Marvels Heldenriege ist umfangreich. Diesmal wollen wir uns Helden der zweiten Reihe widmen. Doctor Strange muss sich gegen eine alternative Version seiner selbst behaupten, Miles Morales hat Selbstzweifel, während Hobgoblin sein Leben bedroht; und Daredevil trifft gemeinsam mit Echo auf Schatten der Vergangenheit.
Die Popularität von Doctor Strange hat nicht zuletzt mit den Filmen immer mehr zugenommen. War er lange Zeit nur eine Nebenfigur, schaffen es heutzutage regelmäßige Reihen sogar auf den deutschen Markt. Nachdem er den Tod überwunden hat und wieder mit seiner Frau Clea zusammengekommen ist, taucht nun General Strange Diese Version von Strange hat in diesem Band seinen ersten Auftritt, ist aber tief in seiner Geschichte verwurzelt.
Miles Morales und seine Freundin Starling geraten derweil zuerst an Hobgoblin. Doch dann muss sich Miles auch noch mit einer Antisuperhelden-Taskforce herumschlagen und erklärt sich bereit, seine Selbstzweifel in einer Therapie zu behandeln, bevor er es dann gemeinsam mit Blade und dessen Tochter mit einer Vampir-Bedrohung in Brooklyn aufnehmen muss.
Der neue Band von Daredevil und Echo beschäftigt sich mit dunklen Kulten. Die beiden treffen auf ein düsteres Geheimnis und ein Portal des Bösen. Parallel wird eine Geschichte aus der Vergangenheit erzählt, in der Matt Murdocks Vorfahr Tommy Murdock an gleicher Stelle auf einen bösartigen Priester stößt.
Gewalt an Kindern, Psychische Probleme
Inhaltsverzeichnis
Daredevil & Echo – Der Teufel steckt im Detail

Matt Murdock alias Daredevil und Maya Lopez aka Echo haben eine lange gemeinsame Geschichte, die viel mit Mayas Ziehvater Wilson Fisk zu tun hat. Nun kommen beide gemeinsam einer Mordserie auf die Spur, bei der Kinder psychisch beeinflusst und für dunkle Zwecke missbraucht werden. Dabei finden sie eine Art Höllentor unter Hell’s Kitchen, das scheinbar von Demagoblin beschützt wird.
Parallel dazu erfahren wir von Matts Vorfahren Tommy und einer amerikanischen Ureinwohnerin namens Soena’hane’e (auch Creeping Death genannt), die genau wie Maya einen Handabdruck im Gesicht hat. Diese beiden sind einem mysteriösen Kult auf der Spur, der beabsichtigt eben dieses Höllentor zu öffnen. So sind beide Geschichten miteinander verwoben und beeinflussen sich gegenseitig.
Der Comic ist sehr geschickt darin, Spannung aufzubauen, um beide Handlungen miteinander zu verbinden. Die Figuren funktionieren aus dem Stand heraus und auch Ghost Rider und Elektra sind in Nebenrollen zu sehen. Als Bonus gibt es auch noch ein Abenteuer eben dieser Vigilantin, das aber nicht der Rede wert ist.
Die Hölle hat sich in letzter Zeit ein wenig zu oft geöffnet
Die Geschichte schafft es leider nicht, die Spannung bis zum Ende zu halten. Dazu wirkt die Antagonistin Demagoblin zu generisch. An sich ist auch das ganze Szenario um den Zugang zur Hölle wenig originell. Es erinnert beispielsweise an aktuelle Hulk-Comics, Locke & Key von Joe Hill oder an Cthulhu. Auch wird das moralische Dilemma, das dieses Szenario beinhaltet, nicht gut herausgearbeitet. Das Ende fühlt sich zu beliebig an, obwohl hier viel mehr Potential gewesen wäre.
Ähnliches gilt auch für die Zeichnungen. Phil Noto schafft es wie immer, harmonische Kunstwerke zu gestalten, bei denen besonders die Charaktere im Vordergrund stehen. Die Hintergründe und Farben wirken dabei aber auch etwas zu eintönig, wodurch die Gesamtgestaltung ihre Wirkung verliert.
Wer gerne Daredevil-Geschichten mag, sollte hier dennoch einen Blick wagen, besonders, wenn man gleichzeitig ein Fable für düstere Kulte hat. Ein Meisterwerk sollte man aber nicht erwarten. Dazu wurde einfach zu viel Potential liegen gelassen.
Die harten Fakten
- Autor*in: Taboo
- Zeichner*in: Phil Noto
- Seitenanzahl: 140
- Preis: 17 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, idealo, Panini Shop
Miles Morales #2 – Leben am Abgrund

Miles hadert mit seinem Doppelleben. Auch wenn er volle Unterstützung aus seinem Umfeld bekommt, wird es immer schwieriger, Privatleben und Superheldendasein zu vereinen. Als er bei einem Date mit seiner Freundin Tiana Toomes vom Hobgoblin angegriffen wird und dann auch noch Probleme mit der Polizei bekommt, entschließt er sich, zur Therapie zu gehen. Er geht zu Dr. Samson (oder auch Doc Sasquatch, wie er nun genannt wird) und spricht über seine Probleme.
Kurz danach tauchen aber Blade und dessen Tochter Brielle auf, und gemeinsam müssen sie sich einer Vampirbedrohung mitten in Brooklyn stellen. Genau wie Miles kommen Lesende hier nicht zur Ruhe. Der Band ist voller Action und es gibt nur wenige Augenblicke zum Durchatmen. Dabei bleibt die Charakter-Entwicklung leider etwas auf der Strecke.
Miles ist stets ein fürsorglicher Spider-Man wie er im Buche steht und will auch Schurken retten, sofern es geht. Man nimmt ihm diese Rolle jederzeit ab, doch gerade so etwas wie seine Therapie hätte ein wenig mehr Platz als zwei Seiten verdient. Es wäre auch möglich gewesen, diese durch eine Parallelmontage spannender zu gestalten. Der Fokus liegt hier aber klar auf Action.
Ein Abenteuer ohne Zeit zum Durchatmen
Wie schon im ersten Teil der neuen Serie legt der Comic den Fokus auf das, was Spider-Man seit jeher auszeichnet: ein sensibler Held, der Privatleben und Heldenleben vereinen muss und dabei immer wieder an neue Superschurken gerät, die auf die falsche Bahn geraten sind. Auch die neue Schurkin Hightail passt hier gut ins Bild. Schade ist aber, dass ihr zu wenig Charakter gegeben wurde. Das hat mit Rabble aus dem ersten Band besser funktioniert.
Wer Superhelden-Comics hauptsächlich als Action-Abenteuer sieht und so kurz der Realität entfliehen will, ist bei diesem Band genau richtig. Hier wird nicht lange gefackelt, sondern sofort ein kleines Feuerwerk abgefeuert. Das wird auch durch die dynamischen Zeichnungen von Federico Vicentini unterstützt, der gar nicht genug von zackigen Linien und wilden Strukturen bekommen kann.
Mir persönlich fehlt es dem Comic aber an Substanz hinter der Action. Protagonist und Antagonisten haben mehr Charakterentwicklung verdient. Es sind genug Ansätze da, aber neben wilden Actionszenen und neuen Kostümen, ist dies zu kurz gekommen. Wer damit kein Problem hat, kann trotzdem zuschlagen, denn hier handelt es sich ansonsten um ein klassisches Spider-Man-Abenteuer.
Die harten Fakten
- Autor*in: Cody Ziglar
- Zeichner*in: Federico Vicentini
- Seitenanzahl: 116
- Preis: 15 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, idealo, Panini Shop
Doctor Strange #2 – Der Krieg gegen General Strange

Seit Jed MacKay die Doctor Strange-Comics übernommen hat, ist viel passiert: Er ist gestorben, seine Frau Clea wurde oberste Zauberin und Dormammu hat geheiratet. Nun muss er sich aber seinem größten Gegner stellen: sich selbst. Oder besser gesagt: General Strange. Diese Version wurde von den Vishanti einst in einen fünftausendjährigen Krieg geschickt und hat dabei jegliche moralischen Werte verloren. Am Ende des Krieges brachten die Vishanti Strange zurück in die Gegenwart und trennten seine Erinnerungen an die Ereignisse von ihm, so dass er ganz der Strange sein konnte, die er früher war. Nun begegnen sich die beiden ebenbürtigen Gegner und es ist bleibt die Frage, was sich die Vishanti dabei dachten.
Dieser Comic hat einen wirklich interessanten Antagonisten, der wunderbar eingeführt wird und dessen Hintergrundgeschichte ein ganzes Kapitel gewidmet wird. Durch die Figur wird Strange vor moralische Entscheidungen gestellt, die selbst für Spannung sorgen. Dazu kommen Clea und die Vishanti als Nebenfiguren, die jeweils eine ganz eigene Agenda verfolgen. Für Spannung ist gesorgt.
Gelungene Fortsetzung
Im Vergleich zum ersten Band ist diese Geschichte weniger episodenhaft geschrieben und hat eine große Rahmenhandlung. Dafür merkt man auch, dass Jed MacKay Größeres vorhat und immer mehr Fäden zusammenführt, wodurch dieser Comic aber auch schlechter als Einzelband funktioniert.
Wem die Zeichnungen aus dem ersten Band gefallen haben, wird sich auch hier schnell zurechtfinden. Der Zeichenstil ist ungewöhnlich und besticht durch sehr feine Linien. Die Kolorierung funktioniert inzwischen wunderbar und sorgt für eine magische Erfahrung und wunderschöne Bilder. Man merkt, dass die Kreativen aus den Fehlern des ersten Bands gelernt haben.
Ich bin sehr gespannt, wo die Reise noch hingehen wird. Dieser Comic hat mein Interesse an dem weiteren Verlauf der Reihe weiter gesteigert. Er sticht durch ungewöhnliche Konflikte aus dem üblichen Allerlei heraus. Gleichzeitig schafft es der Band vergangene Erzählungen, wie den über den fünftausendjährigen Krieg, in ein neues Licht zu rücken und die Implikationen in eine erzählerische Form zu gießen. Eine klare Empfehlung.
Die harten Fakten
- Autor*in: Jed MacKay
- Zeichner*innen: Juan Gedeon, Pasqual Ferry
- Seitenanzahl: 116
- Preis: 15 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, idealo, Panini Shop
Artikelbilder: © Panini Comics, Marvel
Layout und Satz: Kai Frederic Engelmann
Lektorat: Alexa Kasparek
Fotografien: Kai Frederic Engelmann
Diese Produkte wurden kostenlos zur Verfügung gestellt.
Dieser Artikel enthält Affiliate-Links. Durch einen Einkauf bei unseren Partnern unterstützt ihr Teilzeithelden, euer Preis steigt dadurch nicht.





















