Die Imperialen Ritter sind Sinnbild für die Majestät und Zerstörungskraft des Imperiums – haushohe Kriegsmaschinen, gelenkt von edlen Piloten, die in einer feudalen Gesellschaft leben. Diese stolzen Kriegerhäuser kämpfen Seite an Seite mit der imperialen Armee und den Adeptus Astartes, oft mit dem Gewicht ganzer Kriegszüge auf ihren Schultern. Ihre Taten sind in Ehre getränkt, ihre Entscheidungen vom Codex ihrer Häuser bestimmt – doch auf dem Schlachtfeld kennt ihre Entschlossenheit keine Gnade.
Eigentlich wurde das neue Armeebuch zeitgleich mit den Chaos Knights angekündigt und somit erwartet. Aber endlich hat das sehnsüchtige Warten ein Ende! Nun erhält diese Armee keine einfachen Anpassungen mehr, sondern den vollständigen Codex und somit erhält man frische Regeln, strategische Optionen und einige Einblicke in die Traditionen und Kriegstaktiken der Häuser. Gleichzeitig wird die Modellreihe um einen mächtigen Neuzugang erweitert: den Trutzritter. Diese neue Variante bringt nicht nur ein bereits bekanntes Design mit sich, sondern erweitert auch die taktischen Möglichkeiten der Armee um eine starke Defensivplattform mit hohem Feuerpotenzial.
In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf das neue Armeebuch und das Modell des Knight Defender, des Weiteren schauen wir uns die ersten Änderungen an und klären, ob sich die Investition für Veteran*innen und Neueinsteiger*innen gleichermaßen lohnt.
Inhaltsverzeichnis
Eingraben und halten! – Der Zusammenbau des Knight Defenders
Der Zusammenbau des Knight Defender gestaltet sich, wie von den Imperial Knights gewohnt, erfreulich unkompliziert – besonders für jene, die bereits Erfahrungen mit anderen Imperial-Knight-Modellen gesammelt haben. Der Körper des Modells basiert auf dem bekannten Chassis der Questoris-Klasse, wodurch der Aufbau vertraut wirkt und zügig von der Hand geht. Die Passgenauigkeit ist gewohnt hoch, Gussfehler sind nicht zu erkennen, und der Detailgrad der Bauteile beeindruckt erneut mit feinen Gravuren und ikonischer Ritterästhetik.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen die neu gestalteten Waffen und der Schildgenerator, die das Modell klar von seinen Vorgängern unterscheiden. Die Waffen – deutlich abgerundeter geformt als die kantigen Ausführungen früherer Varianten – stechen nicht nur optisch hervor, sondern fügen sich auch harmonisch in das Gesamtbild des Modells ein. Das elegante Design des Knight Defender wirkt modern und bedrohlich, bleibt aber dem klassischen Ritterstil treu. Der Schildgenerator auf dem Rücken der Panzerplatten betont seine neue defensive Rolle. Allerdings bleibt festzuhalten, dass es sich nicht um eine neue Ritterklasse handelt. Der Trutzritter nutzt weiterhin das bekannte Grundgerüst der Questoris-Plattform, was zwar die Kompatibilität mit bestehenden Teilen vereinfacht, aber auch bedeutet, dass sich die tatsächlichen baulichen Neuerungen in Grenzen halten. Wer auf tiefgreifende Veränderungen oder ein vollständig neues Modell gehofft hat, wird hier etwas enttäuscht.
Die Galaxie hat noch Ehre – Das Armeebuch
Die Grundzüge der Armeeregel Codex der Ritterlichkeit haben sich nicht verändert: Nach wie vor muss eine Tat vollbracht werden, damit die Armee als ehrenhaft gilt und ein armeeweiter Bonus gewährt wird. Allerdings wurde die Art und Weise angepasst, wie Tat und Bonus miteinander verknüpft sind. Während früher jede Tat direkt an einen bestimmten Bonus gekoppelt war, können Tat und Bonus nun unabhängig voneinander entweder gewählt oder zufällig bestimmt werden. Jede Armee schwört daher einen Eid.
Entscheidet man sich dafür, Tat und Bonus selbst auszuwählen, erhält man zwei Befehlspunkte, wenn der Eid erfüllt wurde. Lässt man hingegen beides zufällig bestimmen, werden einem drei Befehlspunkte gewährt bei der Erfüllung. Diese dürfen sogar über das übliche Limit von Eins hinausgehen, das pro Spielerzug für erhaltene Befehlspunkte gilt. Insgesamt stehen drei verschiedene Taten und drei passende Boni zur Verfügung, aus denen gewählt oder gewürfelt werden kann für einen Eid.
Ein Beispiel für eine Tat ist Wir schwören, das Reich zurückzuerobern…. Diese gilt als erfüllt, wenn man am Ende des gegnerischen Spieler*innenzugs mehr Missionsziele kontrolliert als die Gegenseite. Ein möglicher Bonus dazu wäre … und wir stellen uns dieser Herausforderung voller Eifer Dieser verleiht allen imperialen Rittern einen Bonus von +2 auf den Bewegungswert sowie +1 auf Vorrücken- und Angriffswürfe.
Unverändert gegenüber dem Index geblieben sind die Regeln für Edelknechte, Überschwere Läufer und Freiklingen.
Neben dem bekannten Grotmas-Kontingent verfügt die Armee nun über vier weitere Kontingente, die unterschiedliche Spielstile unterstützen. Grob zusammengefasst gibt es ein vorrückendes, ein defensives, ein sehr flexibles sowie ein knappenfokussiertes Kontingent. Werfen wir einen genaueren Blick auf die beiden letztgenannten Varianten.
Das Kontingent Questris-Gefährten erlaubt es der Armee, im Verlauf des Spiels eine zweite Tat zu erfüllen. Wird auch diese zweite Tat erfolgreich abgeschlossen, erhält man dafür zwar nur einen zusätzlichen Befehlspunkt, eröffnet sich dadurch jedoch eine taktische Flexibilität. Die Armee kann so auf veränderte Spielsituationen reagieren und gezielt zusätzliche Boni freischalten, um sich besser auf den Feind einzustellen.
Das Kontingent Bewaffnete Speerspitze hingegen legt den Fokus auf den Einsatz von Knappen. Die Edelknecht-Regel wird in diesem Kontingent deutlich verbessert: Statt wie üblich nur einen Knappen zu wählen, dürfen nun bis zu drei Knappen von der jeweiligen Sonderregel des Ritters profitieren. Wird zudem die Tat der Armee erfüllt und sie gilt somit als ehrenhaft, erweitert sich die Reichweite der Edelknecht-Regel sogar auf 15 Zoll. Als zusätzlichen Vorteil erhalten die Knappen das Schlüsselwort Linientruppen, was ihnen in bestimmten Missionen eine entscheidende Rolle bei der Missionszielkontrolle verleiht.
Dennoch fällt auf – insbesondere beim letzten Kontingent – dass die Auswahl an Knappen nach wie vor recht eingeschränkt ist. Im Vergleich zu den Chaosrittern ist die Vielfalt deutlich geringer. Eine größere Auswahl an Knappen wäre wünschenswert, um diesem Spielstil mehr Tiefe zu geben.
Jedoch stellt sich die Frage: Was genau hat sich an den Rittern verändert? An den Waffenprofilen wurde wenig verändert, nur einzelne Werte wurden angepasst. So wurde beispielsweise der Durchschlag des Plasmadezimators des Kastellanritters um 1 erhöht. Deutlich tiefgreifender fallen hingegen die Änderungen bei den Sonderregeln aus. Nahezu jede Regel der Ritter wurde entweder stark überarbeitet oder vollständig neu formuliert.
Ein Beispiel ist die überarbeitete Mentor (Edelknecht)-Regel des Preceptor-Ritters. Diese ermöglicht es nun, Verwundungswürfe der betroffenen Knappeneinheit vollständig zu wiederholen – ein klarer Zugewinn an Zuverlässigkeit. Auch die Regel Vorbild des Kodex wurde verändert: Statt wie bisher alle Trefferwürfe gegen eine markierte feindliche Einheit wiederholen zu dürfen, darf der Ritter nun seine Verwundungswürfe gegen das Ziel wiederholen. Wird dieses Ziel vollständig ausgelöscht, darf eine neue gegnerische Einheit als Ziel markiert werden.
Ein weiteres Beispiel ist die überarbeitete Sonderregel Ungestüme Pracht des Schwertknappen. Diese verleiht dem Modell nun zusätzliche Attacken, jedoch nur dann, wenn es selbst angegriffen hat – eine Regel, die offensives Spielverhalten belohnt.
Die gravierendste Änderung betrifft jedoch die Profilwerte der Modelle selbst. Jedes Knappenmodell hat nun einen um 1 gesenkten Widerstand und einen um 2 reduzierten Missionszielkontrollwert. Im Gegenzug erhalten diese Modelle allerdings zwei zusätzliche Lebenspunkte. Ähnliche Änderungen gelten auch für die Ritter der Questoris- und Dominus-Klasse, die jeweils vier zusätzliche Lebenspunkte erhalten haben.
Besonders interessant ist das neue Modell, der Trutzritter. Er basiert auf dem Profil der Questoris-Klasse und übernimmt die zuvor beschriebenen allgemeinen Änderungen. Neu ist vor allem sein verbesserter Rettungswurf von 4+, der auf einem integrierten Schildgenerator basiert.
Zu seinen Hauptwaffen zählt der Konversionsstrahlobliterator, der über die Sonderregeln Trefferhagel W3 und Konversion verfügt. Letztere sorgt dafür, dass jeder Trefferwurf von 4+ gegen ein Ziel in über 18 Zoll Entfernung als kritischer Treffer zählt – eine starke Synergie mit Trefferhagel, da die erhöhte Reichweite den Schaden potenziell drastisch steigert. Die Waffe hat eine Reichweite von 36 Zoll, drei Attacken mit Trefferwürfen auf 3+, eine Stärke von 12, einen Durchschlag von -2 und verursacht 4 Schaden pro Treffer.
Die zweite Hauptwaffe, der Plasmavollstrecker, ähnelt dem Plasmadezimator des Kastellanritters, weist jedoch in beiden Profilen jeweils einen geringeren Durchschlag auf. Zusätzliche Kleinfeuerwaffen runden das Waffenarsenal ab und eignen sich gut zum Ausschalten geschwächter Einheiten.
Auch der Knight Defender verfügt, wie jeder Ritter, über eine eigene Edelknecht-Regel namens Pflicht des Trutztritters (Edelknecht). Diese verringert den erlittenen Schaden von Knappen, die in seiner Nähe operieren, um 1 – was deren Überlebensfähigkeit spürbar erhöht.
Die zweite Sonderregel des Modells, Selbstloser Beschützer, unterstreicht seine Rolle als Verteidiger eindrucksvoll. Befindet sich der Knight Defender zwischen einer teilweise verdeckten Ritter-Einheit und dem Angreifer, gewährt er ihr Deckung und zusätzlich den verbesserten 4+-Rettungswurf, Damit verkörpert das Modell eindrucksvoll das Sinnbild eines selbstlosen Beschützers, der sich hütend vor seine Verbündeten stellt.
Die harten Fakten:
- Verlag: Games Workshop
- Erscheinungsjahr: 2025
- Sprache: Deutsch
- Preis:
- Knight Defender 150,00 EUR
- Codex: Imperial Knights 47,50 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, KuTaMi
Fazit
Der neue Codex führt die Imperial Knights in die nächste Edition, ohne ihre ritterliche Essenz zu verlieren. Die Kernregel bleibt bestehen, doch die neue Verknüpfung von Taten und Boni sorgt für spürbar mehr Flexibilität. Mit den frischen Kontingenten können Spieler*innen gezielt Schwerpunkte setzen und so ihre Armee noch stärker an den eigenen Spielstil anpassen.
Dennoch sind nicht alle Wünsche erfüllt. Vor allem die Auswahl an Knappen ist weiterhin eingeschränkt, wodurch manche Spielansätze nur bedingt funktionieren. Auch modellseitig bleibt der große Wurf aus – der Knight Defender ist eine Variante des vertrauten Questoris-Chassis, kein völliger Neuentwurf. Die Änderungen an den Profilwerten – weniger Widerstand und Missionszielkontrolle, dafür mehr Lebenspunkte – verschieben die Balance, deren Auswirkungen sich erst am Tisch zeigen werden.
Deutlich greifbarer sind die Überarbeitungen der Sonderregeln, die klarer gefasst und oft spielstärker wirken. Mit dem Knight Defender kommt zudem ein Modell hinzu, das die Idee des Beschützers sichtbar macht: defensiv ausgerichtet, doch mit genug Feuerkraft, um den eigenen Anspruch zu untermauern. Damit bietet der Codex Veteran*innen wie Neueinsteiger*innen lohnende neue Ansätze, auch wenn er nicht alle offenen Punkte adressiert.

- Knight Defender erweitert die Armee um ein schlüssiges, defensives Modell
- Neues Armeebuch mit frischen Regeln und erweiterten Optionen
- Kaum modelltechnische Neuerungen über das Questoris-Chassis hinaus
- Fehlende Knappen-Klassen im Vergleich zu Chaos Knights
Artikelbilder: © Games Workshop
Layout und Satz: Dominic Niederhoff
Lektorat: Rick Davids
Fotografien: Robert Wolfes
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.
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Als Spoiler der Hinweis „Keine Trigger“ ist auch mal schön (mit einem Augenzwinkern gesendet)
Redaktion und Lesern ein schönes Wochenende :-)
Tatsächlich gab es hier nun eine redaktionelle Änderung. Wenn es keine Trigger gibt, wird das nur ein kleiner grauer Kasten. Hier war es noch im Übergang des Prozesses und habe ich selbst fix editiert.
Vielen Dank für die Rückmeldung; ich sehe ddie Umstellung als sehr positive Entwicklung.
Tatsächlich ein Zufallsfund, den ich aber natürlich niemandem vorenthalten möchte, da er thematisch ja eine regelrechte Herzensangelegengeit meinerseits behandelt: die (mMn eher un)gute neumodische Triggerwarnung.
Sehr lesenswert, wenn auch relativ viel (auf Wissenschaft basierender) Text.
Daher für die Redaktion und andere Leser sicherlich interessant.
https://www.gwup.org/skeptiker-artikel/sonstiges/achtung-triggerwarnung/