Mit Verbreitung des Tabletop-Hobbys wachsen auch die Angebote für Transportlösungen. Für eine komplette Armee kommt dabei auch bei günstigen Anbieter*innen schnell ein hübsches Sümmchen zusammen. Dabei lassen sich mit wenigen Hilfsmitteln, die sich im Baumarkt, der Drogerie oder dem eigenen Haushalt befinden, bereits gute Transportmittel schaffen.
Das handwerkliche Geschick, welches dabei erforderlich ist, hält sich dabei ebenso im Rahmen wie der finanzielle Einsatz. Schick und professionell wie die Boxen von Safe and Sound oder die Taschen von Feldherr werden diese wahrscheinlich nicht, aber zweckdienlich sind sie am Ende allemal. Und schlussendlich will man ja die schönen Modelle und nicht deren Boxen auf das Spielbrett bringen.
Keine bekannten Trigger.
Inhaltsverzeichnis
Packen, wickeln, haften, kleben – Hauptsache keine Bewegung
Grundsätzliches Ziel beim Transport ist zum einen möglichst wenig Bewegung der Modelle und zum anderen möglichst wenig Druck auf den Modellen zu haben. Modelle in Bewegung reiben an der Verpackung oder aneinander, was Farbverlust bis hin zu abgebrochenen Details bedeutet. Ebenso kann zu viel Druck auf einem filigranen Detail ebenso dazu führen, dass dies verbiegt oder bricht.
Um dies zu verhindern, gibt es, bis zur Verbreitung einer erschwinglichen Stasisfeldlösung, zwei Möglichkeiten: Entweder werden die Modelle mit geeigneten Materialien ummantelt oder freistehend punktuell fixiert.
Das Ummanteln lässt sich in der Regel so sicher gestalten, dass sich diese Modelle kaum noch bewegen. Ob Luftpolsterfolie, Küchenrolle oder Packpapier, mit wenig Aufwand sind die kostbaren Figuren schnell und stoßsicher eingewickelt. Die große Gefahr hierbei besteht jedoch vor allem für Modelle mit sehr filigranen Details. Resinmodelle sind aufgrund der Brüchigkeit besonders gefährdet, aber auch bei Metall und Plastik kommt es zu unerfreulichen Ereignissen. Feste Verpackung, Druck auf die Transportbox oder doch ein wenig Spiel beim Modell sorgen für traurige Folgen und ängstlich gezückte Klebertuben.
Diese Gefahr besteht bei der punktuellen Fixierung nicht. Werden Modelle mittels Magneten auf einem haftenden Untergrund freistehend fixiert, sind die Details vorerst sicher. Natürlich ist kaum ein Magnet stark genug, einen Fall aus einem Meter Höhe abzusichern. Zudem gibt es Hersteller*innen, die es für eine gute Idee halten, komplexe Modelle nur an einem kleinen Punkt mit der Basis zu verbinden. Ohne zusätzliche Verstärkung entsteht hier schnell eine Sollbruchstelle.
Im Hinblick auf Transport sind am Ende individuelle Lösungen gefragt, die auf dem Material und der Komplexität des Modells und dem eigenen Anspruch an die Sicherheit beruhen. Im Folgenden wollen wir einige davon vorstellen, in der Hoffnung, Inspiration und Impulse zu geben.
Gut verpackt ist halb gewonnen – von Werkzeugkästen und Schuhkartons
Ein Großteil der Verpackungen sind heutzutage Wegwerfprodukte. Dabei entdeckt man genau dort immer wieder gute Transportlösungen. Viele Versandkartons lassen sich mit einem ausgekleideten Pappraster in individuelle Truppencontainer verwandeln. Entsprechend beschriftet lassen sich aus so eingelagerten Figuren schnell entsprechende Armeen für den Spieleabend zusammenbauen.
„Einfach mal ausprobieren“ ist oft eine hilfreiche Devise, um zu überraschenden Erkenntnissen zu kommen. So lassen sich Modelle mit einer 25 mm Base wunderbar in einen Eierkarton drücken. Mit etwas Watte oder Schaumstoff von oben und an den Seiten fixiert, hat man seine Truppen gleich wunderbar in Zehnertrupps sortiert.
Auch jenseits dessen, was sonst in der blauen Tonne landet, lassen sich gute Transportbehälter finden. In Werkzeugkisten, Schmuckschatullen und Schraubenboxen lassen sich mit etwas Federung vom kleinen Skirmishertrupp bis hin zur Großarmee gute Lösungen finden. Zudem sind diese Behälter ohne das Präfix „Miniatur-…“ deutlich günstiger und dienen am Ende doch genauso gut demselben Zweck. Hier hilft es, mit offenem Blick durch den Baumarkt oder den Ein-Euro-Laden zu schweifen.
Passgenau und etwas kostenintensiver wird es mit Rasterschaumstoff. Dieses Material gibt es in fast allen Größen zu kaufen. Hierbei handelt es sich um in Quadraten vorgeschnittenen Schaumstoff, aus dem sich durch einfaches Heraustrennen einzelner Schaumstoffschlangen ein passgenauer Ausschnitt für das entsprechende Modell bauen lässt. Die herausgetrennten Schlangen lassen sich ihrerseits wieder perfekt zum Abfedern von kleinen Fächern nutzen.
Wie auch immer sich das Transportbehältnis am Ende gestaltet, bleiben zwei Dinge wichtig. Die Modelle sollten am Ende keinen oder kaum Spiel haben (schon gar nicht miteinander in Berührung kommen), um größere Schäden zu vermeiden. Die Verpackung sollte andererseits möglichst nicht auf filigrane Kleinteile drücken, da diese sich schnell verabschieden. Sollte dies nicht möglich sein, bietet sich eine Alternative besser für den Transport an: die punktuelle Fixierung.
Anhängliche Modelle – mit Klebeband und Eisenfolie zum Turnier
Wer die Gefahren, die ein Ummanteln mit sich bringt, gerne vermeiden will, ist prädestiniert für eine lange Freundschaft mit zahlreichen Neodym-Magneten. Mithilfe dieser lassen sich tatsächlich die meisten Modelle sichern und eine ganze Bandbreite an Boxen in wunderbare Transporter umfunktionieren.
Als Gegenstück funktionieren sowohl einfache Metallplatten und -bleche als auch selbstklebende Eisenfolien. Während erstere überwiegend noch stärkeren Halt bieten, sind Eisenfolien wesentlich einfacher zuzuschneiden und lassen sich auch ohne Flex, Stanzer oder Blechschere einfach anpassen.
Ganz einfach lassen sich so in mittleren bis großen Kisten ganze Armeen einfach transportieren. Allerdings gehen besonders schwerere Modelle, beispielsweise aus Metall, durch kleine Vibrationen und Stöße manchmal auf Wanderschaft. Ein aufgerauter Untergrund, ein aufgeklebtes Raster oder punktgenaue Haftstellen unter Hohlbases sorgen hier für gute Abhilfe.
Wer seinen Transportbehälter auch gleichzeitig als Display Case nutzen möchte, findet zahlreiche transparente Kästen und Boxen in den unendlichen Weiten des Internethandels. Mithilfe der Magnete entstehen hier schnell kleine Ausstellungskästchen, die im Regal eine gute Figur machen und die Armeezusammenstellung zu einer echten Heerschau werden lassen.
Eine sehr einfache und platzsparende Variante lässt sich mithilfe einer Briefablage der Firma Ikea herstellen. Die mit Kork beschichteten metallenen Einschübe lassen sich einfach wenden und an der Rückwand mit Magneten fixieren. So bekommt man einen flexiblen Kasten, aus dem sich einzelne Einschübe mit Modellen platzsparend unterbringen und elegant transportieren lassen. Mit einer einfachen Tasche für Overlock-Nähmaschinen lässt sich das Ganze auch noch wunderbar und handlich tragen. Für unter 60 Euro und mit minimalem Aufwand bekommt man so eine ansehnliche Anzahl von Modellen sicher transportiert.
Einfache und schnelle Hilfe kann auch Teppichklebeband bieten. Aus diesem beidseitig klebenden Klebeband und einem Joghurteimer lassen sich beispielsweise sehr sichere Transportmöglichkeiten für große filigrane Figuren herstellen. Das Modell wird kurzerhand unter den Deckel geklebt und wird durch den umgebenden Plastikeimer und das fest haftende Klebeband gut geschützt und gehalten. Lediglich das Klebeband muss hier von Zeit zu Zeit ausgewechselt werden.
Fazit
Es muss nicht immer die teure, professionelle Lösung sein! Mit ein wenig Kreativität und Alltagsgegenständen lassen sich sichere und stilvolle Transportmöglichkeiten für Miniaturen gestalten. Egal ob aus Werkzeugkisten, Eierkartons oder selbstklebenden Eisenfolien – der DIY-Ansatz bietet eine Fülle von Optionen, die nicht nur kostengünstig sind, sondern auch eine persönliche Note verleihen. Ob kleine Truppencontainer zur perfekten Armeeorganisation oder eine Kombination aus Transportkästen und Präsentationsfläche – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Mit minimalem handwerklichem Geschick und cleverem Einsatz von Materialien entstehen so individuelle, effektive und budgetfreundliche Lösungen, die den teuren „professionellen“ Produkten in nichts nachstehen und manchmal sogar noch besser passen. Warum also nicht einfach ausprobieren und eigene kreative Transportlösungen für die kostbaren Miniaturen schaffen?
Layout und Satz: Mika Eisenstern
Lektorat: Lidia Strauch
Fotografien: Geoffrey Förste
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.


















