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Eine Warhammer: The Horus Heresy-Armee zu bemalen macht Freude – doch erst mit den passenden Regeln erwachen die Miniaturen wirklich zum Leben. In Teil 2 von Geoffreys Hobby-Tagebuch widmet er sich darum den Liber-Bänden, die jeder Armee ihren besonderen Charakter verleihen, und setzt dies am Beispiel seiner Imperial Fists um.

Die Saturnine-Box der neuen Edition von Warhammer: The Horus Heresy ist ein wunderbarer Einstieg in die epische Zeit des Bruderkriegs. Sie liefert nicht nur eine stattliche Auswahl an Miniaturen, sondern auch die grundlegenden Regeln, mit denen sich erste Schlachten schlagen lassen. Doch schnell zeigt sich: Wer tiefer einsteigen will, wer seine Armee nicht nur aufstellen, sondern auch mit all den Eigenheiten, Stärken und Schwächen ihrer Legion spielen möchte, der kommt an den Liber-Bänden nicht vorbei.

 

Diese Bücher sind das Fundament der Armeeorganisation in Horus Heresy. Sie enthalten die Spielwerte, die Sonderregeln und die historischen Hintergründe der großen Fraktionen, von den Space Marine-Legionen bis hin zu den Ritterhäusern und dem Mechanicum. Für mich war klar: Wenn ich meine Imperial Fists bemale, sollen sie auf dem Spielfeld auch als solche wirken: unbeugsame Verteidiger, die mit Boltern und Schilden standhalten, wo andere Legionen längst wanken würden. Statt bloß Schachfiguren zu verschieben, möchte ich in meinen Spielen den Charakter der VII. Legion spürbar machen.

Die Liber-Bände bieten genau das: Sie eröffnen den Blick auf die Unterschiede zwischen den Legionen, Häusern und Regimentern, liefern passendes Regelwerk für Kontingente und Sonderauswahlen und geben mir damit die Möglichkeit, meine Armee nicht nur optisch, sondern auch spielmechanisch unverwechselbar zu gestalten.

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Die Liber-Bände – Herzstücke der neuen Edition

Derzeit gibt es fünf: Liber Astartes für die loyalen Space Marines, Liber Hereticus für die Verräterlegionen, Liber Auxilia für die Solar Auxilia, Liber Mechanicum für die Truppen des Adeptus Mechanicus und Liber Questoris für die Kampfkolosse der imperialen Knights und Titanen.

Obwohl die Inhalte variieren – die Space Marines sind in Legionen gegliedert, während Knights über ihre Households organisiert werden – folgt der Aufbau stets einem klaren Muster. Jedes Liber enthält einen Überblick über die Rolle der Fraktion im Bruderkrieg. Es folgen die allgemeinen Sonderregeln, die allen Unterfraktionen gemeinsam sind, bei den Space Marines etwa ein zusätzlicher Reaktionspunkt. Danach schließen sich die Einheitenprofile an, geordnet nach HQ, Elite, Standard und Unterstützung. Ein Kapitel widmet sich den spezifischen Regeln und Einheiten der Unterfraktionen. Im Liber Astartes finden sich hier die Kriegsriten, Sonderausrüstung und namhafte Modelle wie die Primarchen. Abgerundet wird jedes Buch durch Anhänge mit Referenztabellen, Punktkosten und Waffenprofilen.

Damit sind die Liber-Bände nicht nur Regelwerke, sondern bieten vor allem die Chance, der eigenen Armee einen ganz unverwechselbaren Charakter zu geben, bei dem Hintergrundgeschichte und Spielregeln zusammenkommen.

Die Einheiten der Horus Heresy – Liber sind nicht alles

Die Liber-Bände decken die Kerneinheiten einer Fraktion ab. Darüber hinaus existieren jedoch auch sogenannte Erweiterungs-Armeelistenprofile, die in Kampagnenbüchern oder kostenlosen PDFs veröffentlicht werden. Horus Heresy hat hier eine lange Tradition: Umbauten und Eigenkreationen sind fest im Hobby verankert. Viele Einheiten wurden über Jahre hinweg ohne offizielle Modelle gespielt, und auch heute lebt diese Praxis fort.

Das aktuelle Journal Tactica: The Istvaan V Dropsite Massacre – Part One enthält zum Beispiel Spielwerte für Miniaturen, die es offiziell gar nicht gibt, und schlägt Umbauten vor, um sie auf den Tisch zu bringen. Zwar gilt, wie es aussieht, bei Games Workshop generell der Grundsatz „kein Modell, keine Regeln im Liber“, doch die Legacies-PDFs auf der Warhammer Community-Seite stellen sicher, dass ein Großteil älterer Einheiten oder ausgefallener Umbauten weiterhin genutzt werden kann.

Armeebau einer Legio-Astartes-Armee – die Imperial Fists nehmen Form an

Der Aufbau einer Horus-Heresy-Armee folgt einem klaren Raster: Zunächst wird die Treuezugehörigeit festgelegt, bei den Imperial Fists selbstverständlich Loyalist. Anschließend kommt die Fraktionsfähigkeit ins Spiel – die Legiones Astartes. Das verleiht allen Space Marines einen zusätzlichen Reaktionspunkt. Darüber hinaus existieren sechs zusätzliche allgemeine Kontingente, wie der Veteranenkader, der weitere Vielfalt ins Spiel bringt, oder spezialisierte Hilfskontingente, in denen Unterstützungstruppen wie Techmarines, Apothecarions oder Rapier-Batterien mit Arquitor- und Vindicator-Panzern Platz finden.

Mit der Wahl der Legion öffnen sich dann die spezifischen Optionen. Jede Legion verfügt über eigene Kiegsriten und ein erweitertes Arsenal an Waffen und Ausrüstung sowie Einheitenprofile, die sie unverwechselbar machen.

Gerade die Imperial Fists erhalten hier spannende Besonderheiten. Ihre Kiegsrite – Fire Discipline unterstreicht ihre Expertise im Umgang mit Boltern und Autowaffen. Legionäre der VII. treffen schlicht zuverlässiger, wenn sie mit diesen Kernwaffen agieren – ein regeltechnisches Detail, das den Ruf der Fists als Meister der Belagerung aufgreift. Defensiver ausgerichtet ist ihr Gambit Wall of the Unyielding: Auf Kosten der Initiative verringern die Krieger den Schaden, den sie durch Angriffe erleiden.

Dazu kommt mit dem Siege Gauntlet ein einzigartiges Zusatzkontingent. Zwei Brecher-Einheiten, ein schwerer Sturmtrupp und eine Unterstützungseinheit bilden den Kern, perfekt zugeschnitten auf das Belagerungsthema. Besonders interessant ist die fraktionseigene Reaktion Bastion of Fire. Einmal pro Spiel dürfen die Imperial Fists auf eine gegnerische Bewegung sofort mit einem regulären Fernkampfangriff reagieren – eine Fähigkeit, die Gegner schnell vorsichtiger werden lässt.

Auch die Ausrüstung bringt den Charakter der Legion gut zur Geltung. Verbesserte Energiefäuste und widerstandsfähige Sturmschilde mit 4+ Rettungswurf machen die Trupps zu zähen Frontkämpfern. Ein Centurion kann in einen Castellan umgewandelt werden, der gegen Schleier-Fähigkeiten immun ist und statt eines Bolters eine schwerere Schnellfeuerwaffe trägt – ein Umbau, der geradezu danach schreit, auch am Basteltisch umgesetzt zu werden. Mit der Iliastus Assault Cannon steht zudem eine Waffe zur Verfügung, die sowohl auf Fahrzeugen als auch in den Händen eines Castellan verheerend sein kann.

Natürlich gehören auch die Charaktere dazu: Primarch Rogal Dorn, der Taktische Trupps stärkt, Sigismund mit seinem Black Sword und Fafnir Rann mit seinem imposanten Schild sind mehr als nur Regeln, sie sind Ikonen der VII. Legion. Des Weiteren fügen sich nicht-einzigartige Trupps wie die Templar Brethren oder die Phalanx Warders nahtlos in das Bild ein: Erstere stürmen mit Energieschwertern in den Nahkampf, Letztere bauen mit Schilden eine beinahe unüberwindbare Mauer.

Eine erste Armeeliste

VII – Imperial Fists – Saturnine Streitmacht – [1831 Punkte]

Kreuzzug-Hauptkontingent [696 Punkte]

Oberbefehl [200 Punkte]

  • Praetor in Saturnine Terminator Rüstung

Befehl [80 Punkte]

  • Centurion mit Iliastus Assault Cannon, aufgewertet zum Castellan

Standard [416 Punkte]

  • Tactical Squad (10)
  • Tactical Squad (10)
  • Tactical Squad (10)

Hilfskontingent – Unterstützung [340 Punkte]

Kriegsmaschine [340 Punkte]

  • Saturnine Dreadnought

Apexkontingent – Armeevorhut [250 Punkte]

Elites [250 Punkte]

  • Veteran Tactical Squad (10) mit Disintegrator Rifles und schweren Disintegratoren

Hilfskontigent – Siege Gauntlet [545 Punkte]

Unterstützung [125 Punkte]

  • Araknae-Vierlings-Beschleunigerstellung

Schwerer Sturm [420 Punkte]

  • Saturnine Terminator Trupp (6)

Eine erste Liste

Die Liste bringt auf den ersten Blick keine großen Überraschungen mit – was bei einer Saturnine-Box als Grundlage durchaus zu erwarten ist. Taktische Trupps, ein Praetor in Saturnine-Terminatorrüstung und der Saturnine-Dreadnought liefern ein solides Fundament, während Veteranen und Saturnine-Terminatoren für Elite-Power sorgen.

Der bewusste Einsatz des Siege Gauntlets ist ein wichtiger Baustein, da er eine Brücke für spätere Ergänzungen schlägt. Brecher-Trupps passen nicht nur perfekt zur Spielweise der Imperial Fists, sondern auch optisch und thematisch. Rückblickend wäre es sogar ideal gewesen, zwei der Taktischen Trupps von Anfang an als Brecher zu bauen – doch genau diese „Fehlentscheidung“ eröffnet die Chance, beim weiteren Ausbau gezielt nachzurüsten und Umbauten vorzunehmen.

Was aktuell noch fehlt, sind Transportoptionen und schnellere Elemente. Diese Lücke ist jedoch weniger ein Problem als vielmehr eine Einladung, die Armee sinnvoll weiterzuentwickeln. Land Raider oder Spartan stehen bereits auf der Einkaufsliste und werden die Terminatoren wie auch die Veteranen zuverlässig ins Gefecht tragen. Gemeinsam mit zusätzlichen Brechern und passender Unterstützung wächst die Liste so Schritt für Schritt in Richtung einer unverwechselbaren Belagerungsarmee heran.

Die Reflexion zeigt damit zweierlei: Die Saturnine-Box bietet einen stabilen Grundstock, der sofort spielbar ist. Gleichzeitig liefert sie zahlreiche Anknüpfungspunkte, die Lust darauf machen, die Armee weiter zu individualisieren und stärker an die Stärken der Imperial Fists anzupassen.

Ausblick

Die ersten Schritte mit den Imperial Fists zeigen, wie gut die Liber-Bände den Charakter der Fraktionen einfangen. Defensive Spielweisen, präziser Beschuss und eine unverwechselbare Auswahl an Ausrüstung und Einheiten machen die VII. Legion sofort erkennbar. Die erste Liste bildet diese Stärken ab, offenbart aber auch Lücken: Mehr Geschwindigkeit und alternative Truppentypen wie Brecher würden die Einsatzmöglichkeiten deutlich erweitern.

Gerade diese Mischung macht den Reiz der neuen Edition aus. Die Liber-Bände bieten nicht nur Regeln, sondern eine Einladung, die Legionen so zu spielen, wie sie in der Geschichte des Bruderkriegs beschrieben sind.

Für die Weiterentwicklung der eigenen Armee war die Nutzung des Libers auf jeden Fall gewinnbringend und hat Inspirationen für die nächsten Schritte gegeben. Nach einer anstehenden Erprobung der geschaffenen Armee heißt es im nächsten Teil des Hobby-Tagebuchs neue Truppen hinzufügen und Armeelisten verfeinern. Außerdem ist der Reiz groß, sich mit einer narrativ orientierten Kampagne auseinanderzusetzen. In diesem Sinne: Für den Imperator!

 

Artikelbilder: © Games Workshop Ltd.
Layout und Satz: Annika Lewin
Lektorat: Susanne Stark

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