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Die Motivation, die eigenen Figuren mit Farbe zu versehen, ist da. Eine neue Technik, mit gutem Endergebnis, scheint auf einmal zu kompliziert und direkt kommt Unmut auf und die Lust für das Malen vergeht sofort wieder? In diesem Artikel gehen wir auf weitere einfache Maltechniken ein.

Seit dem letzten Artikel zum Thema Malen ist einige Zeit vergangen. Der Sommer ist vorbei, die Freizeitaktivitäten werden weniger, und die grauen Modelle rufen bereits nach einer Bemalung. Ich erwische mich selbst oft dabei, dass viele Techniken den Einsatz einer Airbrush erfordern. Das Fehlen einer eigenen Farbpistole führt schnell dazu, dass manche Möglichkeiten unmöglich erscheinen. Doch das eigene Experimentieren kann neue Alternativen aufzeigen oder das intensivere Suchen zu einem Ersatz für die Airbrush führen.

Daher soll in diesem Artikel zunächst ein kurzer Blick auf eine einfache, aber dennoch wichtige Grundlage, das Grundieren, geworfen werden. Danach stellen wir eine Technik vor, bei der das Endergebnis komplexer wirkt, als der eigentliche Malvorgang tatsächlich ist. Viele sind schon an dem metallischen Aussehen von Rüstungen verzweifelt. Abschließend widmen wir uns den finalen Details, die einer gut bemalten Figur den letzten Schliff verleihen und sie lebendig wirken lassen, als wäre sie in Bewegung eingefangen worden. Dabei greifen wir auf Werkzeuge zurück, die normalerweise nicht so häufig beim Bemalen verwendet werden.

Zurück ins Ausbildungscamp! – Das Grundieren

Jedem*r Spieler*in sollte bewusst sein, dass eine Figur von Anfang an grundiert sein sollte. Doch bereits bei diesem Schritt kann der Grundstein für spätere Effekte gelegt werden, da die Grundierung einen direkten Einfluss auf die kommenden Farben hat.

Das Grundieren ist wahrscheinlich der schnellste Schritt beim Bemalen der eigenen Figuren, abgesehen von der Trocknungszeit. Doch wie viele machen sich wirklich Gedanken darüber, welchen Einfluss dieser erste Schritt haben kann?

Wer genau hinschaut, erkennt, dass die Vorgrundierung eine Auswirkung auf die nachfolgenden Farbschichten hat.
Wer genau hinschaut, erkennt, dass die Vorgrundierung eine Auswirkung auf die nachfolgenden Farbschichten hat.

Die übliche Vorgehensweise ist, einfach die gewünschte Grundfarbe als Grundierung zu verwenden und danach direkt weiter zu malen. Es gibt jedoch eine andere Möglichkeit: Zunächst eine Vorgrundierung aufzutragen und dann erst die eigentliche Grundierung zu verwenden. Was zunächst nach einer Verschwendung von Zeit und Farbe klingt, kann später tatsächlich Zeit und Ärger ersparen. Diese erste Schicht kann, abhängig von der Anzahl der weiteren Schichten, durchscheinen und das Endergebnis der Figur beeinflussen.

Möchte der*die Maler*in ein sehr helles Modell schaffen, lohnt es sich, darüber nachzudenken, ob eine weiße Vorgrundierung sinnvoll ist, bevor die eigentliche Grundierung aufgetragen wird. Soll das Modell hingegen dunkler wirken, bietet sich eine schwarze Grundierung an. Die schwarze Vorgrundierung hat zudem einen weiteren Vorteil: Sollte im Verlauf des Malprozesses aus Unachtsamkeit ein Bereich der Figur unbeabsichtigt unbemalt bleiben, kann die schwarze Grundierung den Eindruck erwecken, dass es sich dabei um einen Schattenbereich handelt.

Die Rüstung glänzend polieren – Einen metallischen Look erzeugen

In den Animationsfilmen von Games Workshop scheinen einige Rüstungen zu glänzen, während andere sehr metallisch wirken. In diesem Artikel betrachten wir zwei mögliche Konzepte für metallische Rüstungen: einmal unter Verwendung von „warmen“ und einmal von „kalten“ Farben. Für beide Beispiele wurden ausschließlich Farben von Games Workshop verwendet. Jede der Figuren wurde zunächst mit Chaos Black grundiert.

Als Beispiel für eine metallische Rüstung wird hier die Herstellung einer roten Rüstung vorgestellt.  Rot und Gold harmonieren gut miteinander, da beide Farben ein warmes Gefühl erzeugen. Ein metallischer, roter Farbton ist auch als candy red bekannt. Um diesen Effekt erreichen zu können, wird als zweite Grundierung Retributor Armor verwendet. Anschließend werden die Farben Spiritstone Red und Carroburg Crimson im Verhältnis 1:1 gemischt. Bei Bedarf kann Lahmian Medium hinzugefügt werden, um die Mischung leicht zu verdünnen und die Farbe besser auftragen zu können.

Als nächstes wird die Rüstungsfläche mit mindestens zwei, besser noch drei Farbschichten versehen. Dies erfordert zwar etwas Geduld, aufgrund der Trocknungszeiten, aber das Ergebnis spricht für sich. Falls die Farbe über die definierten Rüstungszonen gegangen sein sollte, kann hier mit Retributor Armor ausgebessert werden.

Auf großen freien Flächen lässt sich die rote Rüstung am besten erkennen.
Auf großen freien Flächen lässt sich die rote Rüstung am besten erkennen.

Auch für eine Rüstung, die in eher kalten Farbtönen wie zum Beispiel Blau gehalten ist, soll eine passende Lösung gefunden werden. Für eine „kalte“ Rüstung wird als zweite Grundierung Lead Belcher verwendet. Als Beispiel ziehen wir die Verräterlegion von Fulgrim heran. Games Workshop hat hierfür eine passende Farbe herausgebracht, die keine Mischung von Farben erfordert: Eidolon Purple. Wer anmerkt, dass diese Farbe eigentlich für eine Airbrush gedacht ist, hat recht – dennoch liefert sie ein überzeugendes Ergebnis. Zusätzlich wurde etwas Lahmian Medium hinzugefügt, um die violette Farbe weniger intensiv wirken zu lassen beziehungsweise, um das Auftragen der deckenden Farbe besser kontrollieren zu können. Des Weiteren sind mindestens drei Schichten – nacheinander aufgetragen – zu empfehlen. Eine Alternative zu den hier genannten Farben könnten auch die Speed Paints von Army Painter sein. Hier braucht es Mut zum Ausprobieren.

Auch kalte Farben können schnell auf Rüstungen aufgetragen werden und zeigen ihre schöne Seite.
Auch kalte Farben können schnell auf Rüstungen aufgetragen werden und zeigen ihre schöne Seite.

Das Befriedigende an diesen beiden Techniken, also der „kalten“ und der „warmen“ metallischen Rüstung, ist, dass sie wirklich leicht anzuwenden sind und weder viel Zeit noch große Konzentration erfordern. Das Endergebnis kann sich wirklich sehen lassen und verleiht der Armee ein ansprechendes Erscheinungsbild. Es müssen lediglich die Trocknungszeiten beachtet und mehrere Farbschichten aufgetragen werden, damit der gewünschte Farbeffekt voll zur Geltung kommt.

Sicherlich lassen sich noch viele weitere Kombinationen finden, um einen metallischen Look zu erzeugen. Sei es ein dunkles Blau für die Night Lords oder ein Grün für die loyalen Salamanders – die Möglichkeiten sind vielfältig

Eine Figur ist nicht statisch! – Effekte, die einer Figur Leben einhauchen

Die Figur ist fertig bemalt, aber irgendetwas fehlt? Das spritzende Blut ist nicht eindrucksvoll genug? Das Monster reißt das Maul auf, doch der Speichel fehlt? Die Figur wirkt, trotz dynamischer Pose, noch etwas statisch? Die Lösung klingt vielleicht überraschend: Kleber. Welcher Kleber am besten funktioniert, lässt sich durch Ausprobieren herausfinden – etwa an Bits oder Plastikrahmen, die normalerweise im Müll landen würden. Doch was genau ist gemeint?

Für diese Technik werden mehrere Zahnstocher und ein transparenter Kleber benötigt. Ich persönlich habe gute Erfahrungen mit dem Alleskleber von UHU gemacht, aber auch Pattex bietet nützliche Klebstoffe. Der Kleber wird entweder direkt mit dem Zahnstocher auf die Figur aufgetragen, was einen Speichel- oder Schleim-Effekt erzeugen kann.

Dazu trägt man etwas Kleber auf den Zahnstocher auf, setzt ihn an einer passenden Stelle der Figur an und zieht ihn schnell zu einem anderen Punkt. Dabei entstehen Klebefäden, die der Figur mehr Dynamik verleihen. Wichtig ist, dass man nicht zu lange mit der Verarbeitung wartet, da einige Klebstoffe recht schnell antrocknen und der gewünschte Effekt dann nicht mehr erzielt werden kann. Hier ist also schnelles Arbeiten gefragt, anstatt sich zu viel Zeit zu lassen.

Eine Erweiterung dieser Technik besteht darin, den Zahnstocher von der Figur wegzuziehen, sodass der gerade gezogene Faden reißt. Dadurch entsteht ein tropfender Speichel-Effekt.

Was aber, wenn der Speichel eine bestimmte Farbe haben soll? Die Lösung ist einfach: Die gewünschte Farbe wird in den Kleber gemischt, bevor die Fäden gezogen werden. Auch hier sollte man mit verschiedenen Klebern experimentieren, da diese das farbliche Endergebnis beeinflussen und die Farbe entweder matt oder glänzend wirken lassen können. Für einen kränklichen Speichel-Effekt eignet sich beispielsweise Nurgle’s Rot hervorragend.

Kleber und Farbe können jedoch mehr als nur Speichel erzeugen. Ein weiterer interessanter Effekt ist spritzendes Blut. Dazu muss der Kleber einfach mit Blood for the Blood God gemischt werden. Für einen dickeren Bluteffekt kann man mehrmals ansetzen, um bereits vorhandene Fäden zu verstärken, oder den Kleber direkt dicker auftragen.

Das Blut fliegt durch die Luft.
Das Blut fliegt durch die Luft.

Fazit

Das Bemalen einer Figur beginnt eigentlich schon vor dem ersten Farbauftrag. Will ich eine helle oder eine dunkle Figur gestalten? Oder möchte ich sogar auf eine Vorgrundierung verzichten? So oder so sollte der Malprozess Spaß machen. Manchmal ist es nicht das eigentliche Bemalen, das Freude bereitet, sondern das Ausprobieren neuer Techniken, um zu sehen, ob das Ergebnis gefällt und vielleicht beim nächsten Armeeprojekt verwendet werden kann. Gelegentlich kann man auch zu bereits abgeschlossenen Projekten zurückkehren und hier und da noch ein paar Blutfäden hinzufügen, um der Figur mehr Dynamik zu verleihen.

Wichtig ist, den Mut zu neuen Techniken nicht zu verlieren. Noch wichtiger ist jedoch, dass man selbst mit den Ergebnissen zufrieden ist – schließlich bemalt man die Figuren in erster Linie für sich selbst, nicht für andere. Auch wenn es natürlich schön ist, die Komplimente anderer zu hören.

 

Titelbild: depositphotos © arnoart.list.ru
Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat: Laura Pascharat
Fotografien: Robert Wolfes
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