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Kinderspiele gibt es viele. Ein paar Neuheiten von der SPIEL Essen 2024 haben wir euch vor Kurzem vorgestellt. Fluffy Valley ist schon letztes Jahr erschienen und hat es in diesem Jahr auf die Empfehlungsliste vom Kinderspiel des Jahres geschafft. Ist es wirklich so empfehlenswert? Wir haben es für euch getestet.

Der Herbst ist da und während wir Brettspieler*innen uns mit neuen Spielen eindecken, sammeln viele Tiere wertvolle Ressourcen, um die kälteste Jahreszeit zu überstehen. Bei Fluffy Valley sind es Präriehunde, die ihre Vorräte im Bau sammeln, um genug Beeren und Honig für alle Bäuche und Heu für ein gemütliches Bett im Winter zu haben. Beim kooperativen Präriehund-Einsatz-Spiel wollen wir gemeinsam unsere Erdhöhle so voll wie möglich befüllen.

Triggerwarnungen

keine typischen Trigger

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Spielablauf

Zu Beginn des Spiels schauen vier niedliche Präriehunde aus der Schachtel, die auch als Spielplan dient. Der Jahreszeiten-Spielplan verschafft daneben Übersicht über die neun Runden, in denen die Figuren nun bestmöglich eingesetzt werden, damit der unten ausliegende Erdbau am Ende ganz vollgefüllt ist. Je nach Schwierigkeitsgrad werden die Vorräte schon mit ein paar Token ausgestattet.

Guck mal, wie niedlich! Der Spielaufbau bei einer einfachen Partie

Jetzt können die Präriehunde nacheinander eingesetzt werden. Dafür muss eine Spielfigur mit ihren putzigen Augen aus dem Spielplan gucken. Sie wird dann kopfüber in ein freies Feld gesteckt, um eine Aktion auszuführen. Sind nur noch Präriehund-Popos zu sehen, endet eine Runde.

Die Aktionsmöglichkeiten

Insgesamt gibt es neun Löcher mit acht verschiedene Aktionsmöglichkeiten, denn ins Gebüsch können wir zweimal gehen. Hier kann entweder eine reife oder eine verdorbene Beere aus dem zugehörigen Beutel gezogen werden, die vorerst auf dem Sammeltisch in der Spielplanmitte gelagert wird.

Rechts vom Gebüsch ist der Tunnel, aus dessen Beutel ebenfalls ein Plättchen gezogen wird. Neben Vorrats-Plättchen befinden sich hier auch verschiedene Effekt-Token, die Vor- und Nachteile haben können.

Im Uhrzeigersinn geht es weiter mit dem Kornfeld-Loch, aus dem ein Präriehund einmal Heu sammelt und auf den Sammeltisch legt.

Direkt darunter ist der Erdbau-Eingang. Hier dürfen alle Token – allerdings nur je einer Art – vom Sammeltisch durch einen Schlitz auf die Reise in die sichere Erdhöhle gesteckt werden.

Um zwei Arten von Vorräten einlagern zu dürfen, braucht es die Hilfe vom Biber in Form einer bestimmten Verbesserungs-Karte und Glück beim Kartenziehen. Denn wird das Loch von Bob dem Biber genutzt, müssen wir ein schon gesammeltes Heu-Plättchen vom Sammeltisch an Bob abgeben und dürfen dafür eine aus acht verschiedenen Biber-Verbesserungs-Karten ziehen.

Links neben Bob hat Ignaz der Igel seinen Tisch aufgebaut. Dort können verdorbene Beeren gegen einen Token aus dem Vorrat von Ignaz getauscht werden.

Das Wiesel-Plättchen kann entfernt werden, weil Schorsch die Schlange zur Hilfe eilt

Ebenfalls hilfreich ist Schorsch die Schlange, mit deren Hilfe ein Wiesel vom Spielplan entfernt und dadurch ein versperrtes Loch wieder frei gemacht werden kann.

Als letzte Aktionsmöglichkeit gibt es den Fluss, bei dem eine bereits besetzte Aktion erneut ausgeführt werden kann.

Bei jeder der Aktionen ist Timing gefragt. Denn es will nicht nur gut überlegt sein, welche Aktion zu welchem Zeitpunkt ausgeführt wird, sondern auch, welcher Präriehund dafür welches Loch frei macht. Im einfachen Spielmodus haben die Spielkinder dabei zu Spielbeginn viele Vorräte und dadurch Zeit, um nicht jede Entscheidung genau abwägen zu müssen. Außerdem können das Token-Ziehen aus dem Beutel und die Karten von Bob dem Biber für überraschend vorteilhafte Glücksmomente sorgen.

Neue Runde vorbereiten

Wurden alle verfügbaren Präriehunde eingesetzt, beginnt eine neue Runde. Der Jahreszeiten-Spielplan führt dabei durch alle drei Schritte der Vorbereitung. Sollten sich darauf Präriehunde befinden, werden diese nun an die Spielkinder verteilt. Präriehunde im Spielplan werden in ihrem Loch umgedreht, sodass alle wieder mit dem Kopf nach oben stehen und bereit für die nächste Runde sind.

Der Präriehund wurde vom Adler auf den Heuhaufen verschleppt

Als nächstes wird eine Gefahrenkarte gezogen, die immer für einen Nachteil sorgt. Dieser spannende Moment kann zum Beispiel auslösen, dass ein Adler einen Präriehund auf den Heuhaufen verschleppt, wodurch in der nächsten Runde nur noch mit drei Präriehunden Aktionen ausgeführt werden können. Oder der Fuchs kommt und klaut alle mühselig gesammelten Vorräte vom Sammeltisch. Mit strategischer Weitsicht sollten diese also bestenfalls schon im Vorfeld in die Erdhöhle gelagert worden sein.

Als drittes wird der Zeiger auf der Jahreszeiten-Uhr ein Feld weitergedreht. Die letzte Runde wird eingeläutet, wenn sich der Zeiger auf der roten Markierung befindet.

Wurde bis zum Spielende nicht die maximale Anzahl an Vorräten gesammelt, werden alle Token gezählt und der dazu passende Auswertungs-Text in der Anleitung vorgelesen. Dabei ist jeder der Texte liebevoll positiv formuliert, egal wie voll die Erdhöhle ist. Der Wiederspielreiz ist aber nicht nur dann geweckt, wenn die Höhle nicht ganz voll geworden ist. Auch bei bestem Ergebnis mögen Spielkinder immer wieder gern als Präriehunde Vorräte sammeln. Vielleicht auch mal auf einem höheren Schwierigkeitsgrad.

In der Erdhöhle ist es immer schön

Kinderspiel im gehobenen Bereich

Die ansteigende Lernkurve bei Fluffy Valley ist schon im leichtem Schwierigkeitsgrad gut sichtbar. Im normalen oder schwierigen Spielmodus wird es dann zunehmend wichtiger, sich gut miteinander abzusprechen und keine Entscheidungen im Alleingang zu treffen. Um dominante Alpha-Player*innen zu zügeln braucht es im Zweifel eine gute Spielleitung, die auch bei voller Besetzung mit ungeduldigen Spielkindern hilfreich sein kann. Auch bei den Regeln kann in den ersten Runden Unterstützung nötig sein, bis sich die verschiedenen Aktionsmöglichkeiten eingeprägt haben. Die Anleitung ist dabei eine Stütze mit guter Bebilderung, die zum schnellen Überblick beiträgt. Allerdings ist es ratsam, die Regeln vor der Erstpartie in Ruhe durchzulesen. Fluffy Valley ist kein Kinderspiel, das sich wie andere Kinderspiele leicht nebenbei spielerisch erlernen lässt, dafür belohnt es mit Spieltiefe und Varianz, die auch Erwachsenen Spaß bringen kann. Man könnte es als Kinderspiel im gehobenen Bereich bezeichnen.

Ausstattung

Schon beim Kauf der Schachtel verschafft das Herzstück – ein Worker –  oben links in der Ecke Vorfreude auf das Präriehund-Einsatz-Spiel. Die vier niedlichen Spielfiguren sehen nicht nur toll aus, sondern liegen auch gut in der Hand und sind stabil für viele Partien gebaut. Die liebevolle Gestaltung zieht sich durch das gesamte Material, so sind zum Beispiel alle Seitenwände der Schachtel mit kleinen Details in der Erdhöhle illustriert.

Durch den Schachtel-Schlitz kommen die Vorräte direkt in den Erdbau

In der Spielschachtel ist das Inlay gut genutzt für die Vielzahl an verschiedenen Token. Deren Leerfläche wird in Verbindung mit dem Spielplan sinnvoll zu Aktionsfeldern umfunktioniert. Ganz besonders viel Spaß macht der kleine Schlitz in der Schachtel, durch den die Vorräte in den Erdbau befördert werden.

Spielfeld, Erdbau und Jahreszeiten-Plan sind genau wie die Token aus dicker Pappe, die einige Partien aushalten sollten. Die zwei Beutel, in denen die Token Platz finden, sind genau richtig für Kinder- und etwas zu klein für Erwachsenen-Hände, für die Fluffy Valley ja auch nicht die Zielgruppe ist.

Die Anleitung ist in mehreren Sprachen verfasst und auch dank vieler unterstützender Bilder, die bei Regelfragen zu schnellen Antworten führen, gut verständlich. Eine Seite dient dabei als übersichtliche Erklärung der Tunnelplättchen und Bob’s hilfreichen Verbesserungskarten. Nicht lesende Spielkinder brauchen hier auf jeden Fall Unterstützung, bis sie sich mit den Bedeutungen aller Karten und Token vertraut gemacht haben.

© LOKI

Die harten Fakten:

  • Verlag: LOKI
  • Autor*in(nen): Maxime Rambourg, Théo Rivière
  • Illustrator*in(nen): Marko Renko
  • Erscheinungsjahr: 2023
  • Sprache: deutsch
  • Spieldauer: 25 Minuten
  • Spieler*innen-Anzahl: 1 2 3 4
  • Alter: ab 6 Jahren
  • Preis: 35 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, idealo

 

Bonus/Downloadcontent

Die Regeln gibt es beim Vertriebspartner Hutter Trade GmBH + Co KG.

Fazit

Fluffy Valley ist das richtige Spiel für alle, die Kindern das Prinzip von Worker Placement nahebringen wollen und dabei selbst gern über den Standard eines Kinderspiels hinaus spielen möchten. Für erfahrene Spielkinder ist das Spielprinzip schnell erlernt, aber auch ohne viel Erfahrung bleibt dank skalierbarem Schwierigkeitsgrad, stetiger Lernkurve und unterstützenden Spiel-Elementen der Spielspaß nicht aus.

Dazu trägt natürlich auch das schöne Material bei, denn alle wollen gern die putzigen Präriehunde in den Händen halten oder die Winter-Vorräte durch den spaßigen Schlitz in den Erdbau stecken. Nebenbei die liebevollen Details der Illustrationen zu entdecken, macht außerdem auch viel Spaß.

Je nach Spielgruppe kann eine gute Spielleitung nötig sein, insbesondere wenn es Alpha-Player*innen in der Runde gibt. Nicht lesende Spielkinder brauchen ebenfalls Unterstützung, um die Bedeutung von allen Token und Karten zu verstehen.

Fluffy Valley könnte als komplexes Kinderspiel bezeichnet werden, da es nicht mal schnell nebenbei beim Aufbau studiert werden kann. Als Vielspieler*innen hat es uns voll und ganz überzeugt und deswegen wandern bei uns fünf von fünf gemütlichen Heuballen in den winterlichen Erdbau. 

 

  • Anspruchsvolles Kinderspiel
  • Varianz durch Karten und Schwierigkeitslevel
  • Niedliches und funktionales Material

 

  • Anfällig für Alpha-Player

 

 

Artikelbilder: © LOKI
Layout und Satz: Annika Lewin
Lektorat: Rick Davids
Fotografien: Nele Peetz

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