
Die Juristerei mag für viele grau und spröde erscheinen – nicht für einen Kharadron Kodexmacher. Dem Rechtsverdreher der Kharadron Overlords rückt Geoffrey in unserem aktuellen Let’s Paint mit der adäquaten Menge Farbe zu Leibe. Hier kommt eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Nachmalen.
Ich bin ein großer Fan von Zwergen. Ihre Engstirnigkeit, über Generationen weitergereichter Groll, Schwüre und Eide, all dies macht zwergische Charaktere für mich persönlich sehr liebenswert (was sich leicht sagen lässt, wenn einen ihr Groll bisher nie traf). Das Modell des Kharadron Kodexmachers fiel mir daher gleich ins Auge. So vollgepackt mit Büchern und unnachgiebig auf einen Folianten pochend wie es war, konnte ich gar nicht anders, als zu Pinsel und Farbe zu greifen.
Keine besonderen Trigger
Inhaltsverzeichnis
Über die Miniatur
Die Gesellschaft der Kharadron Overlords ist, mehr noch als die ihrer Brüder und Schwestern in den Städten Sigmars, geprägt von Regeln, Schwüren und insbesondere dem Kodex der Kharadron, welcher ihr gesamtes Handeln bestimmt. Auch im Krieg schlägt sich dies nieder. Unter welchen Bedingungen mit wem Bündnisse eingegangen werden können, auf welche Weise die Armeen zu organisieren sind, was wann wie im Verlaufe einer Schlacht getan wird, alles hat Regeln zu folgen. So manche Anführer*innen mögen daran verzweifeln. Glücklicherweise gibt es die Kharadron Kodexmacher. Mit ihrem umfangreichen Wissen und ihrer portablen Bibliothek finden sie für jede Verstrickung ein Schlupfloch und für jede Sackgasse eine andere Auslegung. Ein Muss in jeder Himmelsflotte.
Der Zusammenbau
Die einzelnen Teile eines Kodexmachers sind im Allgemeinen gut zuzuordnen und zusammenzubauen. An einigen Stellen laufen die Gussgrate leider ungünstig, aber mit einer scharfen Klinge sind sie gut zu entfernen. Die „Buchgreifarme“ zu installieren bedarf etwas Fingerspitzengefühls, aber der Rest fügt sich wie ein Puzzle zusammen. Damit ich alle Teile gut beim Bemalen erreichen kann, lasse ich Körper und „Rucksack“ separat. Bei detaillierteren Gesichtern halte ich die Köpfe auch separat, um alles gut erreichen zu können. Das Gesicht liegt oft im Fokus der Betrachtung. Das bedeutet, hier etwas mehr Mühe zu investieren. Da möchte ich keine fehlgeleiteten Pinselstriche von umliegenden Teilen, die meine Arbeit zunichtemachen.
Der Kopf kommt auf etwas Klebeknete und einen Zahnstocher. Den Rucksack habe ich mit einem kleinen Tropfen Sekundenkleber auf ein Stück Gussrahmen geklebt, das sich später leicht herausbrechen lässt. Zur besseren Handhabung kommt bei mir alles auf Halterungen (in diesem Fall auf einen zersägten Axtgriff, wie passend).
Die Bemalung
Für einen Großteil dieses Modells folge ich einer klassischen Anwendung von „Grundfarbe – Wash – Highlight 1 – Highlight 2“. Natürlich könnte ich mit Speedpaints etwas schneller arbeiten. Allerdings habe ich den Eindruck, dass ich mit dem klassischen Ansatz bessere Ergebnisse erziele. Meine Sammlung besteht (noch) fast überwiegend aus Citadel-Farben. Wer andere Farben zuhause stehen hat, findet im Netz aber gute Tabellen, um die richtige Farbe aus dem eigenen Sortiment zu wählen. Für die Grundierung nutze ich Chaos Black aus der Sprühdose. Schwarz hat für mich den Vorteil, dass unbemalte Stellen an schwer erreichbaren Punkten eher wie Schatten aussehen, statt, wie bei weißer Grundierung, mir grell entgegen zu leuchten.
Der Kopf

Ich habe mir angewöhnt, bei der Bemalung mit den herausforderndsten Bauteilen anzufangen. Für mich ist und bleibt es das Gesicht, da hier auf einer winzig kleinen Fläche der meiste Ausdruck geschaffen werden soll. Für die Haut benutze ich als Grundschicht Bugmans Glow, um einen etwas rötlichen Effekt im Endergebnis zu erreichen. Nach einem Wash mit Reikland Fleshshade schichte ich Cadian Fleshtone und Kislev Flesh. Für das Narbengewebe trage ich zwei verdünnte Schichten Carroburg Crimson auf. Für den Bart nutze ich Abbadon Black, Eshin Grey und Dawnstone, wobei ich letzteres nur an den Enden des Bartes auftrage. Um die äußersten Spitzen zu treffen, nähere ich mich diesen mit dem Pinsel mit Streichbewegungen, bis ich sie oberflächlich berühre. Mit White Scar, Abbadon Black und einem Stoßgebet an die alten Götter setze ich noch die Augen und Pupillen. Der erste Schritt ist gemacht.
Der Körper
Prinzipiell bin ich ein Freund von einer kleinen Farbpalette. Beim Kodexmacher beschränke ich mich auf Gold und Silber für die Rüstungen, Braun für die Lederteile und Rot für den Mantel.
Der Mantel bekommt eine Grundschicht Khorne Red, welches ich für die Vertiefungen mit ein wenig Abbadon Black mische und gut verdünnt in den Falten auftrage. Für die erhabeneren Stellen mische ich immer mehr Wazdakka Red in die Farbe, bis ich reines Wazdakka Red für die höchsten Bereiche nutze. An den Außenkanten gibt es schließlich noch einen dünnen Akzent mit Pink Horror.
Beim Leder gehe ich ähnlich vor. Rhinox Hide nehme ich als Grundschicht, nutze für die Vertiefungen in diesem Fall Nuln Oil und gehe dann immer mehr zu Gothor Brown über. Die goldenen Teile will ich nicht zu sehr strahlen lassen, da die Bücher in der tragbaren Bibliothek im Vordergrund stehen sollen. Außerdem bin ich der Meinung, dass nicht immer alles bis auf die letzte Serife hochgeschichtet werden muss. Also überziehe ich die Retributor Armour-Grundschicht mit Agrax Earthshade und setze am Ende kleine Akzente mit Liberator Gold. Die silbernen Bereiche werden mit Leadbelcher, einem Nuln Oil-Wash und Ironbreaker als Akzent bemalt.
Die tragbare Bibliothek

Ich beginne bei der Bemalung mit den Büchern, da diese im Inneren liegen und ich sonst wohl ständig das „Regal“ bemalen würde. Die Seiten bemale ich mit Wraithbone und nutze Seraphim Sepia, um die pergamentartige Färbung zu erreichen. In den Bereichen, wo Seiten aufeinanderliegen, trage ich 1:1 mit Wasser verdünntes Nuln Oil auf, um die einzelnen Blattlagen deutlicher hervorzuheben. Bei den Buchdeckeln begnüge ich mich mit Grundfarbe (Khorne Red/Caliban Green/Stegadon Scale Green), Nuln Oil und einem Highlight (Screamers Pink/Warpstone Glow/Sotek Green). Ich habe unterschätzt, wie fein die Oberkanten der Buchdeckel sind. Daher ist hier die ein oder andere „Reparatur“ fällig. Den Rest der tragbaren Bibliothek halte ich wieder in Gold und Silber, wie schon bei der Rüstung.
Das Basing

Stehen soll der Kodexmacher auf leicht bemoosten Steinplatten, einem alten Gebäude oder einer Ruine nachempfunden. Für die Base nutze ich Green Stuff und eine Strukturwalze. Den Green Stuff lasse ich nach dem Zusammenkneten eine halbe Stunde liegen, damit er nicht ganz so weich ist. Dann wird er vorsichtig auf die Base ausgerollt. Mit sehr viel Wasser versehen drücke ich dann die Strukturwalze drüber.
Mit der Struktur als Ausgangspunkt und einer schwarzen Grundierung trage ich eine Schicht Mechanicus Standard Grey auf und trockenbürste dann mit Dawnstone und Celestra Grey. Um darzustellen, dass sich die Vegetation einen Teil des Gebäudes wiederholt, trage ich Vallejo Thick Mud für eine erdige Struktur auf und setze einen kleinen Grasbüschel daneben. Für den Mooseffekt zwischen den Platten benutze ich Dirty Down Moss, ein Produkt, welches bei Kontakt mit der Luft tolle, leuchtende Mooseffekte entstehen lässt
Fazit
Allein die Grundidee der Figur ist meiner Meinung nach großartig. Ein Anwalt auf dem Schlachtfeld, der rasch einmal die Regeln zurechtbiegt, damit die Kharadon Overlords ihre Handlungen auch „codexkonform“ ausführen können, ist zudem sehr gelungen umgesetzt. Vor allem das Narbengewebe im Gesicht und das blinde Auge zeigen, dass es sich nicht nur um einen Bücherwurm handelt. Besonders viel Spaß gemacht hat das Bemalen des tragbaren Bücherregals. Detailreiche Modelle mögen zwar etwas beschwerlicher bei der Bemalung erscheinen, aber durch die Details passiert schon so viel an der Figur, dass man sich mit Highlights zurückhalten kann. Ich denke, das Ergebnis spricht für sich.
Ich hoffe, ich konnte euch ein paar Anregungen und Inspirationen mit diesem Let’s Paint bieten. Taggt uns gerne in euren Bildern auf Instagram oder postet sie als Kommentar zu diesem Artikel auf unserer Facebookseite. Natürlich freue ich mich wie immer über euer Feedback.
Artikelbilder: © Games Workshop
Layout und Satz: Melanie Maria Mazur
Lektorat: Rick Davids
Fotografien: Geoffrey Förste
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.
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