After Us ist eine Dystopie, denn die Menschheit ist im Jahre 2083 ausgestorben. Nun haben sich unsere nächsten Artverwandten, die Menschenaffen, aufgemacht die Erde zu erobern. Dazu haben sich Horden zusammengetan, die von besonders fähigen Leittieren angeführt werden. Werden sie es schaffen zur dominanten Spezies zu werden?
After Us ist ein Deckbauspiel von Pegasus Spiele, das von Florian Sirieix entwickelt wurde. Es spielt im Jahr 2083, in dem die Menschheit ausgestorben ist. Die Menschenaffen haben sich weiterentwickelt und schließen sich zu Horden zusammen, um die Gegenstände und Technologien der Menschen zu nutzen. Man übernimmt die Rolle des Alpha-Tieres in einer dieser Primatengruppen, um diese an die Spitze der neuen Gesellschaft zu führen.
Das Spiel verspricht mit seinem spannenden Thema, einem innovativen Aktionssystem und den hervorragenden Illustrationen von Vincent Dutrait viel. Die Konkurrenz ist jedoch groß, denn Deckbauspiele, wie beispielsweise Slay the Spire, erfreuen sich großer Beliebtheit. Kann After Us mit dieser Konkurrenz mithalten?
keine besonderen Trigger
Inhaltsverzeichnis
Spielablauf
Das Spielprinzip basiert auf einem recht innovativen Reihenaktivierungssystem. In der ersten Phase jeder Runde ziehen die Spielenden vier Karten ihres Startdecks und legen diese in einer Reihe ab. Auf der unteren Hälfte der Karten sind Boxen abgebildet, die man dadurch schließen muss, dass man sie miteinander verbindet. So bilden sich über die vier Karten, drei übereinanderliegende Reihen aus offenen und geschlossenen Boxen. Nur die geschlossenen Boxen werden von links nach rechts und von oben nach unten aktiviert. Die erste Reihe generiert Ressourcen, die zweite Reihe bringt Siegpunkte und die dritte Reihe bietet Spezialaktionen der einzelnen Primaten.

Schimpansen beispielsweise kopieren das Verhalten anderer Affen, durch diese Sonderfähigkeit können einzelne Boxen erneut gewertet werden. Gorillas scheinen die Haudraufs der Affenwelt zu sein, daher ist ihre Aufgabe Zorn zu generieren. Mittels vier gesammelter Zornpunkte kann man jederzeit eine der ausliegenden Karten abwerfen, um das Deck auszudünnen. Orang-Utans sind die Forscher der Affenwelt, durch sie erhält man wertvolle Batterien, mit denen unter anderem die hinterlassenen Errungenschaften der Menschen aktiviert werden können. Drei dieser menschlichen Artefakte werden am Anfang des Spieles ausgelegt, ihre Effekte können gegen die Bezahlung von Batterien jederzeit genutzt werden. Last but not least sind die Mandrill-Affen diejenigen, die die Gruppe voranbringen, ihre Spezialität sind Siegpunkte.
Nachdem alle ihre Karten unabhängig voneinander ausgewertet haben und die Ressourcen eingesammelt sind, spielt jeder in der zweiten Phase verdeckt einen seiner Aktions-Chips, von denen es jeweils einen pro Affenart gibt, um eine Sonderaktion auszuführen. Außerdem kann man, gegen Bezahlung, nun zusätzlich den ausgespielten Chip eines benachbarten Mitspielenden nutzen.
Danach kann für Ressourcen eine Karte der Affenart gekauft werden, die auf dem eigenen ausgespielten Aktions-Chip abgebildet ist. Die Karten gibt es in zwei unterschiedlichen Leveln, die sich durch Effektstärken unterscheiden. Die neu gekaufte Karte wird, wie bei Deckbuildern üblich, auf den Nachziehstapel gelegt.
In der dritten Phase wird die nächste Runde vorbereitet, alle ziehen wieder vier Karten und es startet die nächste Runde.
Sobald jemand 80 Punkte erreicht oder überschreitet, wird die laufende Runde noch zu Ende gespielt. Wer dann die meisten Siegpunkte hat gewinnt. Besonders das ungewöhnliche Thema erscheint anfangs absolut spannend. Doch trotz der augenscheinlichen Mühe, die sich dabei gegeben wurde, wirkt das Thema leider sehr aufgesetzt.
Das Reihenaktivierungssystem funktioniert gut und es ist recht knifflig eine möglichst gute Reihe zusammenzustellen. Natürlich kann es absolut frustrierend sein, wenn einen das Glück verlassen hat und man die falschen Karten zieht.
Eines der Kernelemente eines Deckbauspieles ist es, neue Karten für sein Deck zu erwerben. Da die Karten verdeckt gekauft werden, ist auch hier Glück maßgeblich. Zudem wird man dadurch, dass nur Karten der Affenart des ausgespielten Aktions-Chips gekauft werden können, massiv eingeschränkt. Wer eine bestimmte Aktion benötigt, aber eine andere Karte kaufen möchte, ist schnell in der Zwickmühle. Hier wären freiere Entscheidungen, welche Karte man kauft, wünschenswert gewesen.

Bei Deckbuildern ist es ab einem bestimmten Punkt wichtig seinen Kartensatz auszudünnen. Um dies zu tun, ist man wiederum gezwungen Gorillas zu kaufen, um Zornpunkte zu erhalten. So wird eine unumgehbare Strategie vorgegeben. Dadurch fühlt man sich leider in der spielerischen und taktischen Freiheit eingeschränkt, was wiederum den Wiederspielwert senkt.
Ein weiterer Knackpunkt ist, dass sich After Us sehr solitär spielt. Die einzige Interaktion ist häufig, wenn sich die Hände der Spielenden beim Greifen der Ressourcen während des Auswertens der eigenen Karten versehentlich berühren. Das Auswerten erfordert ein gewisses Maß an Konzentration, so dass man Mitspielende sogar als störend empfinden kann. Das ist, für unser Verständnis, genau das Gegenteil von dem, was ein Gesellschaftsspiel ausmachen sollte.
So spielt man sich von Runde zu Runde durch den immer gleichen Rundenablauf, welcher so in Fleisch und Blut übergeht, dass immer weniger auf die Mitspielenden geachtet wird. Da muss man sich schon darauf verlassen, dass alle ihre Karten korrekt auswerten, denn das ist ab einem gewissen Punkt nicht mehr nachvollziehbar. Hier steht Schummlern Tür und Tor offen. „Ich mach dann schon mal“ war der am meisten gesagte Satz während des Spielens, ansonsten relative Stille.
Vielleicht ist das Spiel, dank des mitgelieferten Solomodus, etwas für Solospielende. Aber auch hier können wir uns vorstellen, dass das Spiel durch die repetitiven Spielabläufe sicher schnell eintönig wird.
After Us konnte uns nicht wirklich überzeugen. Das Thema des Spieles wirkt auf den ersten Blick absolut spannend, durch seinen solitären, teilweise einschränkenden und repetitiven Spielablauf ist es leider alles andere als das.

Ausstattung
Die gewohnt schönen Illustrationen von Vincent Dutrait fallen positiv auf, leider wurden nur wenige Motive verwendet, so dass auch dieser Anblick schnell eintönig wird. Das Regelwerk ist verständlich und die Ikonographie ist eingängig. Das Material, vor allem aber die Ressourcenmarker aus Holz sind schön. Einzige Ausnahme sind die Batterien, hier wären auch Holz- statt Pappmarker wünschenswert gewesen.
Die harten Fakten:
- Verlag: Pegasus Spiele
- Autor*in(nen): Florian Sirieix
- Illustrator*in(nen): Vincent Dutrait
- Erscheinungsjahr: 2023
- Sprache: Deutsch
- Spieldauer: 40 – 60 Minuten
- Spieler*innen-Anzahl: 1 2 3 4 5 6
- Alter: ab 9 Jahren
- Preis: ca. 20 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon
Bonus / Download-Content:
Das Regelwerk, sowie die Regeln für den Solomodus können hier heruntergeladen werden.
Fazit
Das Artwork von After Us ist toll. Die wunderbaren Illustrationen von Vincent Dutrait sind wieder ein absoluter Hingucker, aber auch hier wurde viel Potenzial liegen gelassen, indem man viel zu wenige unterschiedliche Bilder verwendet hat. Das Thema, bei dem Affen die Nachfolge der Menschheit antreten, klingt absolut spannend. Leider stellt sich während des Spielens heraus, dass das Thema einfach nur aufgesetzt ist und somit austauschbar wirkt.
Der Reihenaktivierungsmechanismus ist innovativ und macht Spaß. Sich die perfekte Aktionskette zusammenzubauen, um dann möglichst viele Ressourcen, Siegpunkte und Sonderaktionen zu erhalten, ist gut gelungen. Das Deckbuilding funktioniert auch gut und rein handwerklich handelt es sich bei After Us um ein gutes Spiel.
Leider verläuft das Spiel viel zu solitär, bis zu dem Punkt an dem wir die Mitspielenden als Störfaktor empfunden haben. Tatsächlich ist dies genau das Gegenteil von dem, was der Kern eines Gesellschaftsspieles sein sollte. Das nimmt schnell die Motivation, das Spiel wieder auf den Tisch zu bringen. Man hat außerdem das Gefühl, nach nur wenigen Partien alles gesehen zu haben, da das Spiel viele taktische Vorgaben macht, die nicht umgangen werden können. Diese strategischen Einschränkungen wiederum senken den Wiederspielwert massiv.
Einzig Solospielenden könnte man das Spiel empfehlen. Aber auch hier können wir uns vorstellen, dass die repetitiven Spielabläufe schnell eintönig werden.
After Us konnte uns leider nicht wirklich überzeugen. Es sind viele sehr gute Deckbuilder auf dem Markt, da ist die Konkurrenz für After Us zu hoch, um hervorzustechen. Wir vergeben drei von fünf opponierbare Daumen.

- Innovativer Spielmechanismus
- Schöne Illustrationen
- Leicht verständlich
- Zu solitär
- Geringer Wiederspielwert
- Glückslastig
Artikelbilder: © Pegasus Spiele
Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat: Susanne Stark
Fotografien: Andreas Memmert
Das Spiel wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.
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