Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten

Als Schauplatz für ihren neuen Zweiteiler wählt Nena Tramountani ein entlegenes griechisches Bergdorf, gehüllt in die Dunkelheit geheimnisvoller Raunächte, in denen die Erinnerungen verblassen. Dämonische Kreaturen rauben Herzen, und eine Liebe ist auf nur zwölf flüchtige Tage begrenzt, bevor die Zeit unerbittlich erneut alles verschlingt.

In Twelve of Nights – Das gestohlene Herz von Nena Tramountani treffen die kargen, schroff aufragenden Berglandschaften Griechenlands auf die sanften Klänge einer leisen Melancholie, die sich zwischen Mythos und Moderne entfaltet. Das abgeschiedene Dorf, in dessen Wäldern und Felslandschaften uralte Legenden schlummern, bietet den idealen Nährboden für eine Erzählung, die Elemente griechischer Sagen mit den sensiblen Tönen der New Adult Fantasy verbindet. In diesem Spannungsfeld entfaltet sich eine Erzählung von Liebe und Verlust, von unerfüllten Träumen und der Hoffnung, die in den längsten Nächten des Jahres aufblüht.

Triggerwarnungen

Depression, selbstverletzendes Verhalten, Suizid

[Einklappen]

Story

Die Geschichte spielt in der abgeschiedenen Bergwelt des griechischen Dorfes Dodekada, eingebettet in die zwölf Raunächte von Weihnachten bis zum Epiphaniasfest am 6. Januar. Während dieser Schwellenzeit zum Jahreswechsel streifen unheimliche Kreaturen durch den Ort: die Kalikanzari, ihrer eigenen Herzen beraubt, auf der Suche nach fremdem Leben. Sobald sie ein Herz stehlen, füllt sich ihre Leere für diese magischen zwölf Tage, doch das Dorf verliert dadurch jedes Mal einen geliebten Menschen an die geheimnisvollen Fremden. Am Ende der Festtage bleiben den Bewohner*innen nicht einmal mehr ihre Erinnerungen an die Raunächte und ihre Liebsten.

Vor diesem düsteren Hintergrund entfaltet sich eine ebenso zarte wie tragisch verstrickte Liebesgeschichte. Im Mittelpunkt steht Daphne, die in Dodekada geboren wurde und nach dem Tod ihres Großvaters, gerade während des Jahreswechsels, in tiefer Trauer lebt. Von den Kalikanzari wurde sein Herz geraubt, und dieser Verlust überschattet seither ihr Dasein, auch wenn sie sich nicht mehr an den wahren Grund seines Todes erinnern kann.

Als eines Abends, zum Beginn der Raunächte, die geheimnisvolle Ioanna vor der Kirche auftaucht und Daphne einen rätselhaften Brief überreicht, gerät ihr vermeintlich stabiles Leben ins Wanken. Schon die ersten Zeilen stellen alles in Frage, was Daphne für wahr gehalten hat: „Du kennst mich nicht, aber du liebst mich.“

Ioanna, selbst zu einem der Monster geworden, die jedes Jahr wiederkehren, erinnert sich alljährlich erneut an ihre Liebe zu Daphne, und erweckt damit zugleich in Daphne Gefühle, die sie außerhalb dieser Raunächte durch den Fluch längst vergessen hätte. Über die Jahre hinweg, immer an den 12 Raunächten, entspinnt sich eine zarte, aber tragisch verstrickte Liebesgeschichte, bei der Emotionen oft stärker wiegen als die eigentliche Handlung. Großes Augenmerk liegt auf inneren Konflikten, Sehnsucht und Verlangen. Die Figuren bleiben außerhalb der zentralen Beziehungen eher vage. Die Handlung konzentriert sich vor allem auf den Kreis aus Erinnerung, Verdrängung und flüchtiger Leidenschaft, während die Logik hinter der Existenz der Kalikanzari oder den Grenzen ihrer Fähigkeiten nicht immer vollständig aufgeklärt wird. So entsteht eine betörend-düstere Erzählung, in der vor allem ein Gefühl im Mittelpunkt steht: Sehnsucht.

Schreibstil

Der Roman setzt auf einen atmosphärischen, gefühlvollen Erzählton, der die Leser*innen direkt ins Herz der Handlung zieht. Dabei wechselt die Perspektive zwischen Daphne in der Gegenwart und Ioanna, die vor allem die Geschehnisse aus der Vergangenheit erzählt. Nena Tramountani arbeitet mit einer sinnlichen, bildreichen Sprache, die Schauplätze und Emotionen gleichermaßen lebendig macht. Manche Beschreibungen wirken jedoch etwas überladen, wodurch der Text gelegentlich an Tempo verliert. Besonders die landestypischen Traditionen um den Jahreswechsel herum, werden immer wieder atmosphärisch in den Text eingebunden. Die stimmungsvollen Schilderungen und die mitunter melancholische Thematik sind die Stärken der Erzählung, auch wenn man bei den Perspektivwechseln mit fortschreitender Zeit aufmerksam lesen sollte, um nicht durcheinander zu kommen.

© Piper

Die Autorin

Nena Tramountani, 1995 in Stuttgart geboren, begann schon früh, eigene Geschichten zu verfassen. Nach ihrem Studium der Sprach- und Literaturwissenschaften arbeitete sie als Journalistin, lebte eine Zeitlang in Wien und kehrte schließlich in ihre Heimat zurück. Heute ist sie als freie Autorin und Drehbuchschreiberin tätig. Mit gefühlvollen New-Adult-Reihen wie Soho Love und Hungry Hearts sowie ihren Romantasy-Romanen, etwa der City of Elements-Serie, hat sie sich einen Namen gemacht. Häufig entstehen ihre von Kunst und Musik inspirierten Werke bei Kaffee in gemütlichen Cafés. Mehr zu ihr und ihren Büchern findet sich auf ihrer Website.

Cover, Farbschnitt und Folienprägung geben dem Hardcover einen edlen Anstrich. © Piper

Erscheinungsbild

Das Cover von Twelve of Nights – Das gestohlene Herz kann bereits auf den ersten Blick überzeugen. Der dunkle Untergrund vermittelt eine geheimnisvolle Atmosphäre, die perfekt zu den nächtlichen Szenerien und dem mystischen Grundton der Geschichte passt. Besonders edel wirkt dabei die Goldfolienprägung, die nicht nur den Buchtitel hervorhebt, sondern vor allem das zentrale Motiv, ein Herz, in den Fokus rückt. Ein weiteres, auffälliges Detail ist der wunderschöne Farbschnitt, der in diesem Fall wirklich gut gelungen ist und dem Buch etwas Hochwertiges verleiht. Weniger stimmig hingegen erscheint die Darstellung einer Motte, die als wiederkehrendes Motiv verwendet wurde, im Text jedoch keine erkennbare Rolle spielt.

© Piper

Die harten Fakten:

  • Verlag: Piper
  • Autorin: Nena Tramountani
  • Erscheinungsdatum: 29.08.2024
  • Sprache: Deutsch
  • Format: Hardcover
  • Seitenanzahl: 432
  • ISBN: 978-3-492-70811-1
  • Preis: 20,00 EUR (Print) + 4,99 EUR (E-Book)
  • Bezugsquelle Fachhandel, Amazon, idealo

 

Bonus/Downloadcontent

Wer so richtig in die Stimmung des Buches eintauchen möchte, kann das mit der Playlist tun, die die Autorin am Ende des Buches zur Verfügung gestellt hat.

Fazit

Twelve of Nights – Das gestohlene Herz entfaltet eine einzigartige Atmosphäre, die das karge Bergdorf während der geheimnisvollen Raunächte erfüllt. Der Fokus liegt dabei deutlich auf den Gefühlen, auf Sehnsucht und Verlangen, weniger auf einer klaren Handlung oder komplexen Welterklärungen. Wer sich auf diese melancholische Stimmung und die zarte, aber tragische Liebesgeschichte einlässt, wird vor allem vom poetischen Schreibstil und den landestypischen Traditionen verzaubert. Allerdings bleiben die Figuren außerhalb der Dreiecksdynamik blass, und die Logik hinter den Kalikanzari bleibt vage. Die Präsentation ist hochwertig, Cover, Farbschnitt und Folienprägung geben dem Hardcover einen edlen Anstrich, der den Preis von 20 Euro durchaus rechtfertigt. Wer actionreiche Phantastik mit ausgefeiltem Weltenbau erwartet, könnte enttäuscht sein. Doch junge Liebhaber*innen stiller, gefühlvoller Romantasy mit einer tiefgründigen, melancholischen Note werden hier voll auf ihre Kosten kommen.

  • Starke Emotionen
 

  • Oberflächliche Charaktere
  • Logiklücken im Weltenbau

 

Artikelbilder: © Piper
Layout und Satz: Melanie Maria Mazur
Lektorat: Hendrik Pfeifer
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.

Dieser Artikel enthält Affiliate-Links. Durch einen Einkauf unterstützt ihr Teilzeithelden, euer Preis steigt dadurch nicht.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein