Mondlilien, Orbit-Blumen, Galaxie-Mohn und Sonnendisteln blühen in bunten Farben im All. Denn die kleinen Garten-Aliens namens Gloomies pflanzen, pflücken und schmücken sich mit Blumen. Zauberhafte Illustrationen, niedliche Aliens und ein interessantes zweiphasiges Spielprinzip? Das wollten wir uns näher anschauen.
Gloomies ist das Spiel der Spiele 2025 – zumindest in Österreich. Denn das niedliche Familienspiel mit gärtnernden Aliens ist Preisträger des österreichischen Pendants zum Spiel des Jahres. Wie schon der Vorjahressieger des Spiels der Spiele, Mycelia, ist Gloomies ein strategisches Familienspiel, das simples Deckbuilding für Einsteiger*innen bietet, aber trotzdem taktische und strategische Elemente fordert. Außerdem geht Gloomies mit dem Trend der Wohlfühlspiele wie Dorfromantik Sakura oder Wundersame Wesen.
Wir wollten wissen, ob Gloomies wirklich Spaß für nahezu alle Zielgruppen bietet – wie es in der Begründung der österreichischen Spielekommission heißt.
keine typischen Trigger
Spielablauf
Zu Beginn einer Partie Gloomies sitzen die Spielenden um ein noch leeres Spielfeld. Dieses gilt es, in der ersten Phase des Spiels, mit bunten Blumen zu bepflanzen. Sobald der Bereich bis zur weißen Linie vollständig mit Blumen übersät ist, mündet die erste Phase in eine Zwischenwertung und Phase zwei – das Ernten – beginnt. Wenn das Blumenfeld bis zur Markierung abgepflückt ist, endet die Partie mit der finalen Wertung. Netter Nebeneffekt: Der Auf- und Abbau sind somit zum Teil ins Spielprinzip integriert. Damit ist der grundlegende Ablauf auch schon erklärt – aber schauen wir uns die beiden Spielphasen genauer an.
Phase eins: Anbau
Alle Spielenden haben im Spielverlauf eine unbegrenzte Anzahl an Handkarten. Davon können sie pro Zug bis zu drei passende Karten ausspielen, um die abgebildeten Blumen – Mondlilien, Orbit-Blumen, Sonnendisteln und Galaxie-Mohn – zu pflanzen.

Aber es wird nicht wild auf dem Feld gepflanzt, sondern der Reihe nach – ausgehend vom Rand des Feldes. Pro Zug wird also immer nur in einer Reihe angebaut, damit alles seine Ordnung hat. Obwohl Pfeile die Pflanzrichtung anzeigen, kam es in unseren ersten Partien auf der Suche nach der idealen Blumenkombination gelegentlich zu Irritationen bei der Pflanzrichtung. Vielleicht lag es an den dezenten Pfeilen, vielleicht an der Sitzposition am Tisch oder am quadratischen Spielfeld – oder von allem ein bisschen. Nach ein paar Partien war aber der Blick für die Pflanzrichtung geschärft.
Ist die letzte Blume ins passende Loch gelegt, erhält die Person am Zug den Bonus des obersten lilafarbenen Chips der Spalte: Auftragskarte nehmen, Helferlein erhalten oder Sternenstaub sammeln. Der Bonuschip wird anschließend umgedreht und auf den türkisfarbenen Spielfeldrand für Phase zwei gelegt. Der Zug wird beendet, indem bis zu zwei Karten aus der offenen Auslage genommen werden.
Die ausgespielten Karten finden nach Farben sortiert unter der eigenen Spielhilfe Platz und werden erst in Phase zwei wieder benötigt. Übrigens: Dass die Wahl der Karten für die zweite Spielphase wichtig ist, sollte auch unerfahrenen Spielenden in der Regelerklärung nicht unterschlagen werden. Schließlich ist dies das Kernelement. Und so kommt es nicht zu Überraschungen bei den Mitspielenden.

Sobald der Spielfeldbereich bis zur weißen Linie komplett mit Blumen gefüllt ist, löst dies das Ende der ersten Phase und damit die Zwischenwertung aus. Wer an dieser Stelle vier Karten – oder sechs im Spiel zu zweit – einer Farbe gesammelt hat, kann sich einen erheblichen Punktevorsprung ergattern, da sie doppelt punkten.
Im Spielverlauf begegnen einem auch die Helferlein – es sind universelle Joker. Die Helferlein können eingesetzt werden, um eine weitere Karte auszuspielen, sowohl beim Pflanzen als auch beim Ernten. Außerdem dürfen durch den Einsatz eines Helferleins weitere Karten gezogen werden. Durch die Vielseitigkeit der Helferlein müssen die Spielenden immer wieder abwägen, wann sie sie clever einsetzen. Jedes Helferlein lässt sich auch in die zweite Phase mitnehmen – und am Ende gibt jedes übrige Helferlein noch einen Punkt.

Phase zwei: Ernte
Jetzt zeigt sich, wie gut das eigene Deck aufgebaut wurde. Es wird nur noch das Spielmaterial gebraucht, welches die Spielenden in der ersten Phase gesammelt haben. Die Blumenkarten unter der Spielhilfe sowie die restlichen Handkarten werden zu einem persönlichen Nachziehstapel gemischt.
In Phase zwei gilt es nun, möglichst viele Punkte abzusahnen, indem die Spielenden die Wesen auf den eigenen Auftragskarten schmücken oder sich selbst mit Blüten dekorieren. Dazu müssen die eben angebauten Blumen wieder geerntet werden – nach dem gleichen Prinzip wie in der ersten Phase. Konkret heißt das: Die Person am Zug darf bis zu drei Karten ausspielen, um benachbarte Blumen einer Reihe zu pflücken. Durch die gleichbleibenden Regeln und den logisch aufeinander aufbauenden Ablauf haben auch Neulinge gute Karten, schnell ins Spiel zu finden – trotz des zweiphasigen Spielprinzips, welches Gelegenheitsspielende zunächst abschrecken könnte.

Die Spalte der letzten geernteten Blume bestimmt wieder den Bonus. Die türkisfarbenen Boni sind: Sternenstaub oder Extra-Blumen, die aus dem verbliebenen Vorrat genommen werden. Abschließend werden zwei Karten nachgezogen und die nächste Person ist an der Reihe.
Trotz seiner niedlichen Erscheinung ist Gloomies kein Kinderspiel. Es bietet durchaus spannende taktische und strategische Entscheidungen: Pflanze ich nur zwei Blumen, um mir ein Helferlein zu sichern, oder pflanze ich noch eine mehr, um mir eine Auftragskarte mit vielen Punkten zu schnappen? Oder: Riskiere ich es, mit den gepflückten Blumen einen weiteren Gloomie zu dekorieren, obwohl mir noch Blüten fehlen, oder sichere ich mir die Punkte, indem ich stattdessen mich selbst schmücke? Oder: Beende ich das Spiel oder schnappe ich mir noch den Bonus? Zwar braucht es auch ein wenig Kartenglück, aber Gloomies bietet einen leichten Einstieg in das Prinzip des Deckbaus.
Erwartet haben wir ein gemütliches Spiel für zwischendurch, bekommen haben wir mit Gloomies ein Spiel, das uns mehr gefordert hat, als wir dachten. Es ist ein Spiel, das sowohl Gelegenheitsspielende als auch Vielspielende am Tisch zusammenbringen kann. Wobei letztere vermutlich nach ein paar Partien das Gefühl haben, schon alles gesehen zu haben, und es somit schnell an Reiz verlieren kann. Dennoch: Für ein Familienspiel hat es durchaus einen gewissen Wiederspielwert mit interessanten Entscheidungen.
Ausstattung
Durch die niedliche Aufmachung des Covers wirkt Gloomies wie ein Kinderspiel, aber der Schein trügt – die Box hat es in sich. Die Spielschachtel selbst wird zum Spielfeld, indem zwei Ebenen eingefügt werden, die eine Art Dual-Layer-Board bilden. In den so entstandenen Aussparungen können die Blumen perfekt platziert werden. Durch die quadratische Form des Spielfelds lässt sich der Spielaufbau variieren. Das Blumenfeld ist doppelt bedruckt und bietet somit acht verschiedene Varianten des Spielfelds.

Die Blumenmarker aus Holz sind ein Highlight. Sie werten das Spiel nicht nur haptisch auf, sondern auch optisch: Jede Blumenart hat eine eigene Farbe und Form – Gloomies sollte daher auch für Menschen mit Farbefehlsichtigkeit spielbar sein.
Für die Holzmarker gibt es eine Blumenvorratsschale aus Pappe. Leider hat sich beim Zusammenbauen – die Ränder müssen geknickt werden – teilweise die äußere Papierschicht gelöst. Das restliche Spielmaterial ist ebenfalls eher von durchschnittlicher Qualität. Insbesondere die Karten sind für ein Deckbuilding-Spiel, bei dem sie die Hauptrolle spielen, etwas dünn, wodurch sie schwer vom Tisch aufzunehmen sind. Nach wenigen Partien werden sich wohl auch Gebrauchsspuren zeigen.
Die Spielanleitung ist sehr gut strukturiert, getextet und bebildert. Jeder Schritt wird mit Beispielen erläutert, sodass dieses familienfreundliche Strategiespiel einen guten Einstieg ins Deckbuilding bietet.
Die harten Fakten:
- Verlag: Ravensburger
- Autor*in(nen): Filippo Landini

- Illustrator*in(nen): Justin Chan
- Erscheinungsjahr: 2025
- Sprache: Deutsch
- Spieldauer: 45 bis 60 Minuten
- Spieler*innen-Anzahl: 2 bis 4 (am besten zu zweit)
- Alter: ab 10 Jahren
- Preis: ab 25 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon
Bonus/Downloadcontent
Die Spielanleitung steht auf der Produktseite von Ravensburger zur Verfügung.
Fazit
Gloomies ist mehr als nur ein charmantes Wohlfühlspiel mit bunten Blumen und niedlichen Aliens – es überrascht mit einem cleveren, zweiphasigen Spielmechanismus, der leichte Zugänglichkeit mit strategischer Tiefe verbindet. Als Spiel der Spiele-Preisträger in Österreich erfüllt es die Erwartungen in Sachen Familienfreundlichkeit und Einstieg ins Deckbuilding – und geht dabei einen eigenen, verspielten Weg.
Dank der zwei Spielphasen, taktisch sinnvoll eingesetzten Helferlein und variablen Spielfeldaufbauten entstehen abwechslungsreiche Partien, die Gelegenheitsspielende fordern und gleichzeitig einen Anreiz für Wiederholung bieten.
Trotz kleiner Materialschwächen überzeugt die kreative Spielidee und das barrierearme Design. Insgesamt ist Gloomies ein empfehlenswerter Titel für gesellige Runden – besonders als Einstieg in strategischere Brettspiele.
Die niedrige Einstiegshürde, die liebevolle Optik und fordernde Entscheidungen machen es zu einem gelungenen Familienspiel. Für uns blühen daher 4 von 5 galaktischen Blumen.

- Zwei Phasen bauen logisch aufeinander auf
- Simples Deckbuilding für Einsteiger*innen
- Wiederspielreiz durch taktische und strategische Elemente
- Großer Punktevorsprung in Phase eins kann kaum eingeholt werden
- Für Vielspielende wahrscheinlich schnell langweilig
- Dünne, anfällige Karten
Artikelbilder: © Ravensburger Verlag GmbH
Layout und Satz: Annika Lewin
Lektorat: Giovanna Pirillo
Fotografien: Michelle Saarberg
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.
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