Die Welt hat nie genug Monster. Nicht einmal, wenn das Setting der Zweite Weltkrieg ist, denn wer wirft nicht gerne ein paar Nazis ein paar Tentakelmonstern zum Fraß vor? Zum Glück bietet Horrors of the Secret War Spielenden einige Möglichkeiten, genau dies zu tun.

Der Zweite Weltkrieg hatte in der realen Welt wahrlich genug Schrecken zu bieten. Das jedoch hat kreative Geister seither selten aufgehalten, dieses historische Setting mit allerlei seltsamen, fantastischen und außerweltlichen Kreaturen zu füllen und damit das menschliche Grauen für das Publikum etwas zu entschärfen. So auch die Autor*innen von Achtung! Cthulhu bei Modiphius. Bereits in den letzten Jahren hat das Team mit den regelmäßig wiederkehrenden, kostenlosen Halloween Horrors die Reihen der möglichen Widersacher*innen der Spielendencharaktere um einige ungewöhnliche Entitäten erweitert. Mit Horrors of the Secret War erscheint am 9. Oktober ein Quellenbuch, das diese Ideensammlung noch um Einiges ergänzt.
Krieg, Nazis, Monster, Body Horror, Spinnen, Schlangen Tentakel, Kulte
Inhalt
Ein gutes Horrorsystem braucht gute Monster. Und „gut“ bedeutet in diesem Falle auch immer neu, unberechenbar und unerwartet entsetzlich. Daher ist es als Spielleitung hilfreich, ein großes Arsenal zu haben. Die Charaktere in Achtung! Cthulhu sind schließlich keine gewöhnlichen Soldat*innen, sondern Spezialkräfte und Agent*innen, die bisweilen hinter feindlichen Linien oder fernab der Front operieren. Und in einem cthuloiden Rollenspielsetting kann das bedeuten, dass sie sich dabei an Orte verlaufen, an denen ein potenziell wahnsinnserzeugender Schrecken lauert. Oder auch nur ein wildes Tier.
Horrors of the Secret War bietet Beschreibungen und Kampfwerte zu allen möglichen magischen oder mundanen Wesen, die im Grundregelwerk keinen Platz mehr gefunden haben: vom Esel bis zum Großen Alten. Dazwischen finden sich, neben Klassikern des Cthulhu-Mythos oder europäischer Folklore, auch ganz neue Kreaturen von jenseits des Begreiflichen.
Bestiarium: Von Eisbären und Wüstenschiffen

Bevor sich das Buch jedoch mit all den außerweltlichen, unnatürlichen und wahnsinnserzeugenden Kreaturen beschäftigt, die den Held*innen des Geheimen Krieges das Leben schwer machen können, widmet es sich der natürlichen Fauna. Das erste Kapitel ist daher eher ein Bestiarium, in dem vor allem allerlei gefährliche Tiere beschrieben werden, mit denen es die Charaktere zu tun bekommen können. Darunter sind ganz gewöhnliche wie etwa Eisbären, diverse Großkatzen, Gorillas oder Krokodile. Dazu kommen Bestien, die es nur in der von Magie und Mythos berührten Welt von Achtung! Cthulhu gibt. Tief im Dschungel etwa können die Agent*innen auch schon mal einer überdimensionalen Würgeschlange begegnen. Noch gruseliger, und gefährlicher, sind aber so genannte Koloniespinnen: hundegroße Spinnen, die wie Ameisen in Völkern leben und im Rudel jagen – ein Erzeugnis fehlgeschlagener magischer Experimente. Beim Hintergrund gerade dieser fiesen Biester bleibt der Text vage, was Spielleitenden die Möglichkeit eröffnet, sie in eigene Kampagnen einzubauen.

Natürlich sind nicht alle Tiere als Gegner vorgesehen – auch wenn für alle die Kampfwerte vorhanden sind. Auch domestizierte Spezies, die den Charakteren als Gefährten zur Seite stehen können, sind beschrieben, etwa Hauskatzen (die Werte für einen Hund stehen schon im Grundregelwerk). Wichtiger noch sind wohl die Nutztiere, die im Zweiten Weltkrieg sowohl von den Achsenmächten als auch den Alliierten verwendet wurden, also etwa Esel, Maultiere und Kamele. Kamele, auch „Wüstenschiffe“ genannt, wurden etwa mit Erfolg unter anderen vom deutschen Afrika-Korps eingesetzt. Auch in der britischen und später der amerikanischen Armee gab es Kamel-Kavallerie-Einheiten. Elefanten kamen ebenfalls zum Einsatz, sowohl im Kampf als auch als Reit- und Arbeitstiere. Die Autoren von Horrors of the Secret War sind sich dessen bewusst und haben dementsprechend auch einen Eintrag für die majestätischen Riesen geschrieben.
Die einführenden Beschreibungen enthalten alle Informationen, die voraussichtlich im Spiel wichtig werden, und ein bisschen Fluff, sind aber sonst eher knapp. Es wird davon ausgegangen, dass die Lesenden schon selbst wissen, was eine Katze ist und wo man einen Eisbären antreffen könnte. Generell ist das breite Spektrum an möglichen Settings in Achtung! Cthulhu mit der Auswahl an Tierarten aus allen Klimazonen (es heißt nicht umsonst „Weltkrieg“) relativ gut abgedeckt.
Monsterhandbuch: Wer solche Freunde hat…
Es gibt Wissen, das nie für die Menschheit bestimmt war, und Wissenschaftler*innen, die es trotzdem nutzen – sei es zum Guten, zum Bösen oder zum Unaussprechlichen.

So besitzt das Monsterhandbuch auch ein Kapitel für die Erzeugnisse okkulter Praktiken und uralter Magie, die am Geheimen Krieg beteiligt sind. Darunter sind natürlich die mystisch aufgemotzten Einheiten der Nachtwölfe und die abscheulichen Kreaturen finsterer Hexerei, die für die Schwarze Sonne kämpfen, aber auch zutiefst merkwürdige Wesen, die teils aus geheimen Laboren von Majestic und Section M stammen oder von einer dieser Organisationen rekrutiert worden sind. Aus Überzeugung oder Mangel an anderen Optionen nehmen diese auf der Seite der Alliierten, mithin also der SC, am Krieg teil. Eine keltische Vampirin, ein Mann ohne Kopf und ein Gestaltwandler sind nicht einmal die Seltsamsten unter diesen unwahrscheinlichen Held*innen. Da wäre zum Beispiel der Agent „Pork Chop“, der seine Existenz zweifellos irgendwelchen Experimenten verdankt. Als NSC eignen diese Charaktere sich als mächtige Gefährt*innen – sofern die SC sich trauen, an ihrer Seite zu kämpfen. Und keine dummen Fragen stellen.
Im Kapitel „Horrors and Monstrosities“ wird das Arsenal an Monstern, die auf der einen oder anderen Seite entscheidend in einen Kampf eingreifen können, um einige schaurige und tödliche magische Biester erweitert, die teilweise außerirdischer Herkunft sind und alle am Rande des Unbegreiflichen hausen. Manche davon leben sogar in den Traumlanden, einer alternativen Welt aus Lovecrafts Cthulhu-Mythos, die in der Regel nur im Traum zu erreichen ist – darunter die Spinnen von Leng und Dholes, riesenhafte Würmer, die alles und jeden in ihrer Nähe fressen, sollten sie in die reale Welt gerufen werden. Das Kapitel enthält noch eine Menge weiterer klassischer Mythos-Kreaturen: etwa die alptraumhaften Ghasts, Verwandte der Ghule, Jagende Schrecken, schlangenhafte Diener des Nyarlathotep, und viele mehr. Dazu kommen Wesen aus den verschiedenen Mythologien der Welt wie etwa Dryaden, weibliche Naturgeister, die in Bäumen leben, Ifrite, gefährliche arabische Feuergeister, oder Golems, mächtige Wesen aus Lehm oder anderen unbelebten Materialien, die aus einer jüdischen Legende stammen. Und schließlich gibt es da auch noch ganz neue Kreationen der Autoren. Da sind zum Beispiel die Samen von Kol’Valassam, die die Essenz eines alten Gottes enthalten und sich parasitär in einem Menschen einnisten können, bis sie in einem schwarzen Feuerball explodieren, oder die Sternensporen, Sporen eines intelligenten, interstellaren Fungus, die ebenfalls Menschen infizieren können.
Die Monstersammlung ist besonders für Spielleitende klassischer Cthulhu-Rollenspiele ein großer Spaß, denn hier treffen diese viele alte Bekannte, die auf das 2W20-System von Modiphius angepasst wurden. Wo auch immer die Agent*innen sich herumtreiben, das Handbuch hat ein passendes Monster parat, damit es ihnen dort nicht langweilig wird. Besonders in Kombination mit den beiden letztes Jahr erschienenen Quellenbüchern zu verschiedenen Weltgegenden, in denen sich Agent*innen verlaufen könnten, Unexplored und Unexplored: Swamp and Tundra, eröffnet dies Spielleitenden neue Möglichkeiten für eigene Kampagnen jenseits der vorgefertigten Abenteuer.
Götter und Kulte: Das unaussprechliche Böse

Es wäre kein cthuloides Rollenspielbuch, wenn es nicht von Großen Alten und anderen irdischen oder außerirdischen Gottheiten nur so wimmeln würde, und so enthält Horrors of the Secret War auch ein Kapitel für diese übermächtigen Wesenheiten. Neben klassischen Mythos-Gottheiten wie dem Großen Alten Gol-Goroth, dem Echsengott Bokrug und S’gnac, technisch gesehen eine Entität aus intelligentem Gas, sind das vor allem Gött*innen und mächtige Wesen aus der Mythologie. Die altägyptischen Gottheiten Bastet und Sobek haben immer noch Macht in der Welt von Achtung! Cthulhu, zumindest in der Umgebung von Ägypten. In Russland hingegen findet sich die Große Alte Baba Yaga, die berühmte böse Hexe aus den slawischen Märchen. Nicht alle dieser mächtigen Entitäten sind im eigentlichen Sinne böse, manche können unter Umständen hilfreich sein. Aber gefährlich sind sie alle. Dazu gibt es Beschwörungs- und Bannrituale, die Charaktere auf eigene Gefahr anwenden dürfen … wenn sie die Namen der Angerufenen denn aussprechen können.

Wo Gottheiten sind, da sind auch die, die sie anbeten. Und, obwohl es sich bei diesen meist um gewöhnliche Menschen handelt, können sie in Überzahl auch den Pulp-Held*innen von Achtung! Cthulhu durchaus gefährlich werden. Darüber hinaus wird in diesen Kulten oft rituelle Magie praktiziert. Das Buch enthält ein Kapitel, in dem allerlei Kulte in verschiedenen Teilen der Welt beschrieben werden, etwa das Gefolge des Krokodilgottes Sobek in Ägypten. Auch wenn alle Kontinente bis auf die Antarktis einen Kult bekommen, hat Europa mit acht davon doch die meisten. Zum Glück bietet das Buch die Möglichkeit, dies auszugleichen und eigene Kulte zu erschaffen. Es besitzt sogar einen praktischen Generator aus mehreren aufeinander aufbauenden W-20-Tabellen, um einen ganz zufälligen Kult zu erwürfeln. Wie gut sich der gewürfelte Kult in die laufende Kampagne einbauen lässt, muss jede Spielleitung selbst entscheiden. Die Tabelle macht aber schon beim Namensgenerator Spaß: Wer hätte etwa nicht Respekt vor den „Holy (2) Gurus (15) of the Cosmic Echo (13)“?
Erscheinungsbild
Das Quellenbuch ist im inzwischen bekannten Design von Achtung! Cthulhu gehalten, als vorwiegend für die Spielleitung gedachtes Buch in kühlem Blau. Die sporadischen Illustrationen von verschiedenen Künstler*innen unterstützen das Ambiente mit allerlei Tentakelmonstern und finsteren Kultritualen. Zu vielen der Wesen gibt es allerdings gar keine Illustration, was bei den sehr abstrakten Beschreibungen manchmal etwas schade ist. Auch wenn das Wesen, was den SC begegnet, jede Vorstellung sprengt und jeder Beschreibung spottet, ist es in der tatsächlichen Rollenspielsituation doch manchmal hilfreich, eine visuelle Referenz zu haben.
- Verlag: Modiphius
- Autor*in(nen): Bill Heron, John Houlihan
- Illustrator*in(nen): Paolo Puggioni, Victor Maristane, Lucas Gomez Silva, Mike Szabados
- Erscheinungsjahr: 2025
- Sprache: Englisch
- Format: Softcover/PDF
- Seitenanzahl: 98
- ISBN: 978-1-80281-376-0
- Preis: 35,41 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel (vorbestellbar)
Bonus/Downloadcontent
Wer das Buch vor Erscheinungstermin bei Modiphius vorbestellt, bekommt zu dem physischen Exemplar als Softcover auch die PDF-Version zum sofortigen Download.
Fazit
In einem Setting, in dem unverstehbare Mächte aus den Tiefen der Galaxie in einen weltweiten kriegerischen Konflikt eingreifen, ist es gut, zu wissen, was da so alles kreucht und fleucht. Zumindest als Spielleitung, die ihre Spielenden auf Trab halten möchte. Dafür eignet sich Horrors of the Secret War sehr gut. Es stellt einen bunten Strauß an vom Cthulhu-Mythos inspirierten Ungeheuern vor, die für allerlei schaurige Begegnungen im Geheimen Krieg sorgen dürften, und bietet außerdem Werte für Wild- und Nutztiere sowie ungewöhnliche Kampfgefährt*innen aus den Reihen von Majestic und Section M. Dazu kommt eine Reihe an altbekannten (teilweise gar antiken) aber auch ganz neuen Gottheiten samt ihrer dazugehörigen Beschwörungsrituale und ein Kapitel über Kulte aus aller Welt. Wem diese noch nicht genügen, der kann mit einem praktischen Kultgenerator in Tabellenform sogar einen eigenen unaussprechlichen Kult auswürfeln.
Das Monsterhandbuch überzeugt nicht nur, weil viele klassische Schrecken des Cthulhu-Mythos abgedeckt sind, die im Grundregelwerk noch nicht vorkommen. Auch die Einbeziehung realer Folklore und neuer kreativer Ideen verspricht Spielspaß. Einzig der Mangel an Illustrationen enttäuscht etwas. Die Bilder, die es gibt, sind dafür angemessen schauerlich. Horrors of the Secret War lohnt sich besonders für Spielrunden, die auch einmal von den Pfaden der vorgefertigten Abenteuer und Kampagnen abweichen und bietet Spielenden eine Fülle an Möglichkeiten, dabei in Gefahr zu geraten. Denkt immer daran: Ihr müsst nicht schneller sein als der Jagende Schrecken – nur schneller als die Nazis!

- Originelle Monster-Auswahl
- Ergänzt die Weltbeschreibung
- Bau-deinen-eigenen-Kult-Würfelgenerator
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Wenige Bilder
Artikelbilder: © Modiphius
Layout und Satz: Mika Eisenstern
Lektorat: Alexa Kasparek
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.



















