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Die X-Men hatten schon lange starke Frauenfiguren, doch bekamen diese selten eigene Serien. Dafür bekommen Storm und Phoenix jetzt ganz frisch Serien, in denen nur sie im Mittelpunkt stehen. Im aktuellen Band der X-Men trifft derweil Rogues Team auf das von Cyclops. Wir sagen euch, ob sich die Comics lohnen.

Storm ist schon lange Zeit eine der beliebtesten Figuren unter X-Men-Fans. Die Figur hat eine konstante Entwicklung hinter sich und ist immer mehr in die Rolle einer wahren Anführerin gerückt. Dies ist bereits die fünfte Solo-Reihe der Figur, aber es ist die erste, die es nach Deutschland geschafft hat. In X-Men Red war Ororo Monroe zwar auch ein Hauptcharakter, doch stand ein ganzes Team im Fokus. Mit Phoenix verhält es sich ähnlich, auch wenn dies erst die dritte Solo-Reihe ist. Beiden ist gemein, dass ihre Serien bisher nie länger als ein Jahr liefen. Dies wird sich mit den neuen Titeln Storm und Phoenix nun ändern. Während Storm Abenteuer auf der Erde erlebt und mit ihrem eigenen Tod konfrontiert wird, ist Phoenix im Weltall und muss sich mit den Konsequenzen ihrer Taten beschäftigen. Die X-Men-Teams von Rogue und Cyclops sind derweil damit beschäftigt, Beast und Jubilee aus dem Gefängnis zu befreien. Es gibt für Mutantenfans also wieder viel zu lesen. In diesem Artikel erfahrt ihr, welche dieser Comics das Lesen wert sind.

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Storm #1 – Im Sturm des Todes

Storm ist vor kurzem den Avengers beigetreten. Seitdem wird sie überall als Heldin gefeiert. Auch ohne das Team ist sie immer dabei, wenn Leute vor Naturkatastrophen oder anderen Bedrohungen gerettet werden müssen. Bei einer dieser Missionen geht diese Bedrohung von einem Kind aus, das gerade seine Mutantenkräfte entwickelt und diese nicht kontrollieren kann. Storm rettet das Kind und die Stadt, bekommt dabei aber eine sehr hohe Strahlendosis ab. Daraufhin scheint ihr Tod bevorzustehen. Sie muss alles tun, um ihr Schicksal abzuwenden. So trifft sie unter anderem Doctor Voodoo und Doctor Doom. Aber eine kosmische Macht hat Ororo ins Auge gefasst und ganz eigene Pläne mit ihr.

Storm ist vermutlich die beliebteste Mutantin auf der Marvel-Erde. Sie ist immer wieder politisch aktiv und wirkt, als ob sie keine persönlichen Probleme hätte. Für sie zählt das größere Allgemeinwohl. Dementsprechend muss sie sich hier plötzlich ganz eigenen Problemen stellen. Gleichzeitig hat die kosmische Macht, die zu den ältesten des Universums zählt, eine höhere Bestimmung für sie vorgesehen. Dieser Band konzentriert sich aber zunächst ganz auf die Titelheldin und geht auch auf ihre Beziehung zu ihrem verstorbenen Vater ein. Spannung wird durch eine Vorahnung von ihrem baldigen Tod erzeugt. Gleichzeitig begibt sich die Handlung aber auch ins Mysteriöse und hält diese übergeordnete Erzählung auch am Ende noch aufrecht, sodass der Folgeband interessant bleibt.

Fantastische Zeichnungen

Das Kreativteam hinter dem Comic ist spannend: Der nigerianische Autor Murewa Ayodele ist bisher nur durch ein paar Indie-Comics und den Einzelband Ich bin Iron Man aufgefallen. Hier schafft er es, eine größere zusammenhängende Geschichte aufzubauen, die über Einzelabenteuer hinausgeht. Sein Fokus liegt auf den Emotionen der Figur. Unterstützt wird er dabei von den großartigen Bildern von Lucas Werneck aus Brasilien, der bereits einige Erfahrung mit Storm und den X-Men gesammelt hat. Hier kann er aber zum ersten Mal zeigen, was in ihm steckt: mit groß ausgelegten Seiten, die Storm vor fantastischen Hintergründen zeigen. Er hat dazu ein großes Interesse, möglichst viele unterschiedliche Kostüme zu präsentieren. Storm-Fans kommen hier ganz auf ihre Kosten, wenn er beispielsweise viele ihrer alten Kostüme neu interpretiert.

Der Band macht einen sehr soliden Eindruck und es macht Spaß, die Seiten zu durchblättern. Die kosmische Ebene wirkt aber etwas aufgesetzt. Autor und Zeichner schaffen es, diese episch wirken zu lassen, doch nachvollziehbar ist das momentan noch nicht. Hoffentlich wird im nächsten Band erklärt, warum die kosmische Macht gerade sie ausgewählt hat und warum sie so viel Einfluss auf ihr Leben nimmt.

© Panini Comics, Marvel

Dennoch ist es angenehm, dass dieser Comic ohne einen klassischen Antagonisten auskommt und der Kampf gegen den eigenen Tod eine etwas andere Dynamik nimmt als viele der bekannten Superhelden-Reihen. Ich bleibe positiv gespannt auf die Fortsetzung.

Die harten Fakten

  • Verlag: Panini Comics
  • Autor*in: Murewa Ayodele
  • Zeichner*in: Lucas Werneck
  • Seitenanzahl: 120
  • Preis: 16 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, Panini

 

Phoenix #1 – Kosmische Rettungsmission

Wertung 4Jean Grey und die Phoenix-Kraft haben eine vielseitige gemeinsame Geschichte. Nach der Krakoa-Ära haben sie sich untrennbar miteinander verbunden und sind zusammen ins Weltall gegangen, um dort Heldentaten zu vollbringen. Mit ihren gottgleichen Kräften will sie ganze Planeten vor dem Untergang bewahren. Doch die Aliens kennen bereits Geschichten über den Dark Phoenix und haben Angst vor ihr. Als sich dann noch ihr Schwiegervater, der Weltraumpirat Corsair, an ihre Fersen heftet und sie in Konflikt mit Gorr, Thanos und der Black Order gerät, stellt sich die Frage, ob unbeschreibliche Macht sie vor falschen Entscheidungen bewahrt.

Die X-Men hatten schon immer eine weitreichende Historie mit Weltraum-Geschichten. Es ist eine gute Wahl, dass es explizit für diese Abenteuer jetzt eine eigene Reihe gibt und Phoenix als Hauptprotagonistin ausgewählt wurde. Interessant ist, dass die Erzählung aus der dritten Perspektive geschrieben ist. Unsere personelle Erzählerin ist eine junge Frau, die von Phoenix’ Entscheidungen beeinflusst wurde, diese aber aus einer zukünftigen Perspektive beurteilt. Dadurch wird ein größerer Handlungsbogen gesponnen und klar gemacht, dass hinter den einzelnen Episoden eine tiefere Verbindung besteht.

Der Protagonistin mangelt es an Persönlichkeit

Der Vergleich zum Storm-Comic offenbart einige interessante Gemeinsamkeiten. Bei beiden wird eine kosmische Macht auf die Handlung aufmerksam und interagiert mit den Figuren. Beide Heldinnen werden als selbstlose Retter in der Not präsentiert und sie werden damit konfrontiert, wie die Geretteten sie wahrnehmen. Beide greifen als Nebenfiguren bekannte Charaktere des Marvel-Kosmos auf, die in letzter Zeit wenig beachtet wurden.

Doch im direkten Vergleich gefällt mir Storm einfach besser. Das Artwork bei Phoenix ist auch sehr gut, beschränkt sich aber viel auf kleinere Bilder. Es legt den Fokus mehr auf die Handlung, als auf Poster-geeignete Motive. Dadurch beeindruckt es mehr durch seine Unauffälligkeit und bleibt somit nicht in Erinnerung. Phoenix als Figur muss im Gegensatz zu Storm nicht mit eigenen Schwächen umgehen. So bleibt der Zugang zur Figur eher kühl. Spannend ist der Konflikt zwischen ihr und der Erzählerin trotzdem. Hier endet der Comic aber an einer sehr ungünstigen Stelle, sodass der Cliffhanger dazu führt, dass sich die Handlung unvollständig anfühlt. Hier ist im Storm-Band ein saubereres Ende gelungen, das zwar auch viele Fragen offenlässt, aber eine abgeschlossene Szene hat.

© Panini Comics, Marvel

Der Comic kann dennoch überzeugen und wird sicher viele Fans der kosmischen Abenteuer begeistern. Mir fehlte persönlich der Zugang zu einer Figur, die zwar Fehler macht, dabei aber stets wirkt, als ob alles an ihr abprallen würde.

Die harten Fakten

  • Verlag: Panini Comics
  • Autor*in: Stephanie Phillips
  • Zeichner*innen: Marco Renna, Alessandro Miracolo
  • Seitenanzahl: 128
  • Preis: 17 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, Panini

 

X-Men #2 – Sturm auf Graymalkin

Wertung 3Bereits im zweiten X-Men-Abenteuer treffen die beiden Handlungen der Alaska-X-Men und der Louisiana-X-Men aufeinander. Beiden wurden Mitglieder ihres Teams entführt und in ein neues Gefängnis, speziell für Mutanten, gebracht: Das Graymalkin-Gefängnis. Dieses nutzt die alte Schule von Charles Xavier, die lange Zeit das Hauptquartier der X-Men war. Nun schicken sowohl Cyclops als auch Rogue eine Einsatztruppe in ihre ehemalige Schule und müssen es dort nicht nur mit Wachen, sondern auch mit manipulierten Insassen und dem jeweils anderen Team aufnehmen. Ein mächtiger unbekannter Telepath bringt sie dazu, ihre Wut nicht mehr kontrollieren zu können, wodurch sie einander angreifen. Zusätzlich treffen sie auf den Raum, in dem früher einmal Cerebro untergebracht war, in dem nun aber ein mysteriöser Häftling X gefangen gehalten wird.

Dieser Comic hat einige der Probleme, die solche Crossover häufig haben. Die Autoren wechseln sich regelmäßig ab, sodass die einzelnen Kapitel nicht wie aus einem Guss wirken. Teile der Handlung werden mehrfach erzählt und es ist schwer nachvollziehbar, wer hier eigentlich gegen wen kämpft und wer welches Ziel verfolgt. Dazu schafft es dieser Comic nicht, ein befriedigendes Ende herbeizuführen. Das Gefängnis besteht weiter und es macht den Eindruck, dass die Autoren selbst noch nicht wissen, wer eigentlich Häftling X sein sollte und warten, bis sie eine gute Idee haben, um das in Zukunft aufzuklären.

Ein Konflikt, der eigentlich keiner ist

Es fällt schwer zu sagen, warum sich Rogue und Cyclops eigentlich bekämpfen. Beide werden von mächtigen Telepathen beeinflusst und sie haben unterschiedliche Meinungen dazu, ob alle Insassen befreit werden sollen oder nicht. Dennoch agieren beide Teams komplett unabhängig voneinander, sodass sie sich auch aus dem Weg gehen könnten. Dass in Rogues Team auch Kinder mitkämpfen, wirkt fast ein wenig ironisch, da dies früher einmal der Hauptkonflikt zwischen Cyclops und Wolverine war, als die X-Men das letzte Mal getrennte Wege gegangen sind. Die Konflikte wirken dadurch künstlich erzeugt und ergeben sich nur teilweise aus der Handlung.

Optisch sind die Zeichnungen der X-Men-Reihe origineller und die vielen Zeichnerwechsel bei den Uncanny X-Men wirken eher wie Fremdkörper. Dem Crossover-Event hätte es gutgetan, wenn ein konsistenter Zeichner beide Ausgaben übernommen hätte. Positiv hervorzuheben ist, dass Panini/Marvel diese Handlung in einem Band veröffentlicht hat und man nicht auch noch zusätzlich gezwungen ist, zwischen den Reihen zu wechseln.

In Summe macht auch dieser Comic Spaß. Spannung kommt dadurch auf, dass es stets neue Wendungen gibt und es kommen so viele Charaktere zusammen, dass man nie weiß, wie sich das auswirken wird. Es werden aber so viele Logiklücken offenbart, dass man ihn nur eingeschränkt empfehlen kann.

© Panini Comics, Marvel

Dazu ist die Handlung so sprunghaft, dass es manchmal schwerfällt, ihr zu folgen. Fans der X-Men, die ohnehin beide Reihen lesen, sollten hier auch zugreifen. Alle anderen finden diesen Monat bessere Mutantengeschichten, die man verfolgen kann.

Die harten Fakten

  • Verlag: Panini Comics
  • Autor*innen: Jed Mackay, Gail Simone
  • Zeichner*innen: David Marquez, Ryan Stegman
  • Seitenanzahl: 112
  • Preis: 15 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, Panini

 

Artikelbilder: © Panini Comics, Marvel
Layout und Satz: Melanie Maria Mazur
Lektorat: Lidia Strauch

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