Enge Korridore, verschlossene Schotten und wenig Platz zum Ausweichen: Science-Fiction-Systeme kennen ihre ganz eigene Form von Dungeons. Mit dem Imperial KT Corridors-Set liefert der polnische Hersteller Micro Art Studio ein modulares Geländeset, das genau diese Gefechte auf den Spieltisch bringen will.
Erneut widmet sich Micro Art Studio dem Spielsystem Kill Team. Mit dem Imperial KT Corridors-Set geschieht es dieses Mal in Form von Gängen und Schotten für Szenarien, die in Beengter Umgebung stattfinden. Die Spielvariante spielt in den engen Korridoren von Raumschiffen oder Necron-Grüften, in denen sich die Einheiten mit geschlossenen Decken und sichtversperrenden Wänden auseinandersetzen müssen. Auch für das Spielsystem Warhammer 40k gibt es mit den Enteraktionen eine entsprechende Variante, in der sich kleine Armeen durch Gruftkomplexe kämpfen müssen. Doch auch jedes andere Sci-Fi-Skirmisher-System bekommt auf derlei Geländeplatten ein neues Spielgefühl.
Klaustrophobie
Was steckt im Set?
Die Krux beim Erstellen eines Gruftkomplexes oder Raumschiffwracks ist vor allem der Aufwand, der mit der Bemalung verbunden ist. Zudem bedarf das offizielle Enteraktionen-Gelände von Games Workshop bei den Verbindungsstücken etwas an Nacharbeit, um eine unkomplizierte Passform zu ermöglichen. Das Imperial KT Corridors soll die Möglichkeit bieten, schnell, einfach und ansprechend entsprechendes Gelände auf den Spieltisch zu bringen.
Das Grundset des Imperial KT Corridors liefert auf den ersten Blick vor allem eines: Wände. Genauer gesagt 15 geschlossene Wandsegmente, ergänzt durch zehn Wandstücke mit Schotten. Dazu kommen 24 Eckpfeiler, die als Verbindungselemente dienen, sowie zwei Abschlussstücke.
Ergänzen kann man das Ganze durch das Imperial KT Corridors Extras-Set, das sich gezielt an Szenarien in der Killzone: Gruftwelt richtet. Hier kommen vier Wandsegmente mit Bruchstellen hinzu, die alternative Zugänge eröffnen, dazu zwei runde Teleporter sowie ein weiterer Eckpfeiler.
Geliefert werden die Teile, wie bei Micro Art Studio üblich, in flachen HDF/MDF-Päckchen im Format einer halben bis ganzen A4-Seite. Was zunächst nach wenig aussieht, füllt den Spieltisch schnell mit Korridoren und Räumen – wenn das Set erst einmal zusammengesetzt ist.
Zusammenbau – schnell gebaut, mit kleinen Tücken
Der Zusammenbau gliedert sich im Kern in drei Elemente: Säulen, Wände mit Schott und Wände ohne Schott. Bereits beim Herauslösen der Teile ist etwas Vorsicht geboten. Einige Ecken sind filigran gearbeitet und können bei zu rabiatem Vorgehen schnell brechen. Die herausgebrochenen Teile müssen an einigen Stellen von den Resten der Verbindungen gereinigt werden, was mit einem Hobbymesser oder einer kleinen Feile jedoch rasch erledigt ist.
Ist das Material erst einmal vorbereitet, gestaltet sich der eigentliche Zusammenbau angenehm unkompliziert. Die Wände bestehen jeweils aus Vorder- und Rückseite, die mit Holzleim verklebt werden. Pro Seite greifen zwei Klammern in die Säulen, drücken die Teile leicht zusammen und halten die Wand zuverlässig in Position.
Die Schotten erfordern ein paar zusätzliche Handgriffe, da Türrahmen und Tür separat eingeklebt werden müssen, bleiben aber insgesamt gut handhabbar. Einzig bei den Scharnieren ist etwas Aufmerksamkeit gefragt, da falsch platzierter Kleber diese schnell ungewollt fixieren kann. Hat man hier den richtigen Ablauf gefunden, gehen Wände und Pfeiler zügig von der Hand.
Beim Extras-Set ist noch etwas mehr Fingerspitzengefühl gefragt. Die Säulen funktionieren wie gehabt, doch sowohl die Teleporter als auch die Wände mit Durchbrüchen verlangen mehr Sorgfalt. Die Plattform des Teleporters besitzt im Inneren keine feste Halterung und rutscht beim Zusammenbau durch die äußeren Ringe. Eine untergelegte Münze hilft hier, das Bauteil während des Trocknens in Position zu halten.
Die Wanddurchbrüche bestehen aus zwei Elementen: einer Wand mit entsprechender Aussparung und einem separaten Durchbruchsteil. Beide sind jeweils zweilagig aufgebaut. Dabei ist die Öffnung auf der Innenseite kleiner als auf der Außenseite, sodass das Durchbruchsteil in die Wand greift und außen leicht übersteht. In der Praxis bedeutet das, dass die Teile beim Verkleben sauber ausgerichtet werden müssen. Es empfiehlt sich, Wand und Durchbruch direkt gemeinsam zu montieren. Werden beide Komponenten getrennt vorbereitet, kann es schnell passieren, dass die Passform nicht mehr exakt stimmt und Nacharbeit mit Feile und Schleifpapier notwendig wird.
Auch beim Einstecken der Wände in die Säulen muss vereinzelt leicht nachgearbeitet werden, da einige Steckverbindungen minimal zu breit ausfallen. Aufgrund der Materialstärke ist das jedoch schnell erledigt und bleibt eine kleine Korrektur, kein echter Stolperstein.
Auf in die Schlacht – das Gelände auf dem Spieltisch
Missionen in Beengter Umgebung lassen sich problemlos mit dem Gelände darstellen. Durch die durchgehend kurzen Wandsegmente entfällt die Suche nach „dem richtigen Teil“, Layouts lassen sich schnell aufbauen und passen sauber auf die offiziellen Kill Team Spielfelder.
Die Passgenauigkeit der Steckverbindungen überzeugt. Die Toleranzen sind insgesamt gut getroffen. Die Wandteile lassen sich mit wenig Druck ineinanderschieben, und in kurzer Zeit steht ein vollständiges Missionslayout. Ein möglicher Verschleiß durch häufiges Auf- und Abbauen ist nicht auszuschließen, bleibt in der Praxis aber überschaubar. Die Struktur der Layouts sorgt für ausreichend Stabilität, sodass selbst leicht lockerere Verbindungen nicht ins Gewicht fallen. Dass am Spieltisch stärker gerüttelt wird, ist ohnehin unwahrscheinlich, da darunter nicht nur das Gelände, sondern auch die Miniaturen leiden würden. Im Test wurde dies durch leichtes Nacharbeiten einzelner Verbindungen simuliert. Die betroffenen Stellen sitzen danach spürbar lockerer, das Gesamtbild bleibt jedoch stabil und funktional.
In der Ausrichtung zeigen sich die Wände zuverlässig. Sind die Verbindungsklammern sauber eingesetzt, stehen die Segmente gerade. Kleinere Schiefstände können auftreten, lassen sich aber problemlos korrigieren.
Ein interessantes Detail ist die Kompatibilität zu anderem Gelände. Durch das gezielte Herauslösen weiterer Elemente an den Säulen lässt sich auch das Enteraktionen– und Gruftwelt-Gelände von Games Workshop in die Säulen einsetzen. Das funktioniert in diese Richtung gut, auch wenn die Steckverbindungen des Micro Art Studio-Geländes durch diese Anpassung etwas an Halt verlieren. Umgekehrt sind die Micro Art Studio-Teile nicht ohne Weiteres mit den Säulen von Games Workshop kompatibel.
Optisch sind die Wandsegmente glatt gehalten und verzichten auf ausgeprägte Oberflächenstruktur, wie man sie von Kunststoffgelände kennt. Die aufgedruckten Details fangen diesen Umstand jedoch gut auf und sorgen für ein stimmiges Gesamtbild auf dem Tisch.
Ein echtes Highlight sind die Schotten. Das Design wirkt so detailliert, dass man stellenweise vergisst, dass es sich lediglich um bedrucktes HDF/MDF handelt. Damit bietet das Gelände eine echte Alternative zu Plastikgelände.
Die harten Fakten:
- Hersteller: Micro Art Studio
- Erscheinungsjahr: 2025
- Preis: Imperial KT Corridors 75,00 EUR; Imperial KT Corridors Extras 12,30 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, KuTaMi
Fazit
Das Imperial KT Corridors-Set macht im Kern genau das, was man von ihm erwartet. Das Grundset ist schnell aufgebaut, die Teile greifen sauber ineinander und ohne viel Vorbereitung steht ein vollständiges Spielfeld. Kleinere Nacharbeiten kommen vor, bleiben aber im Rahmen. Die Passform ist durchweg solide. Auch nach mehreren Auf- und Abbauten bleibt die Stabilität erhalten, da die Struktur der Layouts vieles auffängt.
Für Kill Team-Szenarien in Beengter Umgebung funktioniert das System sehr gut, weil sich Layouts ohne großes Suchen zusammensetzen lassen. Aber auch für andere Spielsysteme ist das Gelände gut geeignet. Für Warhammer 40k-Partien gilt wie üblich: Wer das volle Setup möchte, braucht zwei Sets.
Optisch liefert das Set mehr, als das Material zunächst vermuten lässt. Die glatten Flächen werden durch die Drucke gut aufgefangen, und vor allem die Schotten stechen deutlich heraus. Hier wirkt das Gelände hochwertiger, als man es von HDF/MDF zunächst erwarten würde, und kann gut mit Plastikgelände mithalten.
Das Imperial KT Corridors Extras-Set fällt im Vergleich leicht ab. Die zusätzlichen Optionen sind sinnvoll, der Zusammenbau ist aber an einigen Stellen fummelig und verlangt mehr Aufmerksamkeit als das Grundset. Das ist kein Ausschlusskriterium, aber ein Punkt, den man vor dem Kauf im Hinterkopf behalten sollte.
Unterm Strich steht ein Geländeset, das mit überschaubarem Aufwand viel Spielfeld liefert und sich gerade für Kill Team und ähnliche Systeme sehr gut eignet.

- Optisch ansprechend ohne lange Bemalung
- Gute Passform und stabile Layouts
- Schneller Aufbau, wenig Vorbereitung notwendig
- Extras-Set stellenweise unnötig fummelig
- Einzelne Steckverbindungen benötigen Nacharbeit
Artikelbilder: © Micro Art Studio
Layout und Satz: Dominic Niederhoff
Lektorat: Nina Horbelt
Fotografien: Geoffrey Förste
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