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Aladdin inspirierte schon immer zahlreiche Geschichten und erfuhr neue Interpretationen. Matt Busch wagt sich in seinem Opus Magnum nun an einer wirklich außergewöhnlichen Interpretation des Werks: Er versetzt die Abenteuer des charmanten Diebes Aladdin in eine Cyberpunk-Zukunft. Ob diese Idee aufgeht, lest ihr hier.

Tausend und eine Nacht und insbesondere die Geschichten um Aladdin gelten als zeitlose Klassiker. Wer nicht das Original, beziehungsweise die Übersetzung, gelesen hat, wird Aladdin sehr wahrscheinlich von Disney Zuletzt 2019 veröffentlichte der Unterhaltungsgigant eine neue Fassung mit Will Smith als Dschinni. Nun hat sich Matt Busch auf das Werk gestürzt, um es in einem Dreiteiler neu zu interpretieren. Busch war bisher vor allem Illustrator, unter anderem für das Star Wars-Rollenspiel aus den 1990ern, diverse Comics und Filmplakate. Bekannt wurde er vor allem durch seine YouTube-Tutorials von How to draw Star Wars. Erfahrung als Filmemacher sammelte er erstmals 2006 mit dem Indie-Horror-Film Conjure.

Buschs Affinität zu Märchen kombiniert mit Science-Fiction führte ihn zu einer naheliegenden Idee: Warum nicht die Geschichte von Aladdin in die Zukunft versetzen, genaugenommen ins Jahr 3477.

Triggerwarnungen

Gewalt

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Story

Die Grundgeschichte ist wohlbekannt. Der charmante Kleinganove Aladdin schlägt sich mehr schlecht als Recht durch das fiktive arabische Agrabah. Dort lernt er durch Zufall die Prinzessin des Reiches kennen und lieben. Durch die finsteren Machenschaften des Wesir Dschafar gelangt er in Besitz der sagenumwobenen Wunderlampe, samt des darin befindlichen Djins Dschinni. In einem wilden Abenteuer vereitelt er dabei nicht nur die Pläne des Wesirs, sondern gewinnt auch das Herz der Prinzessin.

Matt Busch versetzt diese Geschichte nicht nur in das Jahr 3477, sondern auch an ganze andere Orte. Aladdin selbst lebt und stiehlt in Hongkong, Prinzessin Yasmin ist Prinzessin Kamala von Indien und residiert mit ihrem Vater in einem fliegenden Taj Mahal und die legendäre Höhle mit der Lampe ist eigentlich ein Versteck mit Bunkertür und Gasfallen in Kambodscha. Prinzessin Kamala ist zur Wellness in Hongkong und wird dort von Aladdin heimlich beobachtet, der selbst davon träumt sozial aufzusteigen. Während er die Prinzessin beim Baden beobachtet, versucht jedoch jemand Kamala zu entführen. Gemeinsam mit einer geheimnisvollen und stummen Kämpferin rettet Aladdin Kamala. So gerät er auch in den Fokus des Wesirs, der ihn beauftragt ein sagenumwobenes Artefakt aus einer gesicherten Höhle zu stehlen. Und so beginnt ein wildes Abenteuer und der erste Teil endet mit dem erfolgreichen Diebstahl der Lampe samt den Djins.

Darsteller*innen

Die Darstellenden sind allesamt noch recht unbekannt und haben wenige Veröffentlichungen vorzuweisen. Erik Steele gibt den Aladdin recht sympathisch und passend, dasselbe gilt für Christi Dumar als Prinzessin Kamala und Lin Zy als mysteriöse Oomi. Wirklich überzeugen kann jedoch nur Aaron Golematis als Djin der Weisheit. Hier hat man zum ersten Mal das Gefühl, dass jemand wirklich Mühe in den Charakter steckt. Die Dialoge, soweit verständlich, waren im Großen und Ganzen flach. Warum soweit verständlich? In der uns vorliegenden Presse-Preview war die Tonabmischung eine Zumutung. Der Trailer lässt zwar auf eine etwas bessere Abmischung schließen, jedoch immer noch verbesserungswürdig.

Inszenierung

Verbesserungswürdig ist auch die gesamte Inszenierung. Die Anfangssequenz in der Aladdin als Charakter eingeführt wird, zieht sich über quälende Minuten ohne jeden Fortschritt in der Geschichte. Dabei rennt er über 15 Minuten im selben überschaubaren Set im Kreis, verfolgt von Polizei und Kopfgeldjäger*innen. Unzählige Male läuft er dabei an derselben Kreuzung vorbei und es scheint, als wäre der große Basar von Agrabah, Verzeihung Hongkong, eher ein kleinstädtischer Wochenmarkt. Begleitet wird er dabei stets von seinem treuen Sidekick. 3477 ist das natürlich kein süßer, frecher Affe, sondern ein schwebender Roboter, der direkt aus Star Wars stammen könnte. So zieht es sich weiter: kleine Sets, die man professioneller auf manchen Live-Rollenspielen findet.

Spezialeffekte sind vor allem eins: speziell. Zum Beispiel klingen alle Waffen immer gleich, auch wenn sie offenkündig unterschiedlich sind. Zum anderen übertönen die Soundeffekte gerne mal die Dialoge, was es nicht einfacher macht, den schlecht abgemischten Gesprächen zu folgen. Kostüme und Props wirken wie ein wildes Sammelsurium aus AliExpress-Bestellungen und improvisierten Dingen aus dem Keller der Mitwirkenden. Zum Beispiel die EVA-Matte aus dem Cosplay, nur leider einfach unbearbeitet. Hier sieht man einmal mehr, das HD nicht immer Segen ist. In VHS-Qualität wäre Vieles erträglicher gewesen. Einzig die Rüstungen der Hongkong-Cyberpolizei sehen wirklich gut aus. Scheinbar ist der größte Teil des Kostümbudgets hier rein geflossen.

Erzählstil

Die Geschichte wird aus Sicht eines Beobachters erzählt, sonst käme man, trotz der bekannten Geschichte kaum mit. Die Dialoge sind so flach und schlecht zu verstehen, dass sich einem die Story ohne diese Beobachtersicht nicht erschließen würde. Dazu ist die ganze Erzählung unfassbar langatmig und die Actionsequenzen schaffen nicht zu begeistern. Grade die Kampfsequenzen wirken eher wie aus einem Beginner-Workshop für angehenden Schauspieler*innen.

Die harten Fakten:

  • Regie: Matt Busch
  • Darsteller*in(nen): Erik Steele, Lin Zy, Christie Dumar, Aaron Golematis.
  • Erscheinungsjahr: 2025
  • Sprache: Englisch
  • Format: Direct to Stream
  • Preis: 4,99 EUR (Leihen)
  • Bezugsquelle: Amazon

 

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Weitere Informationen

Fazit

Aladdin 3477 gleicht eher einem Fiebertraum als einem Opus Magnum. Leider ist der Fibertraum nur wirr und nicht spannend. Grade bei Indie-Produktionen kann und sollte man viel verzeihen. Ein Kickstarter hat dem ersten Film grade mal 64.000 Dollar eingebracht. Doch dann sollte man selbst vielleicht nicht von einem Opus Magnum sprechen, sondern auch ein bisschen auf dem fliegenden Teppich bleiben.

Zudem entschuldigt fehlendes Budget weder schlechtes Storytelling noch den schlechten Ton, das bekommen viele Fanproduktionen um Längen besser hin, wie zum Beispiel das Raumschiff Highlander. Bei vielen Direct to Stream/Blue-Ray-Produktionen bedauert man, diese nicht auf der großen Leinwand gesehen zu haben. Bei Aladdin 3477 nicht. Man kann nur hoffen, dass Matt Busch uns weitere Teile erspart und seine Energie wieder in Projekte lenkt, die ihm liegen.

  • Schöne Idee der Neuinszenierung

 

  • Mieses Storytelling

  • Schlechtes Pacing

  • Schlechte Dialoge

 

 

Artikelbilder: © Kaleidoscope KOI, © Buffalo 8
Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat: Sabrina Plote
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