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Die Plastikgussrahmen türmen sich auf, die Farbe droht einzutrocknen? In dem nächsten Teil unserer Reihe stellen wir erneut Techniken und Material vor, um euren Malhorizont zu erweitern. Um beim Malen Spaß zu haben, muss man bei weitem kein Profi sein.

Die Tage werden wieder kürzer und ab und an ungemütlicher. Eigentlich eine gute Zeit, um wieder Figuren anzumalen, doch so wirklich will die Lust zu bemalen einen nicht überkommen. Zu viel Plastik hat sich angehäuft, das Bemal-Tutorial im Internet hat einen eher frustriert als motiviert – können das doch gefühlt alle anderen einfach besser.

Teil drei unserer Serie beschäftigt sich, wie schon eins und zwei, mit Maltipps, für die man keine besondere Fähigkeiten braucht. Neben zwei neuen Techniken soll es dieses Mal auch um Material und den Umgang mit den eigenen Ansprüchen gehen.

Brauch ich das alles? – Das richtige Material zum Malen

Die Frage nach der richtigen Ausrüstung zum Malen ist so alt wie das Hobby selbst und oft mehr Philosophie als alles andere. Schon die richtige Pinselgröße spaltet da gern einmal die Geister. Manchmal ist man versucht, für kleine Arbeiten eben auch möglichst feine Pinsel zu holen, die am Ende nur noch aus wenigen Haaren bestehen. In einem solchen Fall hat man jedoch schnell das Problem, dass wenig Farbe auf dem Pinsel bleibt und somit auch oft neu aufgenommen werden muss. Viel wichtiger aber als die eigentliche Pinselgröße ist eine feine Spitze. Diese ist es doch, mit der meist gemalt wird, und somit entscheidet sie eigentlich über Erfolg und Misserfolg der feinen Maltechnik.

Statt immer kleinere Pinsel zu suchen, kann es auch helfen, sich über die Handhaltung Gedanken zu machen und potenziell die Höhe der Sitzfläche anzupassen, damit man eine möglichst feste Position findet, um die Spitze bestmöglich zu kontrollieren. Das beugt dem ein oder anderen ungenauen Pinselstrich durchaus vor.

Geschüttelt oder gerührt – Variationen von Farb-Fläschchen

Auch Farben von GW lassen sich umfüllen, man muss aber mit Verlust rechnen
Auch Farben von GW lassen sich umfüllen, man muss aber mit Verlust rechnen.

Ob man lieber Farbtöpfe oder sogenannte Dropper-Flaschen bevorzugt, ist die nächste Glaubensfrage im Bemalprozess. Dropper-Flaschen haben einen Pipettier-Kopf, der eine feinere Dosierung ermöglicht. So mancher Hersteller, an erster Stelle Games Workshop, setzt aber auf klassische Farbtöpfchen. Wer auf die genauere Dosierung nicht verzichten möchte, kann die Flaschen umfüllen. Dafür bietet es sich an, kleine Trichter und Agitator-Kugeln zu nutzen. Dies sind kleine Metallkugeln, die man den Farbflaschen beigibt und welche die Farbe beim Schütteln besser durchmischen. Um beim Umfüllen möglichst wenig Farbe zu verlieren, sollte man etwas Verdünnung hinzufügen. Hier bieten sich Mittel an, die auch für die Verdünnung von Airbrush-Farben genutzt werden. Trotzdem muss man beim Umfüllen immer einen Verlust mit einrechnen, die komplette Menge wird man nie herausbekommen.

Sollte man bei Farbtöpfen bleiben, empfiehlt es sich, irgendeinen Schutz zu haben, der verhindert, dass man die Farben aus Versehen umwirft. Games Workshop bietet für seine Farben passgenaue Einsätze an, die überraschend gut funktionieren. Alternativ gibt es aber auch eine Vielzahl an druckbaren Erzeugnissen auf den üblichen Websites wie thingiverse oder pinshape.

Bitterkalte Erlebnisse – Eisige Umgebungen für die Miniaturen

Eine spannende Umgebung für die eigenen Miniaturen zu schaffen, kann der Armee einen neuen Stil geben und ein Erscheinungsbild komplett verändern. Warum nicht eisige Einöden schaffen, in denen die Truppen ums Überleben kämpfen müssen? Für die Darstellung von Wintereffekten gibt es unterschiedliche Effektfarben, die eine solche Optik erzielen können. Diese sind leicht zu verarbeiten. Unterschieden werden kann zwischen Schnee- und Frosteffekten.

Frosteffekte und Schnee erzeugen schnell gute Ergebnisse
Frosteffekte und Schnee erzeugen schnell gute Ergebnisse

Schneeeffekte eignen sich vor allem für die Base und Stellen auf größeren Modellen, an denen Schnee liegen bleiben würde. Beispiele hierfür wären beispielsweise die Ecken zwischen Panzerplatten oder auch Vertiefungen auf Fahrzeugen. Um eine möglichst glaubwürdige Optik zu erzeugen, sollten Stellen vermieden werden, an denen der Schnee nicht liegen bleiben würde, beispielsweise schräge Flächen oder warme Bereiche wie Auspuffrohre oder Plasmaleitungen. Schnee ist dabei nicht gleich Schnee. Diesen gibt es sowohl mit mehr Struktur als auch in kleineren Partikeln, um frische Schneewehen darzustellen. Anbieter gibt es dafür eine ganze Menge. Die Farben von AK sind positiv hervorzuheben, bieten sie doch eine gute Mischung aus überschaubarem Preis und einer großen Menge Farbe. Ein Pott reicht hier locker für eine ganze Armee oder mehr.

Neben Schnee-Effekten gibt es inzwischen auch einige Anbieter, die Frost zum Pinseln anbieten. Dieser ist etwas zähflüssig und bildet beim Austrocken Flächen, die aussehen als wären sie mit Eis überzogen oder auch Kristalle. All diesen Farben ist gemein, dass sie druckempfindlich sind und einen Teil des Effekts einbüßen, wenn sie mit härteren Objekte wie Fingern in Kontakt kommen. Vor allem eine pulvrige Optik verschwindet dabei schnell. Vorsichtig sollte man auch mit Sprühversiegelungen sein. Diese können einen entsprechenden Effekt zerstören. Ein vorsichtiges Austesten an kleinen Stellen sollte daher immer der erste Schritt sein.

Das Ding hat sich gerade bewegt! – Eine Armee aus lebenden Statuen

Eine ganze Armee am Stück bemalen zu wollen, ist immer ein herausforderndes Projekt. Schnell fühlt man sich durch die reine Masse an Miniaturen erschlagen oder kann den anfangs vielleicht zu hoch gesetzten Standard nicht halten. Eine andere Herangehensweise kann dann ein alternatives Bemal-Schema sein, das gerade aus der Masse an Miniaturen optische Vorteile zieht und so in kurzer Zeit hübsche Ergebnisse produziert. Ein solches Beispiel ist eine Armee aus lebenden Statuen.

In dem hier gewählten Beispiel sind die Miniaturen zunächst mit Grau grundiert worden. Dafür ist Mechanicus Standard Grey von Games Workshop verwendet worden. Jede andere graue Grundierung erfüllt natürlich denselben Zweck. Im nächsten Schritt wird jedes Modell mit einem etwas hellerem Grau trockengebürstet. Das Ziel ist dabei, dass Nuancen des Modells durch die etwas hellere Farbe mehr zur Geltung kommen. Um diesen Effekt noch zu verstärken, kann man danach mit verdünnter Farbe Bereiche des Modells wieder verdunkeln. Das Auftragen dieser Farbe kann recht grob geschehen, vermieden werden sollte jedoch eine Pool-Bildung, durch die sich unschöne Flecken auf dem Modell formen können. In dem gewählten Beispiel ist dafür eine Mischung aus Erd- und Grüntönen gewählt worden, hier sind den eigenen Ideen aber keine Grenzen gesetzt. Wer eine eher außerirdische Optik sucht, könnte auch mit einer kontraststarken Farbe in Blau oder Gelb arbeiten.

Nach diesem Vorgang bietet es sich an, den Kontrast auf den Erhebungen weiter zu erhöhen, dieses Mal durch eine noch stärker vom Grau abgesetzte Farbe. Diese sollte aber mit dem Grau harmonieren, sonst wirken diese Stellen schnell unnatürlich. Im Beispiel fiel die Entscheidung auf einen hellen Knochenton. Auch hier ist der Hersteller zweitrangig, in diesem Beispiel ist es Terminus Stone von Games Workshop.

Ein helles Blau lässt die Waffen magisch erscheinen
Ein helles Blau lässt die Waffen magisch erscheinen

Zuletzt sollte zum Ausdruck gebracht werden, dass die Statue magisch oder mechanisch beseelt und nicht nur ein Geländestück ist. Eine gute Möglichkeit ist dabei Augen, magische Runen und ähnliche Teile mit einem farblichen Effekt abzugrenzen. Hier kann man sich gut an klischeehaften Farben orientieren und gut gesonnenen Kreaturen blaue Effekte mitgeben, wohingegen sich bei eher bösen Gesellen Rot anbietet. Bei dem hier bemalten Space Marine Stormcast Eternal habe ich mich für ein helles Blau entschieden, bei meinen Space Marines nutze ich wiederum Rot. Auch hier sollte man mindestens zwei verschiedene Farben nutzen, um den Übergang zwischen Stein und magischer Fläche nicht zu starr zu gestalten.

Zuletzt stellt sich die Frage, welche Farbe die Base der Figur haben sollte. Es mag hier verlockend erscheinen, eine ähnliche Farbe als Untergrund zu wählen, die man schon auf der Figur verwendet hat, schließlich ist ja alles aus Stein. Dadurch nimmt man aber den Fokus von der Besonderheit, dass das Modell selbst wie Stein aussieht. Daher bietet sich auch hier ein Kontrast an. Hat man die Steinfarbe der Figur eher hell gestaltet, sollte man auf einen dunklen Boden setzen. Ist wiederum die Figur selbst dunkel, sollte man helle Farben wählen. Ein paar aufgeklebte Büsche runden die Optik dann ab und sorgen für zusätzliche Farbtupfer.

Diese Technik eignet sich ausgezeichnet dafür, große Armeeteile am Stück zu bemalen, verwendet man doch fast überall die gleichen Farben und spart so Zeit und Geld.

Der eigene Anspruch und der Umgang damit – Fazit

Die fertige Miniatur kann sich durchaus sehen lassen
Die fertige Miniatur kann sich durchaus sehen lassen

Das Netz ist scheinbar voll mit Maler*innen, die fantastisch Ergebnisse bei noch so kleinen Miniaturen zaubern können. Während dies den ein oder anderen motivieren kann, mag es für viele Personen geradezu abschreckend wirken. Schnell wirkt es so, als könnte man die dort sichtbaren Ergebnisse nie erreichen. Davon sollte man sich aber nicht verunsichern lassen. Es ist keineswegs schlimm, dass man nicht die*der beste Malende auf dem Planeten ist. Viel wichtiger ist, dass man an dem, was man tut, Freude hat.

Um bei den eigenen Fähigkeiten trotzdem nicht auf der Stelle zu treten, lohnt es sich, vor dem Malprojekt einen Plan aufzustellen, was man eigentlich erreichen möchte. Soll die Armee so schnell wie möglich spielbereit sein, damit man keine grauen Massen übers Feld führt? Dann sollte man einen weniger aufwändigen Malstil planen und sich auf besondere Modelle innerhalb der Armee konzentrieren. Geht es stattdessen um Diorama-Modelle, die man sich nur ins Regal stellen will, kann mehr Zeit dafür aufgewendet werden, schließlich warten nicht noch 80 weitere Goblins auf die Bemalung.

Darüber hinaus kann es spannend sein, bei jedem neuen Projekt eine neue Technik zu testen. So stellen sich, egal auf welchem Niveau, schnell Aha-Effekte und Zufriedenheit über den eigenen Fortschritt ein.

Daher Pinsel gegriffen und mutig ans Werk, denn auch viele Farbkleckse machen eine schöne Miniatur.

Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat: Simon Burandt
Fotografien: Markus Kastell

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