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Warhammer World in Nottingham ist mehr als ein Laden: Museum, Taverne, Gaming‑Mekka und Pilgerstätte zugleich. Wer den Zauber des Hobbys spüren will, findet hier eine seltene Mischung aus Geschichte, Handwerkskunst und Community – von ’Eavy‑Metal‑Vitrinen bis zu epischen Dioramen. Das musste sich unser Redakteur Geoffrey natürlich aus der Nähe ansehen.

Wer sich tiefer in die Warhammer-Welt hineinzieht, stolpert früher oder später über Geschichten von Nottingham. Der unscheinbare Industrieort in den Midlands ist seit Jahrzehnten das Herz des Games Workshop-Imperiums. Hier entstehen Regeln, Modelle und Welten, die weltweit Millionen von Spieler*innen begeistern. Doch Nottingham ist nicht nur Hauptsitz einer Firma – es ist Heimat der Warhammer World, dem offiziellen Besucherzentrum. Für Fans fühlt sich ein Besuch dort wie eine Mischung aus Heimkehr und Pilgerfahrt an: einmal durch die heiligen Hallen zu schweifen, die das Zentrum des Warhammer-Hobbys darstellen.

Keine bekannten Trigger

Die Pilger ziehen gen Nottingham

Zugegeben hat es mich persönlich schon eine Weile in den Fingern gejuckt, dem Zentrum des Warhammer-Hobbys einen Besuch abzustatten. Nicht nur wegen der legendären Dioramen, die dort zu sehen sind, sondern auch um einmal aus der Nähe zu betrachten, wo ein Großteil des Games Workshop-Teams all die Produkte entwickelt, testet und präsentiert, die so viele Fans in den Bann schlägt.

An einem Bürogebäude winkt von weitem das altbekannte Warhammer-Logo, das auf einen umzäunten, von weiteren Gebäudekomplexen umgebenen Parkplatz führt. Man könnte meinen, dies wäre ein Firmengelände wie jedes andere, stünde nicht eine massive Space-Marine-Statue und ein (fahrtüchtiger) Rhino unter einer am Gebäude prangenden Aquila auf dem Gelände.

Schon im Eingangsbereich landet man im Geschehen. Kunstvoll gestaltete Dioramen geben einen kleinen Vorgeschmack auf das, was einen in den oberen Stockwerken erwartet und locken einen, auch barrierefrei mit dem Fahrstuhl, in das erste Stockwerk und damit ins Zentrum der Warhammer World.

Der Shop – Mehr als nur Minis

Der Eingangsbereich führt direkt in den großen Warhammer-Store. Neuerscheinungen in beleuchteten Vitrinen, Regale voller Boxen, Merchandise, Bücher. Darunter vieles, was man in regulären Hobby- und Warhammer-Läden nicht so einfach bekommt.

Zu den Besonderheiten zählen exklusive Miniaturen wie die Space Marine HQ Command Tanks, die ausschließlich vor Ort erhältlich sind. Diese limitierten Figuren, meist Charaktermodelle, sprechen vor allem Sammler*innen an. Ergänzt wird das Angebot durch T-Shirts, Poster und weitere Artikel mit Warhammer-Motiven.

Ein Bereich, der frühere Bedeutung hatte, ist der Forge World-Counter: Resinmodelle, die sonst nur online verfügbar sind, können hier direkt angeschaut und gekauft werden. Obwohl der Umfang mittlerweile kleiner ist, gibt es weiterhin einige dieser seltenen Modelle im Laden.

Doch der Shop lädt nicht nur zum Kaufen, sondern auch zum Ausprobieren ein. Zahlreiche Mal- und Bastelstationen mit kostenfreien Miniaturen geben die Möglichkeit, die ersten Schritte im Hobby zu machen oder sich eine kostenfreie Erinnerung für zuhause zu schaffen, eine kleine Bibliothek an Kriegsbüchern und Codices lädt zum Schmökern ein, während viele Spieltische Einführungsspiele vorhalten. Eine große Tür neben dem Counter führt schließlich ins Herzstück: die große Dioramen-Ausstellung der Games Workshop-Systeme.

Die Ausstellungen – Miniaturenkunst auf höchstem Niveau

Die Ausstellungsräume sind die einzigen kostenpflichtigen Bereiche. Mit 8,50 GBP (ermäßigt 5,50 GBP, Kinder bis 11 Jahren frei) ist das Eintrittsticket jedoch gut erschwinglich. Wer eintritt, erlebt eine Galerie aus Hunderten Miniaturen der bekannten ’Eavy Metal-Künstler*innen in Vitrinen. Jedes der aktuellen Spielsysteme ist hier verewigt und zu fast jeder spielbaren Fraktion lassen sich kleine Kunstwerke und Beispielarmeen finden. Die Qualität der Modelle ist äußerst beeindruckend und nur schwer löst man sich von der einen Vitrine, nur um an der nächsten haften zu bleiben.

Noch beeindruckender jedoch sind die Dioramen, die teils ganze Räume füllen. Von kleinen Scharmützeln bis zu den großen Schlachten der Warhammer-Hintergrundgeschichten können sich die Besucher*innen von dem schieren Ausmaß einiger Stücke überwältigen lassen und in der Detailverliebtheit anderer völlig verlieren. Man saugt die Geschichten, die dort erzählt werden, förmlich auf. Die erschütternde Zerstörungswut des Isstvan-Massakers wird hier genauso spürbar, wie der Stolz der Cadianischen Truppen bei ihrer Parade oder die erbitterte Wut der Raven Guard, die auf Kitzu VII der unendlichen Masse an Tyraniden Widerstand leistet.

Raubende Idoneth, stolze Reiter Rôhans, Titanen in Häuserschlachten – das Auge kann sich bei der schieren Masse an Eindrücken kaum sattsehen, zumindest, wenn man eine gewisse Begeisterung für das Hobby empfindet. Im dritten Ausstellungsbereich lockt ein raumfüllendes Szenario über 1,5 Stockwerke, welches dem Ganzen noch die Krone aufsetzt. Dämonen, Marines und Kultisten des Khorne stürmen auf eine Ordensfestung der Ultramarines, kriechen durch Tunnel, quellen durch Fenster und erklimmen meterhohe Mauern, während ihnen die treuen Diener des Imperators erbitterten Widerstand leisten. Wer sich hier auf ein kleines zusätzliches Spiel einlassen möchte, hält Ausschau nach einer von vier Assassinenfiguren, die in dem komplexen Diorama versteckt wurde. Der ersten Finder*in des Tages winkt ein entsprechender Bausatz als Belohnung.

Voller Eindrücke führt der Weg schließlich zurück in den Shop-Bereich, wo man seiner angefachten Hobbylust in Form neuer zu erwerbender Projekte Ausdruck verleihen kann.

Bugman’s Bar – Die Zwergentaverne in echt

Bugman’s Bar ist das hauseigene Bar-Restaurant von Warhammer World – benannt nach Josef Bugman, dem legendären Zwergenbrauer aus dem Warhammer Fantasy-Kosmos. Hier kann man sich nach dem Streifzug durch Shop und Ausstellung mit Snacks, warmen Speisen und eigenen lokalen Bieren stärken, inmitten von Duardin-Artefakten, Schlacht-Souvenirs und ähnlich thematischer Dekoration.

Zum Angebot zählen heiße und kalte Gerichte, darunter auch Frühstück und ganztags diverse Speisen. Es gibt allergiker*innenfreundliche, vegetarische, vegane und glutenfreie Optionen.

Ein Highlight ist die „Fyreslayer Wings Challenge“: Wem es gelingt, acht der mit „Daemonic Habanero Hot Sauce“ versehenen Chicken Wings zu bewältigen, winkt eine besondere Bugman’s Fyreslayer Badge. Verlierer*innen müssen sich vor Grimnir selbst verantworten.

Praktische Tipps für den Besuch

Ein paar Hinweise erleichtern die Planung:

  • Tickets: Der Eintritt in Shop und Bugman’s ist frei. Nur für die Ausstellung benötigt man ein Ticket (vorab online buchbar).
  • Anreise: Nottingham erreicht man per Bahn oder Auto, Warhammer World liegt etwas außerhalb des Zentrums.
  • Dauer: Für einen kurzen Überblick reicht ein halber Tag, wer alles in Ruhe sehen, essen und vielleicht ein Spiel austragen möchte, sollte einen ganzen Tag einplanen.
  • Unbedingt machen: Die großen Dioramen, ein Essen in Bugman’s, und die Miniatur des Monats im Shop basteln.
  • Fotos: In den Ausstellungen ist Fotografieren erlaubt, und viele Besucher*innen nutzen die Chance, ihre Lieblingsminiaturen festzuhalten.

Spieltische und Events – Schlachten im Zentrum des Hobbys

Direkt angrenzend an Shop und Bar liegt die Events Hall. Hier reihen sich zahlreiche Spieltische aneinander, viele davon mit detailreichen Geländestücken ausgestattet, die man sonst nur aus Studiofotografien kennt.

Die Events Hall ist grundsätzlich frei zugänglich und ermöglicht es Besucher*innen, jederzeit eigene Spiele auszutragen. Wer möchte, kann sich so direkt mit seiner Armee auf einer stilvollen Platte messen.

Darüber hinaus dient die Halle als Austragungsort für Turniere, Kampagnenwochenenden und narrativen Events, bei denen alle Spielsysteme der Games Workshop-Produktreihe Beachtung finden und viele Preise winken.

Fazit

Ein Besuch in der Warhammer World ist in vielerlei Hinsicht ein Erlebnis, das man als Hobbyist*in kaum missen möchte. Wer auf eine intensive historische Aufbereitung hofft, wird hier zwar nicht fündig, aber die Ausstellung mit ihren Dioramen und ’Eavy-Metal-Miniaturen setzt Maßstäbe, die es so nirgendwo anders gibt. Allein aufgrund der Masse der Eindrücke möchte man gerne den ganzen Tag dort verweilen. Der Shop lockt mit exklusiven Modellen und das Angebot von Bugman’s Bar rundet das Ganze mit stimmungsvollem Ambiente und originellen Speisen ab, während die Events Hall das Hobby dort erlebbar macht. Dass auch Mitarbeiter*innen von Games Workshop, die einem im White Dwarf oder auf den verschiedenen Social-Media-Kanälen schon einmal begegnet sind, auf dem Parkplatz vorbeilaufen, macht sicherlich einen kleinen zusätzlichen Kitzel aus.

Menschen, die nicht ganz so tief im Hobby drinstecken (manch Partner*in mag sich hier angesprochen fühlen), dürfte zumindest die gebotene Kunstfertigkeit der Figuren und Dioramen für einen Moment lang fesseln.

Am Ende des Tages kann man natürlich selbst darüber entscheiden, wie man den Tag dort gestaltet. Von einem kurzweiligen Vormittag in der Ausstellung bis hin zu einem intensiven Wochenende mit Turnieren und abendlichem Ausklang in der Bar hat die Warhammer World vielerlei Potenziale.

Wem der Weg zur Ausstellung zu weit sein sollte oder wer noch einmal in Erinnerungen an den eigenen Besuch schwelgen will, für den hält der Warhammer-Onlineshop zumindest die Gelegenheit bereit, einen Eindruck aller Dioramen in dem Warhammer World: Dioramas Buch zur Ausstellung zu bekommen.

 

Artikelbilder: © Games Workshop
Layout und Satz: Dominic Niederhoff
Lektorat: Lidia Strauch
Fotografien: Geoffrey Förste

Der Besuch wurde privat finanziert.
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