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Decals – also kleine Abziehbilder für Symbole – sind im Tabletop ein alter Hut, aber oft ein Ärgernis: sie reißen, verrutschen und hassen runde Flächen. Zwei Hobbyisten hatten genug davon und brachten eine Alternative aus dem Nagelstudio auf den Markt: Stampin‘ Plates. Und so kam es, dass unser Redakteur Geoffrey stempeln ging.

Decals und ich, uns verbindet eine Hassliebe. Kaum bringe ich sie auf die Figur, reißen sie, verschieben sich oder legen sich wie ein schlecht gebügeltes Hemd in Falten. Besonders bei Rundungen oder strukturierten Oberflächen wird das zur Nervenprobe.

Doch Rettung naht – und zwar nicht aus der Tabletop-Werkstatt, sondern vom Nageltisch. Brant und Casey, besser bekannt durch ihre YouTube-Kanäle Goobertown Hobbies und eBay Miniature Rescues, hatten eine ungewöhnliche, aber geniale Idee: Warum kleben, wenn man auch stempeln kann? Diese Technik wird in Nagelstudios bereits seit Jahren verwendet, um Muster und Symbole auf Nägel aufzubringen. Unter dem Label Goblin Hobbies haben die beiden bekannten Hobbyisten diese Technik nun ins Tabletop-Hobby gebracht. Sie kreierten ein Stempelsystem mit zwölf passenden Symbolsets und eigens abgestimmter Stempelfarbe. Klingt verrückt, hat aber Potenzial für einen festen Platz im Hobbyregal.

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Das Produkt im Überblick

Stampin‘ Plates sind prinzipiell nichts anderes als kleine Förmchen, in die Farbe gefüllt wird, welche dann auf das Modell übertragen wird. Die circa sieben mal zwölf Zentimeter großen Metallplatten sind mit vierzig bis sechzig Symbolen graviert, von denen einige in zwei unterschiedlichen Größen zu finden sind.

Die Stempelplatten sind nach Themen sortiert. Diese reichen von ritterlicher Heraldik über Ork-Runen bis hin zu Science-Fiction-Markierungen. Darüber hinaus liefert der Hersteller noch die passenden Farben, Schaber und Silikonstempel.

Das farbliche Angebot beschränkt sich auf aktuell sechs Farbtöne (weiß, grau, schwarz, rot, gelb, blau), aber es wird herzlich zum Experimentieren eingeladen, da theoretisch jeder Nagellack für das Aufstempeln verwendet werden kann.

Die Silikonstempel bestehen aus einer runden Variante mit zwei unterschiedlich großen Silikonkissen und einer größeren rechteckigen Variante für größere Muster. Zu jedem Silikonstempel wird zudem ein Plastikspachtel mitgeliefert, mit dem die Farbe verteilt und überschüssige Farbe abgenommen werden kann.

Für Einsteiger*innen hat der Hersteller ein Starter Kit zusammengestellt, bestehend aus zwei Stampin‘ Plates, einem Spachtel, einem Silikonstempel und weißer wie auch schwarzer Farbe. Dank einer großzügigen Lieferung an Rezensionsmaterial kamen wir in den Genuss, das gesamte Sortiment auszuprobieren. Das Einzige, was noch zu besorgen war, waren Klebeband, Nagellackentferner und Wattepads zur Reinigung der Materialien.

Praxistest am Maltisch

Die Anleitung liest sich ebenso spielend leicht, wie die Handhabung in den dazugehörigen Tutorials aussieht. Farbe wird auf die Schablone aufgetragen, überschüssige Farbe mit dem Spatel entfernt, das Symbol mit dem Silikonstempel aufgenommen und auf das Modell gedrückt. Fertig. Wer sofort loslegt, mühevoll bemalte Modelle mit den frisch erworbenen Stempeln zu verzieren, wird schnell an den Hinweis des Herstellers denken, das Produkt erst einmal auf einem Blatt Papier auszuprobieren und sorgsam zu üben. Oder man sucht sich bewusst heruntergekommene Malschemata aus, zu denen unvollständige und abgenutzte Symbole gut passen.

Das Stempeln ist, wie der Einsatz einer Airbrush oder die Verwendung klassischer Decals, eine neue Hobbytechnik, die erst einmal erlernt werden muss, bis damit gute Ergebnisse erzielt werden können. Herausfordernd sind zunächst vor allem das Aufnehmen der Farbe von der Schablone mit dem Stempel und das Treffen der gewünschten Stelle auf dem Modell. Auch für die anschließende Reinigung muss man sich erst einmal eine Routine zurechtlegen, was jedoch recht schnell geht.

Farbe sucht Stempel – die Farbe gelungen aufnehmen

Die Farbe auf die Plates aufzutragen und das saubere Abziehen mit dem Spachtel sind schnell gelernt. Die Symbole aber auf den Silikonstempel zu bekommen, bedarf etwas Übung. Insbesondere großflächige Symbole oder filigrane Details wollen zu Beginn nicht so recht von der Platte. So sorgsam das Silikonkissen in die Vertiefungen gedrückt und über die Platte gerollt wird, die Farbe bleibt widerspenstig in der Vertiefung kleben.

Mit etwas Klebeband lassen sich die Stempel schnell für den nächsten Einsatz bereit machen.
Mit etwas Klebeband lassen sich die Stempel schnell für den nächsten Einsatz bereit machen.

Das Geheimnis hier: Weniger ist manchmal mehr. Mit sehr wenig Druck, sodass das Kissen die Vertiefungen kaum berührt, gelingt es dann irgendwann sehr zuverlässig, die Farbe aufzunehmen. Hier kann es regelmäßig passieren, dass man versehentlich auch noch das benachbarte Symbol mit etwas Farbe versehen und so mit aufgenommen hat. Ein Streifen Klebeband hilft hier tatsächlich weiter, mit dem man das unerwünschte Symbol entfernen kann.

Zielsicher auf den Schulterpanzer – das Auftragen der Symbole

Ist das Symbol vollständig aufgenommen, kann es auf die gewünschte Stelle aufgetragen werden. Dazu wird das Stempelkissen gerade auf die gewünschte Oberfläche gedrückt. Das Symbol bleibt haften, auch auf unebenen Oberflächen und Rundungen.

Der Blick durch die transparente Rückseite hilft beim Platzieren.
Der Blick durch die transparente Rückseite hilft beim Platzieren.

Allerdings ist das Treffen der richtigen Stelle im korrekten Winkel zunächst gar nicht einfach. Ein Blick von der Seite macht das Treffen schwierig. Schaut man bei dem Doppelstempel von hinten durch den transparenten Körper, ist die Sicht durch die konkave Form des Kissens arg verzerrt. Schließlich hilft es, nur das gewünschte Silikonkissen im Stempel zu belassen und das gegenüberliegende Kissen zu entfernen. Dadurch lässt sich recht zuverlässig vorherbestimmen, wo das Symbol am Ende sitzen soll.

Ein spannender und motivierender Faktor ist das einfache Kombinieren von Symbolen. Beherrscht man die präzisere Positionierung, lassen sich recht einfach Hintergrundsymbole mit Squadnummern, verschiedene heraldische Symbole zu einem Sammelwappen und Gruppenmarkierungen mit individuellen Zeichen zusammenbringen. Auch enthalten die meisten Platten größere Musterungen, die sich sehr gut als Hintergrund nutzen lassen. Die Variation durch die Nutzung unterschiedlicher Farben erweitert dies noch ungemein.

Immer gut pflegen – die Reinigung der Materialien

Eine notwendige, wenn auch wenig spannende Aufgabe ist schließlich die Reinigung von Spachtel, Stampin‘ Plate und Silikonstempel. Der Silikonstempel ist recht einfach, wie vom Hersteller empfohlen, mit einem Stück Klebeband von eventuellen Farbresten zu befreien. Die Farbe trocknet sehr schnell. Da das Silikon die Farbe kaum hält, lässt sie sich gut mit dem Klebeband abnehmen.

Tipps & Tricks für bessere Ergebnisse

  • Ruhig, aber zügig arbeiten. Die dünn aufgetragenen Farben trocknen schnell.
  • Üben, üben, üben. Die Anwendung ist zwar recht intuitiv, aber nicht immer einfach umzusetzen.
  • Transparenz nutzen. Der Blick von hinten durch den transparenten Stempel hilft, die gewünschte Stelle zu treffen.

Plate und Spachtel müssen allerdings jedes Mal mit einem acetonhaltigen Reiniger abgewischt werden. Nach einer Weile ist der Reinigungsprozess recht automatisiert. Jedoch muss man sich auf die Dämpfe und eine gute Portion gebrauchter Wattepads einrichten und auf jeden Fall bei guter Lüftung arbeiten. Auch sollte das Pad regelmäßig gewechselt werden, denn angetrocknete dickere Farbreste und Verunreinigungen können Kratzer auf den glattpolierten Stampin‘ Plates hinterlassen.

Die harten Fakten:

  • Verlag: Goblin Hobbies
  • Autor*innen: Casey Alden & Brent Amberger
  • Erscheinungsjahr: 2025
  • Sprache: Deutsch/Englisch
  • Preis: Starter Kit 43,95 EUR, Stampin‘ Plates 13,95 EUR, Stampin‘ Colors 6,95 EUR, Stampers 7,95 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Goblin Hobbies

 

Bonus/Downloadcontent

Die Anwendung der Stampin‘ Plates wird auf dem YouTube Kanal des Herstellers vielseitig vorgestellt. Für das Erlernen der richtigen Technik sind diese äußerst hilfreich. Die Videos stellen nicht nur Techniken und Herausforderungen vor, sondern zeigen auch Experimentiermöglichkeiten auf und weisen sehr transparent auf Gefahrenstoffe hin.

Fazit: Stampin‘ Plates – die Lösung für den Decal Frust?

Die Stampin‘ Plates von Goblin Hobbies sind eine unkonventionelle Ergänzung im Werkzeugkasten des Miniaturenmalers. Sie bieten eine praktische und zugleich kreative Alternative zu Decals, die mit all ihren Tücken häufig mehr Frust als Freude bereiten. Besonders die Geschwindigkeit, mit der sich Symbole auftragen lassen, ist ein Pluspunkt. Kein Gefummel mit Pinzetten, kein Ausrichten von hauchdünnen Folien – ein Tupfer mit dem Stempel, und das Symbol sitzt.

Natürlich: Die Lernkurve ist da. Wer nach den ersten Versuchen makellose Ergebnisse erwartet, wird enttäuscht. Sauberes Aufnehmen der Farbe und präzises Platzieren des Motivs erfordern Geduld und Übung. Ebenso darf man die zusätzliche Arbeit beim Reinigen nicht unterschätzen – Wattepads und Nagellackentferner gehören künftig fest zum Arsenal.

Dafür eröffnet sich ein Spielfeld für Experimente: eigene Farbkombinationen mit handelsüblichem Nagellack, der Mix aus großen und kleinen Symbolen, der Einsatz auf unterschiedlichen Oberflächen. Das System lädt ein, Dinge auszuprobieren – und wer einmal den Dreh raushat, wird die Stempel nicht mehr missen wollen.

Unterm Strich sind die Stampin‘ Plates kein „Wundermittel“, das Decals komplett ersetzt, wohl aber eine spannende Alternative für alle, die gerne basteln, tüfteln und eine neue Technik erlernen möchten. Wer Spaß am Experimentieren hat, bekommt hier für einen fairen Preis eine clevere Lösung – und vielleicht den ersten Nagellack im Hobbyregal.

  • Schnelle und eingängige Anwendung
  • Vielseitige Symbolsets
  • Lädt zum Experimentieren ein
 

  • Deutliche Lernkurve
  • Präzision nicht immer so hoch wie bei Decals

 

Artikelbilder: © Goblin Hobbies
Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat: Maximilian Düngen
Fotografien: Geoffrey Förste
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.

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