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Seit rund 13 Jahren unterhält Shinji Schneider insbesondere Besucher auf Anime-Cons, wobei sein Repertoire darüber weit hinaus geht. Inzwischen füllt er die Haupt-Säle auf großen Conventions wie kaum ein anderer deutscher Showact und finanziert derzeit seine dritte DVD – beste Gelegenheit, ihn einmal ins Interview zu bitten.

Der 36-jährige Schweizer ist bereits seit 2005 auf Con-Bühnen unterwegs, wobei seine Themen in den jährlich wechselnden Programmen sich inzwischen weit weniger um Anime und Manga drehen, sondern vielmehr um Fanszene, Conventions und Videospiele, wobei auch diverse andere Themen vorkommen.

Dank Youtube gibt es dabei auch abseits von Con-Besuchen die Möglichkeit, seine Auftritte zu sehen – mittlerweile in einer äußerst professionellen Aufzeichnungsqualität. Dennoch wünschten sich Fans bereits vor Jahren, seine Auftritte auch auf DVD zu haben, was zu mittlerweile zwei DVDs geführt hat. Eine dritte wird seit Anfang Juni (bis Ende Juli) via Crowdfunding finanziert.

Eine Entwicklung, mit der der Schweizer wohl nicht gerechnet hätte, als er Mitte der 90er Jahre anfing, Animes zu sehen (mit Sailor Moon; Liebling: Amy), und um die Jahrtausendwende erstmals Conventions besuchte.

Die Anfänge

Teilzeithelden: Wie bist du denn damals in die Szene gekommen, und wie hat es sich mit der Comedy ergeben?

Shinji: Das war über meinen damaligen besten Freund, mit dem ich zusammen in das Ganze reingerutscht bin – mit Dragonball, Sailor Moon und dem Magazin Animania.

Comedy lief da noch nebenher. Ich wollte immer schon Leute zum Lachen bringen und habe früher ständig andere Komiker nachgeahmt. Anfang der 2000er-Jahre war dann ein Kumpel davon genervt und meinte, ich solle mal was Eigenes machen. Naja, und das habe ich dann gemacht. 2004, als ich als Helfer an Cons war, habe ich nach einem Auftritt von ChibiChibiXXX anderen Helfern etwas von meiner Comedy erzählt, die damals noch von Metal und Gothic handelte – die meinten, es wäre lustig und ich solle damit mal auf die Bühne. Ich habe für das folgende Jahr dann ein Programm rund um Anime namens „Ein Mann unter Freaks“ geschrieben.

Das Programm habe ich dann auch einer Freundin bei einem Besuch vorgespielt – ich wusste damals aber nicht, dass sie Orga einer neuen Con war, der Nippon Island Con. Sie meinte, sie bräuchten noch Showacts und ich solle bei ihr auftreten – das wurde dann mein erster Auftritt. Danach habe ich mich noch bei anderen Conventions beworben und war dann 2006 bei der Bonenkai und der Hanami, bei der ich seitdem quasi zum Inventar gehöre. Später kamen dann noch einige andere und auch größere Cons hinzu.

Shinji beim Auftritt auf der Connichi 2017.
Shinji beim Auftritt auf der Connichi 2017.

Teilzeithelden: Du bist heute ja auch bekannt durch dein typisches Bühnenoutfit im Maid-Kleid. Anfangs hast du das aber noch gar nicht getragen – wie kam es dazu?

Shinji: Ich wollte immer mit Kostüm auf die Bühne – ich kann nicht über die Anime-Szene Witze machen, wenn ich nicht ganz klar darstelle, dass ich selbst dazu gehöre. Ich habe daher immer ein Kostüm getragen.

Bezüglich des Kleids – ich hatte nach einem männlichen Anime-Charakter mit langen, dunklen Haaren und kräftigen Schultern gesucht, den ich darstellen könnte. Die meisten männlichen Anime-Charaktere waren sehr dünn, deren Körper würde in meinen rechten Oberschenkel passen. Ein Kumpel empfahl mir Kamen no Maid Guy zu lesen. Der Hauptcharakter ist eine 1,80 m große Maid mit breiten Schultern und langen, schwarzen Haaren. Ich hab’ dann gesagt, ich würde das als Kostüm tragen, wenn ich jemals auf der Connichi auftreten darf und es mir jemand näht. Eine Bekannte hat es mir dann tatsächlich genäht, und ich durfte kurzfristig bei der Connichi auftreten – und irgendwie wurde es dann mein Markenzeichen, mit dem ich, von einer Ausnahme abgesehen, seit 2009 auftrete.

Teilzeithelden: Wenn du die damalige Zeit, als du als Fan angefangen hast, mit der heutigen vergleichst – wie betrachtest du die Veränderungen?

Shinji: Es gibt diverse Veränderungen. Eine, die mir beispielsweise in den letzten 15 Jahren aufgefallen ist, ist die stärkere Verbreitung von Alkohol. Als ich in die Szene kam, waren gefühlt alle Anti-Alkoholiker und haben Hip-Hop gehasst. Heute sieht man an mehr Cons, dass sich Leute vor der Halle auch etwas betrinken. Das liegt aber vermutlich auch daran, dass Anime mehr Mainstream geworden ist.

Wir mussten damals recht aktiv unsere Sachen zusammensuchen, es gab eben kaum etwas. Mittlerweile ist das Ganze so breit gefächert, mit so vielen Leuten und Untergruppierungen, dass man etwas den Überblick verlieren kann über die Fanszene. Aber ich behaupte mal, dass das auch etwas an meinem Alter liegt. Ich beschwere mich hier über genau das Gleiche, über dass sich zu meiner Anfangszeit diejenigen beschwert haben, die schon seit den 70er- oder 80er-Jahren Anime-Fans waren.

Es gibt auch einige Leute, die meinen, die Szene hätte sich zum Schlechteren gewandelt. Von wegen mehr Drama, mehr Ich-Bezogenheit – das sehe ich allerdings nicht so. Im Großen und Ganzen ist die Szene immer noch sehr tolerant, hält sehr zusammen, man bringt sich untereinander viel Verständnis entgegen und ist sehr hilfsbereit. Aber dadurch, dass wir generell mehr Leute sind, gibt es auch einfach mehr Arschlöcher. Sie sind prozentual nicht mehr geworden, aber sie fallen mehr auf – auch, weil sich Drama im Internet viel mehr verbreitet.

Eine andere Veränderung, die ich sehe, betrifft besonders die Cosplay-Szene, wo es meines Empfindens heute viel mehr den Drang gibt, berühmt zu werden, Likes zu bekommen oder geknipst zu werden. Eben dieses ganze Drama-Zeug, das mit bekannteren Cosplayern, die damit Geld verdienen können, aufgekommen ist. Das ist das Einzige, was ich etwas schade finde. Ich kenne viele Cosplayer, die inzwischen gar keinen Spaß mehr am Cosplay haben, weil sie nicht mehr cosplayen, was ihnen gefällt, sondern nur noch, was ihre Gruppe will oder was ihnen vermeintlich die meisten Klicks generiert.

Berühmtheit?

Teilzeithelden: Stichpunkt Fame und Berühmtheit – du bist ja inzwischen selbst eine relative Szene-Berühmtheit …

Shinji: Da würde ich widersprechen. Ich sehe mich nicht als Berühmtheit und will mich auch nicht so sehen. Ich war zum Beispiel vor kurzem auf einer Con in Österreich, wo mich vielleicht fünf, sechs Besucher plus die Orgas kannten. Der Rest lief an meinem Stand vorbei und hat sich gefragt, wer der komische Kerl im Rock sein soll.

Also, es gibt durchaus einige Leute in der Szene, die mich kennen, und ich kann einen Saal füllen. Es gibt auch Cons, wo ich mich kaum vorwärtsbewegen kann, weil ich ständig mit wem am Plaudern bin. Aber das alles ist lächerlich, verglichen mit den richtigen Berühmtheiten. Es gibt auch Cons, wo ich selbst komplett von Stars fasziniert rumlaufe, wenn ich jemanden sehe den ich als Berühmtheit einstufen würde. Zum Beispiel auf einem CosDay², als ich Tommy Krappweis im Lift gegenüberstand. Mein innerer Fanboy hat da hyperventiliert, und gesagt habe ich natürlich nur: „N’Abend.“

Teilzeithelden: Wie hat sich dein Con-Leben denn durch die Auftritte und relative Bekanntheit verändert?

Durch die Auftritte hat es sich insofern verändert, dass ich das Glück habe, dass mir teilweise Benzin und/oder Hotel bezahlt wird und ich keine Eintrittskarte kaufen muss, wodurch ich günstiger auf Cons kann beziehungsweise auf mehr, als ich es sonst könnte. Im Großen und Ganzen ist es aber nicht wesentlich anders als früher, wo ich noch als Helfer an Cons war – nur, dass ich jetzt weniger arbeiten muss.

Von daher – ich sehe mich nicht als Berühmtheit, sondern nur als ein Depp, der etwas bekannter ist als die anderen Deppen. Und das meine ich sehr liebevoll.

Teilzeithelden: Du hast aber auch hunderte Fans, die inzwischen bares Geld für dich ausgegeben haben, beziehungsweise für deine DVDs.

Shinji: Ja! Ich habe damals alleine von der ersten DVD 525 Stück produzieren lassen, und davon sind nur noch rund 40 Stück übrig, was recht krass ist.

Teilzeithelden: Wie fühlt es sich an, zu sehen, dass so viele Leute sich für 15 EUR eine deiner DVDs kaufen?

So sah das Cover der ersten DVD aus

Shinji: Es ist extrem surreal. Ich habe mich ja jahrelang geweigert, eine DVD zu produzieren, weil ich mir dachte, dass keiner sie kaufen würde und man mich ja gratis sehen kann. Da ich aber immer wieder gefragt wurde, habe ich es dann doch mal gemacht, via Crowdfunding.

Mein Problem ist aber generell, dass ich gleichzeitig ein arroganter Sack mit hohen Erwartungen als auch einer mit Minderwertigkeitskomplex bin, der sich für einen Betrüger hält und glaubt, gar nichts auf der Bühne verloren zu haben. Diese beiden Persönlichkeiten sind immer im Clinch, und beim ersten Crowdfunding war ich einerseits total happy und baff, dass die Finanzierung von 3.000 EUR zusammengekommen ist, während ein anderer Teil sich dachte, dass 10.000 EUR ja besser gewesen wären. Aber so geht es mir bei allen Sachen rund um meine Comedy. Ich bin auch jedes Mal wieder baff, wenn ich einen Saal fülle oder dass ich letztes Jahr auf der Connichi über 100 DVDs verkauft habe. Also auch mit über 100 Leuten gesprochen, Autogramme gegeben, Fotos gemacht – das war ein unglaubliches Gefühl, einfach hammermäßig!

Das neue Crowdfunding

Teilzeithelden: Aktuell läuft das Crowdfunding für deine dritte DVD – was wird darauf zu finden sein?

Shinji: Auf jeden Fall das namensgebende Programm Der Auserwählte, mit dem ich letztes Jahr auf der Connichi aufgetreten bin. Dabei geht es um Videospiele, mit dem Fokus darauf, dass man in den meisten Spielen den Auserwählten spielt. Der Einzige, der die Welt retten, der das Master-Schwert ziehen oder drei Blumen für einen NPC pflücken kann – vor allem darüber mache ich mich da lustig.

Als Bonusmaterial kommt sicher noch mein Videospielprogramm von 2012, Extra Life, auf die DVD. Für eine eigene DVD ist die Aufnahmequalität leider nicht gut genug, weswegen es nun hier als Bonus draufkommt. Außerdem wurde mein erster Workshop über Comedy auf der Wie.Mai.Kai gefilmt und wird sich ebenfalls auf der DVD wiederfinden. Ob ich darüber hinaus noch etwas anderes dazu packen werde weiß ich aktuell noch nicht, da muss ich noch schauen, wieviel Platz übrig ist, und ich werde darüber mit meinen Unterstützern reden – es ist mir generell wichtig, meine Unterstützer und Fans einzubeziehen.

Teilzeithelden: Wie sieht es aus mit Stretch Goals?

Shinji: Das aktuelle Funding-Ziel sind wieder 3.000 EUR, und als erstes Stretch Goal kann ich bei 5.000 EUR meine erste DVD neu produzieren – diesmal auch mit Untertiteln. Dass wir mehr zusammen bekommen, glaube ich persönlich eher nicht.

Teilzeithelden: Was sagtest du gerade nochmal mit den 10.000 EUR, die gut wären?

Shinji: Dann würde ich mir wohl einen kleinen Traum erfüllen: Ich habe eine Freundin, MummyMetaller, die seit Jahren alle Bilder für meine Comedy zeichnet. Ich würde gerne einmal ein Artbook mit all diesen Zeichnungen und zugehörigem Kontext herstellen. Die Einnahmen des Artbooks würden dann 50:50 geteilt, so dass sie mehr Lohn für ihre Arbeit hätte. Ich bezahle sie zwar für ihre Bilder, aber nicht genug, wie ich finde. Aber erstmal liegt mein Fokus auf den 3.000 beziehungsweise 5.000 EUR, und mehr plane ich derzeit nicht.

Das Artwork zur aktuellen Crowdfunding-Kampagne.
Das Artwork zur aktuellen Crowdfunding-Kampagne.

Die Comedy selbst

Teilzeithelden: Sind deine Comedy-Texte eigentlich alles echte Erlebnisse von dir, oder ist da vieles von anderen oder erfunden?

Shinji: Größtenteils sind das Erlebnisse von mir oder guten Freunden, die eventuell leicht übertrieben sind. Davon lebt auch meine Comedy – die muss ehrlich sein. Ich bin einer, der einfach seinen Freunden vor der Bühne seine Geschichten erzählt.

Teilzeithelden: Du bindest da ja auch teils sehr persönliche Sachen wie deine Gesundheit ein – wie hat sich das ergeben, und wie wird das aufgenommen?

Shinji: Ich hab’ schon immer das Herz auf der Zunge getragen, und ich hasse es zu lügen. Mir war es daher immer wichtig, ehrlich zu sein, und ich möchte auch nicht abgehoben wirken. Und ein Comedy-Programm, bei dem man eher der Kumpel der Zuschauer ist, funktioniert nur, wenn man dabei offen und ehrlich ist.

Was ich über mein Privatleben erzähle, vor allem auf der Bühne, hat dabei immer verschiedene Gründe. Über meinen Partner und unsere Ehe habe ich zum Beispiel viel gesprochen, weil ich Angst hatte, dass ich irgendwelche Fans habe, die denken, mein Ehepartner macht meinen Stil kaputt oder solchen Blödsinn. Man kennt sowas ja, dieses ganze Drama. Ich wollte damit zeigen, dass ich ohne meinen Partner meine Comedy vermutlich gar nicht mehr machen würde.

Bei anderen Dingen, gerade bei gesundheitlichen Themen wie meinem Schleudertrauma, meiner Depression oder meinen Erfahrungen mit Mobbing, spreche ich vor allem deswegen darüber, weil mir wichtig ist, dass die Leute diese Themen nicht mehr als Stigma sehen. Dass die Leute sehen, er kann auf der Bühne stehen, Spaß haben, die Leute unterhalten und sein Leben leben – obwohl er das hat. Das Schlimmste, was einem passieren kann, wenn es einem schlecht geht, ist, dass man sich missverstanden und alleine fühlt. Ich habe durch meine Show die Möglichkeit, ein paar hundert oder tausend Leute zu erreichen, und ich habe von vielen auch Feedback bekommen, dass sie dankbar dafür sind, dass ich solche Themen anspreche. Oder dass ich ihnen dadurch Mut mache, indem ich zeige, wie es mir geht – dass es mir besser geht, ich aber ebenso auch schlechtere Zeiten habe.

Andere Themen sind mir persönlich auch sehr wichtig, gerade zum Beispiel LBGT, da mein Partner selbst trans ist. Wenn ich also die Möglichkeit habe, Transmenschen eine Stimme zu geben, auch wenn ich selbst nur Angehöriger bin, dann sollte ich das tun. Das Schlimmste wäre sonst, den Arschlöchern das Feld zu überlassen, die sich nur lustig machen können.

Teilzeithelden: Du hast aber auch Elemente in deinen Programmen, die kritisch aufgenommen oder eine Vorlage für das vorhin von dir angesprochene Drama abgeben könnten.

Shinji: Oh ja!

Teilzeithelden: Gab es da entsprechende Dramen oder Anfeindungen?

Shinji: Da erwähne ich sehr gerne ein Finale der Deutschen Cosplaymeisterschaft, ich meine es war 2009 oder 2010. Ich durfte dort auf der Frankfurter Buchmesse beim Finale auftreten. Es hieß, es seien viele Nicht-Anime-Fans anwesend, ich solle die mal für 15 Minuten unterhalten. Ich habe also ein kurzes Programm geschrieben, dass auch für Nicht-Szene-Leute funktionieren könnte, und habe den größten Fauxpas gemacht, den man für einige Cosplayer machen kann, vor allem wenn sie sich selbst zu ernst nehmen: Ich habe es gewagt, Cosplay mit Fasching zu vergleichen. Das hat einiges an Dramen ausgelöst, auch weil einige Zitate aus dem Kontext gerissen oder anders interpretiert wurden, als ich sie gemeint hatte.

Generell ist es mir egal, wenn Leute sich angepisst fühlen, weil sie etwas so verstehen, wie ich es gemeint habe. Im Sinne von: Wer sich betroffen fühlt, ist gemeint. Es setzt mir aber sehr zu, wenn Leute sauer sind wegen etwas, was ich vermeintlich gesagt, aber nie so gemeint habe. Das tut mir sehr weh, da mir Zusammenhalt wichtig ist und ich generell sehr harmoniebedürftig bin.

Nach der Drama-Sache auf der Frankfurter Buchmesse habe ich mir aber gesagt: „Ernsthaft? Wegen so einem Scheiß schiebt ihr Drama? Ich geb euch Drama“, und habe ein Jahr später ein Programm namens Con ist Krieg auf die Bühne gestellt, wo ich einfach mal über alles hergezogen bin. Die Rückmeldungen waren aber eher so, dass ich zu nett gewesen sei. Denn selbst wenn ich böse bin, will ich nicht wirklich böse sein. Ich habe auch ganz klare Regeln für mich, dass ich zum Beispiel nicht namentlich über etwas oder jemanden herziehe. Das gehört sich einfach nicht.

Ich bin aber auch der Meinung, dass ich gerade als Komiker die Möglichkeit habe, gewisse Themen an Cons zu bringen. Ich rede auch gerne über Themen, die mich aufregen. Mein Schatz und andere sagen, dass ich dann am lustigsten bin, wenn ich stocksauer bin – beispielsweise das Thema sexuelle Belästigung an Cons, auch Belästigung von Männern, in meinem aktuellen Programm – das habe ich in einem ziemlichen Anflug von Wut geschrieben. Ich halte auch gerne den Leuten etwas den Spiegel vor und habe die Hoffnung, dass ich zumindest einige Leute dazu animieren kann zu hinterfragen.

Eine Illustration von MummyMetaller für das aktuelle Programm „Too Much Information“.
Eine Illustration von MummyMetaller für das aktuelle Programm „Too Much Information“.

Teilzeithelden: Du bist ja auch Pen&Paper-Rollenspieler und warst LARPer – was man in deinen Programmen kaum findet. Wie sieht es mit diesen Themen aus?

Shinji: Der Punkt ist: Ich könnte da etwas aus meinen Spielrunden berichten, aber meiner Erfahrung nach macht es keinen Spaß, wenn nur einer Storys erzählt. Jeder, der Pen&Paper spielt, hat selbst genügend solcher Storys. Und ich war auch noch nie auf den großen Conventions der Szene, weil das zeitlich nie gepasst hat – meine Urlaubstage gehen für die ganzen Anime-Cons drauf, und ich kann keine gute Comedy machen nur mit Geschichten von anderen, das wäre nicht ehrlich.

Aber das ist okay – die deutschen Anime-Cons gefallen mir und sind für mich ein familiäres Umfeld, egal ob mit 200 oder 45.000 Besuchern. Da sind meine Freunde, da ist meine Familie, das ist es, wo ich hinwill.

Teilzeithelden: Ein perfektes Schlusswort. Vielen Dank für deine Zeit und noch viel Erfolg!

Artikelbilder/Illustrationen: Shinji Schneider / MummyMetaller
Fotografie: Michael Fuchs

 

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