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Wasser ist der wichtigste Faktor unseres blauen Planeten, wodurch der Herrscher darüber auch der Herrscher über alles Leben wird. Doch was passiert, wenn diese Kontrolle in den Händen einer Maschine liegt? Die Antwort auf diese Frage gibt uns Negalyod mit einer spannenden Kombination aus Endzeit, Science–Fiction und Western.

Mit Negalyod hat der französische Künstler Vincent Perriot eine ungewöhnliche und gleichzeitig faszinierende Mischung von Genres erreicht. Die Endzeit-Geschichte erinnert an Szenarien wie Mad Max, Terminator und Jurassic Park. Sollte dieses Sammelsurium an Inspirationen nicht ausreichen, dürfen auch Freunde von Science-Fiction aufatmen: Denn Luftgefechte und mysteriöse Technologien haben ebenfalls ihren Platz gefunden.

Doch kann eine solche Kombination an Inspirationen ein harmonisches Gesamtbild erzeugen? Wir gehen dieser Frage in unserem Kurzcheck von Negalyod auf den Grund.

Handlung & Charaktere

Die Menschen teilen sich die Welt mit den Dinosauriern. Doch aus der früher harmonischen Koexistenz ist ein stetiger Überlebenskampf geworden, durch den sich beide Spezies voneinander entfremdet haben. Am kritischsten ist hierbei der Kampf um Wasser, da Flüsse, Seen und ganze Meere ausgetrocknet sind. Die alleinige Kontrolle obliegt nun dem Netz. Diese künstliche Intelligenz steuert von der Hauptstadt aus die gesamten Vorräte des wertvollen Nasses.

Jarri bekommt von dieser Situation zum Glück nicht viel mit. Als nomadischer Herdenbesitzer liegt sein Fokus auf dem Wohlergehen seiner Tiere. Dabei ist die Suche nach Wasser zwar kritisch, aber der junge Mann ist einfallsreich. In den Weiten der trockenen Welt gelten noch Erfindungsreichtum und die Bedeutung von Zusammenhalt.

Allerdings wird Jarri durch einen katastrophalen Unfall aus seiner vertrauten Welt gerissen. Durch mehrere Wendungen des Schicksals verschlägt es ihn in die Hauptstadt. Dort kommt er in Kontakt mit einer Rebellengruppe gegen das Netz. Denn die künstliche Intelligenz und ihre Tyrannei erzeugen Widerstand. Somit wird Jarri in einen Konflikt hineingezogen, dessen Tragweite ihm erst allmählich bewusst wird.

Negalyod gelingt die Kombination seiner verschiedenen Inspirationen zu einer einzigartigen und gelungenen Geschichte. Die Verbindung von Endzeitszenario, Dinosauriern und Science-Fiction macht diese Graphic Novel zu einem erfrischenden Leseerlebnis. Die daraus geschaffene Welt wirkt unverbraucht, an jeder Stelle spannend und einprägsam. Lobend ist auch zu erwähnen, wie schnell Autor Vincent Perriot die wichtigen Informationen zum Verständnis der Ausgangslage präsentieren kann. Dadurch bleibt mehr Zeit, um in den Kern der Handlung – die Rebellion – einzusteigen.

Die Geschichte wird neben Jarri von einer ausgewählten Gruppe an Charakteren getragen. Wenngleich diese nicht über den individuellen Charme von Figuren aus beispielsweise The Umbrella Academy oder Deadly Class verfügen, gelingt es dem Autor, jeden Protagonisten als eigenständige Persönlichkeit zu etablieren. Hauptcharakter Jarri beispielsweise wandelt sich vom pragmatisch stoischen Nomaden zu einem Mann mit Gewissensbissen auf der Suche nach der Wahrheit. Diese unterschiedlichen Facetten machen die Figuren glaubwürdig. Somit konnte Negalyod mich im Hinblick auf seine Erzählung sehr positiv überraschen. Doch das sollte nicht die einzige erfreuliche Wahrnehmung bleiben.

Zeichnungen & Kolorierung

Denn auch der Zeichenstil von Perriot hinterlässt Eindruck. Dabei ist der Einfluss des legendären Jean Giraud, auch bekannt als Mœbius, unübersehbar. Allerdings wirkt Negalyod nicht wie eine billige Kopie, sondern wie eine gelungene Hommage. Perriot versteht es besonders, in großflächigen Panels die Atmosphäre seiner Welt zu vermitteln. Karge Landschaften voll seltsamer Schönheit, die Wildheit der Dinosaurier oder die archaisch und dennoch futuristisch wirkenden Städte: Alle Elemente kombinieren sich zu einer wunderschön anzusehenden Bildwelt. Wer einen genaueren Einblick in Perriots Zeichnungen gewinnen möchte, kann das auf seinem YouTube-Kanal tun.

Lediglich die Kolorierung wirkt an einigen Stellen flach, besonders in den Gesichtern der Charaktere. Auch sehnt man sich bald nach Abwechslung in der Farbpalette. In der kargen Außenwelt wird diese von Braun und Gelb dominiert, während in den Städten auch Blau zum Einsatz kommt. Nur wenige Panels heben sich aufgrund der Farbgebung voneinander ab, sodass in dieser Hinsicht optisch keine Höhepunkte gesetzt werden. Das erfolgt stattdessen durch die Größe der einzelnen Panels, von denen ein einzelnes auch schon mal eine ganze Seite einnimmt.

Die harten Fakten:

  • Verlag: Carlsen
  • Autoren: Vincent Perriot
  • Zeichner: Vincent Perriot
  • Sprache: Deutsch
  • Seitenanzahl: 208
  • Preis: 28,00 EUR
  • Bezugsquelle: Amazon

 

Fazit

Negalyod überzeugt mit einer frischen Erzählung, die als Kombination verschiedener Inspirationen entstanden ist. Das Ergebnis ist eine geradlinige, doch jederzeit spannende und unterhaltsame Geschichte. Der Charme der von Vincent Perriot geschaffenen Welt ist in jedem einzelnen Panel spürbar.

Neben der interessanten Prämisse ist das den Zeichnungen zu verdanken. Diese transportieren die Essenz der Endzeit-Welt von Negalyod wunderbar zum Leser. Als Endresultat hat man eine Graphic Novel in Gedenken an den Altmeister Mœbius vorliegen, die sich als eigenständiges Werk nicht zu verstecken braucht.

Artikelbild: Carlsen
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.

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