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Ein neuer Morgen bricht für das DC-Universum an! Panini bringt die Dawn of DC-Comics nach Deutschland. Nach vielen bestandenen Kämpfen stehen Green Arrow, Superman und Green Lantern vor neuen Anfängen und neuen Herausforderungen. Wenn ihr wissen wollt, ob die neuen Comics auch gut zum Neueinsteigen geeignet sind, lest hier weiter.

Triggerwarnungen

Üblich un-ernste Superheldenkämpfe, Kinder in bedrohlichen Situationen, leichter Body-Horror

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Haupthandlung/Metaplot

Dawn of DC, ein neuer Sonnenaufgang für das DC-Universum, soll die Comics endlich wieder auf Linie bringen. Die sind nämlich schon länger dabei, sich selbst zu suchen. 2011 versuchte DC Comics mit dem großen New 52 Reboot, alle der langlaufenden Reihen wieder auf Anfang zu setzen und neue Geschichten zu erzählen. Gleichzeitig wurden auch die zuvor unabhängigen Unterverlage Vertigo (düsterer Horror für Erwachsene wie Sandman oder John Constantine) und Wildstorm (zynische Cyberpunk-„Superheld*innen“) mit der Welt von Superman, Batman und Co. zusammengemischt. Das lief aber völlig chaotisch ab, manche Autor*innen erfuhren nur Tage davor, dass ihre Reihen abgebrochen werden oder sie ihre Storys komplett umschreiben müssen.

Seit dem gab es mehrere Groß-Events bei DC, bei denen hinter den Kulissen versucht wurde, einen soliden neuen Status Quo zu schaffen. Nach dem letzten dieser Events, der Dark Crisis, folgt nun die Publishing-Initiative Dawn of DC. Die Große Finsternis wurde besiegt, die Schurke*innen zurückgetrieben, die Held*innen können durchatmen und sich auf ihre eigenen Leben konzentrieren. Ist Dawn of DC damit endlich der solide Neuanfang für das DC-Universum?

Green Lantern 1: Zurück auf der Erde

Das Green Lantern Korps ist im DC-Universum eine galaxisweite Organisation von Weltraumpolizisten. Jede Lantern trägt einen High-Tech-Ring, mit dem sie durchs Weltall fliegen, Energiestrahlen schießen und Kraftfeld-Gebilde formen kann. Damit sorgen sie in ihren Sektoren der Galaxis für Ruhe und Frieden. Nach den Ereignissen der Dark Crisis wurde das Korps von den Vereinten Planeten, einer Weltraum-Föderation, übernommen. Diese erklärt die Erde, mit ihren vielen Superschurk*innen und Krisen, zur Sperrzone.

Hals “Ich bin der Größte”-Nummer funktioniert einfach nicht mehr ©Panini Comics
Hals “Ich bin der Größte”-Nummer funktioniert einfach nicht mehr ©Panini Comics

Der Green Lantern der Erde, Hal Jordan, will das nicht akzeptieren und tritt aus Protest aus dem Korps aus. Nachdem er jahrelang als Held im Weltraum lebte, ist er also wieder an die Erde gebunden und steht ohne Kräfte und ohne Job da. Das erste Problem löst sich überraschend, als Hal einen mysteriösen Ring findet, der ähnlich, aber nicht genau wie ein Green Lantern-Ring funktioniert. Damit kann er sich als Superheld etablieren. Vor allem, da alte Feinde gefährliche Alien-Technologie auf die Erde schmuggeln.

Das zweite Problem ist schwieriger. Hal Jordan war ursprünglich Testpilot und ist ein Hitzkopf, ein richtiger Draufgänger, der sich von seinen Gefühlen leiten lässt und nichts auf Regeln gibt – Top Gun lässt grüßen. Vor seiner Zeit als Lantern war er mit Carol Ferris zusammen, der Chefin der Flugzeugfirma, für die er arbeitete. Als Hal jetzt aus dem Weltall zurückkommt, hat Carol aber einen Verlobten, Hal satt und ihre Firma baut mittlerweile Drohnen statt Flugzeuge. Da hilft auch Hals dickköpfige Piloten-Macho-Nummer nicht weiter…

Getarnte Alienverbrecher auf der Erde: Ein Fall für Green Lantern oder die Men in Black? ©Panini Comics
Getarnte Alienverbrecher auf der Erde: Ein Fall für Green Lantern oder die Men in Black? ©Panini Comics

Green Lantern 1: Zurück auf der Erde bietet einen guten Einstieg für neue Leser*innen. Gleichzeitig schafft das Comic es aber auch, vorherige Fans mitzunehmen. Die klaren, deutlichen und bunten Zeichnungen passen gut zu der, im besten Sinne, klassischen Superheldengeschichte. Hal Jordan an die Erde zu binden bietet viele Storymöglichkeiten, die Green Lantern Comics der letzten Jahre zugunsten von Weltraum-Opern vernachlässigten. Der dickköpfige, manchmal eingebildete Charakter des „größten aller Lanterns“ wurde gut getroffen. Was er sich im Weltall als Held leisten kann, fällt ihm auf der Erde auf die Füße – ein klassischer Kontrast zwischen den beiden Seiten seines Doppellebens. Als Held Green Lantern trifft er auf der Erde alte Helden-Freunde wie Flash, als „Normalo“ Hal Jordan hat er keinen Job, keine Referenzen und seine Freunde von früher längst ihr eigenes Leben. Sein Benehmen von früher, als Hal Jordan noch der Starpilot schlechthin war, punktet nicht mehr und seine aufdringlichen Versuche, mit seiner alten Liebe Carol anzubandeln, können unangenehm wirken. Hoffentlich wird Hal das in Zukunft einsehen und daraus lernen.

Die harten Fakten

  • Autor*in(nen): Jeremy Adams
  • Zeichner*in(nen): Scott Godlewski, Xermanico
  • Seitenanzahl: 164
  • Preis: 20 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, idealo, Panini

 

Superman 1: Die Stadt der Geheimnisse

Superman: Der letzte Überlebende (nun ja, oder einer der letzten) eines zerstörten Planeten, der von freundlichen Farmern aufgezogen wurde und als größter Held die Welt rettet. Insgeheim arbeitet er in der Stadt Metropolis als Reporter Clark Kent für die Zeitung Daily Planet. Die Story des ersten Superhelden überhaupt dürften auf die eine oder andere Art alle schon einmal gehört haben. Eine vielleicht simple, aber auch gerade deswegen effektive Ausgangslage.

Was sind Lex Luthors wahre Absichten für “SuperCorp”? ©Panini Comics
Was sind Lex Luthors wahre Absichten für “SuperCorp”? ©Panini Comics

Zu den weiterführenden Details gehört, dass er mittlerweile mit seiner Reporterkollegin/-rivalin Lois Lane verheiratet ist. Sein Erzfeind Lex Luthor ist ein skrupelloses Genie und der größenwahnsinnige Chef des Megakonzerns LexCorp. Mit dem stellte sich Lex Luthor immer wieder als Held und Wohltäter dar, während er Propaganda und Lügen über Superman verbreitete.

In Superman 1: Die Stadt der Geheimnisse wird diese klassische Ausgangsposition mutig über den Haufen geworfen und ein ganz neuer Status Quo etabliert. Superman ist immer noch der freundliche Held, der für alle da ist. Aber Lois Lane ist die neue Chefredakteurin des Daily Planet geworden. Die rasende Reporterin, die früher für einen Knüller alles riskierte, muss jetzt selbst andere Reporter verwalten und voraussehend die Zeitung planen. Nicht zuletzt wurde sie damit auch Clark Kents Chefin.

Dieser steht als Superman vor einer seiner größten Herausforderungen. In vorherigen Geschichten wurde seine Geheimidentität nämlich aufgedeckt. Doch dann hat überraschenderweise Erzschurke Lex Luthor der ganzen Welt die Erinnerung daran genommen und die Geheimidentität wiederhergestellt. Lex sitzt jetzt im Gefängnis, hat aber schon den nächsten Schocker in Petto: Er will Supermans Partner werden. Mit Supermans Kräften und seiner Intelligenz könnten die beiden zusammen die Welt perfekt machen. Superman hält das zuerst nur für einen weiteren hinterlistigen Plan von Luthor. Der benennt aber seine Firma von LexCorp in SuperCorp um und überschreibt sie Superman, der, bevor er weiß, wie ihm geschieht, plötzlich der Chef der größten Firma der Welt ist. Hat Lex sich vielleicht wirklich geändert? Und wie geht Superman mit der Verantwortung als Konzernchef um, die er nie wollte?

Das ist in diesem Band das unterliegende Thema: Können Leute sich ändern? Lois muss sich der Verantwortung ihrer neuen Position stellen. Superman traut Lex Luthor natürlich nicht, aus gutem Grund und jahrelanger Erfahrung. Aber gibt er damit nicht sein Ideal auf, dass alle eine zweite Chance verdienen? Will Lex sich wiederum wirklich ändern oder Superman nur ausnutzen, um eine gemeinsame Bedrohung auszuschalten?

Das wichtigste für alle Superheld*innen hat Marilyn jedenfalls: Ein cooles Design ©Panini Comics
Das wichtigste für alle Superheld*innen hat Marilyn jedenfalls: Ein cooles Design ©Panini Comics

Im Rahmen dieser großen Fragen treten klassische Superman-Feinde auf, wie der ewig hungrige, energiefressende Parasite oder die aufmerksamkeitssuchende elektrische Livewire. Deren wichtige Eigenschaften, was ihre Persönlichkeiten und Superkräfte betrifft, werden kompakt und deutlich vorgestellt, Vorwissen ist nicht nötig. Leser*innen, die die Figuren schon kennen, können genauso gut in die Geschichte einsteigen und sich überraschen lassen, wohin die Story die bekannten Schurk*innen führt. Es treten aber auch neue Figuren auf: Dr. Pharm und Graft sind verrückte Wissenschaftler, die mit Menschen experimentieren und eine mysteriösen Verbindung zu Lex Luthor haben. Marylin Moonlight scheint eine geisterhafte Revolverheldin zu sein. Auch ihre Ursprünge liegen in der geheimnisvollen Vergangenheit von Metropolis…

Wie Green Lantern 1: Zurück auf der Erde gibt auch Superman 1: Die Stadt der Geheimnisse einem bekannten Helden einen neuen Status Quo. Bei Superman 1 ändert sich vor allem Supermans Stadt und seine Nebenfiguren wurden runderneuert. Alte Freund*innen und Feind*innen bekommen neue Positionen und Rollen, die einiges mit einer bisher unbekannten Epoche von Metropolis‘ Geschichte zu tun haben. Der Band schafft es gut, bekannte Figuren so zu nutzen, dass sie für neue und alte Leser*innen gut eingeführt und spannend entwickelt werden. Die große Frage, ob wirklich alle rehabilitiert werden können, oder Superman zu idealistisch ist, bietet einen cleveren Unterbau der Handlung. Spannende Action, Kämpfe und Gefahren fehlen trotzdem nicht. Ein gelungener und interessanter Neustart.

Die harten Fakten

  • Autor*in(nen): Joshua Williamson
  • Zeichner*in(nen): Jamal Campbell, Caitlin Yarsky, Edwin Galmon, Jack Herbert, Mahmud Asrar, Max Raynor, Nick Dragotta
  • Seitenanzahl: 180
  • Preis: 23 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, idealo, Panini

 

Green Arrow 1: Wiedervereinigung

Green Arrow, oder in Zivil Oliver Queen, dürfte vor allem durch die TV-Serie Arrow bekannt sein. Der Rächer im „Robin Hood“-Kostüm wirkt auf den ersten Blick wie ein Batman-Nachmacher. Statt Fledermaus hat er Pfeil und Bogen, statt Batmobil ein Arrowplane, statt Batcave eine Arrowcave, statt Robin Speedy. Der große Unterschied, der Green Arrow zu einer tollen Figur macht, ist sein Charakter. Green Arrow ist quasi der Donald Duck zu Batmans perfektem Micky Maus. Batman kann völlig abgehoben sein, ein emotionslos-besessenes Supergenie das alles besser kann, weiß und hat. Green Arrow ist dagegen ein dickköpfiger Idealist mit sarkastischem Humor, ein ewig frustrierter Social-Justice-Warrior im eigentlichen Sinn. Er gibt nie auf, die Welt oder seine Stadt retten zu wollen, aber allzu oft machen ihm sein überbordendes Ego, seine Rechthaberei und seine Streitsüchtigkeit einen Strich durch die Rechnung. Mit Pfeil und Bogen besteht Green Arrow alle Gefahren, aber sein größter Feind ist am Ende stets er selbst.

Auf diese Wiedervereinigung haben Fans 14 Jahre gewartet ©Panini Comics
Auf diese Wiedervereinigung haben Fans 14 Jahre gewartet ©Panini Comics

Vielleicht klingt das zu arg, denn Green Arrow bleibt immer noch ein Superheld. Über die Jahre hat er eine ganze „Arrow-Family“ um sich gesammelt. Seine große Liebe Black Canary, seinen Adoptivsohn Arsenal, seinen leiblichen Sohn Connor und noch einige mehr. Wer die Comics las, wurde über die Zeit gut an die Figuren herangeführt. Alle in einem Band unterzubringen und einzuführen wird aber eng. Leider bleibt es zu oft bei Lore Dumps, die zu viel zusammenfassen und kaum helfen.

Schon der Ausgangspunkt ist nicht so einfach: Nach der Dark Crisis strandet der eigentlich sehr geerdete Green Arrow irgendwo auf einem unbekannten Alien-Planet. Das genaue Gegenteil zu Green Lantern 1: Zurück auf der Erde also. Auf der Erde sucht seine Familie nach ihm. Dabei findet Arsenal seine Tochter Lian wieder, die er jahrelang für tot hielt. Als sie aufeinander treffen, wird Lian plötzlich weg teleportiert, zufällig auf denselben Alienplaneten, auf dem Green Arrow strandete.

Peacemaker macht mit seiner Macho-Doofheit wieder mal Probleme ©Panini Comics
Peacemaker macht mit seiner Macho-Doofheit wieder mal Probleme ©Panini Comics

Arsenal und seine Ex-Freundin/Lians Mutter, die Terroristin Cheshire, infiltrieren die Basis von Amanda Waller, die nach Leviathan die Geheimdienstchefin der Welt wurde, um von Peacemaker Informationen über Lian und Green Arrows Aufenthaltsort zu finden. Wie sich herausstellt, sorgt jemand aus der Zukunft dafür, dass Green Arrows Familie nie zusammen bleiben darf. Wenn sich zu viele von ihnen treffen, wird jemand durch den Kosmos geschleudert. Green Arrow und Lian unternehmen währenddessen eine verrückte Reise durch Raum und Zeit.

Die Zusammenfassung zeigt es: Green Arrow 1: Wiedervereinigung ist leider nicht einsteigerfreundlich. Zuviel baut auf anderen Comics auf oder kann im beengten Raum nicht richtig eingeführt werden. Für Green-Arrow-Fans ein nettes Wiedersehen mit bekannten Gesichtern und vielen Anspielungen, für Neulinge aber ungeeignet. Green Lantern auf die Erde zu schicken funktioniert gut. Der eigentlich bodenständige Green Arrow, der sich gerne mit sozialkritischen Themen befasst, wirkt in einer Science-Fiction-Story aber nur verloren. Immerhin verspricht das Ende eine bessere Fortsetzung, die für alte und neue Leser*innen geeigneter sein kann.

Die harten Fakten

  • Autor*in(nen): Joshua Williamson
  • Zeichner*in(nen): Sean Izaakse
  • Seitenanzahl: 148
  • Preis: 19 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, idealo, Panini

 

Fazit des Monats

Dawn of DC beginnt durchaus gelungen. Vor allem Green Lantern und Superman können überzeugen. Sie bieten spannende und vielversprechende neue Ausgangspunkte für klassische Figuren, die für Neulinge gut eingeführt werden. Für erfahrene Leser*innen werden die Figuren auf spannende Arten fortgeführt, die logische Entwicklungen der Figuren sind und nicht mit alten Geschichten brechen.

Green Arrow ist leider nicht einsteigerfreundlich und das Konzept Green Arrow im Weltraum funktioniert auch nicht so gut. Abgesehen davon ist die Geschichte an sich eigentlich solide. Die Science-Fiction-Teile wirken im Kontrast zum bodenständigen Green Arrow einfach etwas seltsam. Für den zweiten Band gibt es aber begründete Hoffnung, dass das besser wird.

Insgesamt bleibt trotzdem ein angenehmes Gefühl. Hier kamen gute Zeichner*innen und gute Autor*innen zusammen und haben gute Comics gemacht – was kann man mehr verlangen? Der erste Eindruck ist positiv  und macht Hoffnung, dass sich das DC-Universum jetzt tatsächlich gefangen hat. Vielleicht ist die lange Reboot-Phase endlich vorbei?

 

  • Tolle Zeichnungen für klassische Superhelden

  • Gewagte neue Ansätze

  • Green Lantern und Superman einsteiger*innenfreundlich

 

  • Green Arrow nicht einsteiger*innenfreundlich

 

 

Artikelbilder: ©Panini Comics
Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat: Susanne Stark
Fotografien: Paul Menkel
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.
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