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Ein Minotaurus als Dungeon-Architekt? In Dungeon Designer planen und bauen wir unser eigenes Verlies. Durch Karten-Drafting, clevere Platzierung und Aufrüsten entsteht ein Labyrinth voller Monster, Fallen und Schätze. Das Spiel vereint zugängliche Regeln mit taktischer Tiefe – perfekter Dungeon-Crawl-Spaß am Spieltisch in unter einer Stunde.

Dungeon Designer von Pegasus Spiele erweitert das bekannte Roll Player-Universum um ein strategisches Kenner*innenspiel. Jordy Adan, der bereits mit den Kartograph-Spielen große Erfolge feierte, bleibt der Welt treu und liefert eine neue spielerische Herausforderung. Dieses Mal schlüpfen die Spielenden in die Rolle von Minotaurus-Architekt*innen, die beweisen müssen, dass sie das Handwerk der Labyrinth-Konstruktion gemeistert haben. Unter der Anleitung von Meister Hortgully wurde ein Jahrzehnt lang das Entwerfen verschlungener Gänge perfektioniert, doch nun gilt es, dieses Wissen in die Praxis umzusetzen. Am Fuße der Steinrückenberge entsteht ein gefährliches Verlies, das nicht nur als Prüfstein dient, sondern auch den Respekt des Meisters sichern soll. Diese humorvoll-fantastische Hintergrundgeschichte verleiht dem Spiel seinen besonderen Charme und macht deutlich, weshalb ausgerechnet Minotauren als die besten Dungeon-Designer gelten.

Triggerwarnungen

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Die zentrale Auslage für zwei Personen.
Die zentrale Auslage für zwei Personen.

Spielablauf

Eine Partie Dungeon Designer erstreckt sich über vier Runden – dargestellt als Jahre –, in denen nach und nach neue Ebenen des Dungeons entstehen. Alle erhalten zu Beginn einen individuellen Bauplan mit spezifischen Vorgaben für das eigene Verlies sowie ein übergeordnetes Meisterziel von Hortgully, das für alle gilt. Jede dieser Dungeon-Ebenen besteht aus vier Räumen. Das Drafting läuft dabei klassisch ab: Zu Beginn jeder Runde ziehen alle fünf Raumkarten, wählen eine aus und geben die restlichen Karten weiter, bis schließlich vier Karten gespielt wurden. Hierbei muss gut abgewogen werden, welche Räume dringend benötigt werden und welche lieber nicht an die Konkurrenz gehen sollen. Die ausgewählten Raumkarten werden anschließend direkt in die aktuelle Ebene eingebaut – einmal platziert, kann ein Raum nicht mehr versetzt werden. Die Karten selbst bilden labyrinthartige Wege und enthalten Symbole, die das Dungeon-Leben prägen: Manche Räume sind mit Monstern gefüllt, andere enthalten gefährliche Fallen oder Schatztruhen, die Gold einbringen. Einige Räume bieten sogar direkte Siegpunkte in Form von Sternen. Entscheidend für den Sieg ist jedoch nicht die optische Gestaltung, sondern die clevere Erfüllung der Bauaufträge und Vorgaben.

So sieht es zu Beginn des Spiels bei den Architekt*innen aus. Der Dungeon will gebaut werden.
So sieht es zu Beginn des Spiels bei den Architekt*innen aus. Der Dungeon will gebaut werden.

Während der Bauphase müssen verschiedene Faktoren beachtet werden. Erstens belohnt der persönliche Bauplan bestimmte Raumtypen, sodass beispielsweise mehr Höhlen als Gemäuer verbaut werden sollten. Zweitens sollte der Dungeon möglichst vollständig begehbar sein, denn Räume, die mit Ein- und Ausgang verbunden sind, bringen wertvolle Extrapunkte. Drittens kommen im Laufe des Spiels persönliche Aufgaben (Quests) hinzu, die zusätzliche Ziele vorgeben. Diese werden erst ab der zweiten Runde verteilt, sodass sich mit jeder neuen Dungeon-Etage auch neue Möglichkeiten zur Bonuswertung eröffnen. Dadurch entsteht ein kniffliges Puzzle, bei dem jede Entscheidung das Gesamtbild beeinflusst und für durchgehende Spannung sorgt.

Nach jeder Bauphase folgt eine Marktphase, in der die Dungeons weiter optimiert werden können. Zunächst wird Gold eingesammelt: Jede Raumkarte liefert eine bestimmte Menge Gold. Zudem gibt jede Schatztruhe im Dungeon einen zusätzlichen Goldbonus. Mit dem verdienten Gold kann nun am Markt eingekauft werden. Dort stehen Plättchen zur Verfügung, mit denen sich das Verlies weiter ausbauen lässt: Monster, Fallen, zusätzliche Schatztruhen oder gar Geheimgänge können erworben werden. Diese Plättchen werden auf freie Felder der ausliegenden Räume gelegt, um noch fehlende Bedingungen zu erfüllen – etwa ein Monster-Plättchen, wenn eine Aufgabe viele Monster erfordert. Sogar Siegpunkte lassen sich direkt in Form von Stern-Plättchen kaufen. Die Reihenfolge der Einkäufe wird dynamisch bestimmt: Wer am meisten Gold besitzt, darf zuerst einkaufen, danach wird erneut geprüft, wer nun die größte Summe hält – mit kluger Planung können so mehrere Einkäufe hintereinander getätigt werden. Wer auf weitere Käufe verzichtet, kann frühzeitig passen und sich stattdessen eine neue Aufgabenkarte sichern sowie auf der Rangfolge-Leiste vorrücken. Hier stellt sich die Frage: Weiter investieren oder sich lieber einen strategischen Vorteil für die nächste Runde sichern? Ist diese Phase abgeschlossen, wird das Material für die nächste Runde vorbereitet.

Nach vier Bauphasen steht der Dungeon mit seinen 16 Räumen fest, und es kommt zur großen Endwertung. Punkte werden für verschiedene Kategorien vergeben: erfüllte Aufgaben, das Abschneiden beim Meisterziel, gesammelte Ansehen-Sterne in den Räumen, das Befolgen des Bauplans und das ausgedehnte Wegenetz innerhalb des Dungeons. Mithilfe des Wertungsblocks lässt sich schnell bestimmen, wer insgesamt am meisten Ansehen gesammelt hat – die Person, die die höchste Punktzahl erreicht, wird als Meister-Dungeon-Architekt*in gekürt.

Beispiele für die Karten von Jael.
Beispiele für die Karten von Jael.

Zusätzlich bietet Dungeon Designer einen durchdachten Solo-Modus, in dem gegen den virtuellen Rivalen Jael, Berater der Königin, angetreten wird. Der eigene Dungeon wird dabei regulär gebaut, jedoch erhält Jael automatisch alle ungenutzten Karten und sammelt damit Punkte. Zudem verfügt er über eigene Quests und dasselbe Meisterziel, sodass er zum Spielende eine berechnete Punktzahl erreicht – die es zu schlagen gilt. Die Solo-Variante simuliert geschickt eine Zwei-Personen-Partie und kann je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad eine herausfordernde Denkaufgabe bieten. Wer gerne Solo-Brettspiele spielt, wird die strategische Tiefe dieser Variante zu schätzen wissen.

Ausstattung

Die Gestaltung und das Spielmaterial von Dungeon Designer überzeugen auf ganzer Linie. Die Illustrationen greifen den charakteristischen, comicartigen Stil des Roll Player-Universums auf und schaffen eine stimmige Atmosphäre. Robuste Karten und Marker verleihen dem Spiel eine wertige Haptik.

Oben die Mini-Erweiterung für die Kartograph-Reihe unten die Mini-Erweiterung Schreine & Brunnen.
Oben die Mini-Erweiterung für die Kartograph-Reihe unten die Mini-Erweiterung Schreine & Brunnen.

Die Regeln sind klar strukturiert und verständlich formuliert. Zusätzlich erleichtern zwei Referenzkarten den Einstieg, was den Zugang zum Spiel deutlich angenehmer gestaltet. Besonders positiv fällt die durchdachte Ikonografie auf: Symbole für Monster, Fallen und andere Spielelemente sind intuitiv erfassbar und werden zusätzlich auf dem Spielplan erläutert. Dadurch trägt das Design erheblich zur Zugänglichkeit des Spiels bei.

Als besonderes Extra hat Pegasus Spiele der Erstauflage einige exklusive Inhalte spendiert. Direkt in der Box enthalten ist die Mini-Erweiterung Schreine & Brunnen, die zusätzliche Spielelemente einführt und für noch mehr Abwechslung sorgt. Zudem liegen exklusive Bonus-Karten für Der Kartograph bei – eine gelungene Überraschung für Fans des Vorgängers.

© Pegasus Spiele
© Pegasus Spiele

Die harten Fakten:

  • Verlag: Pegasus Spiele
  • Autor*in(nen): Jordy Adan
  • Illustrator*in(nen): Jordy Adan, Damien Mammoliti, Lucas Ribeiro, Diego Sá
  • Erscheinungsjahr: 2024
  • Sprache: Deutsch
  • Spieldauer: 45 bis 60 Minuten
  • Spieler*innen-Anzahl: 1 bis 5 Personen
  • Alter: ab 10 Jahren
  • Preis: ca. 40 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon

 

Bonus/Downloadcontent

Auf der offiziellen Webseite von Pegasus Spiele gibt es die Anleitung und die Wertungsblätter zum Download. In der ersten Auflage fehlt auf manchen Aufgabenkarten die Nummerierung für den Solo-Modus. Pegasus Spiele hat jedoch schnell reagiert und eine Korrektur-PDF bereitgestellt, sodass dieser kleine Fehler problemlos behoben werden kann. Insgesamt überzeugt die Ausstattung mit ihrem hochwertigen Artwork, umfangreichem Spielmaterial und einer klar strukturierten Regelpräsentation.

Fazit

Dungeon Designer überzeugt als rundum gelungenes Spiel, das den bewährten Drafting-Mechanismus mit einem frischen Dungeon-Bau-Thema kombiniert ohne den „Kampf-Aspekt“ wie beispielsweise Boss Monster. Es macht Spaß, das eigene Verlies wachsen zu sehen und mit jeder Runde zu überlegen, welche Karte optimal platziert werden sollte. Trotz seines Kenner*innenspiel-Anspruchs bleibt es angenehm zugänglich – eine kurze Erklärung reicht aus, damit auch Gelegenheitsspielende schnell ins Spiel finden. Die Regeln sind leicht verständlich, doch die Vielzahl an Bedingungen und strategischen Entscheidungen sorgt für langfristigen Reiz. Durch die Variabilität – mit vielen verschiedenen Karten, Bauplänen und Aufgaben – bietet Dungeon Designer einen hohen Wiederspielwert, da jede Partie neue Puzzle-Herausforderungen bereithält. Auch der durchdachte Solo-Modus weiß zu begeistern und sorgt für anhaltende Motivation bei Einzelspielenden.

Obwohl das Fantasy-Setting atmosphärisch ansprechend gestaltet ist, tritt es im Laufe der Partie etwas in den Hintergrund und wirkt nicht mehr nach. Das Spielgefühl gleicht dann eher einem strategischen Puzzle, bei dem optimale Punktkombinationen gesucht werden. Das mindert jedoch kaum den Spielspaß, da das liebevoll gestaltete Material und das clevere Konzept für eine stimmige Umsetzung sorgen. Kleinere Kritikpunkte gibt es dennoch: Das Kartenglück kann dazu führen, dass eine Runde schwächer ausfällt, wenn nicht die erhofften Räume zur Auswahl stehen. Zudem erfindet Dungeon Designer das Genre nicht neu – wer bereits mit Drafting-Spielen vertraut ist, wird einige Mechanismen wiedererkennen. Dennoch setzen die Marktphase und die Bauplan-Aufträge genügend eigene Akzente, um das Spiel interessant zu gestalten.

Dungeon Designer ist eine lohnenswerte Erweiterung des Roll Player-Universums und eine klare Empfehlung für Fans von Drafting- und Aufbau-Spielen sowie für alle, die das Dungeon-Thema reizt. Unsere Wertung: 4 von 5 Minotaurus-Hörnern.

  • Leichter Einstieg, gute Ikonografie
  • In allen Personenzahlen gut
  • Motivierend durch viele unterschiedliche Karten, Ziele etc.
 

  • Thema verwässert zum Puzzlespiel
  • Manchmal sehr glückslastig

 

 

Artikelbilder: © Pegasus Spiele
Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat: Saskia Harendt
Fotografien: Tim Billen
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.
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