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Die Speedpaints von The Army Painter und andere Schnellmalfarben erfreuen sich hoher Beliebtheit, nicht nur um Projekte schneller abzuschließen. Bisher wurden sie noch klassisch mit dem Pinsel aufgetragen. Deep-Cut Studio kamen nun auf die Idee, die flüssigen Farben in Pump-Marker zu füllen und der Speedpaint Marker war geboren.

Miniaturen bemalen mit Markern statt Pinseln, kann das funktionieren? Die Idee ist nicht grundsätzlich neu und es wurden auch in der Vergangenheit von einigen Maler*innen schon verdünnte Acrylfarben oder Inks in befüllbaren Markern verwendet. Dies diente aber eher einzelnen Malschritten oder speziellen Techniken, nicht aber zum Bemalen ganzer Figuren. Mit den noch relativ jungen Schnellmalfarben erhält man aber ein Malmittel, welches sich einfach in Marker füllen lässt und dank seiner Eigenschaften auch für das Bemalen in nur einer Schicht geeignet ist. Aber kann die Spitze eines Markers wirklich einen Pinsel ersetzen? Wir haben es ausprobiert.

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Keine üblichen Trigger

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Das ist drin

Geliefert wird das Speedpaint Markers Starter Set in einer praktischen und stabilen Tasche, welche mit einem Reißverschluss geöffnet und geschlossen werden kann. Nach dem Öffnen stellt man fest, dass die Tasche identisch mit der für das komplette Set mit 20 Farben ist. Hier ist nur die Hälfte des Platzes ausgenutzt, sodass eine nachträgliche Erweiterung um mehr Farben aus der Reihe gut möglich ist. In Laschen eingeschoben befinden sich zehn Marker und ein Plastikzylinder mit zehn Wechselspitzen.

Befüllt sind die Marker mit Speedpaints von The Army Painter und es sind jeweils 6 ml enthalten. Zur besseren Durchmischung ist eine Agitatorkugel zugefügt. Mit den Farben Bright Red, Fire Giant Orange, Ancient Honey, Shamrock Green, Magic Blue und Purple Swarm erhält man fast alle Farben des Regenbogens. Darüber hinaus sind noch die Hautfarbe Peachy Flesh, der Braunton Hardened Leather und das dunkel Grau Occultist Cloak dabei. Den Abschluss bildet die Metallfarbe Polished Silver.

Die Marker im Detail

Die Speedpaint Marker sind aus solidem, durchsichtigem Kunststoff gefertigt, was einen Blick auf die enthaltene Farbe zulässt. Sie sind mit einem Etikett beklebt, auf welchem sich neben dem Farbnamen auch ein kurzer Anwendungshinweis auf Englisch findet. Leider finden sich, anders als auf den Farbflaschen von The Army Painter, keine praktischen Farberläuterungen. Occultist Cloak beispielsweise lässt vom Namen keine eindeutige Zuordnung zu. Hier wäre der Hinweis, dass es sich um ein schwärzliches Blau-Grau handelt, hilfreich gewesen.

Die Kappen auf den Markern verschließen sehr fest und sie zu lösen, erfordert etwas Kraft beziehungsweise eine leichte Drehbewegung. Diese sollte unbedingt gegen den Uhrzeigersinn erfolgen, da man sonst den oberen Teil des Markers komplett abschraubt. Dieser feste Verschluss verspricht aber auch, dass die Spitzen der Marker nicht eintrocknen. Die Markerspitze ist vor der ersten Nutzung noch reinweiß, da sich noch keine Farbe darin befindet. Sie läuft sehr spitz zu, was hoffentlich auch präzises Arbeiten ermöglicht. Auffällig ist, dass nicht wie bei anderen Pump-Markern die Spitze selbst heruntergedrückt wird, um Farbe fließen zu lassen. Stattdessen befindet sich um die Spitze ein Kunststoffrand, welcher sich mit Hilfe des Deckels eindrücken lässt. So wird die Spitze geschont. Während der Benutzung lässt sich die Kappe am Ende des Markers aufstecken.

Da wir bereits versehentlich den oberen Teil eines Markers abgeschraubt hatten, riskieren wir einen genaueren Blick auf die Technik: Da im Set Wechselspitzen enthalten sind, liegt es nahe, dass die Spitzen ausgetauscht werden können. Hierfür können sie einfach aus dem Marker gezogen werden. Da die Spitzen an beiden Enden spitz zulaufen, können sie bei ersten Abnutzungserscheinungen aber auch einfach umgedreht werden. Schraubt man den Kopf ab sieht man, dass der untere Teil des Markers mit einer Kappe mit einer kleinen Öffnung verschlossen ist. Diese Kappe lässt sich vorsichtig aus dem Marker hebeln und im Inneren kommt ein Federmechanismus zum Vorschein, welcher die Pumpbewegungen ermöglicht. Der so geöffnete Marker lässt sich dann mit Speedpaints aus der Flasche nachfüllen. Es muss nach dem Aufbrauchen der Farbe also kein komplett neuer Marker gekauft werden.

Der Test

Um zu sehen, ob die Marker sich auch in der Praxis beweisen, haben wir verschiedene Modelle vorbereitet und mehrere Ansätze der Bemalung vorgesehen. Vor der Verwendung müssen die Marker gut geschüttelt werden, um eine optimale Durchmischung von Pigmenten und Trägerflüssigkeit sicherzustellen. Anschließend wird der Kunststoffrand mit Hilfe der Markerkappe mehrmals heruntergedrückt, um mit dieser Pumpbewegung Farbe in die Spitze fließen zu lassen. Hierbei sollte man nicht übertreiben, sondern gerade bei der Erstbenutzung die Spitze im Auge behalten, um sie nicht zu übersättigen.

Erste Schritte

Für den ersten Test haben wir einen Kunststoff-Grot aus der zweiten Edition von Warhammer 40.000 weiß grundiert. Das sehr klassische Modell bot sich für einen ersten Test an, da es nicht über große Details und keine schwer zu erreichenden Bereiche verfügt. Schon beim Bemalen der Haut mit Shamrock Green zeigt sich, dass die Spitze erstaunlich präzise ist. Somit war es uns möglich, die Augen und die Zähne unbemalt zu lassen. Auch die Augen ließen sich mit einer ruhigen Hand recht gut mit Bright Red bemalen. Am Rest des Modells haben wir uns mit vornehmlich bunten Farben ausgetobt, was gut zu dem Modell aus den Neunzigern passt. Die Speedpaints tun dabei genau das, was wir von ihnen erwarten und fließen in die Vertiefungen, wo sie eine Schattierung hinterlassen. Auf der weißen Grundierung wirken die Farben sehr grell. Dies würden wir normalerweise vermeiden, indem wir die Farben mit etwas Medium verdünnen und somit die Deckkraft heruntersetzen. Dies ist bei vorbefüllten Markern natürlich nicht möglich. Auch das Verschieben der Pigmente oder das Aufnehmen von Überschuss ist nicht möglich, da die Spitze des Markers ja immer mit Farbe versehen ist. Natürlich könnte man hierfür einen sauberen Pinsel bereitlegen. Damit wären aber die Vorteile des Malens ohne Wasser, Tuch und so weiter wieder dahin. Somit müssen in diesem Bereich Abstriche gemacht werden. Trotzdem kann das Modell sich durchaus sehen lassen. Und da wir Farbwechsel einfach mit der Nutzung eines anderen Markers erreichen, geht das Malen auch recht schnell von der Hand.

Für den zweiten Ansatz haben wir ein identisches Modell schwarz grundiert und mit einem zenitalen Highlight versehen. Durch die so entstehenden Vorschattierungen wird die aktuell sehr beliebte Maltechnik Slap Chop möglich. Hierbei werden die Schnellmalfarben etwas abgedämpft und nicht vom Licht getroffene Bereiche werden zusätzlich abgedunkelt. Das Modell haben wir dann genau wie das erste bemalt und die Unterschiede sind deutlich sichtbar. Die Farben wirken so weniger grell und das Modell erhält noch mehr Tiefe.

Glatte Flächen und Nischen

Nach dem erfolgreichen ersten Test wollten wir uns an die ersten Schwierigkeiten wagen. Für Schnellmalfarben sind glatte Flächen eine besondere Herausforderung und mit der starren Spitze sind auch schwer zu erreichende Bereiche mutmaßlich ein Problem. Für diesen Versuch verwenden wir einen Primaris Space Marine, den wir weiß grundiert haben. Und wie zu erwarten, gestalten sich die glatten Flächen der Rüstung schwierig. Die Farbe neigt hier zur Schlierenbildung und da sie wie bereits erwähnt weder verdünnt noch ohne das Aufbringen weiterer Farbe verteilt werden kann, mussten wir für ein einigermaßen taugliches Ergebnis in mehreren Schichten arbeiten. Besonders die Bereiche hinter der Waffe und dem Rückenmodul, aber auch die engen Stellen zwischen Helm und Rüstung waren nur schwer zu erreichen und oft blitzt noch ein Rest Weiß hervor. Außerdem erschwert der Umstand, dass die gesamte Spitze farbgetränkt ist, das präzise Malen in Nischen, ohne dabei andere Bereiche mitzubemalen.

Auch hier haben wir für einen zweiten Versuch auf ein Modell mit zenitalem Highlight als Grundlage zurückgegriffen. Leider hatten wir keine identische Pose zur Verfügung. Hier zeigt sich, dass ein ansehnliches Ergebnis deutlich leichter zu erreichen ist. Die leicht entsättigte Farbe passt gut in das Grim-Dark-Thema und auch dieses Modell erhält mehr Tiefe. Durch die bereits im Vorfeld abgedunkelten Bereiche fallen auch Stellen die nicht komplett bemalt werden können, weniger auf. Alternativ könnte das Modell aber auch vor der Bemalung nur teilweise gebaut werden, um so solche Bereiche leichter zu erreichen.

Um die begrenzte Farbpalette etwas zu erweitern, haben wir außerdem das Schwert und die Ikone am Gürtel zunächst mit Polished Silver bemalt und nach dem Trocknen lasiert. Für die Energieklinge haben wir dafür Magic Blue verwendet und für Parierstange, Knauf und Ikone Ancient Honey. Zwar wäre auch hier verdünnte Farben besser gewesen, dennoch kann das Ergebnis sich sehen lassen.

Malen unterwegs?

Da für das Malen mit den Markern kein Wasserbecher benötigt wird und auch keine Farbtöpfe umkippen können, stellte sich die Frage, ob das Malen auf Reisen möglich ist. Für die nächste Zugfahrt haben wir also das praktische Täschchen und ein grundiertes Modell eingepackt. Hier zeigt sich, dass der Transport der Miniaturen das größte Problem ist. Die Marker lassen sich dank der Tasche sehr gut mitnehmen und ergattert man einen Sitzplatz mit Klapptisch geht auch auf Reisen das Malen gut von der Hand. Zumindest solang der Zug nicht plötzlich abbremst. Zwar konnten wir unser Modell für A Song of Ice and Fire in Ermangelung eines weißen Markers im Starter Set nicht komplett abschließen, aber mit dem Ergebnis sind wir dennoch zufrieden.

Die harten Fakten:

 

Fazit

Das Speedpaint Markers Starter Set von Deep-Cut Studio bietet einen guten Start in die Bemalung von Miniaturen mit Schnellmalmarkern. Die Farbauswahl ist gut getroffen und bis auf Weiß, Pink und eine Knochenfarbe hat uns hier nichts gefehlt. Nun handelt es sich aber auch nur um ein Starter-Set und fehlende Farben lassen sich problemlos ergänzen. Dank der stabilen Tasche lassen sich die Marker gut aufbewahren und transportieren und die Tasche bietet genug Platz, um das gesamte verfügbare Farbsortiment der Marker unterzubringen.

Die Marker sind erstaunlich präzise und die Bemalung geht leicht von der Hand. Nachteile ergeben sich allerdings bei schwer erreichbaren Stellen und Farben lassen sich weder verdünnen noch mischen. Mit der Slap-Chop-Methode lassen sich aber ein paar dieser Nachteile abmildern.

Da die Marker sich nachfüllen lassen und die Spitzen austauschbar sind, erscheint der Preis von 55 Euro für das Set durchaus fair. Einzeln sind die Marker und das Ersatzspitzen-Set für jeweils 5 EUR erhältlich, was beim Set die Tasche als Gratiszugabe ergibt. Da schmerzt auch das nachträglich Kaufen weiterer Farben nicht wirklich.

Die Speedpaint Marker werden sicherlich nicht den Pinsel ablösen, sie bieten aber eine gute Möglichkeit unterwegs zu malen und auch Gelegenheitsmaler finden hier eine Methode, um mit einfachen Mitteln gute Ergebnisse zu erzielen.

  • Malen ohne Wasserbecher
  • präzises Arbeiten möglich
  • nachfüllbar
 

  • lassen sich nicht verdünnen und mischen
  • Dosierung teils schwierig
  • Nischen nur schwer erreichbar

Artikelbilder: © Deep-Cut Studio
Layout und Satz: Konstantin Paessler
Lektorat: Maximilian Düngen
Fotografien: Dennis Rexin

Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.

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