Treffen sich Marktschreierin, Rattenfänger, Verwalterin, Gaukler und Saboteurin am Tavernentresen – nein, das ist nicht der Beginn eines Witzes oder eines Pen-and-Paper-Abenteuers, sondern das Setting des Zweipersonenspiels Tricky Traders von Pegasus Spiele. Bei diesem Spiel ist kein Platz für Konkurrenz, deswegen wird sabotiert, was das Zeug hält.
Tricky Traders ist ein Duell zwischen zwei Gilden, die jeweils eine Monopolstellung auf dem Wochenmarkt anstreben. Die Stände sind aufgebaut und die Kund*innen inspizieren das Angebot. Im Hintergrund werden Intrigen geschmiedet, um zu sabotieren. Denn jede Gilde versucht, die eigenen Stände groß herauszubringen und gleichzeitig die Konkurrenz auszustechen. Wer nach drei Markttagen den meisten Ruhm einheimst, beherrscht den Markt.
Für sein Erstlingswerk wurde Autor Colin Dömer visuell vom Designprofi Dennis Lohausen unterstützt, der Spiele wie Civolution, Die Quacksalber von Quedlinburg – Das Duell und Arche Nova (mit)illustriert hat. Wir haben in die niedliche Schachtel hineingeschaut, um zu erfahren, was das kleine Spiel zu bieten hat.
Spielablauf
Zu Beginn des Spiels befinden sich auf jedem der sieben, kreisförmig angeordneten Marktstände jeweils eine Kund*innen- und eine Rattenfigur. Außerdem haben sich die fünf Persönlichkeiten – Marktschreierin, Rattenfänger, Verwalterin, Gaukler und Saboteurin – jeweils an einen Marktstand gesellt. Doch schon am ersten von drei Markttagen wird diese scheinbare Harmonie auf dem Marktplatz gestört.

Jeder Markttag verläuft über drei Tageszeiten – morgens, mittags, abends. Zu jeder Tageszeit spielen die Kontrahent*innen verdeckt je zwei Karten, mit denen sie Persönlichkeiten bewegen oder deren Aktion nutzen können. Nach dem Ausspielen decken die Spieler*innen ihre Karten auf. Die Karteneffekte werden aufsteigend nach Nummern abgehandelt, sodass es keine feste Zugreihenfolge gibt.
Beide Spieler*innen verfügen über die gleichen 16 Einflusskarten. Die Krux: Spielen beide Parteien die gleiche Karte, verpufft ihr Effekt. Diese Karte kann erst am nächsten Markttag wieder eingesetzt werden. In unseren Testspielen kam so die Aktion des Rattenfängers kaum zum Zug. Das hat uns ziemlich geärgert, denn wenn sich die Anzahl der Ratten nicht verändert, fehlt dem Spiel ein wichtiges Element, das auch für die Zwischenwertungen zählt. Taktieren und das Hineinversetzen in das Gegenüber helfen dabei, die eigenen Karten möglichst effektiv auszuspielen. Und doch kann es auch eine Taktik sein, auf gut Glück die gleiche Karte auszuspielen wie das Gegenüber, um die Aktion oder Bewegung bewusst zu blocken.

Am Ende eines Tages wird abgerechnet: Sind alle drei Tageszeiten gespielt, wurden also sechs Karten ausgespielt, folgt die erste Zwischenwertung. Diese nimmt (anfangs) etwas Zeit in Anspruch, da alle Stände nacheinander abgerechnet werden. Punkte gibt es für die Anzahl an Kund*innen im Verhältnis zu den beiden benachbarten Ständen, die Anzahl der Ratten und den Punktewert der Persönlichkeiten.
Nach der ersten Zwischenwertung entscheiden sich die beiden Kontrahent*innen, welchen Marktstand sie von den beiden zu Beginn ausgeteilten Zielkarten unterstützen und welchen sie sabotieren möchten. Um das Spiel zu gewinnen, muss die erste Gilde möglichst viele Punkte und die zweite Gilde möglichst wenige Punkte erzielen. Die Zielkarten sind in der Regel verdeckt, sodass die andere Person nicht weiß, welche Marktstände das Gegenüber manipulieren will. Das führt zu einer anhaltenden Spannung zwischen den beiden Duellant*innen.

Die Einflusskarten
Beide Mitspielenden haben 16 Karten zur Verfügung: sechs Aktions- und sechs Bewegungskarten, zwei Spezialkarten und zwei Modifikationskarten. Mit den Karten eins bis zehn lassen sich die Persönlichkeiten bewegen oder folgende Aktionen aktivieren:
- Die Marktschreierin wirbt zwei Kund*innen von beiden gegenüberliegenden Marktständen an.
- Der Rattenfänger entfernt eine bestimmte Anzahl Ratten am eigenen und den beiden benachbarten Ständen.
- Die Saboteurin stiftet Chaos: An den benachbarten Marktständen werden je eine Kunden- und eine Rattenfigur verschoben. Übrigens: Steht die Saboteurin auf einem Marktstand, den Marktschreierin oder Rattenfänger beeinflussen, schlägt die Aktion (teilweise) fehl.
- Die Verwalterin tauscht die Positionen ihres aktuellen Marktstandes mit dem Marktstand, der durch die Spielrichtung und die Augenzahl des Tageszeitwürfels angegeben wird.
- Der Gaukler weckt das Interesse, sodass sich alle Persönlichkeiten auf kürzestem Weg einen Schritt in seine Richtung bewegen.
Hinzu kommen die Karten Aktionskarte kopieren und Bewegungskarte kopieren. Diese sind etwas „tricky“, da sie nur mit der Bewegungs- beziehungsweise Aktionskarte in der Farbe einer bereits ausgespielten Karte kombiniert werden dürfen, deren Effekt – Aktion beziehungsweise Bewegung – kopiert werden soll.
Etwas unkomplizierter und selbsterklärend sind die Effekte der beiden Spezialkarten Gruppe auflösen und Richtung wechseln. Und zu guter Letzt gibt es noch die beiden Modifikatorkarten: Gegenrichtung ermöglicht es, den Effekt der anderen gespielten Einflusskarte entgegen der Spielrichtung auszuführen; Alternative Augenzahl erlaubt die Verwendung der unteren Augenzahl des Tageszeitwürfels.

Die Karteneffekte erzeugen ein wildes Gewusel auf dem Markt. Es braucht mindestens ein bis zwei Partien, um die Karteneffekte und die Interaktion untereinander zu durchdringen. Daher haben Personen, die bereits ein paar Partien absolviert haben, einen Vorteil gegenüber Neulingen.
Für Strateg*innen, die gerne Züge im Voraus planen, ist Tricky Traders allerdings nicht geeignet. Immer wieder kommt die Gegenpartei in die Quere. Hier zählt spontane Sabotage statt langfristiger Planung.
Daher zeichnet sich das Spiel durch flexibles Taktieren, eine ordentliche Portion Glück und viel Interaktion aus. Trotzdem bleibt das Spieltempo eher gemächlich wie das Bummeln über den Marktplatz. Besonders mit Grübler*innen am Tisch kann es mal länger dauern.
Ausstattung
Die Schachtel ist kompakt mit überschaubarem Inhalt. Ein funktionales Papp-Inlay sorgt für das geordnete Verstauen der Karten. Eine weitere Aussparung bietet Platz für den Rest.

Die atmosphärisch illustrierten Marktstände sind stabil, aus dicker Pappe und sollten einige Marktwochen überstehen. Die drei Tageszeitwürfel sind aus Holz in unterschiedlichen Farben gefertigt. Für jede Tageszeit ist das passende Symbol auf dem jeweiligen Würfel abgebildet sowie eine reguläre Augenzahl zwischen eins und drei (oben) und eine alternative Augenzahl (unten).
Ein Zip-Beutel ist für die niedlichen Holzfiguren (Kunden, Persönlichkeiten und Ratten) vorhanden. Bei unserem Testexemplar hat sich unter unsere Rattenschar eine Figur mit einem Mangel gemischt, der bei der Produktion offenbar einige Körperteile entfernt wurden. Dies wirkt sich nicht auf unsere Bewertung aus – da hatten wir einfach Pech. Aber für solche und ähnliche Fälle hat Pegasus Spiele glücklicherweise einen Ersatzteilservice, der auf der ersten Seite der Anleitung erwähnt wird.
Die zwölfseitige Spielanleitung ist hervorragend gestaltet, sodass sie keine Fragen offenlässt. Der Spielablauf ist auf drei Seiten erklärt. Zusätzlich sind die Effekte aller Karten beschrieben, mit Illustrationen veranschaulicht und teilweise mit Beispielen unterlegt.
Schade finde ich, dass die Wertungsblätter nur einseitig bedruckt sind. Aber der Block sollte trotzdem für einige Partien ausreichen.
Die harten Fakten:
- Verlag: Pegasus Spiele
- Autor*in(nen): Colin Dömer
- Illustrator*in(nen): Dennis Lohausen
- Erscheinungsjahr: 2025
- Sprache: Deutsch
- Spieldauer: 20 bis 40 Minuten
- Spieler*innen-Anzahl: zwei Personen
- Alter: ab 10 Jahren
- Preis: 24,99 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Pegasus Spiele
Bonus/Downloadcontent
Das Regelheft steht auf der Produktseite von Pegasus Spiele zum Download bereit.
Fazit
Tricky Traders ist ein kleines, aber feines Duellspiel, das sich ganz auf Interaktion und Sabotage konzentriert. Die charmante Markt-Atmosphäre, unterstützt durch die Illustrationen von Dennis Lohausen, sorgt für einen stimmigen Einstieg. Das Spiel lebt von der Spannung, ob die eigene Karte durchkommt oder vom Gegenüber blockiert wird – ein Mechanismus, der für Ärger und Freude gleichermaßen sorgt. Dabei ist der Glücksfaktor nicht zu unterschätzen, denn langfristige Strategien werden oft durchkreuzt. Wer gerne spontan taktiert und sich gegenseitig ausspielt, findet hier genau das Richtige.
Die Ausstattung ist solide: Stabile Marktstände, hübsche Holzfiguren und eine sehr gute Anleitung rechtfertigen den Preis von knapp 25 Euro. Der Wiederspielreiz ist vorhanden, da jede Partie anders verläuft, doch die Lernkurve begünstigt erfahrene Spieler*innen gegenüber Neulingen.
Insgesamt ist Tricky Traders ein kurzweiliges, interaktives Zweipersonenspiel, das weniger auf tiefgreifende Strategie als auf cleveres Taktieren und gegenseitiges Ausbremsen setzt. Für Paare oder feste Spielpartner*innen, die Spaß an kleinen Gemeinheiten haben, lohnt sich die Anschaffung. Wer hingegen langfristige Planung und komplexe Strategien bevorzugt, wird hier weniger glücklich.
Aus unserer Sicht würden 4 von 5 Kund*innen dieses Spiel weiterempfehlen.

- Gute Ausstattung und klare Anleitung
- Hohe Interaktion und spannende Blockade-Mechanik
- Atmosphärische Illustration
- Viele Karten können Einstiegshürde sein
- Zwischenwertungen stören Spielfluss
- Hoher Glücks- und Ärgerfaktor
Artikelbilder: © Pegasus Spiele
Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat: Giovanna Pirillo
Fotografien: Michelle Saarberg
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.
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