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Nach Aliens, Göttern und Nazis bedroht nun eine weitere Art von Monstern das Marvel-Universum: Vampire. Dazu wird die gesamte Erde in Dunkelheit gehüllt und die Sonne stirbt. Können die Helden die Blood Hunt überstehen, die Welt vor ewiger Finsternis retten und den geheimen Drahtzieher entlarven?

Regelmäßig startet ein großes Crossover-Event, das die meisten Comic-Reihen der Marvel-Welt gleichzeitig einschließt. Nach Empyre, King in Black, Devil’s Reign und A.X.E. lautet die aktuelle Reinkarnation Blood Hunt. Das Spannende ist diesmal, dass Blade im Kampf gegen die Vampire eine zentrale Rolle einnimmt. Doch auch andere Charaktere wie Blades Tochter Brielle Brooks, Hunter‘s Moon und Dracula dürfen hier glänzen. Dazu wird hier auch von der Tatsache Gebrauch gemacht, dass Vampire Helden in blutdürstige Monster verwandeln können, die somit die Seiten wechseln. Und es wird am Anfang ein großes Geheimnis daraus gemacht, wer hinter dem Griff nach der Weltherrschaft steckt: Ist es Dracula, ein anderer uralter Vampir oder gar einer der Helden? Hier bekommt ihr Antworten auf die Frage, ob es sich diesmal lohnt, in das Event einzusteigen.

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Blood Hunt #1 – Die Vampir-Invasion beginnt!

Die Darkforce Dimension ist ein Quell ewiger Dunkelheit. Helden wie Cloak und Darkstar oder Schurken wie Dr. Dark machen sie sich zu Nutze, doch mit einem Mal werden sie alle zu Portalen in die Dimension, wodurch sich die Sonne verdunkelt. Nachdem es ewige Nacht geworden ist, kommen unzählige Vampire aus ihren Löchern und überfallen die großen Städte der Welt. Die Helden scheinen überfordert, nur Blade hat einen Plan. Doch er kann ihn nicht alleine umsetzen. Aber dann werden die Avengers in eine Falle gelockt und das Schauerspiel beginnt.

Der Aufbau dieses Events ist klassisch und ähnelt den unzähligen Alien-Invasionen oder Schurken-Meisterstücken, die wir in den letzten Jahren immer wieder gesehen haben. Durch die unbekannte Macht im Hintergrund wurde allerdings ein kleines Geheimnis gelegt, das für ein wenig Spannung sorgt. Dieses Geheimnis wird aber bereits im ersten Heft gelüftet. Auch wenn klar ist, dass damit noch nicht alle Fragen beantwortet sind. Hier hätte man gerne noch mehr aus dem Spiel machen und ein paar falsche Fährten legen können.

Eine spannende Auswahl an Helden

Neben Blade und seiner Tochter nehmen auch Moon Knights Erben Hunter‘s Moon und Tigra hier eine wichtige Rolle ein. Ihnen schließen sich dazu noch Miles Morales und Doctor Strange an. Es ist schön zu sehen, dass es eben nicht die Helden aus der ersten Reihe sein müssen, die immer alle Probleme lösen, auch wenn die Avengers natürlich auch involviert sind.

Bei einer so großen Anzahl an Figuren, bleiben die einzelnen Charaktere natürlich auf der Strecke und nur wenige haben außerhalb von wilden Actionszenen Zeit für Charakterentwicklung oder persönliche Erfahrungen. Alles passiert ein wenig zu schnell. Das sorgt für Abwechslung, macht das Erlebnis aber auch unnahbar und dadurch sogar etwas langweilig.

Wie bei den meisten Events ist man nach dem ersten Heft erstmal gefesselt und möchte wissen, wie die Geschichte ausgeht. Zum Glück können wir euch aber bereits sagen, ob das Event das Niveau halten kann oder wie die meisten Marvel-Events am Ende enttäuschend in sich zusammenfällt.

Die harten Fakten

  • Autor*in: Jed MacKay
  • Zeichner*innen: Pepe Larraz, Sara Pichelli
  • Seitenanzahl: 48
  • Preis: 5,99 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Panini

 

Doctor Strange #3 – Fangzähne und Zauberei

Fantasy-Rollenspiele waren in den 80ern dem Vorwurf ausgesetzt, dunkle Magie zu beinhalten und ihre Spieler zum Satanismus zu verführen. Was, wenn es ein Rollenspiel gäbe, das eben wirklich magisch ist? Doctor Strange bekommt es mit so einem Rollenspiel zu tun und muss eine Heldentruppe zusammenstellen. Er sucht sich in Hunter‘s Moon einen Priester, in Black Cat eine Diebin und in Taskmaster einen Krieger. In anderen Episoden dieses Bandes muss Strange gemeinsam mit Clea auf dessen Halbschwester Donna aufpassen und Bats, der Geisterhund, erlebt sein ganz eigenes Abenteuer. Am Ende gipfeln alle Geschichten in eine Nebenhandlung aus Blood Hunt, die auch im Ende der aktuellen Doctor Strange-Serie mündet.

Diese Geschichte ist oftmals ein wenig albern, aber dabei auch sympathisch. So bringt das Babysitting Strange und Clea dazu, sich über einen möglichen Kinderwunsch Gedanken zu machen oder die Episode mit Bats spannt einen großen Bogen über das Geschichtenerzählen an sich. Dieses Kleinod gefällt mir auch am besten, sodass in mir der Wunsch geweckt wird, irgendwann einen ganzen Comic zu finden, der sich nur um Bats dreht. Stephen Strange dagegen ist als Figur eher langweilig: Er hat in jeder Situation einen passenden Zauberspruch parat, der zwar nicht alle Probleme löst, jedoch seine Lage wesentlich verbessern kann. Ein wenig mehr Schwäche kann, wie man im letzten Band gesehen hat, zu einer ungleich spannenderen Handlung führen.

Die kleinen Geschichten sind manchmal viel spannender als die großen

Die Qualität des zweiten Bandes der aktuellen Serie kann in diesem Comic nicht erreicht werden. Stattdessen verliert er sich wie der erste Band in kleinen Episoden. Irgendwie muss diese Handlung aber auch zu etwas führen, sodass mit Blood Hunt vom selben Autor eine Möglichkeit gefunden wurde, alle Fäden zusammenzuführen. Doch gerade hieran scheitert der Comic: Die wirklich interessanten Geschichten um Strange passieren in der Hauptreihe und die Randepisode wirkt sehr beliebig. Es werden zwar Fragen aus dem Event beantwortet, dabei wird aber alles etwas zu schnell aufgelöst, sodass die Handlung fast beiläufig erscheint.

Mit Danilo Bayruth und Pasqual Ferry wurden hier zwei Künstler gefunden, die sehr eigenwillige Zeichnungen erschaffen, die aber zu der bunten magischen Welt von Doctor Strange passen. Die Kolorierung erscheint mir hier aber wieder etwas zu langweilig, sodass ein sehr gemischter Eindruck zurückbleibt.

In Summe kann man den Band gut lesen und man fühlt sich angenehm seicht unterhalten. Gleichzeitig sorgt er aber auch für keinen bleibenden Eindruck und schafft es nicht, nachhaltig in Erinnerung zu bleiben. Ein wenig schade um die Doctor Strange-Serie ist es schon, dass sie hiermit endet. Der Doctor hätte ein würdigeres Ende verdient.

Die harten Fakten

  • Autor*in: Jed MacKay
  • Zeichner*innen: Pasqual Ferry, Danilo Y. Bayruth
  • Seitenanzahl: 176
  • Preis: 24 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Panini

 

Blood Hunt #2 – Der Vampir-Alptraum fängt gerade erst an

Nachdem sich der Schurke am Ende des ersten Heftes offenbart und einige der Helden zu Monstern verwandelt hat, holen die Helden hier nun zum Gegenschlag aus. Sam Wilson darf eine hoffnungsvolle Rede halten, Clea einen mächtigen Zauberspruch sprechen und Captain Marvel ein wenig Sonne in die Dunkelheit bringen. Das ist alles irgendwie ganz nett, aber eben auch nicht mehr. Am Ende schwingt das Pendel wieder zum Bösewicht, sodass alles bereit gemacht wird fürs große Finale.

Dazwischen gibt es einige Szenen, die nicht in der Hauptreihe aufgelöst werden, sondern auf Nebenlinien verweisen. Dieses Spiel war früher schon der Hauptgrund, warum die Crossover-Events es nicht schafften, einen kontinuierlichen Handlungsbogen zu erzeugen. Schade, dass Marvel sich wieder in diesem alten Verhalten verliert. Klar, es soll den Verkauf der anderen Reihen ankurbeln. Doch dies auf Kosten des Spannungsbogens zu machen, ist fatal. Dazu wird dieser auch in der Hauptreihe immer wieder durchbrochen. Am Ende eines Kapitels passiert ein überraschender Twist, der sich gleich am Anfang des nächsten Kapitels als Luftnummer offenbart.

Nur etwas für absolute Eventfans

Nachdem der erste Band noch einen halbwegs positiven Eindruck gemacht hat, liest sich das zweite Heft nun sehr schnell herunter und hat außer ein paar Actionszenen nichts zu bieten. Vor allem nichts, was man in den Comics nicht schon hundertfach gesehen hat.

Wenigstens optisch ragt das Event aus dem Allerlei etwas heraus. Pepe Larraz schafft epische Bilder, die Realismus mit Emotionen und Phantasie kombiniert. Nachdem man seinen Stil aber in gefühlt allen X-Men-Events der letzten Jahre zu Genüge gesehen hat, nutzt sich der Faktor des Ungewöhnlichen aber ab und zurück bleibt ein Action-Comic mit einem soliden Eindruck ohne große Höhepunkte.

Sollte man also das Event Blood Hunt lesen oder es bleiben lassen? Wir werden uns für euch noch das folgende Abschlussheft anschauen, doch im Großen und Ganzen lässt sich schon nach der Hälfte sagen, dass es das Geld leider nicht wert ist. Zu ähnlich zu anderen Events und zu arm an Höhepunkten entpuppt sich die ganze Reihe. Wer aber ohnehin jedes Crossover verschlingt, kann auch hier seine Freude haben. Interesse daran, wie die Helden den Tag retten, erzeugt dieses Heft aber leider nicht.

  • Die harten Fakten
  • Autor*in: Jed MacKay
  • Zeichner*in: Pepe Larraz
  • Seitenanzahl: 48
  • Preis: 5,99 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Panini

 

Artikelbilder: © Panini Comics, Marvel
Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat: Gloria Puscher
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