Die Vorfreude auf Großcons oder die eigenen Lieblingscons ist jedes Jahr riesig. Doch nicht nur böse Endgegner und fiese NSC müssen wir jedes Jahr überwinden, auch der Weg zur Con selbst kann eine herausfordernde Quest sein. In diesem nicht ganz ernst gemeinten Artikel, gehen wir diesen Weg zur Con gemeinsam.
Wer kennt sie nicht, die großen und kleinen Problemchen, denen man sich stellen muss, bevor man endlich im Freundeskreis entspannt eine Con genießen kann? Grade der Weg zur Con könnte so entspannt sein, wenn es keine anderen Menschen gäbe, die genau das gleiche wollen. Die die schönsten Dinge in unserem Hobby mit uns gemeinsam haben. Etwa den Wunsch, eine beliebte Con zu besuchen – und zwar möglichst günstig. Die den Wettlauf um Tickets, um den besten Lagerplatz und den schnellsten Weg zur Con zu einer Herausforderung machen, die sich vor keinem Plot verstecken muss. Welchen Herausforderungen wir uns auf dem Weg zum Con-Erlebnis stellen müssen, schauen wir uns in diesem nicht ganz ernst gemeinten Artikel gemeinsam an. Konkret werfen wir hier einen Blick auf die ersten Schritte zur Con: den Ticketverkauf und die heimischen Vorbereitungen.
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Ein knappes Jahr vor der Veranstaltung: Ich gegen alle – der Kampf um die Tickets
Freitags, 9:00 Uhr:
Endlich ist es so weit. Dank harter Kämpfe bei der Urlaubsplanung und verpasster Familienfeiern haben wir es geschafft, den Zeitraum der Con freizubekommen. Nun steht der Vorfreude nichts mehr im Weg. Nichts mehr – außer der Tatsache, dass wir noch ein günstiges Ticket benötigen, bei dem wir nicht die Seele unseres Erstgeborenen verkaufen müssen. Leider stoßen wir hier auf ein kleines Problem, gegen das die verpasste goldene Hochzeit der Eltern schnell verblasst.
Unser Weg zu unserem halbwegs bezahlbaren Ticket ist nämlich überraschend beschwerlich. Denn bedauerlicherweise übersteigt die Anzahl an Interessent*innen die Anzahl an verfügbaren günstigen Tickets bei weitem. Es gibt viel zu viele Störende, die uns unser Ticket wegschnappen wollen. Und leider interessiert den Veranstalter nicht, dass niemand das Ticket so verdient hat, wie wir. Also stürzen wir uns in den digitalen Kampf um unseren absolut berechtigten und verdienten Platz.
Stunden vor Beginn des Ticketverkaufs starten wir unseren Rechner und rufen die Tickethomepage auf. Unser Puls ist ruhig, wir sind entspannt und zuversichtlich. Wir melden uns zum ersten Mal seit längerem (also exakt seit einem Jahr) in unserem Kundenkonto an. Passwort oder Nutzer*innenname ist falsch. Wir versuchen es erneut. Passwort oder Nutzername ist falsch.
Langsam rückt der Beginn des Ticketverkaufs näher. Wir melden uns zum dritten Mal an. Passwort oder Nutzername ist falsch. Mit Blick auf die Uhr werden wir langsam nervös und versuchen es erneut mit denselben Anmeldedaten. Wir sind drin, grade noch rechtzeitig.
Freitags, 13:00 Uhr:
Der Uhrzeiger steht auf der vollen Stunde, der Vorverkauf startet. Optimistisch legen wir eine Karte in unseren Warenkorb und klicken auf „Zur Kasse gehen“.
Die Seite stürzt ab.
Wir rufen die Seite erneut auf, um den Bezahlvorgang abzuschließen. Unsere Karte ist aus dem Warenkorb verschwunden. Unser Puls beschleunigt sich. Glücklicherweise ist das absolut kein Unglück, denn noch sind Tickets vorhanden. Also wählen wir einfach eine neue aus und schließen den Kaufvorgang ab.
Die Seite stürzt ab – erneut.
Unser Gemütszustand ist bestimmt nur auf fünf Kaffee zum Frühstück zurückzuführen. Wir drücken die F5-Taste. Wir haben nun zwei Tickets im Warenkorb. Da aus Gründen der Fairness jede*r nur eine Karte kaufen kann, ist unser Bestellvorgang ungültig und wird abgebrochen. Glücklicherweise haben wir noch eine alte Ersatztastatur im Keller und können nach kurzer Zeit unseren nächsten Anlauf starten.
Parallel dazu bekommen wir in den einschlägigen sozialen Medien mit, wie sich die ersten über ihre Tickets freuen, die sie errungen haben. Wir gönnen sie ihnen doch von Herzen. Vollkommen. Ohne Einschränkungen. UNSERE Tickets gingen da weg. An Leute, die nicht wie wir seit zwanzig Jahren dabei sind, alle Orgas mit Zweitnamen kennen. Wie kann es sein, dass die ein Ticket haben und wir nicht? Wer stand denn damals beim Fall von Weltenwacht in der ersten Schlachtreihe – die oder wir? Und überhaupt, warum haben die denn alle Zeit, sich Tickets zu kaufen, müssen die nicht arbeiten? Lauter faules Pack, das sich unsere Tickets unter den Nagel reißt. Die sind fast so schlimm wie der Veranstalter, der es wieder nicht hinbekommt, dass die Verkaufsphase reibungslos läuft und die Server halten. Jedes Jahr ist es das gleiche, wir haben es schon immer gesagt.
Freitags, 13:13 Uhr:
Zeitgleich mit unserer leicht angespannten Stimmung steigt auch die Zahl der vorfreudigen Posts. Langsam nähert sich das günstige Kontingent dem Ende. Absolut nichts bekommen die hin, dabei haben wir doch letztes Jahr sogar extra vor Ort noch lautstark unsere Meinung zum Besten gegeben, wie der Ticketverkauf besser abläuft, so dass auch wirklich die die Tickets bekommen, denen sie zustehen. Alles Unfähige und Idioten dort, man kann es gar nicht laut genug in die sozialen Medien rufen.
Freitags, 13:14 Uhr:
Während wir unserem rechtschaffenen Zorn Raum geben, meldet sich plötzlich die automatisch neuaufgerufene Anmeldeseite. Unsere Ticketbestellung ging durch. Schnell bestätigen wir den Kauf und bekommen unsere sehnsüchtig erwartete Bestellbestätigung.

Wir haben es immer gewusst, die Orga weiß, was sie tut. Endlich wurde das Bestellsystem vernünftig durchgeführt. Keine Ahnung, warum sich grade haufenweise Leute in den sozialen Medien beschweren, der Ticketverkauf sei kompliziert und fehleranfällig. Offensichtlich funktioniert doch alles. Überhaupt, wie kann man nur die Orga kritisieren, das sind doch alles hart arbeitende Ehrenamtliche, die sich hier verausgaben. Denen muss man einfach Respekt zollen, statt sich so aufzuregen.
Doch nun, da wir endlich unser Ticket haben, kann die Con kommen. Dank der ersten Ticketkategorie haben wir dieses Jahr sogar noch Geld gespart und schonen unser armes Konto.
Monate bis zur Nacht davor: Ich gegen die Zeit – Vorfreude und Beschaffen von Ausrüstung
Dieses Jahr werden wir nur das Nötigste mit zur Con nehmen. Die Zeiten des unnötigen Geldausgebens sind endgültig vorbei. Immerhin sind wir schon lange dabei, da hat sich ein großer privater Fundus angesammelt, der unseren Ausrüstungsbedarf vollkommen deckt. Neuanschaffungen sind also nicht nötig. Natürlich müssen wir dort angemessen stilvoll aufkreuzen, um entsprechend Eindruck zu machen. Aber wir sind optimistisch, dass das dieses Jahr ohne größere Kosten oder größeren Aufwand geht. Weder Kaufrausch noch Bastelorgie werden nötig sein.
Als erstes befreien wir unsere Gewandung aus dem dunklen, kalten Keller, in den wir sie nach der letzten Con verbannt haben. Die Anprobe ergibt, dass uns die Gewandung des letzten Jahres nicht mehr passt. Vermutlich ist sie im Keller eingegangen. Diese Erklärung ergibt am meisten Sinn, denn auch die ältere Gewandung aus der Zeit vor Corona scheint betroffen zu sein, diese hat es sogar noch schlimmer erwischt. Gute Lagerung ist eben wichtig. Wir blicken auf den Kalender. Die Con ist noch knapp vier Monate hin, wir haben zum Glück noch jede Menge Zeit für eine neue Gewandung.
Dreieinhalb Monate später:
Der Blick in den Kalender ergibt, dass es langsam Zeit wird, dass wir uns um unsere Gewandung kümmern. Da wir aber genau wissen, wie unser Charakter, ein hochmittelalterlicher Ritter, aussieht, können wir zeit- und kostenintensive Experimente diesmal übergehen. Genaugenommen müssen wir nur unsere vorhandene Gewandung etwas weiten und schon steht alles.
Fünf Tage später:
Beim Weiten der Gewandung kam uns noch eine gute Idee, wie wir sie durch eine Kleinigkeit bedeutend aufwerten können. Als Ergebnis haben wir im hohen dreistelligen Bereich Stoff bestellt, um unseren Renaissance-Kaufmann perfekt verkörpern zu können. Die Con geht zwar übermorgen los, aber dank Premiumexpressversand sollten die Stoffe spätestens morgen ankommen, so dass wir das Wichtigste noch hinbekommen werden und den letzten Feinschliff dann im Auto auf dem Weg zur Con abliefern können.
Der Tag vor der Con:
Wir bekommen eine E-Mail, die Stoffe kommen mit drei Wochen Verspätung – es gab wohl Lieferprobleme. Wir sind sehr verständnisvoll. Wirklich. Alles gar kein Problem. Dann kaufen wir unsere Gewandung eben bei den immer günstigen und qualitativ hochwertigen Händlern vor Ort, deren große Auswahl zutiefst beeindruckend ist und bei denen unser Charakter auch garantiert nicht aussieht, wie von der Stange. Und wir weinen grade auch nicht, unsere Augen schwitzen Wasser. Schwitzen tut auch unser restlicher Körper, denn wir waren so auf unsere neue Gewandung fokussiert, dass wir leider vergessen haben, uns um alles andere zu kümmern.
Mit zunehmender Hektik tragen wir daher nun in der Dämmerung Berge an Kisten aus unserem Keller, verwandeln unser Wohnzimmer in eine chaotische Trümmerlandschaft und versuchen auf die Schnelle zu entscheiden, was in diesem Meer an Larp-Gerümpel essentiell für die nächste Woche ist und was wir daheim lassen können. Alte Fahnen und Wappen werden aus dem staubigen Keller geholt und erstrahlen in der sinkenden Sommersonne in neuem Glanz. Waffen und Rüstung werden abgestaubt und kritisch beäugt. Rost und Latexkrebs haben sich einen Wettlauf geliefert, aber für eine Con geht’s noch – so hatten wir vor drei Jahren beschlossen und zu unserem Wort stehen wir jetzt natürlich immer noch. Lediglich einen neuen Helm werden wir uns wohl noch zulegen, die alten vier passen irgendwie vom Stil her nicht mehr ganz zum Charakter.
Mitten in unsere zunehmend manischer werdenden Vorbereitungen kommt aus unserer Chatgruppe plötzlich die Hiobsbotschaft schlechthin. Unsere designierte Fahrerin hat leider kein Ticket bekommen – ja, wir staunen alle, wie ihr das erst jetzt auffallen konnte – und muss deshalb kurzfristig die Con absagen. Das Handy glüht, während die Gruppe panisch nach Alternativen sucht. Dass der eingeplante Sprinter nun ebenfalls nicht reserviert wurde und man so kurzfristig keinen mehr findet, macht die Lage nicht unbedingt besser.
Notgedrungen müssen wir das grade eben fertig Gepackte wieder auspacken und reduzieren, um dem weggefallenen Transportplatz Rechnung zu tragen. Eine große Herausforderung, haben wir doch bereits nur das Allernötigste eingepackt.

Schweren Herzens gelingt es uns am Ende dennoch, uns von unserem Steckbett und der Kaltschaummatratze zu trennen. Auch der Spezialschwenkgrill mit dem übergroßen Fassungsvermögen muss nun leider daheim bleiben. Ein trauriges Schicksal, das er mit fünf Speeren, drei Äxten, einer Lorica Segmentata und zwei Breitschwertern teilt, die wir bei der Geschäftsaufgabe unseres Lieblingswaffenbauers erstanden haben und die wir bestimmt irgendwann auf Con mal brauchen werden. Mit letzten Kräften gelingt uns die Abwägung, ob wir lieber den 20-Liter-Kanister Met oder die Reiseproviantbox daheim lassen. Am Ende siegt die Vernunft.
Die benötigte Ladefläche so um gut zwei Drittel reduziert, schaffen wir in der inzwischen kompletten Dunkelheit mit letzten Kräften alles in unser Auto, mit dem wir nun am frühen Morgen zu einer mehrstündigen Fahrt quer durch Deutschland aufbrechen werden. Doch immerhin haben wir das Schlimmste nun hinter uns. Das Ticket ist da, das Auto ist gepackt, endlich kann es sorgenfrei losgehen. Anreise, Check-In und Aufbau werden garantiert ein Klacks …
Artikelbilder: © Nabil Hanano, DrachenFest UG
Layout und Satz: Andreas Hübner
Lektorat: Saskia Harendt


















