade – Milan Uprising oder The Bad Karmas werden wir mit mehr Würfeln als nur einem einzigen verwöhnt. Hier erwarten uns direkt drei davon. Der Nachteil der drei Würfel: Sie sind so groß, dass nicht alle gleichzeitig an der Ladevorrichtung des Teburu-Systems aufgeladen werden können. Und aktuell haben wir noch keine Möglichkeit entdeckt, zuverlässig während des Spielens den Akkustand eines Würfels zu checken.
Technisch funktionierten das Spiel und die App für das Demo-Stadium sehr gut. Kleinere Bugs hat es gegeben, wie oben erwähnt. Etwas tiefer war das Problem, das ein Gegenstand nicht verwendet wurde, obwohl es regeltechnisch zulässig war. So konnte sich unser Charakter leider während der Partie nicht heilen.

Die harten Fakten:
- Verlag: Xplored
- Autor*in(nen): Davide Garofalo, Riccardo Landi, Federico Valle
- Illustrator*in(nen): Alessio Cammardella, Jarrod Castaing, Fabrizio Fiorentino, Henning Ludvigsen, Andrea Stanga
- Kampagnenstart: 22.07.2025
- Sprache: multilingual
- Spieldauer: 60 bis 90 Minuten
- Spieler*innen-Anzahl: 1 bis 5 Personen
- Alter: ab 13 Jahren
- Preis: TBA
- Bezugsquelle: Gamefound-Kampagne
Fazit
Unsere Abenteuerlust ist geweckt: Sword & Sorcery auf Teburu hat in seiner Demo-Variante einen hervorragenden Eindruck hinterlassen. Trotz anfänglicher Skepsis wegen der durchwachsenen Leistung der Technik bei den ersten beiden Spielen die wir getestet haben, hat uns die Kombination hier sehr schnell überzeugt. Die bekannte Fantasy-Action fühlt sich durch die digitale Unterstützung frischer und reibungsloser an, ohne die Seele des Spiels zu opfern. Im Gegenteil, als langjährige Kampagnenspielende haben wir oft mit den Regeln und der Verwaltung des Originals zu kämpfen; nun übernimmt die App diese Pflichten und wir können uns voll ins Geschehen stürzen. Natürlich muss man bereit sein, sich auf die Technik einzulassen. Wen der Gedanke an Tablets am Spieltisch oder mögliche Software-Updates abschreckt, der wird hiermit nicht glücklich werden. Ebenfalls muss man sich bewusst disziplinieren um den Fokus auf das Brett, statt den Bildschirm zu legen. Doch wer wie wir neugierig auf die Symbiose aus analogem und digitalem Spiel ist, den erwartet ein fesselndes Spielerlebnis. Aus meiner Sicht lohnt sich die Beobachtung des Crowdfundings absolut – Sword & Sorcery war schon immer ein starkes Koop-Spiel, aber in der Teburu-Version könnte es sein volles Potenzial entfalten. Meine Gruppe steht jedenfalls bereit, die Reise erneut anzutreten, diesmal mit smarten Würfeln und jeder Menge Vorfreude im Gepäck.
- Flüssigerer Spielablauf dank App
- Hohe Immersion durch Erzählstimme
- Bewährtes Prinzip mit neuen Abenteuern
- Abhängigkeit von Technik
- Hohe Einstiegskosten durch das Teburu-System
- Technik-Ablenkung benötigt Disziplin
Artikelbilder: © Xplored
Layout und Satz: Dominic Niederhoff
Lektorat: Nina Horbelt
Fotografien und Screenshots: Tim Billen
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.



















Schöner Artikel. Habe bereits die beiden anderen genannten Artikel angespielt. Ist komplett richtig, was Tim schreibt. Man muss aufpassen, dass man sich nicht vom Bildschirm abzulenken.
Habe S&S in der analogen Version gerade erst einige Male gespielt. Ich fand die abstrakt geformten Tiles und die damit verbundenen wilden Settings so ausgesprochen gut. Hoffe das wird auf der halb-analogen/-digitalen Plattform beibehalten?