Neue Grundboxen sind oft der perfekte Anlass für ein frisches Armeeprojekt. Die Veröffentlichung der Saturnine-Box für Warhammer: The Horus Heresy inspiriert unseren Redakteur Geoffrey, eine eigene Streitmacht aufzubauen. Im ersten Teil seines Hobbytagebuchs beantwortet er die Fragen: Welche Legion soll es werden – und wie wird sie bemalt?
Ich muss es zugeben: Die Saturnine-Box hat mich gepackt. Die Modelle sind großartig gestaltet, und das Regelsystem spielt sich fesselnd, wenn man komplexe Regelsysteme schätzt. Keine Frage, dass die Modelle als Anlass genommen werden, eine Armee aufzubauen. Schlachtfelder des 31. Jahrtausends, ich komme!
Krieg, Tod, Gewalt
Inhaltsverzeichnis
Engel links, Teufel rechts – die Qual der Wahl bei den Legionen
Hintergrundgeschichte, Armeeeigenschaften, Farbschemata – bei der Auswahl einer Armee spielen viele Faktoren eine Rolle. Durch die Figurenzusammenstellung der Saturnine-Box wurde mir die erste Entscheidung zumindest ein wenig eingeschränkt, da ich dadurch eine ganze Menge Space Marines in der Hand halte. Trotzdem gibt es noch immer eine riesige Auswahl an Möglichkeiten: Verräter oder Loyalisten? Und welche Legion überhaupt? Als Fan der Lore, insbesondere der Buchreihe der Horus Heresy ist es nicht leicht, eine Wahl zu treffen. Daher lasse ich mich ein wenig vom Bauchgefühl beim Blick auf die ersten Modelle treiben.
Massiv, langsam und unaufhaltsam schreiten hier die neuen Modelle der Saturnine-Terminatoren voran. Ein großes Geschütz feuert aus den hinteren Schlachtreihen und reißt Panzerungen auf und Mauern ein. Die Szene wirkt nicht hektisch, sondern entschlossen – als hätte jede Figur ihren Platz in einem größeren Plan. Und genau dieses Gefühl – strukturierter, zielgerichteter Vormarsch statt wilder Offensive – bringt mich zu einer Legion, die für genau diese Art von Kriegsführung steht: die Imperial Fists.

Die Imperial Fists, unter dem Kommando ihres Primarchen Rogal Dorn, gehören zu den loyalen Legionen, die dem Imperator auch nach dem Verrat Horus’ die Treue halten. Während der Horus Heresy übernehmen sie eine entscheidende Aufgabe: Sie bereiten Terra auf die bevorstehende Belagerung vor und bauen Verteidigungsanlagen auf, die das Herz des Imperiums vor dem Ansturm der Verräter schützen sollen.
Ihre Expertise in Belagerungskriegen ist dabei doppelseitig: In der Zeit der Großen Kreuzzüge waren die Fists ebenso fähig, feindliche Festungen zu stürmen und systematisch auszuschalten. Doch im Kontext der Heresy stehen sie primär für den Gegenpol – als Bollwerk gegen den Zerfall. Während andere Legionen von Ideologien zerrissen oder vom Chaos korrumpiert werden, bleiben die Imperial Fists standhaft und fokussiert.
Eine ganze Palette an Farben – Die Qual der Wahl
Die Wahl des Farbschemas kann einen an den Rand des Wahnsinns treiben. Wer sich schon einmal auf die Suche nach Inspiration begeben hat, weiß: Online ist jede Legion mindestens hundertfach vertreten – perfekt bemalt, stilistisch inszeniert, mit allem Drum und Dran. Schnell verliert man sich in Details und vergleicht mehr, als man entscheidet. Der Balanceakt zwischen dem Wunsch nach Sicherheit bei der Wahl des Farbschemas und der Gefahr, sich in zu vielen Überlegungen zu verlieren, ist nicht leicht. Natürlich muss man sich im Klaren sein, das man oft über hundert Modelle mit der Farbe der Wahl versehen wird. Das sollte auch eine persönlich ansprechende Farbe sein. Auf der anderen Seite kann die „Angst vor der leeren Leinwand“ so lähmen, dass man nie anfängt.

Warhammer: The Horus Heresy macht es einem vor allem bei den Space Marines in dieser Hinsicht etwas leichter. Durch die feste Verankerung im Hintergrund sind viele Farbschemata bereits vorgegeben, und wer sich für eine Legion entscheidet, bekommt Farbe, Heraldik und Hintergrundgeschichte gleich mitgeliefert. Das hilft – und grenzt gleichzeitig ein.
Es ist bei mir so, wie wohl bei vielen anderen Spieler*innen des Systems, dass nicht nur der Hintergrund, sondern die Mischung aus Optik und Lore mich zur richtigen Legion geführt hat. Die Imperial Fists überzeugen mich auf mehreren Ebenen: Ihre Farbe ist ein strahlendes Gelb. Es ist markant und stellt gleichzeitig eine gewisse technische Herausforderung dar. Aber es ist nicht nur eine auffällige Farbe – sie steht sinnbildlich für die Rolle der Legion im Großen Bruderkrieg. Gelb ist sichtbar, setzt ein Zeichen, und genau wie ihre Träger bleibt es nicht unversehrt. Abnutzungen, Kratzer, Staub und Schlamm erzählen auf Gelb besonders deutlich, was eine Armee durchgemacht hat. So wird aus einer hellen Signalfarbe eine Farbe des Widerstands. Für den Imperator!
Bemalung will geplant sein – die ersten Überlegungen
Nach der Entscheidung für eine Legion kommt schnell die nächste große Frage: Wie soll das Farbschema technisch umgesetzt werden – besonders, wenn ein ganzer Haufen Miniaturen bemalt werden will? Gerade Gelb gilt im Tabletop-Hobby nicht zu Unrecht als anspruchsvoll. Viele Gelbtöne decken nur mäßig, und kleinere Fehler fallen sofort ins Auge. Gleichzeitig bietet Gelb ein enormes Potenzial für starke Kontraste, realistische Abnutzungen und auffällige Armeen – wenn die Methode stimmt.
Wichtig war ein Ansatz, der auf Masse funktioniert: einfach genug, um größere Trupps in absehbarer Zeit fertigzustellen, aber nicht so simpel, dass das Ergebnis lieblos wirkt. Im Raum standen mehrere Optionen:
Contrast- oder Speedpaints auf einer hellen Vorschattierung bieten eine schnelle Möglichkeit, mit wenigen Schritten zu einem brauchbaren Ergebnis zu kommen. Kombiniert mit einem dunklen Wash oder Techniken wie Streaking Grime entsteht ein Look, der angenehm „grimy“ ist“ – ideal für eine Armee aus einem langwierigen Stellungskrieg wie der Horus Heresy. Der Nachteil: Der Effekt nimmt leuchtenden Farben oft die Strahlkraft. Das Ergebnis wirkt eher stumpf als strahlend.
Klassisches Schichten über eine dunkle Basis, etwa von Braun über Ocker bis zum finalen Gelbton, erzeugt beeindruckende Farbtiefe. Allerdings ist der Aufwand beträchtlich. Zudem sorgt Braun als Grundfarbe oft für einen leicht „verstaubten“ Gelbton, was gerade bei einer Armee wie den Imperial Fists schnell zu dunkel wirken kann.
Gesucht war ein Mittelweg: ein leuchtendes Gelb, das sich ohne stundenlanges Layering umsetzen lässt, dabei aber nicht künstlich oder überdreht aussieht. Ein recht bewährter Trick in diesem Zusammenhang ist die pinke Vorschattierung: Auf einen weißen oder grauen Primer wird Pink als Akzentfarbe in die Schatten gesetzt – anschließend wird eine transparente Gelbfarbe aufgetragen. Das Resultat: ein warmer, satter Farbton mit ordentlich Leuchtkraft. Je nach verwendeter Farbe kann das Gelb leicht ins Orangene kippen, bleibt aber deutlich strahlender als bei herkömmlicher Untermalung.
Damit steht ein gutes Fundament für eine Armee, die sich sowohl farblich als auch thematisch sichtbar vom Rest der Streitkräfte abhebt – ganz im Sinne der Imperial Fists.
Der Bemalprozess – Schritt für Schritt
Grundierung und Vorschattierung
Als Basis dient eine weiße Grundierung, auf die von unten ein Hauch Pink gesprüht wird, um die Schattenbereiche gezielt hervorzuheben. Danach folgt ein erneuter Auftrag von Weiß von oben, um die Highlights zurückzuholen, die durch das Pink möglicherweise zu stark überdeckt wurden. Das gelingt am einfachsten mit einer Airbrush, durch die sich feine Farbverläufe gut steuern lassen.
Wer keine Airbrush zur Verfügung hat, kann stattdessen vollständig pink grundieren und anschließend mit einer weißen Sprühgrundierung einen zenitalen Farbauftrag setzen – also schräg von oben aufsprühen. Das simuliert Licht und Schatten und funktioniert ebenfalls gut für die spätere Kontrastfarbe.
Gelbe Kontrastfarbe auftragen
Für das Gelb kommt bei mir das Imperial Fist Yellow von Citadel zum Einsatz – eine leuchtende Kontrastfarbe, die zu recht den Namen der dazugehörigen Legion trägt. Die Farbe bringt ein intensives, warmes Gelb auf die Fläche und erzielt in Verbindung mit der pink-weißen Vorschattierung ein sehr lebendiges Ergebnis.
Der Name „Kontrastfarbe“ kommt daher, dass diese Farbsorte eigentlich mehrere Bemalschritte auf einmal abdecken soll: Sie fließt in die Vertiefungen, um dort Schatten zu erzeugen, während sie auf erhöhten Flächen dünner bleibt und damit ein Highlighting-Effekt entsteht. Imperial Fist Yellow sieht zwar toll aus, zeigt aber in den Vertiefungen weniger Kontrastwirkung als manch andere Kontrastfarbe.
Beim Auftragen kann ebenfalls eine Airbrush helfen, um die Farbschicht möglichst gleichmäßig aufzutragen – ein sauberer Pinselauftrag funktioniert aber ebenso gut, wenn man darauf achtet, die Farbe abschnittsweise aufzutragen, bevor der nächste Bereich bemalt wird. Andernfalls bleiben sichtbare Pinselstriche zurück.
Pin Wash statt kompletter Schattierung
Trotz der Grundschattierung wirken manche Flächen nach dem Gelbauftrag zu gleichmäßig. Einzelne Rüstungspaneele und Details gehen visuell ineinander über. Ein vollständiger Wash würde das Problem zwar lösen, hätte aber den Nachteil, dass das leuchtende Gelb dadurch stumpfer wird. Die Lösung ist ein Pin Wash: gezieltes Einsetzen eines dünnen Washes oder Ölfarbgemischs nur in die Vertiefungen.

In meinem Fall besteht das Wash aus brauner Ölfarbe, stark verdünnt mit Terpentin-Ersatz. Der Kapillareffekt sorgt dafür, dass die Farbe wie von selbst in die Spalten und Gravuren der Miniatur fließt. So entstehen saubere Linien und Schatten, ohne dass die Oberfläche des Modells ihren Glanz verliert. Diese Technik ist schnell, effektiv und verleiht der Miniatur Tiefe – ohne unnötigen Aufwand.
Details bemalen
Erst die Akzentuierung einzelner Details verleiht einem Modell Leben. Dabei muss allerdings nicht jede Schnalle und jeder Kabelstrang extra hervorgehoben werden – im Gegenteil: Zu viel Detailmalerei kann bei Armeen mit vielen Modellen schnell ausufern. Besser ist es, gezielt Akzente zu setzen. Waffe, Helm, Schulterpanzer – solche zentralen Elemente verdienen besondere Aufmerksamkeit, weil sie die Lesbarkeit des Modells stark beeinflussen.
Reines Schwarz wurde im ersten Test als zu harter Kontrast zum Gelb empfunden. Stattdessen kommen dunkle Silbertöne (zum Beispiel Leadbelcher oder Gunmetal) sowie sehr dunkle Grautöne zum Einsatz. Das wirkt stimmiger und lässt die Details klar hervortreten, ohne zu dominant zu sein.
Decals und Weathering
Um die Modelle optisch abzurunden, kommen Decals zum Einsatz – das sind wasserlösliche Abziehbilder, die auf die Miniatur übertragen und dort fixiert werden. Besonders bei Space Marines bieten sie die Möglichkeit, feine Symbole, Truppmarkierungen oder Ordensabzeichen aufzubringen, die mit dem Pinsel kaum sauber umzusetzen wären.
Mit Produkten wie Vallejo Decal Fix und Decal Softener lassen sich die Transfers flexibel an die Oberfläche der Miniatur anpassen, auch über Wölbungen oder Gravuren hinweg. Um die Abzeichen stimmig in das Gesamtbild einzufügen, wird anschließend mit einem kleinen Schwamm etwas Gelb aus der Grundfarbe vorsichtig über das Decal getupft. So wirkt es leicht verwittert und integriert sich besser ins Gesamtbild.
Zusätzlich sorgt ein Sponge-Chipping-Effekt mit dunklem Braun oder Rostrot für weitere Gebrauchsspuren: Einfach mit einem kleinen Schwamm unregelmäßig aufgetupft, entsteht so ein realistischer Verschleißlook, der perfekt zur Ästhetik der Horus Heresy passt.
Basegestaltung
Die Basefarbe wurde bewusst kontrastreich zum Gelb gewählt: Ein kräftiger Rot-Ton vermittelt Hitze und Trockenheit und bringt die Rüstungstöne noch besser zur Geltung. Zum Einsatz kommt hier Martian Ironcrust – eine Strukturfarbe, die beim Trocknen aufreißt und Risse bildet. Das erzeugt mit minimalem Aufwand einen realistischen Effekt von brüchigem, ausgetrocknetem Boden.
Abgerundet wird das Ganze mit kleinen Details: Vertrocknete Vegetation, Sand, ein paar Steine oder Wrackteile sorgen für Leben auf der Base, ohne vom Modell abzulenken. Zwei abgestorbene Pflanzen aus dem Bastelbedarf setzen kleine Farbakzente und unterstützen das Thema „verwüstetes Schlachtfeld“.
Fazit
Mit dem Entschluss für die Imperial Fists und einem funktionierenden Bemalschema ist der erste große Schritt getan. Das Projekt hat nun ein klares Fundament: eine thematisch starke Legion mit markanter Optik, ein einfach reproduzierbarer Bemalprozess und vor allem eine klare Richtung, in die es weitergehen kann.
Jetzt beginnt der spannendste Teil: der Sprung von Farbe zu Funktion. Die Modelle wollen nicht nur bemalt, sondern auch ins Gefecht geführt werden. Dafür braucht es mehr als nur Würfelglück – es braucht ein Verständnis der Armeeregeln, der Legionseigenheiten und der taktischen Optionen.
Im nächsten Teil dieses Hobby-Tagebuchs geht es daher vom Maltisch auf das Spielfeld: Welche Einheiten passen gut zur Philosophie der Imperial Fists? Wie funktionieren ihre Sonderregeln in The Horus Heresy? Und was haben die Liber, Games Workshops Regelbücher für die spielbaren Fraktionen, alles zu bieten?
Die ersten Spiele werfen also ihren Schatten voraus. Und mit ihnen die nächste Herausforderung: Aus der Theorie eine spielstarke, thematisch passende Armee zu machen.
Artikelbilder: © Games Workshop Ltd.
Layout und Satz: Mika Eisenstern
Lektorat: Rick Davids
Fotografien: Geoffrey Förste, @mr_finch_sh, @furiousfab85
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.
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