Im ersten Band der Origin-Trilogie stößt die Menschheit am Rand des Sonnensystems auf ein Geheimnis aus einer anderen Zeit. Während die Erde dem Kollaps nahe ist, könnte ein gefrorener Humanoid die Zukunft verändern. Doch sind wir bereit für das, was er mit sich bringt?
Drei Autoren, drei Perspektiven, eine gemeinsame Zukunftsvision, das ist das Konzept hinter der Origin-Trilogie. Den Auftakt bildet Origin – Die Entdeckung von Andreas Brandhorst. Die Idee zur Reihe entstand im Frühjahr 2024, als Brandhorst die Science-Fiction-Autoren Brandon Q. Morris und Joshua Tree zu einem literarischen Experiment einlud.
Das zugrundeliegende Konzept stammt von Brandhorst selbst. Eine Zukunft, die nicht zu weit entfernt liegt, um greifbar zu bleiben, aber weit genug, um Raum für große Ideen zu bieten. Jeder Band sollte auf dieser Basis unabhängig gestaltet werden, ohne stilistische Einschränkungen oder inhaltliche Vorgaben.
Die Entdeckung bildet den ersten Teil dieser Trilogie, die mit Die Erweckung (Joshua Tree, Oktober 2025) und Die Erlösung (Brandon Q. Morris, Dezember 2025) fortgesetzt wird. Und tatsächlich ist die Grundidee vielversprechend, doch kann der Roman auch erzählerisch halten, was das Konzept verspricht?
Selbstmord
Inhaltsverzeichnis
Handlung & Charaktere
Die Menschheit hat gerade damit begonnen, ihre Fühler im Sonnensystem auszustrecken: Der Mars befindet sich mitten im Terraforming-Prozess, am Neptunmond Triton gibt es eine Forschungsstation, und eine besondere Mission steht kurz vor der Umsetzung: Das Raumschiff Wayfarer soll mit seiner Besatzung in ferne Weiten aufbrechen, um bewohnbare Planeten zu finden. Das Ziel steht bereits fest; wer an Bord der Wayfarer kommen darf, allerdings noch nicht. Paläontologin Lea Lehora will unbedingt dabei sein. Dafür muss sie genug Geld ansparen, um sich einen Platz auf dem Schiff leisten zu können. Als sie die Nachricht erhält, dass im Kuipergürtel ein rätselhaftes Objekt entdeckt wurde, das fremdes Leben birgt, wittert sie die Chance auf ihren Durchbruch. Doch Dr. Conrad Sorensen ist ebenfalls an dem Fund interessiert und will auf keinen Fall auf Lea warten, um das 20 Millionen Jahre alte kometenähnliche Konstrukt zu untersuchen. Überstürzt drängt er auf die sofortige Untersuchung, und begeht einen schrecklichen Fehler.
Die Idee des Auftakts der Science-Fiction-Trilogie verspricht eigentlich Hochspannung, doch will die beim Lesen nicht so wirklich aufkommen. Das liegt zum einen an den verschiedenen Handlungssträngen, die selten genug Zeit lassen, Nähe zu den Figuren aufzubauen. Dialoge geraten oft zu Infodumps, die die Welt für die Lesenden erklären, statt Situationen auszuspielen. Dadurch klingen die Stimmen austauschbar und zwischenmenschliche Beziehungen bleiben blass. Die Folge: Wendungen fühlen sich gesetzt und vorhersehbar an, nicht erarbeitet, und man schaut dem Geschehen eher zu, als es wirklich mitzuerleben.
Schreibstil
Der Schreibstil von Andreas Brandhorst ist insgesamt nüchtern und funktional, ohne große stilistische Höhepunkte. Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven erzählt, wechselt dabei regelmäßig zwischen Figuren, ohne diesen jedoch wirklich nahe zu kommen. Die Dialoge wirken oft steif und etwas unnatürlich, da sie vor allem am Anfang in erster Linie Informationen transportieren, statt lebendige Interaktion zu zeigen. Hinzu kommen sprachliche Mängel, die beim Lektorat durchgerutscht sind. Immer mal wieder fehlen Buchstaben oder ganze Wörter, was den Lesefluss stört.
Allgemeines zum Buch
Andreas Brandhorst, geboren 1956 in Norddeutschland, zählt zu den prägenden Stimmen der deutschsprachigen Science-Fiction. Mit Titeln wie Äon, Das Erwachen oder Das Schiff hat er sich als Autor großer Zukunftsvisionen etabliert. Sein neustes Buch Origin – Die Entdeckung lässt sich im Grenzbereich zwischen Hard Science-Fiction und klassischer Space Opera verorten.
- Verlag: Heyne
- Autor: Andreas Brandhorst
- Erscheinungsdatum: 16.07.2025
- Sprache: Deutsch
- Format: Paperback
- Seitenanzahl: 448
- ISBN: 978-3-453-32383-4
- Preis: 17,00 EUR (Print)+ 12,99 EUR (E-Book)
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon
Fazit
Die Grundidee von Origin – Die Entdeckung ist vielversprechend: Drei Autoren erzählen in einer gemeinsamen Welt, mit viel Freiraum und klassischen Science-Fiction-Motiven, die zugleich aktuelle Fragen aufgreifen.
Erzählerisch bleibt der Roman jedoch eher zurückhaltend. Der Stil ist nüchtern, die Figuren bleiben blass, und viele Dialoge wirken erklärend statt lebendig. Die große Idee ist da, sie entfaltet sich nur nicht mit der Wucht, die man sich wünschen würde.
Empfehlenswert ist das Buch vor allem für Science-Fiction-Lesende, die klassische Stoffe mögen, auf solide Weltentwürfe Wert legen und keine allzu experimentelle Erzählweise erwarten.

- Spannendes Konzept
- Steife Dialoge
- Vorhersehbare Handlung
- Oberflächliche Charaktere
Titelbild: © clearviewstock | depositphotos
Artikelbilder: © Heyne
Layout und Satz: Kai Frederic Engelmann
Lektorat: Susanne Stark
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