Die Feiertage – welche auch immer gefeiert werden – stehen vor der Tür. Das löst bei vielen ganz unterschiedliche Gefühle aus, nicht immer nur positive. So manche*r sehnt sich vielleicht danach, dem Trubel zu entfliehen, und ganz eigene Festivitäten zu gestalten. Warum also nicht für nächstes Jahr schon einmal eine Weihnachts-Con planen?
Wer das Gefühl nicht kennt, werfe den ersten Stein: Da sitzt man Heiligabend am Familientisch, Onkel Herbert wird politisch, Tante Ursula fragt, was das Liebesleben so macht, Oma hat wieder vergessen, dass Hühnchen nicht vegetarisch ist und man selbst schaut unter dem Tisch verstohlen aufs Handy. Via Discord und WhatsApp erreichen uns stumme Hilferufe unserer Larpfreund*innen, die in ähnlich gelagerten Kreisen der Festtags-Hölle ausharren und uns alle eint ein Gedanke: Nächstes Jahr wird alles anders…
Vielleicht läuft es nicht ganz so dramatisch ab bei den meisten, doch wer – wie diese Autorin – eher vom Typ Grinch den Weihnachtstagen entgegensieht, sehnt sich so manches Jahr nach einer Alternative zum klassischen Feiertags-Miteinander. Nicht alle Feiertage zum Jahresende sind so sehr mit dem Thema Familie verknüpft wie Heiligabend und die darauffolgenden Tage. Auch über Ostern finden häufig Veranstaltungen statt. Silvester-Cons sind bereits seit langem ein gängiges Larp-Format und erstrecken sich über so ziemlich alle Liverollenspiel-Genres von Fantasy bis Vampir-Larp. Warum also nicht einmal eine Weihnachts-Con veranstalten und das Feiern, Schenken und Beschenktwerden den Charakteren überlassen? Streut man dann noch einen kleinen Plot ein, wird garantiert keine Langeweile aufkommen.

Ja, aber was sollen wir denn feiern?
Die erste Frage, die sich stellt in unserem Unterfangen, den diesseitigen Feiertagen zu entgehen, lautet, was wir mit unseren Freunden denn stattdessen feiern möchten? Denn auch wenn es ja genau darum geht, Weihnachten einfach mal Weihnachten sein zu lassen, so möchten wir ja doch eine stimmungsvolle Atmosphäre genießen. Es darf gern nach Lebkuchen und Tannenzweigen duften, wenn nur das Drumherum ein etwas anderes ist, das uns erlaubt, auf unsere eigene Art und Weise abzuschalten.
Hier liefern die meisten Hintergründe dank eigenem Jahreslauf und Pantheon bereits ein Äquivalent mit, das als Anlass dienen kann.
Sei dies nun ein klassisches Mittwinter- oder Sonnenwendfest, ein ausgedehnter Jahreswechsel oder eine Art ausgelassener Karneval, vielleicht auch der Feiertag einer spezifischen Gottheit. Hier können Geschenke oder Gebete, laute oder besinnliche Feiertraditionen im Vordergrund stehen.
Vielleicht gibt es auch die ein oder andere IT-Geschichte, die sich zum Auftakt verlesen lässt.
Wer im eigenen oder im Hintergrund der Gäst*innen so gar nichts findet, kann sich auch im Historischen oder im Neopaganismus inspirieren lassen und gegebenenfalls auch verschiedene Festtagsbräuche mischen. So kann vielleicht ein Plot-Ansatz das Besänftigen einer Verwandten der Julkatze sein, bei dem die Spielenden die Aufgabe bekommen, ein etwas anderes Ritual durchzuführen, das das gegenseitige Beschenken beinhaltet. Wenn das gefürchtete Tier dann noch als schön gespielter NSC auftritt, ist der Abend bereits gut ausgefüllt.
Wer es düsterer mag, kann vielleicht ein paar Wesen der Dunkelheit wie Trolle oder Kobolde bemühen, sodass es auch an den Feiertagen eine Chance auf Plot für die Kämpfenden unter den Charakteren gibt. So muss auch niemand seinen Frust an Onkel Herbert auslassen.
Sollte sich in der Location genug Platz, ein Anschluss für Musik und vielleicht ein*e Tanzmeister*in finden, ist auch für die Friedfertigeren für ausreichend Bewegung gesorgt.

Vorbereitung ist alles: die richtige Location
Wer nach einer stimmungsvollen Location für eine Weihnachts-Verweigerer-Con sucht, sollte sich frühzeitig bemühen. Steht das eigene Haus, vielleicht aufgrund einer Heimsuchung durch Verwandte, nicht zur Verfügung, lohnt es sich, die örtlichen Pfadfinder- oder Jugendvereine anzufragen. Viele schöne, manchmal sogar historische Örtlichkeiten können so auch inklusive Übernachtungsmöglichkeiten angemietet werden. Bei Selbstverpflegung sind die Mieten meist durch einen angemessenen Con-Beitrag abgedeckt, je nachdem, wie groß die Spielendenschaft ausfällt. Vom Zelten im Dezember ist vermutlich in den meisten Regionen eher abzuraten.
Wer eine Location buchen möchte, sollte das mit einem Jahr Vorlauf in Angriff nehmen. Das klingt nach einer langen Zeit, lohnt sich aber, wen man bedenkt, dass man ja wirklich eine Con planen möchte, die die Feiertage mit der Familie ersetzen und sich für die Anwesenden auch lohnen soll.
Mit ein wenig Aufwand, der sich meist mit dem eigenen Fundus an Laternen, Stoffen und ein wenig dekorativem Grün abdecken lässt, ist eine stimmungsvolle Dekoration schnell hergerichtet.
Soll es etwas opulenter ausfallen, ist die Deko-Abteilung kurz vor den Feiertagen eine dankbare Anlaufstelle. Womöglich ist das die einzige Gelegenheit für den Einsatz von Pannesamt im Larp-Leben, die nicht in Schnappatmung aller Anwesenden resultieren wird.
In der ein oder anderen Ecke sorgt ein dekorierter Schrein der jeweils bespielten Gottheiten für Stimmung und vielleicht Beleuchtung, und kann im Spiel auch als Rückzugsort für ruhigere Szenen dienen.
Wer Glück hat und eine historische Location ergattern konnte, wird oft nicht zu viel nachdekorieren müssen und kann dafür mit der gebührenden Vorsicht endlich einmal wieder mit Echtkerzen schmücken, die im Larp in den letzten Jahren immer öfter ihren LED-betriebenen Nachfolgern weichen mussten.

Klassiker für die Feiertage – larpig interpretiert
Jede Familie und jeder Freund*innenkreis hat so seine eigenen Weihnachtstraditionen. Viele davon lassen sich ins Fantasy-Larp interpretieren und können auf einer Veranstaltung für Kurzweil sorgen, sobald der Plot gelöst und eventuelle feindliche NSC besiegt sind.
Wichteln: Ein bekannter Brauch, der sich auch im Vorfeld gut vorbereiten lässt. Denn nicht nur Spielende, auch ihre Charaktere freuen sich über Geschenke! Anders als im realen Leben muss von Charakter zu Charakter auch nicht so tief in die Tasche gegriffen werden. Ist im echten Leben Selbstgebasteltes ab einem gewissen Alter nicht mehr ganz so niedlich, freuen sich Larp-Charaktere erfahrungsgemäß ganz besonders über Selbstgemachtes. Und je nach Herkunft des eigenen Charakters ist hier auch nicht Perfektion das Ziel, sondern viel mehr der Effekt auf das Gegenüber. Wird sich ein*e Priester*in vielleicht über ein schönes neues Gebetsband für den Gürtel freuen, macht man den Heilenden vielleicht eine Freude mit einem hübschen Glas voll getrockneter Kräuter. Wer möchte, kann auch die Geschenke-Übergabe als Plot gestalten und die Anwesenden Rätsel lösen oder (wenn vorhanden) im Wald danach suchen lassen.
Spiele: Es muss nicht immer nur gewürfelt werden. Für die Tavernenmuffel vermutlich ein beruhigendes Statement. So manches Familienspiel lässt sich mit wenig Aufwand ambientig umgestalten. „Wer bin ich“ (das Spiel mit den Post-ist auf der Stirn) kann problemlos mit Pergament und Feder gespielt werden und gibt Gelegenheit, das ganze Repertoire an Larp-Prominenz als zu erratende Persönlichkeiten zu verteilen. Hat beispielsweise ein überzeugter Blaulagerist den Kupfernen Avatar auf der Stirn stehen, könnte es schon einmal laut zugehen.
Gedichte: Niemand mag Weihnachtsgedichte. Aber jede*r mag ein gutes Gedicht mit dem eigenen Namen darin. Schließlich sind unsere Charaktere unser Lieblingsthema, wenn wir ehrlich sind. Ist beispielsweise der Minnewettbewerb ein beliebtes Element auf Burg- und Ambientecons, lässt sich im kleineren Kreise ganz wunderbar auf Zeit ein Gedicht auf ein zufällig ausgelostes Gegenüber schreiben. Wer möchte, kann auf das beste, schönste oder lustigste Gedicht einen kleinen Preis ausloben.
Essen: Wahrscheinlich das zentrale Element einer jeden Feier. Wer sich zum Ziel setzt, den Charakteren genau die Feiertage zu bescheren, die ihm oder ihr im eingangs erwähnten Szenario verwehrt geblieben sind, möchte den Anwesenden auch hier gerecht werden. In-Time gemeinsam zu kochen oder zu backen ist in den meisten Locations nicht ohne weiteres machbar, vieles lässt sich aber gut vorbereiten. Wenn die Gäste dann noch jeweils etwas mitbringen und die Gastgeber*innen nur ein oder zwei zentrale Gerichte stellen müssen, ist für alle gesorgt. Auch für die Vegetarier*innen.
Turnier: Nun gut, vielleicht keine Tradition in den meisten Familien, auf einer Larp-Con aber vermutlich eher sozial akzeptiert. Sind kämpfende Charaktere anwesend, kann ein kleines Turnier nicht nur die Kälte erträglicher machen, sondern auch zur Unterhaltung für alle beitragen. Ob klassisch mit den favorisierten Waffen, oder kombiniert mit Geschicklichkeitsspielen: Sowohl Teilnehmende als auch Zuschauende sind für zwei bis drei Stunden gut beschäftigt. Haben die jeweiligen Gottheiten keine Einwände gegen Glücksspiel, darf auch sicher um Kupfer oder Höheres gewettet werden.
Egal wie eine Feiertags-Con gestaltet werden soll, mit genug Vorlauf und ein wenig Planung lässt sich eine Veranstaltung auf die Beine stellen, das allen Anwesenden eine Alternative zum traditionellen Feiertags-Geschehen bieten kann. Auch wenn die Weihnachtszeit traditionell als Familienzeit gilt, kann sich eine Einladung mit ausreichend Zeit für Rückmeldung lohnen. Vermutlich gibt es mehr Menschen im eigenen Freund*innenkreis, die einmal eine Pause vom Traditionellen brauchen können, als man denkt. Denn wenn wir ehrlich sind, kommt es doch gar nicht so sehr darauf an, was wir feiern – sondern mit wem wir es tun.
Artikelbilder: wie beschrieben
Layout und Satz: Konstantin Paessler
Lektorat: Alexa Kasparek
Fotografien: Deposit



















Das hier ist mal wieder so ein typischer, moralinsaurer Teilzeithelden Artikel:
Abgesehen vom zwanghaften Gegendere ist auch der Rest des Inhalts mehr als bemüht:
Weihnachten ist ein christliches Fest, dessen Traditionen und Bedeutung tief in unserer Kultur und auch der anderer Länder verankert ist. Auch unabhängig von der Religion. Es auf eine bloße „Feiertagszeit“ zu reduzieren, ist respektlos. Auch wenn der Artikel vordergründig Alternativen zur familiären Weihnachtsfeier ansprechen möchte unterschlägt er absichtlich den kulturellen und religiösen Kontext. Dann lieber gar nicht.
Die Bemerkung über Vegetarismus, verbunden mit dem Hinweis, dass „Oma wieder vergessen hat, dass Hühnchen nicht vegetarisch ist“, vermittelt eine nicht vorhandene moralische Überlegenheit gegenüber Menschen, die Fleisch essen. Es wäre wünschenswert, wenn der Artikel weniger wertend wäre.
Der Artikel suggeriert außerdem, dass Weihnachten oder die Feiertage automatisch mit familiärem Stress und unangenehmen Situationen verbunden sein müssen. Das sagt mehr über den Autor als über den Leser. Diese pauschale Darstellung wird weder den vielen positiven Aspekten der Familienzeit gerecht, noch reflektiert sie, dass man auch trotz Differenzen liebevoll mit seinen Eltern und Verwandten umgehen kann.
Anstatt künstlicher Abgrenzung könnte der Fokus auf einem respektvollen Miteinander liegen – sei es in der Familie oder bei alternativen Feiern.
Vielleicht denkt ja mal jemand in der Redaktion darüber nach.
Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch.
Lieber Marc,
Danke für dein ausführliches Feedback.
Wenn es sich um einen „typischen“ Teilzeithelden-Artikel handelt, der dir nicht gefällt, kann es sein, dass du vielleicht einfach nicht zur Zielgruppe dieses oder anderer Artikel gehörst.
Schau dich gern in all unseren Ressorts um, vielleicht ist dort etwas Passenderes für dich dabei.
Weihnachten ist für viele eine traditionell vorbelastete Zeit, die mit Stress und auch Streit verbunden sein kann. Dies wird (wie auch im Artikel zugegeben) überspitzt dargestellt.
Der christliche Kontext wird bewusst außen vor gelassen, da das Bespielen von realer Religion im Fantasy-Larp, aus Gründen des Respekts vor eventuell gläubigen Mitspieler*innen unüblich ist.
Dass der Artikel von jemandem stammt, die Weihnachten als eher anstrengend empfindet, wird mit der Anspielung auf den Grinch ebenfalls recht deutlich gemacht.
Das Ziel ist es, wie du richtig feststellst, Leser*innen, die vielleicht ähnliche Erfahrungen gemacht haben, Ideen für eine eigene Feiertagsgestaltung im Rahmen ihres Hobbies zu geben.
Wenn du also Weihnachten gern traditionell im Familienkreis verbringst, dann richtet sich der Artikel an Menschen mit anderen Erfahrungen als deinen.
Zum Thema gendersensible Sprache:
Teilzeithelden-Beiträge richten sich an Menschen aller Geschlechter und Geschlechtsidentitäten. Dies bemühen wir uns durch die Verwendung des Sternchens abzubilden. Statt künstlicher Ausgrenzung legen wir hier den Fokus auf respektvolles Miteinander.
Frohe Festtage!
Josephine
Menschen, die nicht gendern, schließen niemanden künstlich aus – sie folgen einer etablierten und weit verbreiteten Sprachpraxis. Gendern hingegen ist eine bewusste ideologische Entscheidung, die nicht neutral ist.
Egal – jetzt erst einmal frohe Weihnachten!
Auf jeden Fall spannend, lieber Marc, wie unterschiedlich man den Artikel lesen kann. Aus dem von mir gelesenen „meine Bedürfnisse gehen unter“ zu einem „Fleisch essen ist doof“ zu kommen oder einem „bei mir und anderen im Bekanntenkreis verursacht Weihnachten in der Familie Stress“ zu einem „Weihnachten mit Familie ist immer und bei allen Menschen furchtbar stressig“ zu kommen, bedarf bei mir doch einiger Fantasie.
Bei dem Ansinnen des Artikels teilen wir wahrscheinlich gleiche Analyse, dass es um das schaffen alternativer Feiern geht. Dass man in unserem Kulturkreis nicht darauf hinweist, dass man an Weihnachten der Geburt des Begründers des christlichen Glaubens gedenkt, finde ich persönlich weder respektlos noch notwendig (und man könnte neckisch anmerken, dass dein Hinweis darauf durchaus etwas moralinsaures hat). Abgesehen davon sieht die Praxis dessen in der Realität bei einer zunehmenden Anzahl Atheist*innen wohl auch nicht so aus.
Dass man respektvoll miteinander umgeht, ist mMn eine Selbstverständlichkeit und. Die Forderung, dass man das gemeinschaftliche und respektvolle Feiern in der Familie elaborieren sollte, passt mMn nicht zum Thema des Artikels. Dann würde der Artikel wohl eher „Feiern im Familienkreis“ als Thema haben. Wäre natürlich spannend, zu thematisieren, wie man Opa, Oma, Onkels und Tanten dazu bekommt, zum Familienfest in ganz andere Rollen zu schlüpfen. Vielleicht ein Projekt für einen Osterartikel?
Dir Marc auf jeden Fall, so wie ich deinen Kommentar lese, ein gesegnetes Weihnachtsfest, ob du es mit Elfen und Zwergen oder Opa und Oma feierst. 😇
P.S.: Es ließe sich auch gut streiten, ob das kategorische Ablehnen der etablierten und weit verbreiteten Verwendung geschlechtergerechter Sprache nicht mit einem gewissen Weltbild einhergeht. Aber da werden wir wohl nicht auf einen Nenner kommen. Vielleicht fahren wir mit „Leben und leben lassen“ ganz gut. Es regt sich ja auch niemand auf, dass du aus der deutlich weiblich zu lesenden Autorin kategorisch einen Autor gemacht hast. 😉