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Mit Timeless erscheint ein neuer Comic mit Kang dem Eroberer, der uns einen Einblick in die Zukunft des Marvel-Universums gibt. Und mit Devil’s Reign beginnt nun das neue Crossover-Event, bei dem der Kingpin als Bürgermeister von New York Superheld*innen verbietet. Grund genug, einmal in beide Bände reinzuschauen.

Daredevil hat eine bewegte Geschichte hinter sich: Der Kingpin erfuhr vor einiger Zeit, dass seine wahre Identität die des Anwalts Matt Murdock ist. Er machte diese Identität öffentlich und erschwerte ihm so seine Arbeit. Vor kurzem rettete er den Kindern vom Purple Man Zebediah Killgrave das Leben, weswegen diese im Gegenzug global alle Menschen die Erinnerung an Daredevils Geheimidentität vergessen ließen. Doch der Kingpin, der es inzwischen zum Bürgermeister von New York geschafft hat, hat Akten über jeden einzelnen Gegner angefertigt und die Akten über Daredevil sind unvollständig. Das Gefühl, um etwas gebracht worden zu sein, treibt ihn in den Wahnsinn, so dass er nun alles daransetzt, Daredevil und auch alle anderen Superheld*innen von New York endgültig auszuschalten. Und so landen wir im nächsten Crossover-Event Devil’s Reign.

Doch auch Timeless hat es in sich. Hier will Kang beweisen, dass er der größte Schurke aller Zeiten ist, der sogar Doctor Doom in den Schatten stellt. Dabei erhält ein einfacher Wissenschaftler Einblick in die Zukunft des Marvel-Universums, und wir sind direkt dabei.

Timeless – Die Zukunft des Marvel-Universums

Dr. Anatoly Petrov ist ein Wissenschaftler und Dozent für Superheld*innen-Wissenschaften an der Lomonosov-Universität in Moskau. Er gilt als der größte Experte für Superschurk*innen und veröffentlicht einige Manuskripte über diese in Fachmagazinen. In weiter Zukunft wird er zitiert, dass kein*e Superschurk*in mehr Einfluss hatte als Doctor Doom. Dies lässt sich Kang der Eroberer nicht gefallen und nimmt Dr. Petrov mit auf eine Zeitreise, um ihm zu beweisen, dass sein Einfluss auf die Weltgeschichte viel größer ist als von jedem anderen zuvor.

Aus den Augen von Anatoly Petrov erfahren wir einiges über das Seelenleben von einem der wichtigsten Schurken des Marvel-Universums. Doch auch einige Wendungen und Überraschungen sorgen für einen angenehmen Lesefluss in diesem kurzen Comic-Heft. Und natürlich kommt es auch zu einem Konflikt mit einer Variante von Doctor Doom.

Das Heft zeigt uns einen Ausblick auf Ereignisse, die bereits gestartet sind, die in Zukunft kommen mögen oder möglicherweise niemals wieder aufgegriffen werden. In dieser Hinsicht erinnert es an Marvel Comics 1000, bei dem wir vor wenigen Jahren einen vergleichbaren Ausblick bekommen haben. Dieses Mal passiert es aber subtiler und in einer stringenten Handlung erzählt.

Optisch sorgen Größen wie Greg Land oder Mark Bagley für einen Stil, der sich bekannt anfühlt, dadurch aber auch wenig überrascht. Hier wird kein großes Risiko eingegangen, aber dadurch auch nicht viel falsch gemacht.

Der Comic ist interessant für jede*n, der*die Hinweise über die Zukunft entdecken oder etwas über die Motivation von Kang herausfinden möchte. Die Handlung ist unterhaltsam und weiß zeitweise auch zu überraschen. Ein solides Werk, das weder besonders positiv oder negativ aus das Masse herausragt.

Die harten Fakten

  • Autor*in: Jed MacKay
  • Zeichner*innen: Greg Land, Kev Walker, Mark Bagley
  • Seitenanzahl: 52
  • Preis: 5,99 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Panini Shop

Devil’s Reign – Die Herrschaft des Teufels #1

Wilson Fisk ist auf einem Höhepunkt seiner Karriere. Als Bürgermeister von New York hat er die legale und illegale Seite der Stadt voll unter Kontrolle. Doch etwas stört ihn: Seine Nemesis Daredevil scheint irgendetwas mit seinen Erinnerungen und Akten getan zu haben. Und Fisk hasst es, nicht alles unter Kontrolle zu haben. Also verabschiedet er den Powers Act, der sämtlichen Superheld*innen die Anwendung ihrer Kräfte in New York verbietet. Ähnlich wie „Kamalas Law“, mit dem bis vor kurzem die Champions zu kämpfen hatten, oder dem „Superhuman Registration Act“ aus Civil War, wird dadurch die Hilfe von Superheld*innen stark eingeschränkt, was natürlich zu einer Rebellion führt. Fisk versucht, Daredevil so in die Finger zu bekommen, um seine Identität zu enthüllen.

Als Einsatztruppe zur Durchführung des Gesetzes stellt er ein neues Thunderbolts-Team auf, zu dem neben U.S.-Agent Schurken wie Rhino, Whiplash, Elektro oder Shocker gehören. Doch auch Doctor Octopus stellt sich auf die Seite vom früheren Kingpin und verlangt dafür Zugriff auf das Labor von Reed Richards, der als einer der ersten Held*innen festgenommen wird. Doc Ock hat aber ganz andere Pläne, die das ganze Multiverse betreffen.

Durch den etwas anderen Aufbau dieses Events ist nicht vorhersehbar, in welche Richtung es sich entwickelt. Neben den klassischen Helden um Daredevil, Iron Man und Luke Cage, die im Untergrund gegen den Bürgermeister agieren, gibt es mit Doc Ock, dem neuen Kingpin Butch und zwei mysteriösen Schattenspielern genug zusätzliche Fraktionen, um die Fronten weniger klarzumachen.

So muss ein Event veröffentlicht werden

Neben den ersten drei Kapiteln der Hauptgeschichte, gibt es hier von den meisten Tie-Ins das erste Kapitel. So erfahren wir auch mehr über die Pläne von Doctor Octopus, den Thunderbolts, Elektra und den X-Men. Diese Zusatzgeschichten gliedern sich wunderbar in das Gesamtkonstrukt der Hauptgeschichte ein und wirken (anders als bei Events zuvor) weniger losgelöst. Die Handlung verdichtet sich in New York und hat einen zentralen Hauptkonflikt. Einzig die Geschichte um Elektra scheint sich mehr um ihr eigenes Schicksal zu drehen.

Die Entscheidung, alle Tie-Ins im selben Band zu veröffentlichen, ergibt in diesem Fall Sinn. Auch die Veröffentlichung in insgesamt drei Paperbacks halte ich für eine gute Wahl, da man so einen umfassenden Überblick in einem handlichen Format erhält.

Die Zeichnungen wissen alle zu begeistern und bilden einen gemeinsamen Stil, der zum bodenständigen Ton der Geschichte passt. Die Illustrationen im Kapitel von Doc Ock, die von Davide Tinto stammen, wirken etwas schriller und bunter, was aber auch an der Handlung im Multiverse liegt. Auch das Kapitel der X-Men fällt stilistisch ein wenig heraus. Phil Noto überzeugt hier zwar wieder mit tollen Charakterportraits und seiner schnellen Linienführung, doch gehören die Hintergründe und Koloration hier nicht zu seinen Meisterwerken. Was sehr schade ist, da ich ein großer Fan seiner Zeichnungen bin.

Unter finaler Betrachtung gefällt mir dieser Auftaktband zum nächsten Event. Die Grundgeschichte mag nach Civil War und Co nicht mehr so originell sein, ist aber dennoch eine gute Abwechslung zu Schurk*innen, welche die Welt erobern wollen und einem klassischen Schwarz-Weiß-Schema. Die zusätzlichen Charaktere und Fraktionen sorgen für einen explosiven Mix, der sich hoffentlich auszahlen wird. Leichte Abzüge gibt es dafür, dass nicht alles wie aus einem Guss wirkt.

Zwar macht es dieses Event besser als die meisten Vorgänger, doch fehlt hier noch der letzte Schliff, damit man das Gefühl hat, jede Geschichte gibt den Lesenden einen zusätzlichen Blick auf den Grundkonflikt. Dazu würde ich mir wünschen, dass sich Marvel bemüht, komplett neue Erzählungen zu erfinden, anstatt sich immer wieder selbst zu zitieren. Wer aber damit kein Problem hat, sollte hier direkt hineinschauen, denn es lohnt sich.

Die harten Fakten

  • Autor*innen: Chip Zdarsky, Clay McLeod Chapman, Zac Thompson
  • Zeichner*innen: Davide Tinto, Manuel Garcia, Marco Checchetto, Rafael de Latorre
  • Seitenanzahl: 180
  • Preis: 22 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, idealo, Panini Shop

 

Artikelbilder: © Panini Comics
Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat: Saskia Harendt
Diese Produkte wurden kostenlos zur Verfügung gestellt.

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