Erst letztes Jahr überraschte Cubicle 7 die Fans der düsteren Zukunft mit einem neuen Pen-and-Paper-Regelwerk. Imperium Maledictum wandte sich vor allem an Fans des alten Dark Heresy. Mit dem Inquisition Player‘s Guide erscheint nun die erste Erweiterung. Welchem Ordo werdet ihr dienen
Nicht schlecht staunte 2023 die Gemeinde eifriger Warhammer-Spieler*innen, als ziemlich überraschend mit Imperium Maledictum ein zweites System zu Warhammer 40.000 auf den Markt kam. Mit mehr Fokus auf soziale Abenteuer und Ermittlungen in der finsteren Zukunft wendet sich das System an Spieler*innen, die sich im Dienste der Inquisition in die Niederungen menschlichen Seins begeben wollen. Wie gut das gelingt, haben wir in unserer ausführlichen Rezension betrachtet und natürlich auch in einem Spieltest erprobt. Zwei Jahre später geht es nun weiter, und es sieht danach aus, dass zumindest die Zukunft des Systems nicht düster ist.
Tod, Folter, Gewalt, Horror, Krieg, Bodyhorror
Inhaltsverzeichnis
Inhalt
Imperium Maledictum sendet Spieler*innen im Auftrag eines*einer Patron*in in unendliche Makropolen oder die Weiten des Weltraums, um dort Informationen zu beschaffen oder Feinde auszuschalten. Die Auswahl war schon hier recht ordentlich und deckt viele Fraktionen des Imperiums ab. Am beliebtesten dürfte aber die Inquisition sein. Jene Organisation, die in den Schatten des gigantischen Imperiums lauert, um sich Gefahren des Dies- und Jenseitigen zu stellen. Dabei agiert sie oft am Rande der Legalität, nicht selten mit entgegengesetzten Interessen innerhalb der Inquisition und mit häufig fragwürdigen Methoden, aber stets mit wenig Skrupel.
Welcher Ordo darf es denn sein?

Die heiligen Ordos der Inquisition sind mannigfaltig und es gibt quasi keinen Bereich des Imperiums, der nicht von einem Ordo erfasst wird. Dennoch spielen in Hintergrundgeschichten des Warhammer-Universums nur drei von ihnen eine wirkliche Rolle:
Der Ordo Hereticus bekämpft den Feind im Inneren: unsanktionierte Psyoniker, Mutanten und Paktierer mit dem Chaos selbst. Der Ordo Xenos widmet sich dem Feind des Äußeren. Er jagt jene, die mit feindlichen Aliens, also quasi allen Aliens, zusammenarbeiten, genauso wie jene Aliens, die versuchen das Imperium zu unterwandern. Der selbst in Inquisitionskreisen geheime Ordo Malleus hingegen jagt nichts Ggeringeres als Dämonen und ihre Anhänger*innen selbst.
Diesen drei Ordos, ihren Patron*innen, Intrigen und Missionen widmet sich dabei rund ein viertel des Buches. Dabei wird auch nochmal tiefer als im Grundregelwerk auf die Hintergründe der Arbeit für die Inquisition eingegangen. Wer bereits tief mit der Materie vertraut ist, wird hier wenig Neues erfahren, außer den Hintergründen der Inquisition im Macharius-Sektor, in dem Imperium Maledictum spielt.
Für Spielende, die noch nicht so tief in der Materie sind, ist es eine mehr als lohnende Lektüre. In diesem Abschnitt wird auch auf die Fraktionen innerhalb der Ordos eingegangen und die wichtigsten puritanischen und radikalen Strömungen im Sektor kurz angerissen. Puritaner legen das Imperiale Gesetz sehr genau aus, keine Verhandlung mit dem Feind, keine Nutzung nicht-menschlicher Technologien und auch sonst nichts, was Spaß macht. Radikale Inquisitor*innen hingegen sind hier schonmal großzügiger, bewegen sich aber damit immer am Rande der Häresie oder auch deutlich darüber. Für Agent*innen hingegen spielt dies freilich nur indirekt eine Rolle, man macht was einem gesagt wird, doch das führt allein schon zu spannenden Situationen. Darum sollte bei der Wahl oder Erschaffung eines*einer Patron*in genau in Betracht gezogen werden, wo jene*r sich verortet.
Wir brauchen Waffen, viele Waffen.

Ein weiteres Drittel des Buches erweitert nochmal deutlich die Möglichkeiten des Spiels. Pro Ordo gibt es drei Aufgabenbereiche, die Agent*innen abdecken können, und mit vier weiteren Rollen im Team wird die Charaktererschaffung nochmal spannender. Neben Assassin*in, Explicator*innen, ein*e Art Datenanalyst*in und der Sucher*in, also einem klassischen Bluthund, kommt noch der*die Cruciator*in dazu. Das ist einer der spannendsten neuen Rollen, da es sich hierbei um eine Mischung aus Feldsanitäter*in, Spurensicherung und Verhörspezialist*in handelt. Hier ist es gelungen den*die klassische*n Heiler*in ordentlich aufzupeppen.
Dazu kommen noch eine ganze Reihe neuer psionischer Fähigkeiten für alle Psi-Formen, neue Skills und Talente und ein ordentliches Upgrade der Waffen und Ausrüstungsoptionen. Wobei hier, wie generell gerne in Quellbänden, vor allem der Hintergrund bedient wird, grade die Waffen dürften jetzt nicht das Spiel entscheidend beeinflussen.
Spannend ist hingegen die Möglichkeit einen Familiar zu haben, den man sich mit Talenten oder im Spielt erwerben kann. Die Möglichkeit geht dabei von Cyber-Kampfhunden, über Servitoren, grausame Menschen-Maschinen-Wesen, zu technisch begabten Primaten bis zu psionisch modifizierten Cyberwesen. Diese können sowohl im Kampf als auch außerhalb sinnvoll eingesetzt werden. Doch Obacht! Nicht alle diese Familiare sind legal oder gerne gesehen.
Aber warte, da ist noch mehr …

In den letzten beiden Teilen des Buches bleibt es aber spannend. Denn der Inquisition Player’s Guide führt auch eine Regelerweiterung ein: Subtilität. Über die Laufzeit der Missionen beeinflussen die Handlungen der Spielenden, wie verdeckt sie eigentlich noch agieren. Sowohl ein hoher Grad an Subtilität als auch das offene Agieren als Inquisition bringen Vor- und Nachteile mit sich und damit eine spannende neue Variable, das Abenteuer zu gestalten. Damit kommt nach Einfluss eine zweite rein soziale Komponente dazu, die sich spannend liest und sehr spielfördernd klingt. Im letzten Abschnitt werden dann noch Events und Begegnungen zwischen den Missionen vorgeschlagen.
Erscheinungsbild
Mit 143 Seiten hat das Handbuch einen soliden Umfang. Die Illustrationen sind wie bereits im Grundregelwerk sehr detailliert und fangen die düstere Stimmung sehr gut ein. Zur Qualität des Druckes lässt sich indes noch nichts sagen, da zum Zeitpunkt der Rezension nur das PDF vorlag.
- Verlag: Cubicle 7
- Autor*in(nen): Sam Tailor, Padraig Murphy
- Illustrator*in(nen): Alberto Bontempi, Simon Carr, et al.
- Erscheinungsjahr: 2024
- Sprache: Englisch
- Format: PDF
- Seitenanzahl: 143
- ISBN: tba
- Preis: 19,99 EUR
-
Bezugsquelle: Fachhandel, DriveThruRPG
Bonus/Downloadcontent
Dem Regelwerk liegt ein dedizierter Charakterbogen für Agent*innen der Inquisition bei, ebenso wie für entsprechende Patron*innen.
Fazit
Die Inquisition zählt wohl zu den liebsten Fraktionen im Universum von Warhammer 40.000. Kein Wunder also, dass Cubicle 7 als ersten Quellband den Inquistion Player’s Guide veröffentlicht. Hier werden Hintergründe spannend und nicht erschlagend vermittelt und das Grundregelwerk um interessante und bereichernde Inhalte ergänzt. Wer eine Inquisitions-Zelle spielen möchte, sollte sich diese Erweiterung nicht entgehen lassen, und auch Spielleitende werden ihre Freude an den neuen Optionen haben. Wer nicht genug bekommt, der kann sich auch noch das Inquisition Gamemaster’s Handbook gönnen oder auf die Printausgabe warten, um sich eine schmucke Sammlerausgabe zu holen.

- Reichhaltige Erweiterung des Grundregelwerks
-
Neue Spielmechanik
-
Keine
Artikelbilder: © Cubicle 7
Layout und Satz: Mika Eisenstern
Lektorat: Saskia Harendt
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