Die Ultimates werden weiterhin als Terroristen angesehen, während das Böse über die Welt herrscht. Kann das Team neue Verbündete für sich gewinnen oder sind die Fäden des Makers zu weitreichend? Die Welt wird auch im zweiten Teil der Neuinterpretation der Avengers komplett auf den Kopf gestellt.
Das klassische Marvel-Universum fühlt sich manchmal genauso tot erzählt an wie das MCU. Zwar ist alles verbunden, aber nichts scheint wirkliche Konsequenzen zu haben. Oder eine Geschichte wird zum wiederholten Male erzählt. Das neue ultimative Universum hat dagegen bisher komplett überzeugen können: Neue und alte Figuren kommen in komplett neue Situationen und die Welt schreckt auch nicht vor Konsequenzen zurück. Außerdem sind noch längst nicht alle Figuren bekannt. Immer wieder können bekannte Charaktere neu interpretiert werden und es ist spannend zu sehen, was dabei herausgeholt wird. Die Ultimates sind die Avengers dieses ultimativen Universums, doch sie werden weltweit als Terroristen angesehen und nicht als Helden. Im zweiten Band erfahren wir von Nick Fury und Luge Cage in dieser Welt und sehen eine ganz neue Interpretation der Guardians of the Galaxy, die Aspekte aus dem klassischen Team der 60er und dem modernen Team, das wir auch im MCU kennengelernt haben, vereint. In mehreren Episoden sehen wir, wie die Ultimates sich auf den Kampf gegen den Maker vorbereiten, der die Welt beherrscht.
Tod und Jenseits
Ultimates 2 – Wächter und Krieger
Der letzte Band endete mit einem katastrophalen Kampf gegen Hulk, bei dem das Team fast gestorben wäre: Iron Lad kam scheinbar leblos zurück. So ist das Team des Mannes beraubt, der sie alle zusammengebracht hat. Und auch wenn Tony nicht gestorben ist, müssen die Ultimates nun ohne ihn zurechtkommen. Der Band verfolgt dabei unter anderem Human Torch und Thor auf Missionen, um neue Verbündete zu finden. Und diese sind nicht immer so, wie man es erwarten würde. Gleichzeitig lernt man den Nick Fury dieser Welt kennen, sowie Luke Cage und eine Gruppe Guardians of the Galaxy aus der Zukunft.

Jede dieser Figuren wird glaubwürdig weitergesponnen. Dazu sind die Kapitel auch grundsätzlich aus der Perspektive einer der Figuren geschrieben, so dass man ein sehr gutes Bild von ihrem Seelenleben erhält. Das macht den Comic auch sehr abwechslungsreich. Die Geschichte um Luke Cage wird in einer Parallelmontage erzählt, bei der gleichzeitig seine Gegenwart und seine Vergangenheit erzählt wird, die sich nahezu vollständig in Gefängnissen abspielt. Das Kapitel, bei dem Thor und Sif durch den Weltenbaum in verschiedene Welten reisen, kommt fast ohne Dialoge aus und wird in einem Legendenstil beschrieben, der mehr an Prinz Eisenherz erinnert, sowie nur aus ganzseitigen Zeichnungen ohne Panels besteht.
Eine faszinierende Episodensammlung

Durch diese Struktur erscheint der Band sehr episodenhaft und erzeugt eine gewisse Ungeduld, da das Schicksal von Tony Stark, welches ja der Cliffhanger des ersten Comics war, erst ganz am Ende des Comics offenbart wird. Die Wartezeit wird aber durch einige wirklich gute Geschichten belohnt, welche die Welt immer weiter aufbauen. Die bereits erwähnten Luke Cage- und Thor-Kapitel stechen dabei sowohl optisch als auch erzählerisch besonders heraus, da sie das gewöhnliche Superheldenthema durchbrechen und damit auch viel frischer wirken. Leider stimmt beim Thor-Kapitel das Pacing nicht, die besonders eindrucksvollen Bilder machen das aber wieder wett.
Einzig das Kapitel, in dem die Guardians auf America Chavez, die jüngste im Team der Ultimates, treffen, fühlt sich unrund an. Das liegt vor allem daran, dass hier zwar mehr über America enthüllt wird, dies aber zunächst zu keiner Entwicklung des Charakters führt. Die Guardians reisen zurück in die Zukunft und America bleibt in der Gegenwart. Sie erfährt, dass der Maker in ihrer Zeitlinie gewinnen wird, behält aber die Hoffnung, etwas ändern zu können. Das Kapitel wirkt dadurch eher wie eine düstere Prophezeiung, die aber wenig Konsequenzen hat, da sie nicht Essenzielles hinzufügt. Schon vorher war klar, dass Maker aus einer privilegierten Position agiert, und die Zukunftserzählung schafft es nicht, Spannung aufzubauen.
Die harten Fakten:
- Verlag: Panini Comics
- Autor*in: Deniz Camp
- Zeichner*innen: Jonas Scharf, Juan Frigeri
- Erscheinungsjahr: 2024
- Sprache: Deutsch
- Format: Softcover
- Seitenanzahl: 176
- Preis: 24 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, Panini
Fazit
Der Comic schafft es weiterhin, das neue ultimative Universum auszubauen und bekannte Figuren neu zu interpretieren. Dabei ist er mit wundervollen Bildern von Jonas Scharf und Juan Frigeri gespickt, und Deniz Camp experimentiert mit den Erzähltechniken. Das Ganze wirkt dadurch wirklich frisch und man weiß nie, was als Nächstes passieren wird. Die Episoden wirken sich leider etwas negativ auf das Pacing aus und nicht jedes Experiment wird jedem zusagen.
Im Großen und Ganzen macht auch dieser Comic aber wieder so viel richtig, dass ich gespannt bin, was weiter passieren wird. Es wäre schön gewesen, wenn die erzählerischen Experimente mit einem stärkeren roten Faden verbunden wären und so der episodenhafte Charakter verschwinden würde. Ich gebe aber dennoch die volle Punktzahl, da ich trotz kleinerer Mängel so groß unterhalten werde wie schon lange in keinem Marvel-Comic mehr.

- Wunderschönes Artwork
- Neuinterpretationen bekannter Charaktere
- Neue Geschichten ohne Ballast
- Episodenhafte Struktur
- Einzelne Kapitel mit schlechtem Pacing
Artikelbilder: © Panini Comics
Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat: Alexa Kasparek
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