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Während in den goldenen 20ern in Prag das Leben gefeiert wird, entdecken vier Menschen eine unheimliche Schatulle, deren Geheimnis sie zurück in die dunkle Vergangenheit führt. Ebenholz ist das Prequel zum FHTAGN-Szenario Block B und führt die Spieler*innen an den Ursprung des Grauens.

Ebenholz ist ein Szenario für FHTAGN, das cthulhoide Rollenspiel der Deutschen Lovecraft Gesellschaft. Das Rollenspiel beruht wie Cthulhu 7 auf dem Basic Role-Playing System und arbeitet mit Prozentwürfeln. Neben Ebenholz erschien für FHTAGN 2025 bereits der One-Shot Automata. Ebenholz hingegen ist der zweite Teil einer Trilogie, in deren Zentrum eine mysteriöse Ebenholzschatulle und ihre unheilvollen Kräfte stehen. Die Schatulle taucht im Laufe der Menschheitsgeschichte immer wieder auf und richtet Schaden an. Der erste Teil Block B spielt im Jahr 2003, Ebenholz, Teil Zwei der gleichnamigen Trilogie, springt zurück ins Jahr 1923 (und noch weiter…) und erzählt die Vorgeschichte zu Block B, sowie dem noch nicht veröffentlichten dritten Teil und Abschluss Goliath. Die drei Teile hängen inhaltlich zusammen und können zwar auch unabhängig voneinander gespielt werden. Allerdings funktionieren zumindest die ersten beiden Szenarien als Kampagne besser, da sich in Ebenholz immer wieder Verweise auf Block B finden.

Wie bereits Block B ist Ebenholz ein Abenteuer für vier Spieler*innen mit vorgefertigten Charakteren. Die Charaktere können nicht verändert werden, da sie eng verwoben sind mit der Geschichte des Abenteuers sowie der gesamten Trilogie. Ebenholz ist als Abenteuer für Conventions mit einem Multigruppenansatz konzipiert: Wenn das Abenteuer nicht mit dem bestmöglichen Ende abgeschlossen wird, können die Spieler*innen die Ereignisse des Szenarios erneut beginnen lassen. Die Charaktere werden von neuen Spieler*innen übernommen, die ihr Glück versuchen. Das ist eine schöne Idee, vor allem da diese Mechanik sehr sinnvoll in die Geschichte eingebettet wird.

Triggerwarnungen

Rassismus, Extreme Gewaltdarstellung, Antisemitismus, Kindsmord, Massenmord

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Die Handlung – Ein uralter Fluch

Die Spieler*innen schlüpfen in die Rollen von Charakteren, die unterschiedlicher kaum sein könnten, jedoch durch unheimliche Geschehnisse zusammengeschweißt werden. Eine Physikprofessorin, ein ehemaliger Soldat, eine Chocolatière und ein Mathelehrer. Alle sind sie Mitglieder der Prager Naturfreunde und unternehmen gerne Spaziergänge im Prager Umland. Auf einer ihrer Exkursionen finden die vier eine seltsame Ebenholzschatulle im Wald. Als sie sie öffnen, finden sie darin nicht nur eine verschlüsselte Botschaft, die sich explizit an die Charaktere richtet. Sie setzen damit auch eine Reihe von unheilvollen Ereignissen in Gang.

Als Spieler*in weiß man am besten so wenig wie möglich über die Handlung von Ebenholz. Wer sich dem Grauen ohne Vorwissen stellen möchte, überspringt am besten die nächsten Abschnitte.
In einer Schatulle im Wald stoßen die Charaktere auf eine mysteriöse Nachricht.

Die Geschichte, die Ebenholz erzählt, ist ziemlich ambitioniert, denn zu Grunde liegt dem Abenteuer ein Zeitparadox. Die Charaktere entschlüsseln zunächst die Botschaft in der Schatulle. Sie erhalten einen Hinweis auf das Dorf Medvědí Vesnice und die Möglichkeit, einen Fluch zu brechen, der das Dorf befallen hat. Das Dorf ist, wie sie feststellen müssen, in der Gegenwart der Charaktere nur noch eine Ruine. Doch durch ein Ritual reisen die Charaktere zurück ins Jahr 1403, zu dem Zeitpunkt, da die Ebenholzschatulle zum ersten Mal geöffnet wird und Medvědí Vesnice von einem Avatar Nyarlathoteps, dem haarigen Wesen, dezimiert wird. Während ihrer Zeitreise erkennen sie, dass sie selbst die Nachricht in der Schatulle verfasst und damit eine Zeitschleife geschaffen haben.

Neben der Zeitschleife steht im Zentrum von Ebenholz der Ursprung der Ebenholzschatulle. Verantwortlich dafür ist der Priester Rehor, der mit Nyarlathotep einen grausamen Handel eingegangen ist. Nyarlathotep beendet die Dürre, unter der das Dorf Medvědí Vesnice leidet. Der Priester bekommt dafür die Ebenholzschatulle, die er niemals öffnen darf und muss zusätzlich zu jedem Neumond ein Kind opfern. Die Charaktere müssen all dies in der Vergangenheit herausfinden sowie Rehor und seinen Gehilfen Domek vor einer Katastrophe retten, um schließlich in der richtigen Zeitlinie (die schließlich das Abenteuer Block B ermöglicht) zu landen.

In Medvědí Vesnice bahnt sich eine Katastrophe an.

Ebenholz besticht durch seine sehr gelungene, dichte Atmosphäre. Für den kurzen Abschnitt, der im Prag der 20er Jahre spielt, gibt es verschiedene Möglichkeiten für die Spielleitung den Horror bereits anzudeuten. Genauso gut kann aber auch das Lebensgefühl der 20er Jahre zum Beispiel beim Besuch eines Kabaretts ausgespielt werden. Wirklich schaurig wird es dann spätestens, als sich die Charaktere nach Medvědí Vesnice begeben und bereits auf ihrem Weg zu den Ruinen von Visionen heimgesucht werden. Das Szenario ist insgesamt sehr düster und wartet vor allem im Finale mit einigen Gewaltspitzen auf, denn hier fällt das Grauen ungehindert über Medvědí Vesnice her.

Für beide Orte, Prag und Medvědí Vesnice gibt es genügend Details, um sie als glaubhafte Kulissen zum Leben zu erwecken. Außerdem bleibt Prag nicht einfach ein zufällig gewähltes Setting, sondern ist ein glaubhafter Ort, an dem die vorgefertigten Charaktere zusammenkommen. Einer von ihnen ist beispielsweise vor den Bolschewiki aus Russland geflohen, ein anderer wiederum arbeitet als Agent für den russischen Geheimdienst. Generell sind die Charaktere schön ausgearbeitet und tragen alle Geheimnisse mit sich herum, die eventuell zum Konfliktspiel mit den anderen führen.

Nicht alle Charaktere sind so, wie sie auf den ersten Blick scheinen.

Die Handlung von Ebenholz ist größtenteils linear angelegt (oder wenn man den Multigruppenansatz spielt, zirkulär). Man merkt, dass der Teil chronologisch am Anfang der Ebenholz-Trilogie steht und dementsprechend einige Elemente in bestimmte Positionen gebracht werden müssen, in denen sie dann in den später angesiedelten Szenarien gefunden werden. Wer Block B bereits gespielt hat, weiß, dass die Schatulle 2003 in Metall eingeschlagen wieder auftaucht, das heißt sie muss am Ende von Ebenholz auch genauso enden. Ähnliches gilt auch für den Abschluss des Szenarios denn es gibt nur eine richtige Lösung, um den Fluch zu bannen. Wenn die Charaktere es nicht schaffen, Rehor und Domek vor der Katastrophe zu retten, müssen sie die Zeitschleife erneut starten. Wenn der Multigruppenansatz gespielt wird, können die Charaktere die Nachricht, die sie in der Schatulle hinterlassen anpassen. In der nächsten Iteration der Zeitschleife übernehmen dann neue Spieler*innen die Charaktere.

Dieses feststehende Ende liegt in der Natur des Zeitschleife-Narrativs beziehungsweise des Bootstrap-Paradox, das im Zentrum der Geschichte steht. Bei einem Bootstrap-Paradox handelt es sich um ein Zeitreise-Paradox, bei dem zum Beispiel eine Person der Grund für sich selbst wird. In Ebenholz verändern die zeitreisenden Charaktere in der Vergangenheit etwas, was in der Zukunft ihre Zeitreise erst auslösen wird. Das ist ein spannendes Konzept und wird im Szenario sehr gut herausgearbeitet. Dass die Charaktere in eine Zeitanomalie geraten wird schon im Auftakt des Abenteuers immer wieder geschickt angedeutet, zum Beispiel durch den Fund eines offensichtlich uralten Revolvers, bei dem es sich allerdings um ein aktuelles Modell aus den 1920ern handelt. Allerdings bleibt bei einer solchen Prämisse der Handlungsspielraum der Spieler*innen natürlich eingeschränkt. Dadurch wird das Abenteuer nicht unbedingt abgewertet, allerdings sollten die Spieler*innen bei Ebenholz keine Sandbox mit unendlich vielen Handlungsmöglichkeiten erwarten.

Das Bootstrap-Paradox in Ebenholz.

Ungewöhnlich ist, dass es im Finale nicht darum geht, den Fluch zu bannen und das Wesen zurück in die Ebenholzschatulle zu sperren, sondern um die Rettung zweier Personen aus dem Dorf. Denn damit die Ereignisse von 1923 Sinn ergeben, muss das Wesen erstmal wieder in der Schatulle verschwinden. Das passiert dann unspektakulär in einem Epilog, in dem die Charaktere etwa alle 6 Monate wieder zusammenkommen. Die weiteren Entwicklungen werden lediglich von der Spielleitung referiert. Dadurch wird der Abschluss des Szenarios ein bisschen dröge, und steht damit im Gegensatz zu dem spannenden und brutalen Finale der Haupthandlung.

Dabei stellt das Ende die Charaktere durchaus vor eine schwierige Wahl. Denn sie stellen fest, dass sie ihre eigenen Vorfahren sind, weshalb sie die Zeitschleife definitiv aufrechterhalten sollten. Das bedeutet, dass sie die Schatulle mit den Anweisungen dort verstecken, wo sie sie 1923 finden werden. Tun sie das nicht, sprich verstecken sie die Schatulle nicht, sondern lassen sie in Metall einschlagen, wird sie erst 2003 wieder gefunden (in Block B) und die Charaktere versterben auf ungeklärte Weise im 15. Jahrhundert.

Das Abenteuer erzählt eine ganz bestimmte Geschichte und nimmt sich dafür angemessen viel Platz. Um deutlich zu machen, was in Medvědí Vesnice genau passiert und wie das alles den Ausgangspunkt für die beiden anderen Szenarien bildet, bedarf es einiger Erklärungen, die das Abenteuer vollumfänglich bietet. Weniger im Fokus stehen die Mechaniken des Spiels. Es gibt keine Hinweise wann Proben von den Spieler*innen verlangt werden sollen. Genauso wenig gibt es vorlesefertige Beschreibungen zu den verschiedenen Schauplätzen. Dementsprechend bedarf es bei Ebenholz einiges an Vorbereitung seitens der Spielleitung sowie des Willens zur Improvisation. Für unerfahrene Spielleitungen ist das Abenteuer dementsprechend nicht zu empfehlen.

Erscheinungsbild

Ebenholz erscheint als DIN A4-Softcover mit vielen farbigen Illustrationen. Das Layout ist sehr gut gelungen, keine der Seiten wirkt überladen und alle Texte sind sehr gut lesbar. Der hochwertige Eindruck wird ebenfalls durch die sehr gelungenen Illustrationen unterstützt, die passend zum Szenario düster und trostlos ausfallen.

Cover © Deutsche Lovecraft Gesellschaft

Die harten Fakten:

  • Verlag: Deutsche Lovecraft Gesellschaft e.V.
  • Autor*in(nen): Stefan Dieckhoff
  • Illustrator*innen: Moritz Wagner
  • Erscheinungsjahr: 2025
  • Sprache: Deutsch
  • Format: Softcover/PDF
  • Seitenanzahl: 60
  • ISBN: /
  • Preis: 14,95 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Sphärenmeister

 

Downloadcontent

Die Handouts sowie die Charakterbögen sind kostenlos auf der Website der Deutschen Lovecraft Gesellschaft herunterladbar.

Fazit

Ebenholz ist der zweite Teil einer Trilogie, stellt allerdings ein Prequel zu den anderen Teilen dar. Dementsprechend müssen während der Handlung einige Plotpunkte abgearbeitet werden, damit die anderen beiden Teile Sinn ergeben. Dadurch und durch das der Geschichte zugrundeliegende Konzept wird Ebenholz zu einer linearen Geschichte, die den Spieler*innen nicht viel Handlungsspielraum zugesteht. Das passt durchaus zur Geschichte des Abenteuers, ist aber nicht für alle Spielrunden geeignet. Ebenfalls ungeeignet ist Ebenholz für unerfahrene Spielleitungen, da es, vor allem was Fähigkeiten und Stabilitätsproben angeht, der Spielleitung kaum etwas an die Hand gibt.

Trotzdem ist das Abenteuer sehr gut gelungen. Atmosphärisch ist es unheimlich dicht und bietet der Spielleitung viele Optionen gruselige Szenen zu erschaffen. Insbesondere das Finale kann von der Spielleitung denkwürdig gestaltet werden. Ebenfalls spannend ist der Multigruppenansatz, der dem Szenario nicht einfach aufgepfropft wurde, sondern zur Geschichte passt.

  • Dichte Atmosphäre
  • Spannendes Setting
  • Interessantes Konzept als Plot-Ausgangspunkt
 

  • Nicht für unerfahrene Spielleitungen geeignet
  • Wenig Handlungsspielraum für Spieler*innen

 

Artikelbilder: © Deutsche Lovecraft Gesellschaft
Layout und Satz: Melanie Maria Mazur
Lektorat: Hendrik Pfeifer

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