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Star Wars’ neuester Eintrag, die Disney+-Serie The Acolyte, wird nach einer Staffel nicht weitergehen. Einer Reihe durchschnittlicher bis positiver Reviews stand eine Menge Wut von Fanseite gegenüber, schon vor der Veröffentlichung. Woran liegt diese Distanz zwischen den Medien und ihren Konsumenten?

Am meisten genossen habe ich an The Acolyte den Blick auf die Jedi als religiöse Organisation. Und ich bin mir recht sicher, dass Schöpferin Leslie Headland und ein Teil des sonstigen kreativen Teams hier aus Erfahrung sprechen beziehungsweise schreiben.

Keine Graue Jedi
Keine Graue Jedi, aber ein grauer Charakter – Master Indara (Carrie-Ann Moss) © Disney

Allein das Thema dieses Absatzes ist schon fast ungewöhnlich für einen Kommentar zu The Acolyte. Und potenziell wird er schon einen relevanten Teil der Star Wars-Community auf die Barrikaden bringen, denn er spricht der Serie genug Qualität und Kompetenz zu, um solche Themen überhaupt reflektieren zu können. Dieser Teil der Fangemeinde schimpft über Logikfehler, schlechte Dialoge, Wokeness und politische Korrektheit, das Geschlecht und den ethnischen Hintergrund der Hauptdarstellerin und vieles mehr. Woran liegen die heftigen Reaktionen, die man in den Weiten von TikTok und anderen sozialen Medien erleben kann?

Mein Star Wars!

Eine berechtigte Annahme wäre natürlich die Serie selbst. Das wäre aber bei aller Kulanz für persönlichen Geschmack zu viel. The Acolyte bekam von reputabler Seite viele gute Kritiken, dazu einige ausgeglichene. The Daily Beast kritisiert es beispielsweise als simples Mehr vom Selben in einer langen Reihe von Disney-Produktionen mit Lichtschwertern und Raumschiffen. Das klingt kaum nach provokantem Diskussionsstoff.

Bazil (Hassan Taj) in Lucasfilm’s THE ACOLYTE, season one, exclusively on Disney+. ©2024 Lucasfilm Ltd. & TM. All Rights Reserved.

Meine persönliche Meinung geht in eine ähnliche Richtung: The Acolyte ist eine gute Serie. Sie öffnet das Star Wars-Universum in eine neue Richtung und ist am Ende der High Republic – einer beliebten Zeit, die davor nur in Büchern und Comics thematisiert wurde – interessant verortet. Hauptdarstellerin Amandla Stenberg spielt in einer Doppelrolle hochklassig, wie auch Lee Jung-jae, Dafne Keen und viele weitere. Gleichzeitig hat die Serie merkliche Längen und räumt den falschen Mysterien zu viel Zeit ein, das Finale funktioniert nicht ganz und ein paar traditionelle Star Wars-Elemente wirken drangeklatscht, plakativ und überflüssig. Ich hätte der Serie 3,5 Sterne gegeben und mich am Ende, da wir keine halben Sterne vergeben, für 4 entschieden. Alles nichts Besonderes und eigentlich nicht anstößig.

Jedi Padawan Jecki Lon (Dafne Keen) in Lucasfilm’s THE ACOLYTE, exclusively on Disney+. ©2024 Lucasfilm Ltd. & TM. All Rights Reserved.
Triggerwarnungen

Erwähnung von Online-Mobbing, Erwähnung von Sexismus, Erwähnung von Rassismus, Erwähnung von Ableismus, Erwähnung von Queerfeindlichkeit

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Somehow, facism returned

Schauen wir uns statt dem Kritisierten die Kritisierenden an, ist das ergiebiger. Einen Teil der Kritik kann man recht schnell abtun – und tut das auch gern deutlich. Die Ethnie der Hauptdarstellerin hat zum Beispiel mit der Qualität der Serie und in diesem Fall auch mit ihrem Inhalt nichts zu tun. Amandla Stenberg hat übrigens auch nie wie online behauptet gesagt, The Acolyte sei dazu da, weiße Menschen zum Weinen zu bringen. Der dazu kursierende Clip aus einem Interview bezieht sich auf die Buchverfilmung The Hate You Give, in der es um rassistische Diskriminierung und Polizeigewalt geht.

Gibt es schwarze Elfen? Für Lord of the Rings-Fans vor kurzem eine heiß diskutierte Frage. © Amazon

Diese manipulativen Taktiken sind nichts anderes als faktenverdrehende, neurechte Stimmungsmache. Phantastische Medien und ihre Fangemeinden sind schon lang ein Schlachtfeld dieses reaktionären Kulturkampfes. Das ist beklagenswert und widerlich. Alle derartigen Falschmeldungen und Verdrehungen auszuhebeln, ist aber nicht Ziel dieses Artikels. Zu dem Thema wurde schon viel Intelligentes gesagt.

Alle Kritik an The Acolyte als rechte Propaganda abzutun, wäre allerdings zu simpel. Ein anderer Teil der Kritik ist einfach Geschmackssache. Man kann sich über den Stil der Dialoge auslassen, genau wie in vielen anderen Star Wars-Filmen und Serien auch. Das eine Star Wars mit albernen Dialogen zu lieben, verpflichtet nicht dazu, sie an anderer Stelle zu mögen.

Wirklich sprechend ist der Teil der Kritik in der Mitte zwischen beiden Extremen. Dabei geht es weniger um das Gesagte. Die Jedi werden nicht als die heldenhaften Lichtgestalten dargestellt, die Obi-Wan in der Originaltrilogie Luke beschreibt. Diese oder jene Figur ist vielleicht zu niedlich oder humoristisch angelegt. Eine Serie mit einer weiblichen Hauptfigur gefällt manchen nicht. Die Antwort ist im Kern immer dieselbe: Dann schau es dir nicht an.

Wie aus einem cinematischen Intro von The Old Republic. Mir gefällt’s. © Disney

Die Meinung ist also nicht das Problem, sondern der Ton, in dem sie geäußert wird. Dass man auch aufgrund unterschiedlicher Meinungen zu Star Wars niemandem Hassnachrichten schicken darf, dass man sich nicht von Rechtspopulisten vor den Karren spannen lassen sollte – all das muss dabei glaube ich unter zivilisierten Menschen nicht mehr diskutiert werden. Und das ist auch hier nicht der Punkt.

Jenseits des Kulturkampfs?

Das Toxische an Fandoms geht jedoch nicht erst bei expliziter Beleidigung oder Diskriminierung los. Review Bombing mit negativen Nutzerreviews, bevor eine Serie überhaupt erschienen ist; feindlich gesinnte Fans zu Social-Media-Posts mit anderer Meinung zu lenken; aggressive oder emotionale Posts, die Diskussionen persönlich werden lassen … Das Problem beginnt da, wo andere Perspektiven nicht mehr willkommen sind.

Ironischerweise erinnert mich die innere Logik eines Fandoms manchmal an eine Religionsgemeinschaft. Beides sind soziale Zirkel, deren Mitglieder sehr heterogen sein können und deren Grund zusammenzukommen für die Allgemeinheit etwas seltsam wirkt. Weder die persönliche Beziehung zu höheren Mächten noch die Liebe für ein bestimmtes Franchise sind inhärent politisch. Doch beides wird quasi unweigerlich und notwendigerweise politisiert – wenn auch aus sehr unterschiedlichen Gründen.

Beide Gemeinschaften behaupten auch gerne, aufgeschlossen und egalitär zu sein, ohne diesem Anspruch immer gerecht werden zu können. Man kann Bücher damit füllen und hat es schon getan, warum das in Kirchen so ist, aber mangelnder Änderungswille gehört ziemlich sicher fast immer zu den Übeltätern. Und dasselbe kann man auch über Fandoms sagen.

Gesellschaft: Mittendrin statt nur dabei

Dass Fangemeinden und ihre öffentliche Wahrnehmung schon immer von weißen, mittelständischen Männern geprägt waren und es weiterhin sind, ist vermutlich ebenfalls kein umstrittener Fakt mehr. Dass sie genauso einen Zustrom an Frauen und weiblicher Sichtbarkeit und Hörbarkeit erfahren haben, dass sie sich wie alle anderen Teile der Gesellschaft mit der Geschichte des Kolonialismus und Eurozentrismus, mit LGBTQ+-Fragen oder mit Ableismus auseinandersetzen, geschenkt.

Doch bei Medien, gerade phantastischen Medien wie Star Wars, kommt auch ein Moment des Eskapismus dazu. Diese Idee von Eskapismus haben wir als Freunde der Phantastik oft genug gegen gesellschaftliche Angriffe verteidigt. Nicht zuletzt daraus entstand auch die Nerd-Subkultur.

Perry-Rhodan-Cover von 2022 und 2023. © Pabel-Moewig

Wir müssen uns allerdings von der Vorstellung verabschieden, dass diese Subkultur automatisch progressiver ist als die Gesamtgesellschaft – eine Gesamtgesellschaft, deren Mainstream sich so oder so immer weiter zerfasert und an Geltungsmacht verliert. Selbst wenn die Original-Trilogie-Fans von damals, die Tolkien- oder Perry Rhodan-Expert*innen und die D&D-Spieler*innen der ersten Stunde nicht genauso gealtert wären, selbst wenn sie ihre Kinder auf dieselben Schulen und Unis geschickt hätten wie alle anderen, unsere Identität beginnt und endet nicht beim Nerdsein.

Natürlich ist dies eine Subkultur, die weiblichen Heldinnen eine Bühne geboten hat, die in anderen Genres nicht vorstellbar war, auch gefeiert von den weißen, mittelständischen Männern, die die Tonangeber waren und immer noch sein wollen. Der Eskapismus der Phantastik funktionierte von Anfang an auch für Frauen. Trotzdem enthielt er immer ein zutiefst konservatives, veränderungsresistentes Moment. Eskapismus bedient sich des Vertrauten, Heimeligen, der Erinnerung. Und er kreiert daraus ein recht schwer zu fassendes Gefühl, das sich ob seiner fehlenden Definiertheit auch schnell angegriffen wähnen kann.

Die einzigen Nerds, die sich jemals der Illusion hingeben konnten, dass ihr Nerdsein quasi in unvergleichlichem Maße ihre Identität definieren würde, waren die, die ansonsten nie auf ihr Anderssein gestoßen wurden. Frauen waren immer auch Frauen, queere Menschen immer auch queer. Sie wurden nie ausschließlich durch ihr Interesse an Phantastik vom Mainstream herausgefordert.

Die Anderen

Nun fordert der gesellschaftliche Wandel unserer Zeit die bisher Normalen. Und es ist eine unangenehme Erfahrung, so viele grundlegende Wahrheiten des Alltags und der eigenen Identität infrage gestellt zu sehen. Ich bin selbst trans und habe mehr als 25 Jahre mit all den Privilegien eines weißen Mannes gelebt. Die Erfahrung, diese zu verlieren, gleicht einem Kulturschock.

Netflix’ Neuauflage von She-Ra: Princess of Power (1985) © Netflix

Man ist für ein wenig Eskapismus dankbar. Dann schleicht sich aber die neue Perspektive, die plötzlich das ganze Leben durchzieht, auch dort ein. Charaktere, Storys und Ideen wirklich plötzlich anders. Oft wirken sie problematischer, weniger vertraut und heimelig. Diese für mich so überraschende und unangenehme Perspektive ist für vollständig weiblich sozialisierte Menschen teilweise natürlicher, teilweise ein Ergebnis langer kritischer Denkprozesse, um die viel zitierte normative Kraft des Faktischen in ihre Grenzen zu weisen. Aber am Ende ist die Perspektive ähnlich.

Den neuen, vielfältigen Perspektiven gegenüber stehen Menschen, die sich als Teil einer durch Angriffe und Diskriminierung genauso wie durch gemeinsame Liebe zu den Storys zusammengeschweißten Gemeinschaft sehen. Sie kennen die fundamentaleren, oft existenzbedrohenden Erfahrungen nicht. Aus dieser Perspektive sind Nerds, ist Fandom ein Schutzraum gegen ein gemeinsames Anderes. Aus der Perspektive der Marginalisierten ist derselbe Fandom von den gleichen Problemen durchzogen wie der Rest ihres Alltags.

Neue Stimmen in einer Galaxie vor langer, langer Zeit

Nun ist auch die Emanzipationsbewegung, ebenso wie die queere Bewegung, nicht mehr neu, ihre Mitglieder nicht mehr zwingend jung. Mehrere Generationen haben ihre Kinder auf Schulen geschickt und sie haben Arbeitsplätze gefunden, zum Beispiel in der Filmindustrie. Sie haben geholfen, Fandom zu normalisieren. Und sie schaffen eigene Werke – aus ihrer Perspektive.

In allen Diskussionen um die vermeintlichen Schwächen von The Acolyte, von The Marvels, von Dutzenden anderen Filmen, Serien, Büchern, Spielen und so weiter, geht es immer wieder um Logikfehler. Charaktere und Ereignisse, die in der etablierten Logik der Welt beziehungsweise Galaxie keinen Sinn machen, sind nerdigen Imaginärkulturintellektuellen, Wiki-Schreibern und Weltenbauern aller Coleur ein Graus. Doch die Deutungshoheit über diese Logik ist umstrittener, als es selbst den Streitenden manchmal bewusst ist.

In diesem Bild ist Ki-Adi-Mundi versteckt. In Begleitmaterial vor 20 Jahren war er noch wesentlich jünger. © Disney

Menschliches Handeln (und in der Verlängerung das der Twi’Leks, Elfen und so weiter, die sie kreieren) ist eine enorm komplexe Sache, die Motivationen dafür noch viel mehr. Die oben angesprochenen Neuschöpfungen, sei es nun The Acolyte, Star Trek: Discovery oder auch She-Ra and the Princesses of Power, sind Ausdruck einer fundamental anders gelebten Wirklichkeit als ihre Vorlagen und Vorgänger. Während letzteres Beispiel aber für sich allein steht und im Kern eine Kinderserie ist, schließen neue Star Wars– und Star Trek-Produkte direkt an gigantische, etablierte Universen an. Sie erweitern und modifizieren ihre Realität und müssen sich darum auch mit den dazugehörigen Fandoms auseinandersetzen.

Hassobjekt von gestern: Michael Burnham (Sonequa Martin-Green) in Star Trek: Discovery. © Paramount

Die vielen Logiken phantastischer Welten

Nun steht natürlich sofort das Argument im Raum, die Kritik an solchen Veröffentlichungen basiere nicht primär auf Motivationen einzelner Charaktere. Sie sei gegründet auf dem angeblichen Bruch mit den harten, unverrückbaren Regeln und Realitäten des phantastischen Universums – unbestreitbar ein wichtiger Faktor, um phantastische Erzählungen nicht in Beliebigkeit ausarten zu lassen.

Es ist jedoch erstaunlich, wie schnell man wieder auf menschliche Motivationen und Fehler stößt, wenn man diese Argumente zurückverfolgt.

Diese Technologie ist unmöglich? Warum?

Ein Charakter hat dies gesagt?

Warum ist diese Aussage auf jeden Fall korrekt?

Weil sie auf dem Wissen einer utopischen Gesellschaft basiert?

Utopisch für wen? Und entwickelt sie sich nicht mehr weiter, auch ihre Wissenschaft nicht? Warum ist das nächste Raumschiff dann schneller?

Viele wissenschaftliche Wahrheiten wurden im Laufe der Menschheitsgeschichte widerlegt, auch Wahrheiten, die die größten Köpfe ihrer Zeit im Brustton der Überzeugung als absolut wahr vertreten hätten.

Ein Schritt weitergehend folgen phantastische Universen natürlich nicht nur ihren eigenen, inneren Logiken. Sie sind immer auch narrativ. Und Narration hat ihre eigenen Bedürfnisse. Wir nennen es berechtigterweise einen Logikfehler, wenn die narrative Logik schlicht macht, was sie will. Doch wo uns diese Probleme irritieren und wo wir sie im Sinne der Suspension of Disbelief ignorieren können, hängt wiederum von unseren gelebten Erfahrungen ab. Schließlich beklagt sich niemand, dass all die skurrilen und außergewöhnlichen Phänomene immer der Enterprise über den Weg laufen.

Letztlich legen viele der neueren Produktionen, die für derartige „Logikfehler“ angegriffen wurden, ihre erzählerischen Prioritäten schlicht anders. Es ist allgemein eine Unart selbsternannter Medienkritik, sich am minutiösen Aufkochen von angeblichen Fehlern abzuarbeiten. Doch besonders leidet darunter ein erzählerischer Stil, der den Anschluss an sein Setting viel mehr ästhetisch und emotional sucht, der in der konkreten Logik Leerstellen lässt. Hier wird davon ausgegangen, dass Brüche einer fiktiven historischen Kontinuität sie für ein Publikum im vielstimmigen 21. Jahrhundert eher glaubwürdiger wirken lassen.

Fazit

Derartige Ansätze erschließen im besten Fall sogar Raum für neue Geschichten. Es wäre spannend, einmal die Querverbindungen zu Fanfiction und ihren Erzähltechniken zu betrachten, wo derartige Auslassungen und Umdeutungen quasi fundamental sind und die ebenfalls jung, weiblich und queer geprägt sind. Beiden gemein ist in jedem Fall der Wunsch nach einer produktiven Rezeption durch den Fandom. Und diese Herangehensweise ist nicht neu. Marvel sandte Fans viele Jahre lang Dankesbriefe, wenn sie für Fehler in den Comics kreative Lösungen fanden. Lösungen dieser Art müssen nicht einmal hundertprozentig konkret sein. Eine produktivere Perspektive der Fans auf Brüche und Neuheiten in ihrem Universum wäre aber auch jenseits der Debatte um die nächste Aufregerserie und die toxischen oder einfach negativen Fanreaktionen wünschenswert.

Ein Sith, 100 Jahre vor The Phantom Menace. © Disney

Letztlich muss man Fans, die mit The Acolyte (oder seinen Vorgängern in der Tradition, veränderungsresistente Fansegmente zu provozieren) ein fundamentales Problem haben, schlicht und ergreifend ins Gesicht sagen, dass nicht mehr alles in ihrem Universum für sie gemacht ist. Das ist eine Erfahrung, die andere Teile ihres Fandoms gar nicht anders kennen. Man muss dies tun können, ohne jeder Kritik gleich eine rechte Gesinnung zu unterstellen. Man muss aber auch die Parallelen zwischen Konservatismus in Fandoms und gesamtgesellschaftlichen Tendenzen diagnostizieren können. Natürlich muss man bei all dem auch darüber sprechen, dass es keine monolithischen Blöcke weiß-männlicher und anderer Fans gibt, dass Frauen The Acolyte nicht ausstehen dürfen, wie leicht es ist, Luke Skywalker als queeren Helden zu verstehen.

Und keine Diskussion funktioniert wirklich ohne eine Betrachtung der wirtschaftlichen Kontexte. Zu The Acolytes wirtschaftlicher Validität ist beispielsweise viel gesagt worden. Im Zentrum stand dabei die Frage, wie viel die aggressiven, lautstarken Reaktionen einiger Fansegmente zur Absetzung der Serie beigetragen haben. Es wurden verschiedene Zuschauerzahlen postuliert und infrage gestellt. Erik Kain hat in einem bissigen Kommentar für Forbes etwa die Kosten pro Minute verschiedener Star Wars-Serien verglichen. Dagegen lässt sich argumentieren, dass Serien auf Streamingplattformen andere Funktionen erfüllen, Abonnenten halten sollen und ähnliches. Letztlich lässt sich nicht abschließend festnageln, welche Motivation in einem Mediengiganten wie Disney zu welcher Entscheidung führt. Menschen, die von sich behaupten, nur die nackten Zahlen zu betrachten, verpassen meist einen Teil des Kontexts. Und dieser Kontext ist oft genug wieder verknüpft mit menschlichen Motivationen.

Osha (Amandla Stenberg) © Disney

Fast sicher lässt sich aber sagen, dass die Wut und der Hass gegenüber The Acolyte einen Einfluss auf die nächsten Projekte haben wird, die Disney im Star Wars-Universum platziert. Und das ist ein Verlust. Denn diese Projekte werden kommen. So profitorientiert ist Disney ohne Frage. Ob mir dieses oder jenes Projekt nun schlussendlich zusagt, ich bevorzuge ein vielfältiges Angebot an Star Wars. Natürlich würde ich gern jede Ecke meiner geliebten Universen kennen, alle Veröffentlichungen dazu lesen, sehen, hören und spielen und dabei nichts konsumieren, das mich nervt oder langweilt. Doch mir erlaubt das mein Alltag sowieso nicht.

Die aggressiven Kampagnen gegen The Acolyte können „gewinnen“ und einen Unterschied in ihrem Franchise machen. Eine kreative Reaktion darauf ist nun – und das ist im Fall von The Acolyte in diesem Ausmaß neu – die Kritik karikaturistisch auf die Original-Trilogie zu beziehen. Plötzlich kann man mit der Macht also Blitze aus den Händen schleudern? Lukes Ausbildung funktioniert in wenigen Tagen oder Wochen off-screen? Derartige Ansätze tun nichts anderes, als eskapistische Nostalgie auszuhebeln und die Debatte damit mehr auf Augenhöhe zu bringen. Ich wünsche mir, dass auch dies von Disneys Entscheidungsträger*innen wahrgenommen wird.

 

Artikelbilder: © Amazon, Disney, Netflix, Pabel-Moewig, Paramount
Layout und Satz: Melanie Maria Mazur
Lektorat: Sabrina Plote

4 Kommentare

  1. Ich finde den Hass, der der imaginären Disney-Agenda entgegenschlägt, ebenfalls unerträglich und widerlich. Trotzdem kann ich mich dem Artikel nur zum Teil anschließen.

    Ich finde es unglücklich, Logiklöcher/schlechte Dialoge mit Wokeness/politischer Korrektheit in einen Topf zu werfen. Das eine sind nachvollziehbare Kritikpunkte, das andere sind rechte Dog Whistles. Und was das Script angeht, kann man The Acolyte leider schon einiges vorwerfen – etwa, dass sie das Potential von „hat sie es getan oder war es doch ihre tot geglaubte Schwester“ nicht ausgereizt haben.

    Man hat ja da den direkten Vergleich mit Andor, einer Star-Wars-Serie, die nicht nur exzellent geschrieben ist, sondern ebenfalls ein queeres Paar hat.

    Meine Befürchtung ist, dass schlechte Scripts bei queeren Besetzungen doppelt schädlich sind – zum einen, weil sie dem Produkt an sich schaden, zum anderen aber auch, weil sich Rechtsextreme und Hater dann durch die (berechtigte) Kritik bestätigt fühlen. Das sollte nicht so sein, ist aber leider Realität…

  2. In meinen Augen stören sich die meisten Fans nicht an den vermeintlich Woken Inhalten, sondern an den zunehmen katastrophalen Drehbüchern. Denn ein schlechter Film (bzw. Serie) bleibt ein schlechter Film, egal ob er Woke ist oder nicht.
    Wenn dann aber die Macher versuchen das schlechte Drehbuch mit Wokness zu übertünchen, so nach dem Motto „ja, das Drehbuch ist toll, weil es Woke ist …“, dann führt das halt zu einer generellen Ablehnungsreaktion gegen Woke Inhalte.
    Ich glaube von mir selbst, dass es mir ziemlich egal ist, ob die Charaktere in den Filmen männlich, weiblich, farbig, quer usw. sind. Aber wenn Sie sich (die Charaktere) derart dämlich benehmen, dass ich mich Frage, wie Sie in diesem Universum überhaupt so lange überleben konnten und mir dabei noch eingeredet wird, dass die total toll und schlau sind, dann fühle ich mich verarscht.
    Der Youtube Kanal „MovieAmphs“ hat bei der Serie Ahsoka mal getitelt „ein Universum voller Vollidioten“. Die Protagonisten handeln vollkommen idiotisch und die Handlung kommt dennoch voran, weil die Antagonisten genauso doof sind …
    Und leider haben MovieAmphs damit recht. Das sind keine kleinen Logikfehler, sondern Logiklöcher von der Größe des Todessterns!
    Und insbesondere dem letzten Absatz des Artikels muss ich widersprechen. In der Original-Trilogie gibt es halt nicht derartige haarsträubenden Logiklöcher:
    In dem ersten Film hat Luke so eine gewisse Vorahnung, in dem zweiten Film trainiert er wochenlang bei einem Jedi-Meister, was uns übrigens nicht nur per Exposition gesagt, sondern gezeigt wird. Und wenn er den Jedi-Meister vorzeitig verlässt, ist er seinem Vater noch lange nicht gewachsen. Und erst im Dritten Teil, nachdem Monate oder Jahre vergangen sind, ist er halbwegs ein Jedi. Dem Imperator aber noch lange nicht gewachsen. Diesen besiegt er nur durch die Hilfe seines Vaters.
    Dem gegenüber sind die neueren Protagonisten wie z.B. Rey in der neuen Trilogie oder auch Sabine in Ahsoka sogenannte „Mary Sue“-Charaktere. Da schnippen die Drehbuchautoren einmal mit den Fingern, und Sabine wechselt von „keine Machtnutzung“ zu „schleudert Ezra etliche hundert Meter durch die Luft“.
    Generell werden die den neuen Serien die Fähigkeiten der Charaktere nach belieben ein und ausgeschalten, wie es gerade gebraucht wird. Und wenn man versucht die persönliche Motivation und Integrität eines Charakters zu ergründen, bekommt man förmlich ein Schleudertrauma.
    Und genau das ist das Problem der neuen Produktionen. Man kann weder die Charaktere noch die Handlungsstränge nachvollziehen. Von Verbindung zu diesen Charakteren herstellen ganz zu schweigen.

  3. „In meinen Augen stören sich die meisten Fans nicht an den vermeintlich Woken Inhalten, sondern an den zunehmen katastrophalen Drehbüchern. Denn ein schlechter Film (bzw. Serie) bleibt ein schlechter Film, egal ob er Woke ist oder nicht.“

    Ich greife mal das Kommentar von meinem Vorkommentierer auf und unterstreiche das.
    Ahsoka war nicht grandios. Als Rebells Fan konnte ich es aber ertragen weil endlich Rebells Charaktere in Echt.
    Book of Boba Fett wollte ich gut finden aber nach Folge 3 war endgültig klar, dass der neue Boba Fett nichtmehr der alte Rücksichtslose Bounty Hunter war der er in über 40 Jahren aufgebaut wurde. Also Italo Western Gunslinger der schießt und garnicht fragt.

    Im Artikel wird angesprochen dass sich die Fans damit abfinden müssen das Fandoms umgebaut werden. Nein müssen wir nicht. Erst recht nicht, wenn etwas neues Gebaut wird, was das alte umbaut, oder noch schlimmer wenn bestehende Charaktere auf einmal umgebaut werden.

    Fandoms sind Immersionsräume die nicht logisch sein müssen. In einer fiktiven Welt müssen nicht ALLE sich ständig ändern. Wie in einer Geschichte ist die Böse Königin Böse. Weil sie Böse ist. Sie hat keine traurige Kindheit, sie ändert nicht kurz vor Ende ihren Charakter weil sie nur ihre Familie beschützen will oder ähnliches. Sie ist der Villain. Boba Fett ist der Bounty Hunter, Han Solo ist der nette Schmuggler.

    Die Produktionen der letzten Jahre zerstören erstens bekannte feste Figuren: Han, Luke, Indiana Jones in alte grumpy Penner. Zweitens bekommen die Bösen auf einmal eine Backstory wie Shir khan. Sei es 101 Dalamatiner, Familienorks, Orks in DnD.

    Das zerrüttet nicht nur die Lore, es zerrüttet das geordnete Narativ einer Fantasywelt. Es zerquatscht es im Stuhlkreis der Autoren. Und hinterher ist das Universum genauso scheiße wie die echte Welt. Alles ist fucking grau.

    Star Trek TNG und DS9 hatten idealistische Sternflottenmenschen die an den humanismus und den Fortschritt geglaubt haben. In DS9 wurden der idealismus hart geprüft da sie sich in einem föderationsbedrohenden Krieg wiederfanden.
    Picard Staffel 1-2 und Discovery zerrütten das. Und als Discovery aus dem Scherbenhaufen des Klingonischen Kriegs nicht mehr raus kommt in einer komplett geschredderten Lore springt man in die Zukunft. Um da dann nicht mehr auf Befehle zu hören.

    Sam Gamdschie sagt: „There is some good in this world and it’s worth fighting for“
    Die Föderation, der Jedi Orden, Gondor, Regierungen, Wahrheit, das Gute. Alles nicht perfekte Konstrukte aber sie streben nach dem Guten.

    The Acolyte war ein Stuhlkreis der die Jedi als Böse Macht-Kulturimperialisten darstellen wollte. Und nichtmal das gut gemacht hat.

  4. Der wahrscheinlich schlechteste Artikel, den ich auf dieser Seite je gelesen habe.
    Eine derart hochgestochene Sprache mit unglaublich verschachtelten Sätzen gepaart mit einer allwissenden Arroganz.
    Der böse weiße Mann ist an allem Schuld und alles was ihm gefällt wird mit Regenbogendampfwalzen platt gemacht, da muss er sich dran gewöhnen! Selbst schuld, wenn dem vor 40 oder 50 Jahren irgendwas gefallen hat, dass so erfolgreich war, dass es bis heute überdauert hat. Fan sein ist schlecht, alles Neue ist immer gut, egal wie schlecht gemacht.

    Mag sein, dass diese, wie andere Serien nicht sooo schlecht sind, wie das immer wieder unterstellt wird, mag sein, dass rassistische frauenhasser die Besetzung nicht mögen, aber berechtigte, sachliche Kritik muss man dann auch Mal ertragen können, ohne gleich alle Fehler mit aggressivster Gegenwehr wegzubügeln. Man kann ‚the accolyte‘ gut finden und auch verteidigen, weil man die Serie gut findet, aber bitte nicht auf diese Art.
    Lasst die alten Charaktere leben, lasst die neuen queeren Charaktere von ihnen lernen, statt sie zu Witzfiguren zu machen. Bringt mehr freuen in den Film, aber keine Mary Sues, aber vor allem sollten gute Geschichten gemacht werden, die alte und neue Fans gleichermaßen abholen.

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