Bei Begriffen wie „Get over here“, „Flawless Victory“ oder auch dem ikonischen „Finish Him“ wird Fans nun seit mehr als 30 Jahren ein Grinsen ins Gesicht gezaubert. Brutale Prügel-Action, die gar nicht erst versucht, jugendfreundlich zu sein. Und das Beste ist: Mortal Kombat 2 ist gut, richtig gut sogar.
Inzwischen reden wir über die vierte Filmadaption des aus den Neunzigern stammenden Beat’em ups. Wieder einmal steht das Earthrealm vor dem Ende, und nur eine Handvoll Champions kann das Blatt im Mortal Kombat noch wenden. Der Erstling legte mit den Vorbereitungen zum Turnier den Grundstein, und Teil Zwei führt nun die Geschichte konsequent weiter. Diesmal mit den Origin-Charakteren Johnny Cage und Prinzessin Kitana im Vordergrund.
Gewalt, Blut, Verstümmelung
Was gab es denn alles schon?
Da kann es einem schon ein wenig nostalgisch zumute werden, wenn man an seine ersten Erfahrungen mit dem 1992 erschienenen Mortal Kombat zurückdenkt. Gerüchte über ein sehr brutales Kampfspiel machten die Runde auf dem Schulhof. Sätze wie: Da kannst du am Ende „Fatalities“ auslösen oder „Das ist in Deutschland verboten“, weckten natürlich die Neugier und im Nachgang dann auch die Begeisterung.

Diese Begeisterung für übertriebene Gewalt hat sich bis heute nicht gelegt. Mortal Kombat hatte sich damals schon nicht ernst genommen und tut es heute nach wie vor nicht. Deswegen funktioniert die gezeigte Gewalt auch so gut: maßlos übertrieben und immer mit einem Augenzwinkern präsentiert. Im Jahre 1995 wurde dann die erste Verfilmung des Beat-‚em-Ups vorgestellt und erschien Anfang 1996 in den deutschen Kinos. Der Film von Paul W.S. Anderson wurde bei seinem Erscheinen eher gemischt aufgenommen, entwickelte sich aber im Laufe der Jahre zu einem Kultfilm und zählt somit zu einer der besseren Videospielverfilmungen seiner Zeit. Kurz darauf, im Jahr 1997, folgte dann Teil 2 mit dem Beinamen Annihilation. Furchtbares CGI, schlechte darstellerische Leistungen und eine hanebüchene Story sorgten dafür, dass dieser Teil bis heute als Beispiel schlechter Videospielverfilmungen herhalten muss.
Es folgten mit Mortal Kombat Conquest, Defenders of the Realm und Legacy drei Serien (realverfilmt und animiert), die hier aber nur der Vollständigkeit halber erwähnt werden. Wir wollen uns hier auf die Filme konzentrieren. Als dann im April 2021 das Reboot von Mortal Kombat in die Kinos kam, war die Freude erst einmal groß. Es stellte sich schnell heraus, dass das titelgebende Turnier überhaupt keine Rolle spielte und sich die Story stattdessen um einen neuen Charakter drehte. Diese Entscheidung stieß bei Fans auf wenig Gegenliebe. Gelobt wurde jedoch der Fan-Service, der großen Wert auf die kultigen Sprüche der Charaktere sowie die gut in Szene gesetzten Fatalities gelegt wurde.
Worum geht es im zweiten Teil?

Nachdem sich der erste Teil mit dem Versuch, die Champions der Erde vorzeitig aus dem Spiel zu nehmen, befasste, müssen sich die Kämpfer*innen aus Outworld, zu denen sich Shao Khan höchstpersönlich gesellt, letztlich doch dem Earthrealm im offiziellen Mortal Kombat stellen. Um das Erden-Team aufzufüllen, rekrutiert der Donnergott Raiden den abgehalfterten Martial-Arts-Schauspieler Johnny Cage.
Da dieser sichtlich deprimiert über seinen verblassten Ruhm ist, stimmt er widerwillig zu, und so beginnt das Turnier. Dazu kommt noch ein geheimnisvolles Artefakt, das in den falschen Händen den Ausgang des Turniers bestimmen könnte. Verborgene Kräfte müssen entdeckt und Freundschaften neu überdacht werden. Das war es im Großen und Ganzen auch schon. Die Story passt auf einen Bierdeckel, aber seien wir doch mal ehrlich: Wer erwartet denn von einem Mortal Kombat-Film eine tiefgründige Story mit oskarverdächtigem Schauspiel? Sie ist spaßig und weiß kurzweilig zu unterhalten, ohne sich dabei zu ernst zu nehmen.
Inszenierung
Generell machen die Schauspieler*innen rund um Karl Urban ihre Sache gut. Doch wie schon beim Erstling, gibt das Drehbuch den Darsteller*innen nicht die Möglichkeit, den Figuren Leben einzuhauchen. Das erwartet man auch nicht zwingend, doch bleiben die Charaktere dadurch recht blass. Hervorzuheben ist hier jedoch Josh Lawson, der in der Rolle des Söldners Kano mit seiner flapsigen und ironischen Art ein Highlight des Films darstellt. Sein Erscheinen sorgt immer für ein Grinsen. Das größte Problem ist tatsächlich die Figur des Johnny Cage, gespielt von Karl Urban.

Von der Depression zum Helden des Earthrealm legte der arrogante und selbstverliebte Darsteller einen Sprint hin. Zu schnell geschieht hier die Charakterentwicklung, was die Geschichte von Verbitterung und längst vergangenen Glanz und Gloria-Zeiten doch ein wenig obsolet wirken lässt. Ein paar blöde Sprüche, die zugegebenermaßen nicht immer zündeten, und einmal zu viel mit dem Gesicht im Dreck gelegen, entdeckt er seine wahre Stärke, und dann ist der Film auch schon vorbei. Der Figur wird noch weniger Zeit zur Entwicklung gegeben als zum Beispiel Cole Young aus dem ersten Teil, obwohl es sich um einen der beliebtesten Charaktere des Franchise handelt. Urbans Darstellung des Johnny Cage überzeugte mit Witz und gut gespielter Arroganz, erinnerte aber stellenweise an die Rolle des Billy Butcher aus The Boys.
Abseits der Story sind es die Kämpfe, die dieses Franchise auszeichnen, und genau da sehe ich die größten Stärken des Films. Die Kampfchoreografien sind gut durchdacht, und die Darsteller*innen machen über die meiste Zeit auch einen guten Job, sie glaubwürdig darzustellen. Leider ist genau hier wieder Karl Urban, dem man seine fehlende Martial-Arts-Erfahrung ansieht. Zu langsam und gewollt wirken seine Bewegungen. Das passt dann auch nicht mit den Saltos und Backflips zusammen, die man im Kampf gegen Baraka sehen kann. Hier hätte man vielleicht komplett auf ein Stuntdouble setzen sollen, um die visuelle Einheitlichkeit zu gewährleisten. Das bekommt der restliche Cast besser hin.
Hervorzuheben sind hier Max Huang (Kung Lao), der als Mitglied des Jackie-Chan-Stunt-Teams enorme Erfahrung im Martial Arts mitbringt. Neben ihm sind da noch Joe Taslim, der ehemaliger Judo-Meister ist, und Lewis Tan, der schon als Kind von seinem Vater im Kickboxen und Muay Thai trainiert wurde. Zu guter Letzt muss man hier aber noch Hiroyuki Sanada erwähnen, der die Rolle des Hanzo Hasashi aka Scorpion schon im ersten Teil verkörperte und für den zweiten Teil erneut vor die Kamera trat. Der Kampf zwischen Scorpion und Bi-Han stellt das Highlight des Films dar.

Ein wahnsinnig gut choreografierter Kampf, bei dem die Kamera im Vergleich zu den anderen Kämpfen auch öfters in die Totale geht. Hier musste man die Szenen nicht zerschneiden, um mangelnde Martial-Arts-Fähigkeiten zu kaschieren. Sanada und Taslim sind zwei Meister ihres Fachs und es war eine Freude sie bei ihrem Tanz zu beobachten.
Technik und Fan-Service
Generell ist die Qualität der Kostüme, der Sets und des CGIs lobenswert. Die Kameraarbeit ist solide, und bei den Sets hat man ein großes Augenmerk auf die Verbindung zu den Spielen gelegt. Die Giftgrube oder die Arena mit dem riesigen Dimensions-Mahlstrom im Hintergrund lassen jedes Fan-Herz höherschlagen.

An den Kostümen gibt es nichts auszusetzen. Sie sind handwerklich gut gemacht und ähneln ihren Pendants aus dem digitalen Bereich sehr stark. Hier hat man die Qualität des Erstlings beibehalten. Sowieso hat man sich in puncto Fan-Service, den Elder Gods sei Dank, eng an die Spiele gehalten. Hier dürfen die Figuren ihre ikonischen Fatalities und One-Liner aus den Spielen zum Besten geben. Ein „Get over here“, „It’s Showtime“ oder „Finish Him“ gehören einfach zu Mortal Kombat wie die Faust ins Gesicht.
Das ist Fan-Service par excellence.
Die harten Fakten:
- Regie: Simon McQuoid
- Darsteller*in(nen): Karl Urban, Adeline Rudolph, Jessica McNamee, Martyn Ford, Lewis Tan, Hiroyuki Sanada, Tati Gabrielle, Joe Taslim, Ludi Lin, Ana Thu Nguyen, Josh Lawson, Mehcad Brooks, CJ Bloomfield, Chin Han, Max Huang, Damon Herriman, Joel McHale, Tadanobu Asano
- Erscheinungsjahr: 2026
- Sprache: Deutsch/Englisch
Fazit
Ganz nachvollziehen kann ich die schlechten Kritiken der großen deutschen Filmkritiker*innen nicht. Wie so häufig ist eine Kritik nie wirklich objektiv. Die eigene Meinung schleicht sich immer wieder mit ein, aber genau das macht unseres Erachtens eine gute Kritik aus. Schließlich spielt neben Fakten tatsächlich auch der ehrlichen Eindruck des Rezensierenden eine Rolle. Die Erwartungshaltung spielt dabei eine große, wenn nicht sogar die größte Rolle. Was erwartet der*die Zuschauende von dem Film? Im Falle von Mortal Kombat 2: gut choreografierte Kämpfe, toughe Charaktere, gut in Szene gesetzte Fatalities und literweise Kunstblut, das vergossen wird. Genau das wurde auch geliefert. Handwerklich sauber und mit viel Liebe zum Fan-Service wurde uns ein Film präsentiert, der zwar auch seine Schwächen hat, doch alles in allem einen kurzweiligen Spaß bietet und somit definitiv zu den besseren Videospielfilmen der vergangenen Jahre zählt.

- Tolle Kampfchoreografien
- Fan-Service
- Gutes CGI und tolle Sets
- Story schwach
- Charakterentwicklung kaum vorhanden
Artikelbilder: © Warner Bros. Entertainment Inc.
Layout und Satz: Dominic Niederhoff
Lektorat: Lidia Strauch
Über den Autoren
Robert Wörmann hatte schon in jungen Jahren seine Griffel an Maus, Tastatur und Gamepad. Das hat sich bis heute nicht geändert. Zitat: Mich wird man mit einem Gamepad in der Hand beerdigen. Zockt er nicht gerade, frönt er seiner zweiten Leidenschaft: Filme und Serien. Langweilig wird´s da nämlich nie. Ist er mal nicht digital unterwegs, leitet er noch die ein oder andere Rollenspielgruppe, setzt sich aber auch gerne als Spieler an den Tisch.
Beruflich hat er sich nicht weit von seinem Hobby entfernt und arbeitet als Systemadministrator im schönen Alpenvorland.















