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Der Rollenspielabend ist zu Ende, das aktuelle Szenario auch. Aber eine Frage bleibt: Kann man es beim nächsten Mal noch besser machen? Feedback kann zu heiklen Situationen führen, wenn man einige Dinge nicht beachtet. Doch es kann auch zu einem wertvollen Teil des Spielabends werden, von dem alle profitieren.

Feedback und Rückmeldungen jeder Art sind ein wichtiger Bestandteil für unsere Entwicklung. Das gilt für alle Personen am Rollenspieltisch gleichermaßen Aber dennoch ist Feedback ein Thema, das vielen unangenehm ist und, wenn man es „falsch“ macht, zu Unmut führen kann. In diesem Artikel werden einige Regeln und Methoden vorgestellt, die ihr nutzen könnt, um in eurer Runde konstruktive Rückmeldungen zu geben und Konflikte zu vermeiden. Am meisten profitieren neue SpielerInnen und Spielleitungen von einem Feedback. In diesem Fall kann das Feedback beispielsweise einen Austausch über Tricks und Methoden beinhalten. Aber auch für erfahrene und eingespielte Gruppen ist es sinnvoll, sich über das Spiel auszutauschen. Dabei ist Feedback in keinem Fall als etwas ausschließlich Negatives und immer Kritisierendes zu verstehen. Auch Lob und Bestärkungen fallen darunter.

Ein Feedback kann jedem helfen, besser zu werden. © Depositphotos | AlexanderMas

Wie gestalte ich ein Feedback?

Beim Geben und Erhalten eines Feedbacks ist es wichtig, einige Dinge zu beachten. An oberster Stelle steht gegenseitiger Respekt und Wertschätzung. Persönliche Beleidigungen und verbale Angriffe tragen weder zum Frieden in der Gruppe bei, noch sind sie in irgendeiner Weise zielführend. Ebenso wichtig ist es, dass ein Feedback auf freiwilliger Basis aller durchgeführt wird. Denn die Freiwilligkeit ist die Grundlage dafür, dass ein Feedback auch angenommen werden kann.

Mit dieser Grundlage gilt es, auf einige Aspekte zu achten: Der oder die Feedbackgebende kann immer nur die eigene subjektive Wahrnehmung rückmelden. Deshalb sollte er oder sie nie für andere Gruppenmitglieder sprechen, sondern nur für sich selbst. Das Feedback sollte immer anhand eines konkreten Beispiels erfolgen („Als wir in die Stadt kamen, …“, „Als mein Charakter gestorben ist, …“). Verallgemeinerungen wie „immer“ sind zu vermeiden, da sie eine Allgemeingültigkeit schaffen, die nie der Realität entspricht. Ebenso sind schlichte Aussagen wie „Das war gut“ oder „Das war schlecht“ wenig aussagekräftig und kaum hilfreich.

Wie bei allen Themen am Spieltisch ist auch hier respektvolle Kommunikation wichtig.  © Depositphotos | bloomua

Nach der Schilderung der Situation sollte der oder die Feedbackgebende die eigenen Gefühle mitteilen beziehungsweise die Frage beantworten: „Was hat die Situation mit mir gemacht?“ Antworten auf diese Fragen können lauten: „Sie hat Langeweile hervorgerufen.“ oder „Sie hat mich zu Tränen gerührt.“ Die eigene Wahrnehmung und die eigenen Gefühle sind wahr, egal, ob sie vom Gegenüber beabsichtigt wurden oder nicht. Deshalb soll der oder die Feedbacknehmende sich auch nicht rechtfertigen. Allerdings können Nachfragen gestellt und Präzisierungen eingefordert werden. In gewissen Situationen kann man auch darlegen warum, auf eine bestimmte Weise gehandelt wurde: „Ich habe den Der Herr der Ringe-Soundtrack ausgewählt, weil ich ihn episch fand.“ Solange aus einer Erklärung oder Präzisierung keine Rechtfertigung wird, können beide Parteien sie dazu nutzen, die Situation besser zu verstehen.

Schließen sollte das Feedback mit einem Wunsch, nicht mit einer Forderung enden. Wichtig ist, dass die feedbacknehmende Person selbst entscheidet, welche Lehren sie aus dem gegebenen Feedback zieht. Wie auch immer diese Wahl ausfällt, sollte sie sich auf jeden Fall bei der anderen Person bedanken, denn sie hat sich ihr gegenüber geöffnet und viel von sich preisgegeben.

Diese Regeln werden in ihrer Gänze in der im Folgenden erläuterten Methode „Gespräch“ zum Tragen kommen. Bei allen anderen Methoden sollten sie aber ebenso bedacht werden – insbesondere der Aspekt des gegenseitigen Respekts und das Wissen, dass man nur seine eigene Wahrnehmung zurückmelden kann.

Verschiedene Methoden von Feedback

Ein Feedback kann auf vielfältige Weise stattfinden. Viele Arten des Feedbacks lassen sich sowohl in mündlicher als auch schriftlicher Form durchführen, wobei am Spieltisch vom Mündlichen als Standard ausgegangen wird. Bei dieser Art des Feedbacks hat die feedbacknehmende Person die Möglichkeit, Nachfragen zu stellen und eine Präzisierung einzufordern.

Beim schriftlichen Feedback hat man den Vorteil, dass das erhaltene Feedback zu jedem beliebigen Zeitpunkt abrufbar ist und man nicht nach einiger Zeit vergessen hat, über was geredet wurde. Des Weiteren können schriftliche Feedbacks jederzeit anonym erfolgen. Hier stellt sich zwar die Frage, ob dies bei einer Gruppe von beispielsweise sechs Personen sinnvoll ist, insbesondere wenn man sich gut kennt und dadurch ausmachen kann, wer welches Feedback geschrieben hat. Trotzdem kann bereits der Gedanke, ein Feedback anonym verfasst zu haben, SpielerInnen helfen, die sich unsicher fühlen.

Im Folgenden werden euch einige Möglichkeiten an die Hand gegeben, die ihr in euren eigenen Runden nutzen könnt, um Feedback zu geben oder zu erhalten.

Das Unstrukturierte

Am Spieltisch ist ein unstrukturiertes Feedback vermutlich die am Häufigsten verwendete Methode. Nachdem ein Szenario beendet wurde, fragt die Spielleitung, wie die SpielerInnen es fanden und wer möchte, gibt darauf eine Antwort. Die Spielleitung kann das Gespräch in bestimmte Richtungen lenken, indem sie beispielsweise danach fragt, was gut oder schlecht war oder was die SpielerInnen von einer bestimmten Vorgehensweise gehalten haben. Beide Seiten können spontanes Lob ausdrücken und es kann dazu führen, dass Bereiche aufgedeckt werden, über welche die Gruppe noch einmal ausführlicher reden sollte. Allerdings werden tiefgreifende Diskussionen nicht gefördert, da man diese Art des Feedbacks spontan gibt und sich nicht darauf vorbereitet. Zudem besteht die Gefahr, dass wenig aussagekräftige, mehr oder weniger höfliche Standardantworten gegeben werden.

Das Gespräch

Für ein tiefergreifendes Feedback sollte das Gespräch abseits des Spieltisches gesucht werden. Optimalerweise ist es ein Eins-zu-Eins-Gespräch, da man so besser in die Materie eintauchen kann und keine Partei sich durch zu viele Teilnehmer auf einer Seite erschlagen fühlt. Zu Beginn steht die Freiwilligkeit und der gegenseitige Respekt. Dann schildert die feedbackgebende Person relevante Situationen und wie sie sich in ihnen gefühlt hat. Die feedbacknehmende Person kann Nachfragen stellen, soll sich aber nicht rechtfertigen.

Ein Feedback sollte nicht dazu führen, dass sich eine einzelne Person schlecht fühlt. © Depositphotos | AndrewLozovyi

Danach formuliert die feedbackgebende Person einen Wunsch. Das hier gegebene Feedback muss nicht unbedingt negativ sein. Es kann auch Lob enthalten oder bestimmte schöne Momente hervorheben, bei denen der Wunsch sein kann, solches in dieser Form beizubehalten. Aber gerade, wenn mehrere Situationen angesprochen werden sollen, bietet sich das sogenannte Sandwichprinzip an: Man wechselt positives und negatives Feedback ab, damit die feedbacknehmende Person sich am Ende nicht zu schlecht fühlt und das Feedback besser annehmen kann. Weder freudige Höhenflüge angesichts überschwänglichen Lobs, noch ein Übermaß an Schuldgefühlen helfen dabei, ein Feedback wirklich anzunehmen und zu betrachten. Am Ende des Gespräches sollte der gegenseitige Dank stehen.

Da dies alles sehr theoretisch ist und unnatürlich wirken kann, hier ein kleines Beispiel:

Robin hat seine Spielleitung Alexandra um ein Gespräch gebeten und sie hat zugestimmt.

Robin: „Ich möchte dir etwas zur letzten Sitzung rückmelden.“

Alexandra: „Gerne.“

Robin: „Als wir in den Dungeon kamen und es einen Gang nach links und einen nach rechts gab, haben wir uns ja aufgeteilt. Ich bin mit Tobias in den linken gegangen und der Rest ist nach rechts. Du hast zuerst die anderen ihre Erkundung ausspielen lassen und danach uns die unsere. Da unser Gang nur zu einem einzigen Raum geführt hat, waren wir schnell fertig, die anderen hatten dagegen viel mehr Spielzeit. Bei mir ist zunächst etwas Langeweile aufgekommen und als sich unser Teil als kurz herausstellte, auch Frustration. Ich würde mir wünschen, dass du in nächster Zeit auf ausgeglichenere Spielzeit achtest.“

Alexandra: „Ah ja, das war mir in der Situation gar nicht so bewusst. Findest du, ich sollte in Zukunft darauf achten, dass ihr euch nicht aufteilt oder wäre das zu viel des Guten?“

Robin: „Ab und zu ist das schon in Ordnung. Nur ein wenig mehr Ausgleich wäre schön.“

Alexandra: „Okay, ich werde es beachten. Vielen Dank.“

Robin: „Ebenso danke. Ich freue mich schon drauf, dem Goblinkönig eins auf die Mütze zu geben.“

Die fünf Finger

Bei dieser Methode stehen die fünf Finger der Hand für einen bestimmten Teil des Feedbacks.

Beim Daumen wird beschrieben, was man gut fand. Mit dem Zeigefinger wird etwas erwähnt, auf das man noch hinweisen möchte. Beim Mittelfinger beschreibt man, was nicht so gut war und der Ringfinger steht für etwas, das man für sich selbst mitnimmt. Dieses Mitnehmen kann für eine spielende Person zum Beispiel bedeuten, dass sie etwas vom Spielstil der Spielleitung übernehmen möchte. Der kleine Finger ist schließlich für etwas Kleines zum Schluss da. Also irgendeine Anmerkung, die zu keiner der vier anderen Kategorien passt. Der Vorteil dieser Methode ist, dass sie recht schnell geht und auch mehrere Personen zu Wort kommen können. Sie strukturiert zum Beispiel die Frage „Wie fandet ihr das Abenteuer?“, ohne auszuufern. Sie kann sowohl in mündlicher als auch schriftlicher Form erfolgen.

Die Punktevergabe

Eine noch kürzere Methode ist die der Punktevergabe. Hierbei wird zum Beispiel das Abenteuer oder die Sitzung auf einer Skala bewertet: Eins bis Zehn, x von fünf Sternen, zwischen Pi und 42 und so weiter. Dies hat kaum wirklichen Inhalt, aber manchmal reicht diese Form der Rückmeldung schon aus. Gerade, wenn die Ergebnisse sich stark voneinander unterscheiden oder sich alle am unteren oder oberen Ende der Skala befinden, kann das Gespräch gesucht werden, sofern die entsprechenden Personen es wollen. Davon abgesehen sollte geklärt werden, ob man sich eine generelle Erklärung wünscht, wie oder warum die Wertungen zustande gekommen sind. Ist das der Fall, sollte die Methode der Punktevergabe als erster Überblick genutzt werden, bevor man mit einer anderen Methode eine tiefergehende Analyse vornimmt. Eine Rechtfertigung, warum man nicht die volle Punktzahl gegeben hat, sollte an dieser Stelle nicht erfolgen müssen.

Die Vorgehensweise der Punktevergabe eignet sich besonders, wenn man sich nach jeder Sitzung ein Feedback wünscht, aber nicht jedes Mal die längeren Methoden nutzen will.

Jede Methode hat ihre Vor- und Nachteile. © Depositphotos | sharpshutter

Schlusswort

Das Feedback kann ein wichtiger Bestandteil in einer Gruppe sein, bei dem man sich austauscht und so die Möglichkeit hat das eigene Rollenspiel zu verbessern. Welche Methode dabei verwendet wird, ist jeder Gruppe selbst überlassen und es können auch gerne verschiedene getestet werden. So kann jede Gruppe herausfinden, mit welcher Variante sie am Effektivsten arbeiten kann und sich am Wohlsten fühlt. Von größter Bedeutung sind hier stets der gegenseitige Respekt und die Tatsache, dass das Feedback auf freiwilliger Basis stattfindet. Auf diese Weise entwickelt man ein konstruktives Miteinander und steht nicht bei jedem Feedback kurz davor, das Pulverfass zu zünden.

Artikelbild: Depositphotos | sangoiri, jamesgroup, Bearbeitet von Verena Bach

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